Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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8 DIE ELT No. 41 und 1 Frau) und 1 Frau von den Konfessionslosen. Alle waren ledig, 3 im Alter von 20—30, 1 im Alter von 30—40 Jahren. Die sehr sorgfältig bearbeiteten Berichte des statistischen Amtes der Stadt Krakau bieten seit einer Reihe von Jahren über Konfessionsänderungen ausführliche und systematische Angaben, die einzig gleich den Wiener Daten über die ganze Taufbewegung ausgiebige ^Aufschlüsse erteilen. Aus Tabelle VIII ergibt sich, daß das Judentum in Krakau in 16 Jahren 444 Mitglieder durch Taufe verloren. Im Gegensatze zu Wien überwiegen hier ganz bedeutend unter den Getauften die Frauen (302 Frauen 68 "/o gegen 142 Männer). Ebenso sind weitaus die meisten ledig (412 92,8 °/o). Die übrigen Verhältnisse sollen nur noch kurz erwähnt werden. Dem Alter nach waren weniger als 20 Jahre 231 52,0 °o 20—30 „ 164 37,0 „ 30—50 „ 46 10,4 „ über50 „ 3 0,6 „ -Fast alle sind zur römisch-katholischen Kirche (die in Krakau""" beinahe ausschließlich vorherrscht) ausgetreten. In der ganzen Zeit., fanden nur 9 Übertritte zur evangelischen und 2 zur griechischkatholischen Kirche statt. Sehr interessant sind die Angaben über die Abstammung der Austretenden: aus Krakau selbst stammten nur 46 10,4 °/o „ d. übrigen Galizien „ dagegen 294 66,2 „ „ Russisch-Polen „ 80 18,0 „ „ andern Ländern „ 27 5,4 „ Daraus ergibt sich, daß Krakau einen Zentralpunkt bildet, sicherlich für ganz Westgalizien, wahrscheinlich auch für das übrige Galizien, für sehr viele aus dem Königreich Polen und sogar aus andern Ländern, die sich außerhalb ihres Heimatortes der Taufe unterziehen wollen. Die Krakauer Bevölkerung hat nur den zehnten Teil aller Getauften geliefert. Dem Berufe nach gehörten 142 32,0 °/o dem Handels- und Handwerkerstande an, 13,4 „ waren Studierende und Angehörige der liberalenBerufe, 13,3 „ „ Dienerinnen, 19 4,3 „ „ Diener, Militärangehörige und Tagelöhner, 164 37,0 „ „ noch ohne Beruf. Die meisten waren also noch ohne jeden Beruf. Tabelle VIII. scheint die Zahl der Taufen noch mehr zugenommen zu haben denn sie betrug im Jahre 60 59 Es traten in Krakau aus dem Judentum aus: im Jahre Männer Frauen Ledige Verheir. u. sonst. zus. 1887 12 16 24 4 28 1888 6 20 26 — 26 1889 5 18 20 3 23 1890 4 22 25 1 26 1891 10 .16 24 2 26 1892 9 21 30 — 30 1893 12 18 29 1 30 1894 5 15 19 1 20 1895 6 13 18 1 19 1896 8 17 23 2 25 1897 9 29 34 4 38 1898 11 19 28 2 30 1899 15 15 27 3 30 1900 8 20 27 1 28 1901 12 16 22 b 28 1902 10 27 36 1 37 Leider fehlen Angaben über die Austritte in Prag, das die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Österreich bildet. Für eine längere Reihe von Jahren läßt sich die Taufbewegung nur noch in Brünn verfolgen. Die Zahl der Übertritte und Austritte im Laufe von 27 Jahren ist in Tabelle IX angegeben. Auch hier tritt ebenso wie in Wien in den Jahren 1868/69 die ganz verblüffende Erscheinung auf, daß die Übertritte zum Judentum die Austritte aus demselben um das 3—5fache übertreffen. Auch