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Die Welt · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Mo. 46 DIE^ELT 17 iiian begangen das ganze Jahr, vergeben werden sollen durch die liuid und Gnade Gottes, des Herrn, der da oben sitzt auf seinem Throne in seiner ganzen Herrlichkeit und richtet über seine Kinder und ausschreibt das Buch des Lebens und des Todes. „Was wird tiber mich verkündet werden" — diese Frage scheint in aller Augen ,a\ liegen. Schwer ist die Luft, wie erfüllt von bangen Seufzern ind stillen Gebeten; düster flackern die langen Kerzen. Eine stille, weihevolle Schwermut zieht ein in meine Seele, macht sie groß nid weit, erfüllt von Liebe. — Der Gottesdienst begann. „Kolnidre" ertönte, jener ergreifende iesang, der wie kein anderer das Jahrtausende alte Leid des jüdischen Volkes zum Ausdruck bringt. Der Chasen stand da inmitten einer Gemeinde, ebenfalls mit dem weißen Sterbehemd bekleidet, -eine hohe Gestalt ragte über alle hinweg. Er sang, den Blick oft n die Weite gerichtet. Vor seinen Augen schienen die Mauern ■.!es Gotteshauses zu fallen, er sah sich vereint mit seinen Brüdern nid Schwestern in seiner Heimat, aus der er vertrieben; er sang iit ihnen. Denn das war nicht die Stimme eines Einzelnen, die ier ertönte, aus ihr zitterte der Klang der fünf Millionen Juden Rußlands; er sang, was sie gemeinsam erlebt hatten in jenen Tagen des Schreckens und des Mordens, die Furcht, die Verzweiflung, den Angstschrei der Getöteten und Verwundeten. Das alles sang er. Und wir alle, die wir da saßen, still, dem machtvollen Eindruck hingegeben, wir fühlten, was jener Mann gelitten haben mußte, der so singen konnte. Wir litten mit ihm. Zuerst ertönte aus der Frauenabteilung ein leises Weinen, das immer stärker wurde — dann mischte sich in seinen Gesang das Schluchzen der ganzen Gemeinde. Jetzt liebten sie ihn, sie liebten ihn, weil er gelitten, sie liebten ihn, weil er ihnen sein Leid und ihr Leid zu Bewußtsein gebracht hatte. Ich verließ das Gotteshaus, das mir zu eng geworden. Ich mußte allein sein mit mir, mit meiner Trauer. Ich ging dem Walde zu. Ein tiefes Schweigen ruhte auf ihm, auf der ganzen Natur. Ein stiller Friede hatte sich herabgesenkt auf alles Leben. — Wann wirst du ihn empfinden, jüdisches Volk, diesen großen Frieden, den die Natur atmet; wann wirst du ihn empfinden in deinem Lande, wann wirst du aufhören, gehetzt und gejagt zu sein, wann wirst du dein Haupt ruhig hinlegen können, du wandermüdes Volk? „Türmer, wann endet die Nacht?" ooooooajj ooooooojj AUS DER BEWEGUNG | o o o o o o l o o o o o o o Mitteilung der Palästinakonimission Die Palästinakommission beehrt sich hierdurch den geehrten < iesinnungsgenossen mitzuteilen, daß die Vorarbeiten zur Pflanzung des ersten Ölbaumhains iit Geldern der Ölbaumspenden so weit gediehen sind, daß auf ein von dem verehrten Mitglied des A. C, Herrn J. L. Goldberg i Wilna, dem Nationalfonds geschenkten Terrain in Chederah im! obruar des kommenden Jahres die Ölbäume angepflanzt werden . uinen. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei noch hervorgehoben, i.» die Ölbaumspenden sowie die dafür anzulegenden Ölbaum-; anzungen vom Nationalfonds verwaltet werden. Bei dieser Gelegenheit bringt die Palästinakommission zur Ki nntnis der Herren Gesinnungsgenossen, daß das für den Herzl-Wald ' Aussicht genommene Terrain voraussichtlich schon binnen kurzem den Besitz des Nationalfonds übergehen wird. Es sind aber bisher noch keine 1000 Ölbäume für den Herzl- 'id gespendet, während der Herzlwald mindestens aus 10 000 imen bestehen muß. Wir richten daher an die nach Tausenden und Abertausenden Menden Verehrer unseres unvergeßlichen Führers den