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Die Welt · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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und Vereinen zu überlassen, die Palästinakommission erwartet jedoch, daß das Inkasso der Palästinagelder spätestens innerhalb drei Monaten vom Datum der Veröffentlichung des heutigen Rundschreibens in der Welt erfolgen wird. Die Palästinakommission erinnert bei dieser Gelegenheit die verehrten Gesinnungsgenossen an den zweiten, die praktische Palästinaarbeit betreffenden Beschluß der Jahreskonferenz, wonach die Landesorganisationen spezielle Palästinakomitees schaffen sollen, die mit unserer Berliner Zentralkommission in Verbindung stehen und in den betreffenden Ländern für eine intensive praktische Palästinaarbeit wirken sollen. Ebenso gedenkt unsere Kommission zur Ausführung des dritten, Palästina betreffenden Beschlusses der Jahreskonferenz zu schreiten, der wie folgt lautet: „Die Palästinakommission möge in regelmäßigen Terminen den Landsmannschaften Berichte versenden, in denen Angaben über juristische, kulturelle und ökonomische Vorkommnisse in Palästina enthalten sind." Die Palästinakommission erachtet es aber dabei als ihre Pflicht, die Leiter der Federationen darauf aufmerksam zu machen, daß sie aus Mangel an materiellen Mitteln vorläufig nicht in der Lage ist, dem letztzitierten Beschlüsse zu entsprechen, weil bis jetzt das ganze Personal der Kommission aus einem Sekretär ohne irgendwelche Hilfskraft besteht und die Kommission deshalb selbst die allerwichtigsten und dringendsten Arbeiten zu erledigen nicht imstande ist. Selbstredend kann die Kommission bei ihrem gegenwärtigen pekuniären Stand an die Vornahme weiterer wirtschaftlich-wissenschaftlicher Forschungen vorläufig gleichfalls nicht denken. Es dürfte wohl nicht allen Federationen bekannt sein, daß die Palästinakommission, die schon das vierte Jahr besteht und im Sinne der Resolution des sechsten Kongresses jährlich eine Dotation von mindestens 12 000 Mk. erhalten sollte, bisher infolge der ungenügenden Schekeleingänge im ganzen für die vier Jahre nur 15 500 Mk., anstatt der bewilligten 48000 Mk. empfangen hat. Wenn die Kommission aber trotzdem noch existiert, so ist es lediglich einem ihr bisher gewährten Privatkredit zu verdanken; sollten jedoch bis zum nächsten Kongreß die Schulden der Kommission durch die freiwilligen Palästinabeiträge nicht gedeckt werden, wird sich die Existenz der Palästinakommission nicht weiter aufrecht erhalten lassen. Die Mitglieder der Kommission meinen, daß es Pflicht der Zionisten ist, Institutionen, die sie schaffen und deren Bestehen sie für wünschenswert und notwendig erachten, auch finanziell sicher zu stellen. Die Federationen dürfen ferner nicht außer Acht lassen, daß die Palästinakommission in letzter Zeit philanthropische und wirtschaftliche Gründungen ins Leben gerufen hat, die nur dann in unserem Sinne gedeihen können, sobald sie von der Kommission aus geleitet werden, die aber im Falle der Auflösung der Palästinakommission ihre Existenz entweder völlig einbüßen oder wenigstens der zionistischen Kontrolle entgleiten würden. Die Palästinakommissiori schließt ihr heutiges Rundschreiben in der Erwartung, daß die zionistischen Federationen die auf sie gesetzten Hoffnungen bald rechtfertigen werden. Mit ausgezeichneter Hochachtung! gez. Kommission zur Erforschung Palästinas. O. Warburg. P. S. Sämtliche Zahlungen für die Palästinakornmission sind an den Jewish Colonial Trust, Ltd., London E. C, Brook House, Walbrook, zu richten und werden wie bisher in der „Welt" ausgewiesen werden. Sämtliche Parteiblätter werden um Veröffentlichung dieses Rundschreibens gebeten. Empfangderzionist.Reisegesellschaft in Jerusalem Ein Telegramm aus Jerusalem