Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316186-3316233--48728-3343669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Für den Bezalel sind nach Mitteilung aus Jerusalem folgende Spenden eingelaufen: Zionistische Zentrale in Gradno 250— Frcs. (Mitgliedsabzahlung für ein halbes Jahr durch Herrn Bezalel, Jaffa.) Herr Götz, Moskowa 300. Frcs. (hat sich als Mitglied des Vereins eingeschrieben durch Herrn O. Eisenstadt.) Herr A. Kaplan, Riga 7.50 Frcs. (durch Herrn 0. Eisenstadt,) Herr Prof. BorisSchatz, Jerusalem 10.— Frcs. (amGratulationstage des Bezalelschülers Herrn Kratka und des Brautpaares Frl. Grünhut und Herr Kanel.) Herr Kaminitz, Jerusalem 1. Frcs. Herr Turner, Jaffa 1.'75 Frcs. Vom Jüdischen Kolonisationsverein Das Odessaer Komitee zur Förderung des Ackerbaues und des Handwerks unter den Juden in Syrien und Palästina hat an das Zentralkomitee des Jüdischen Kolonisationsvereins in Wien nachfolgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrte Herren! „Die Welt" Nr. 41 brachte uns Ihren Aufruf zur Gründung zur Gründung Ihres Palästinakolonisationsvereins. Als Komitee einer der ersten Palästinakolonisationsgeselischaften, gegründet vom unvergeßlichen Autor der „Autemanzipation", Dr. Pinsker, beehren wir uns, Sie zu begrüßen und Ihnen erfolgreiches Wirken zu wünschen. Unsererseits werden wir immer bereit sein, Ihrem jungen Vereine mit unserer auf dem Gebiete der Kolonisation Palästinas langjährig erworbenen Erfahrung zu dienen, und wir sprechen hitrmit unseren innigen Wunsch aus, daß jede für Palästinakolonisation bestehende Institution ihre Arbeit mit den Arbeiten der andern für denselben Zweck wirkenden Institutionen koordinieren soll. Mögen aus allen Ecken der Erde Energieströme ausgehen, im Lande unserer Väter sich verbindend zum Wohl und Segen unseres Volkes. Mit vorzüglicher Hochachtung Präsident: M. Ussiochkin, Ingenieur. Abraham Harkavy Am 27. Oktober feierte der hervorragende jüdische Gelehrte braham Harkavy seinen siebzigsten Geburtstag. Seine wissen- :liaftlichen Verdienste liegen hauptsächlich auf jüdisch-philologischem, i hnologischem und historischem Gebiete. Er war der Erste, der ::;3 Schüler deutscher Gelehrten und Opperts die moderne kritischi ilologische Methode in der russisch-jüdischen Wissenschaft zur ltung brachte. Die Zahl seiner größeren und kleineren Schriften, die er in sischer, deutscher, hebräischer und französischer Sprache verntlichte, ist recht beträchtlich. Von seinen Werken sei besonders vorgehoben „Hajehudim u-sefat haslawim", „Über die Sprache Juden", seine Untersuchungen über die Firkowitsch-Manuskripte, . - ine Schriften über Chazaren^ über die Juden im Kaukasus, in der •'rim, in Polen, über die Karaiten usw. Harkavy hat aber auch u dem jüdischen öffentlichen insbesondere an dem kulturellen Leben ■i-'gen Anteil genommen. Vom Jahre 1864 ab war er durch lange Jahre Sekretär des Vereins zur Verbreitung der Bildung unter den russischen Juden und steht seit 1873 mit an der Spitze der jüdischen Gemeinde in ''Petersburg, Der palästinophilen Bewegung steht er mit besonderer Sympatie gegenüber, wovon auch seine „Briefe von -iner Palästinareise" ein beredtes Zeugnis ablegen. "~=^3" °° ^^oL NACHRICHTEN -9 Erste slavonische Rabbinerkonferenz Osijek (Essek). Am 18. Oktober fand hier die erste slavonische Rabbinerkonferenz statt. Außer dem Rabbiner von Vinkovci, Sr. Ehrwürden Herrn Neu mann, der krankheitshalber am Erscheinen verhindert war, und dem Rabbinatsverweser von Pakrac, Herrn Zagher, waren alle slavonischen Rabbiner anwesend. Zweck der Konferenz war einerseits die Ausarbeitung eines neuen Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Mittelschulen Kroatiens- Slavoniens und anderseits die Lösung verschiedener Standesfragen, hauptsächlich der Frage der Rabbinatsqualifikation. Rabbiner ßr. Diamant aus Vukovar unterbreitete den von ihm ausgearbeiteten Entwurf über den Religionsunterricht, worauf derselbe nach erschöpfender Debatte mit unwesentlichen Modifikationen angenommen wurde, d. h. der genannte Entwurf wird der kroatischen Landesregierung zur Genehmigung