dringenden pell, eine rege Agitation in den Ortsgruppen samtener Federationen dafür zu entfalten, daß die noch blenden zirka 9000 Bäume möglichst bald gespendet werden, mit unserem großen Führer schon im nächsten Jahre das geplante iiöne Nationaldenkmal an den Stätten seiner Sehnsucht errichtet ■rden kann. Der Herzlwald soll ein Wallfahrtsort für all diejenigen werden, j an die Wiedergeburt des jüdischen Volkes und des jüdischen '^nius glauben. Zur allgemeinen Orientierung wiederholt die Palästinakommission, -iß sich gerade Ölbäume deshalb in solch hohem Maße für nationale Stiftungen eignen, weil der Ölbaum wohl der langlebigste Repräsentant der Kulturpflanzen ist. Ölbäume, die ein Alter von 300—400 Jahren bei rationeller I'Hege und Schonung erreichen, sind nicht selten; ja es sollen sogar Exemplare existieren, die ein Alter von 1000 Jahren und darüber erreicht haben. Laut Berechnung unserer Kommission würde ein mit Ölbäumen bepflanztes Terrain von zirka 3000 ha (ä 100 Bäume per ha und 10 Bäume per Dunam gerechnet)*) schon im 15. Jahre einen Rein- » Die Kosten eines Ölbaumes bis zu seiner Selbsterhaltung betragen: Mk. 6 — Pres. 7.50 Kr. 7.5Ü Rub. 3.— 6 sh. l»/a $. ertrag von mindestens 900 000 Francs bringen, welcher Betrag also zum Beispiel die selbständige Erhaltung einer jüdischen Hochschule in Palästina ermöglichen würde. Aber auch materielle Güter würden geschaffen: Tausende von jüdischen Arbeitern oder Pächtern würden bei den Ölbaumpflanzungen einen reichlichen, ehrlichen und gesunden Unterhalt finden, neue Industrien könnten dadurch in Palästina entstehen, die Ausfuhr sich vermehren und Handel und Wandel von neuem erblühen. ' ) Schließlich würden große Ölbaumwälder auch auf das Klima Palästinas eine günstige Wirkung ausüben. Die Palästinakommission hofft, daß ihr heutiger Mahnruf nicht ungehört verhallen wird. gez. Prof. Dr. O. Warburg, Vorsitzender der Palästinakommission. **) Das aus den Ölbäumen erzeugte Öl findet ebenso wie die daraus hergestellte Seite einen steten lohnenden Absatz auf dein internationalen Markte und sie sind der Gefahr einer etwaigen Überproduktion nicht unterworfen. Die Oliven selbst bilden bekanntlich im ganzen Mittelmeeriiebiet eins der wichtigsten Nahrungsmittel. P. S. Sämtliche zionistische und palästinafreundliche Blätter werden um Abdruck obiger Mitteilung gebeten. An die Federationen der zionistischen Organisation Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Die Palästinakommission nimmt höfl. Bezug auf das Rundschreiben des zionistischen Zentralbureaus in Köln an die Federationen vom 27. v. M. und wiederholt hierdurch den darin bekanntgegebenen Beschluß der zionistischen Jahreskonferenz vom 29. August d. J. folgenden Wortlauts: „Die Jahreskonferenz erachtet es zwecks Weiterführung der praktischen Palästinaarbeit für wünschenswert, daß die nötigen Fonds soweit als möglich nicht von dem Schekel, son dern durch besondere Beiträge bestritten werden und empfiehlt den Federationen und Ortsgruppen, gemäß dem Vorgehen der deutschen Federation, die Mitglieder der zionistischen Organisation zu freiwilligen Palästinabeiträgen heranzuziehen." Die Palästinakommission hofft, daß bis zur endgiltigen Genehmigung des Palästinaschekels durch den nächsten Kongreß die Leiter der Federation ihr Bestes tun werden, um die Ortsgruppen und Vereine zu einer erfolgreichen Agitation zu Gunsten des provisorischen freiwilligen Palästinabeitrages anzuspornen. Die Palästinakommission glaubt, daß es zwecks Erzielung eines guten Erfolges ratsam wäre, die Wahl des geeigneten Zeitpunktes für den Einzug der Palästinabeiträge den einzelnen Ortsgruppen

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