meldet uns, daß der zionistischer Reisegesellschaft bei ihrem Eintreffen in Jerusalem ein überaus fest licher Willkomm von Seiten der jüdischen Einwohnerschaft zute> wurde und daß auch der österreichische Konsul beim Empfang an Bahnhofe zugegen war. Rußland Das zionistische Zentralbureau in Wilna teilt mit, daß nach Siedice weitere 1000 Rubel an die Hilfsbedürftigen überwieser wurden. Für die für die nächste Zeit geplante allgemein-russische zio nistische Konferenz (deren genaues Datum noch nicht feststeht, sin bereits die Referenten zu den (von uns bereits mitgeteilten) einzelne; Punkten der Tagesordnung bestimmt. Die Agitation für die Sch ekel tage wurde in umfassendste Weise eingeleitet. Deutschland Berlin. Auch die zweite jüdische Volksversammlung, die di Berliner Zionistische Vereinigung in diesem Winter einberufen ha war ein Erfolg der zionistischen Idee. 1200 Personen füllten de großen Saal und die Galerien der Sophiensäle. Dr. Sandle\ Breslau sprach über eine Stunde unter allgemeinem Beifall üb«. „Die Zukunft der Juden". Seine Ausführungen gipfelten in de; Nachweis, daß eine dauernde Hilfe gegen die judenfeindlichi; Tendenzen nur in der Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens; Palästina zu erblicken sei. In der Diskussion sprach Profess Otto War bürg über die Eignung Palästinas als Kolonisationsgeb!, Rabbiner Dr. Lev y schloß die Versammlung mit einer zündend Aufforderung zur Zahlung des Schekels. NOTIZEN Von den Schulen in Jaffa Der Hilfsverein der deutschen Juden hatte in seiner letzn Sitzung Mitte September die Errichtung eines zweiten Kindergart in Jaffa beschlossen, da der Kindergarten, den er bereits c ' unterhält, nicht mehr den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkern ' genügt, die sich durch den Zustrom russischer Flüchtlinge im La; i weniger Monate außerordentlich vermehrt hat. Das Schul- und Kindergartenkomitee des Hilfsvereins in Jr:; teilt nunmehr unter dem 2. November mit, daß alle nötigen Y; richtungen zur Errichtung des zweiten Kindergartens bereits; troffen sind. Ein Lokal ist in der jüdischen Vorstadt Newe Zeci gemietet, das nötige Mobilar angeschafft und eine Lehrerin engagKworden. Die Eröffnung erfolgt jetzt. Die Aufnahme der bedürftig russischen Kinder — die meist armen Familien angehören erfolgt unentgeltlich. Der Zudrang russischer Kinder zu den Knabenschulen in Jafl: die der Hilfsverein im Mai dieses Jahres begründet hat, ist gleic falls außerordentlich stark. Zwei Drittel der 50 Schüler, die i Anstalt besuchen, sind russische Emigrantenkinder. Auch die Abnahme dieser Kinder erfolgt teils unentgeltlich, teils unter \h dingungen, die den pekuniären Verhältnissen der Eltern in weiteste; Maße Rechnung tragen. Beiträge der „Alliance" zum russischen Hilfswerk Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universe1 ' erhalten wir folgende Mitteilung: Im Lauf des letzten Jahres, vom'Oktober 1905 bis Oktob 1906, hat die Alliance Israelite Universelle in die gemeinsame Kas;: der jüdischen Hilfsorganisation in London zur Unterstützung ci( verfolgten russischen Juden 803 525 Francs eingezahlt, außerdem nach Petersburg 100 000, nach Odessa 310 000, für Bietest*- 25 000 Francs überwiesen. Ferner sind von der Alliance Israeli . Universelle in demselben Zeitraum 240 000 Francs an unmittelbare; Zuwendungen an russische Juden außerhalb Rußlands gemaciworden. Ein sehr erheblicher Teil des letztgenannten Betrage kam in Berlin und in anderen deutschen Städten zur Verteilung. Die Beiträge, die aus den Mitteln und durch die Vermittlung der Alliance Israelite Universelle für das russische« Hilfswerk zur Versendung kamen, haben sich demnach in dem Jahr Oktober 1905/06 auf 7 478 000 Francs belaufen.

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