unterbreitet werden. In dem Entwurf wird die Pflege der hebräischen Sprache und Literatur mehr als bisher berücksichtigt und ein intensiveres Studium der jüdischen Geschichte gefordert. An das Referat des hiesigen Oberrabbiners Dr. Simon Ungar über die Qualifikation zum "Rabbiner schloß sich eine sehr lebhafte Debatte, über deren Einzelheiten jedoch nichts in die Öffentlichkeit drang. (Die Konferenz war nämlich eine streng vertrauliche.) Wie es heißt, werden die kroatischen Rabbiner demnächst ebenfalls eine Konferenz in derselben Angelegenheit haben. Von dem Erfolg der in Zagreb (Agram) demnächst abzuhaltenden Rabbinerkonferenz hängt es ab, ob ein Verband der Rabbiner Kroatiens-Slavoniens gegründet werden soll. K. Zur Wahlbewegung in Polen Die Frage, welche jetzt am meisten die öffentliche Meinung interessiert, ist die, ob die politische progressive Partei ihre Vertreter in der nächsten Duma haben wird. Die einzige Kombination, welche den progressiven Parteien einige Mandate verschaffen könnte, ist ein Block mit Sozialisten und Juden. Was die ersten anlangt, so wird die Duma von der mächtigsten und Zahlreichstens ozialistischen Partei Polens, der P. P. S., überhaupt boykottiert. Die S. D. K. P. i. L. (Sozialdemokratie Polens und Littauens) und der jüdische „Bund" werden sich wahrscheinlich vereinigen, es ist aber zweifelhaft, ob sie mit den bourgeoisen Parteien einen Block werden bilden wollen. Und dabei ist bei den gegenwärtigen Wahlverordnungen die Rolle des Proletariats bis zum Minimum herabgesetzt. Was die Juden anlangt, so wären diese vielleicht bereit, für Progressisten zu stimmen, äoch verlangen sie dafür eine Versicherung ihrer Nationalrechte, worauf wieder die Progressisten nicht eingehen wollen. Diese Forderung der jüdischen nationalen Selbständigkeit ist für die Progressisten ganz unverdaulich. Während der ersten Wahlen spaltete sich die progressive Partei in zwei Teile deswegen, weil die Majorität neben einem Polen auch die Kandidatur eines vollständig assimilierten Juden — des Prof. Dikstein — aufgestellt hatte. Auf diese Weise wollte man die Rechte der nationalen Gruppen der Minderheit beschützen, weil ja die Juden 33° o der Bevölkerung ausmachen. Dieser Beschluß stieß auf einen großen Widerstand seitens der Minorität der progressiv-demokratischen Partei. Diese Minorität trat aus der Partei aus und bildete eine neue Partei Z. D. (Demokratischer Verband), die jetzt den neuen Namen P. P. P. (Polnische progressive Partei) annahm. Charakteristisch ist, daß auch diese Partei aus lauter Juden besteht. Ihren Widerstand motivieren sie dadurch, daß Warschau einen polnischen Vertreter in der Reichsduma haben soll, und daß die P. D. sehr schlecht gehandelt hat, indem sie einen Block mit den Juden bildete, weil man ja gar keine Gewißheit hatte, daß kein jüdischer Nationalist gewählt werden wird. Wenn man in Betracht zieht, daß diese beiden Parteien nicht viel mehr als 1000 Mitglieder besitzen und unter diesen 80°/o Juden, so ersieht man leicht, daß ihnen im Wahlkampfe eine neue und wiederholte Niederlage bevorsteht. Das ist der allgemeine Hintergrund, auf welchem sich auch der jüdische Wahlkampf abspielen wird. Aus dem russischen Bildungsministerium Das Bildungsministerium sandte an die Kuratoren der Unterrichtsbezirke die folgende Zirkularnote: „Um die christlichen Schulen vor dem Übermaß von Juden zu schützen und um anderseits die Bildung unter den Juden zu verbreiten, hat der Ministerrat folgendes beschlossen: 1. Man soll den Juden erlauben, private Lehranstalten aller Typen zu eröffnen. 2. Die jüdischen Gemeinden sollen das Recht bekommen, solche Schulen zu gründen. 3. Um unter Juden auch die professionelle Bildung zu verbreiten, soll man ihnen die Erlaubnis zur Öffnung von Handwerksschulen, Musterwerkstätten und professionellen Schulen aller Art mit Rechten von Privatschulen erteilen." I Oberrabbiner Roth gestorben i Bei Abschluß des Blattes erhalten wir die schmerzliche Nachricht, daß Oberrabbiner Roth (Päpa) Dienstag im Alter von 62 Jahren gestorben ist. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.