in einzelnen spätem Jahren wiegen die Übertritte die Austritte auf. Eine regelmäßige Steigerung weisen die Austritte erst seit dem Jahre 1884 auf. Im allgemeinen haben das Judentum in diesen 27 Jahren 218 Mitglieder verlassen, während 58 Personen zu ihm übergetreten sind, so daß sich ein Verlust von 160 für das Judentum ergibt. In den letzten Jahren 1897 1898 1900 1901 1902 27 19 20 30 21 Zusammen also in 5 Jahren 117 (oder durchschnittlich 25 jähr lieh), denen nur 8 Eintritte ins Judentum gegenüberstehen. 71 vor den Austretenden waren männlichen Geschlechtes. Tabelle IX, In Brünn In Brünn sind sind vom zum vom 1 zum Judentum Judentum ausüberaus- 1 überim Jahre getreten getreten im Jahre getreten I getreten 1868 2 7 1882 8 2 1869 2 10 1883 6 — 1870 7 5 1884 11 1 1871 2 — 1885 20 1 1872 1 1 1886 14 — 1873 5 2 1887 13 3 1874 2 1 1888 15 1 1875 3 4 1889 15 — 1876 4 4 1890 19 — 1877 9 3 1891 13 2 1878 1 1 1892 10 2 1879 2 — 1893 8 3 1880 12 3 1894 15 1 1881 3 1 j Für andere österreichische Städte, in denen übrigens am Taufen nur vereinzelt auftreten, sollen noch einige Daten mitgete werden. So sind in einer anderen mährischen Stadt, Iglau, i Jahre 1897 1 Frau und 2 Männer vom Judentum ausgetreten, 1 Witw aber zum Judentum übergetreten. In der böhmischen Stadt Reichenberg hat es im Jahre 18 zwei Austritte, 1890 keinen, 1895 drei, 1896 zwei, 1897 einen Ai tritt, 1898 wieder einen Übertritt zum Judentum gegeben. In Karlsbad hat sich im Jahre 1890 eine 45jährige vv witwete Hausbesitzerin konfessionslos erklärt, 1 Theaterdirekto tochter von 24 Jahren, ledig, ist zum Katholizismus übergetret. dagegen ist eine Witwe vom Katholizismus zum Judentum überp gangen. Im Jahre 1892 hat es nur einen Austritt zu den Eva gelischen gegeben. In der schlesischen Stadt Troppau sind 1885 drei Jud- (1 Akademiker, 1 Soldat und 1 Frau) zur katholischen Kirche ai getreten, im Jahre 1895 haben sich vier Juden, 1896 sechs, lc)f drei getauft. In Innsbruck, der Hauptstadt von Tirol, haben im Jahre 1« zwei (1 Lehrer und 1 Kaufmann) das Judentum verlassen, 18 drei Juden (1 Militärangehöriger mit seiner Frau und 1 Kauf man i im Jahre 1887 zwei Familien mit neun Personen (unter zehn Ko fessionsänderungen überhaupt). In Czernowitz, der judenreichen Hauptstadt der Bukowin hat sich 1886 ein Jude konfessionslos erklärt und einer ist zu d; Evangelischen übergetreten; 1887 stand fünf Austritten ein Eint! ins Judentum gegenüber. Schließlich sei noch Tri est erwähnt. Es sind in Triest vom Judentum ausgetreten im Jahre Männer 1886 1899 1900 1901 1902 5 5 6 15 20 Frauen zusammen zumJudenüi übergetretei 7 14 13 17 25 Somit sind da in 5 Jahren 76 Austritte vorgekommen, dem 25 Übertritte zum Judentum gegenüberstehen, d. h. auf je dn Austritte entfällt ein Übertritt. In demselben Verhältnis stehen - einander die austretenden Männer und Frauen, es gab dreini::1 soviel Männer als Frauen unter den Getauften. In dieser Beziehini1 und auch in den anderen, wie Alter, Zivilstand und Wahl des Bekenntnisses scheinen hier die Taufen einen ähnlichen Charakn1