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Die Welt · 1906-11-23 · 47 (23.11.1906) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 47 DIE ELT 11 Wirkungen in der Judenheit der Diaspora zutage getreten sind als in Palästina. Wir können also eine Ausstellung des modernen Judentums bieten, in der unseren Palästina-Interessen ein großer Raum gegeben sein müßte. Dann wäre die Ausstellung auch der Ausdruck unserer Bestrebung, die Judenheit und Palästina in immer engere Beziehungen zu einander zu bringen. Ich will nun eine Skizze geben, wie ich mir die Ausstellungen hiernach vorstelle, und ich habe keinen Zweifel, daß, wenn die Landsmannschaften den Plan im allgemeinen aufgreifen, von allen Seiten wertvolle Anregungen beigesteuert werden, durch die der Plan immer schöner und dadurch auch immer aussichtsreicher würde. Es dürfte das Beste sein, wenn alle, die sich zu der Sache äußern wollen, dies in der „Welt" tun, die dazu wohl gern eine spezielle Rubrik hergeben würde. Zunächst einiges Organisatorische: Es sollte jede Landsmannschaft eine oder mehrere Hauptaus Stellungen veranstalten (je nach der Anzahl und Bedeutung ihrer jüdischen Zentren — z. B. in Deutschland etwa Berlin, Frankfurt a. M. und Breslau — in Österreich etwa Wien, Budapest und Prag) und eine oder mehrere Wanderausstellungen kleineren Umfanges für die kleineren Zentren und die kleineren Orte (in Deutschland z. B. Hamburg als ein Zentrum Nordwestdeutschlands, Man nheim für Süddeutschland und Schweiz, Königsberg oder Posen für den Osten — in Österreich etwa Brünn als ein Zentrum für Böhmen, Mähren, Schlesien — eventl. inkl. Preußisch Oberschlesien —, Lemberg oder Krakau für Qalizien etc. etc.). Wir werden später sehen, daß die meisten Ausstellungsobjekte gerade bei Organisation vieler gleichzeitiger Ausstellungen so billig und bequem zu beschaffen sind, daß die Kostenfrage fast verschwindet! Die Hauptausstellungen sollten meiner Ansicht nach umfassen: I. Abteilung: Palästina. a) Jüdisches: Produkte der jüdischen Kolonien in Palästina. Handwerks- und Industrie-Erzeugnisse der Juden Palästinas. Bilder vom Leben der Juden Palästinas. Sonstige Palästinabilder von speziell jüdischem Interesse. Darstellung der Tätigkeit der verschiedenen jüdischen Organisationen und Institutionen in Palästina und im Orient überhaupt. Graphische und bildliche Darstellungen des jüdischen Fortschritts in Palästina. Publikationen über jüdische Palästina-Angelegenheiten. b) Allgemeines : Landesprodukte Palästinas. Erzeugnisse der einheimischen Industrien und des Kunstgewerbes. Trachten, Waffen, Geräte, Typen, Lebensweise und Gebräuche der eingeborenen Bevölkerung (in Originalstücken, Abbildungen etc.). Sammlungen und Publikationen des Palestine Exploration Fund (London) und ähnlicher Institutionen. Bildliche Darstellungen und Sammlungen betreffs Fauna, Flora und Geologie des Landes. ' Vegetationsbilder. Archäologisches. Jüdische Münzen etc. Palästinakarten. II. Abteilung: Modernes Judentum, a) Literatur: Jüdisches Zeitungswesen (Exemplare aller jüdischen Zeitungen — natürlich nur „möglichst" alles — es gibt und gab ca. 1300! -— Vieles evtl. nur in Reproduktionen). Jüdisches Buchwesen. (Moderne Hebraica. — Jüdischer Verlag.) Spezial-Ausstellung der „Jewish Encyclopedia" (mit photographischen Vorlagen, Farbentafeln, Originalstücken etc.). Ausstellung von Jugendliteratur. Dokumente der jüdischen Bewegung. Kongreßmaterialien (Literaturbilder etc.). b) Kunst: Jüdische Kunstausstellung — Malerei und Plastik — (Originale und Reproduktion von Kunstwerken jüdischen Interesses). 1) Jüdische Sujets jüdischer Künstler. 2) Jüdische Sujets nichtjüdischer Künstler (z. B. Rembrandts Judenbilder!) 3) Nichtjüdisches von Juden. Jüdische Musikalien (ähnlich gegliedert wie „Kunst"). Jüdisches Kunstgewerbe. 1) Synagogale Kunst. 2) Buchkunst (Illustration, Schriftproben, Einbände etc. — z. B. Hojada von Serajewo und zahlreiches andere). 3) Jüdische Gold- und Silberschmiede-Arbeiten etc. etc.). c) Jüdische Wissenschaft: Statistik und Demographie (Literatur, Graphische Darstellungen, Typen und Bilder vom Leben der Juden aller Länder) etc. etc. d) Die jüdischen Organisationen, ihre Aufgaben und Leistungen. e) Die jüdische Emigration. f) Porträts moderner Juden. III. Abteilung: Anteil der Juden an der modernen Kulturentwickelung. a) Porträtgalerie von hervorragenden Gelehrten, Künstlern, Literaten, Handelsherren, Technikern, Politikern, Staatsmännern etc. jüdischen Stammes. b) Leistungen der Juden auf allen Gebieten, soweit darstellbar. c) Graphische Übersicht über Schul-und Universitätsbesuch der Juden in den verschiedenen Ländern etc. d) Der Einfluß der jüdischen Ideen und der jüdischen Tätigkeit auf das gesamte Menschheitsleben. Vieles dürfte noch fehlen. Vielleicht manches Wichtige. Aber dem Eindruck wird sich schon nach dieser Übersicht niemand entziehen können, daß wir Juden der Welt und „sogar" uns selbst etwas zu zeigen haben!--auch in einer Ausstellung. Bleiben noch Fragen des Arrangements? Auf die Notwendigkeit eines Ausstellungskomitees in Palästina ist bereits hingewiesen worden. Die neue palästinensische Kommission kann ein solches Komitee leicht zusammenstellen. Es ist aber auch in Europa eine gemeinsame Zentrale nötig und Unterzentralen in den einzelnen Ländern. Wenn die Sache sofort in die Hand genommen wird, so können wir vor Ende des Kalenderjahres schon wissen, woran wir sind. Die Ortsgruppen sollten ihre Gruppenverbände, diese wieder die Landsmannschaften von ihren Wünschen verständigen und die letzteren sollten sich mit dem zu bildenden europäischen Komitee ins Einvernehmen setzen. Der erste Schritt dürfte sein, daß jeder, den die Sache interessiert, versuchen muß, andere ebenfalls zu interessieren und einenGarantiefonds aufzubringen, der die finanzielle Unterlage dieser (wie so vieler anderer) Ausstellungen zu bilden hätte. Dann wäre den höheren Instanzen mitzuteilen, wieviel nach Abzug der lokalen Spesen (für Räumlichkeiten, Personal etc. — die Aufsicht würde wohl aus der Mitgliedschaft jeder Ortsgruppe gestellt werden) für die Veranstaltung verfügbar bleibt. Hiernach kann das Zentralkomitee seine Leistungen bemessen. Die Bildung des Garantiefonds wird wesentlich dadurch er-

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