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Die Welt · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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wenn sie richtig ausgeführt werden, ein großes Versprechen für die künftige Kolonisation. Diese Versuchsstation wird sich natürlich kaum selbst erhalten können und dürfte von den Zinsen des N. F. unterstützt werden müssen. Inzwischen hat der N. F. seit ca. zwei Jahren auf die Vorschläge der Palästinakommission zwei Güter erworben, zusammen im Betrage von ca. 8000 £. Diese müssen nach Mitteilungen der Palästinakommission jetzt arrondiert werden. Der hierzu nötige Betrag ist unbestimmt; nehmen wir vorläufig nur fOOO £ an. Weiter hat die Bank im Auftrage des A. C. und der ßankjirektoren um ca. 8000 £ Land erworben, welches zum Teil für den NL F. und zum Teil zum Wiederverkauf an Private bestimmt war. Da die Bank dieses Land vorläufig nicht anbringen kann, muß -,'S der N. F. ganz übernehmen, weil es keiner wünschen kann, daß die Bank ihre Gelder auf eine solche Weise dauernd brach lege. Iis sind also weiter 8000 £, die dem N. F. entnommen werden. Ein i eil dieses Landes soll jetzt für die inzwischen herangewachsenen Mschenewer Waisen verwendet werden. Es muß bei dieser Gelegenheit bemerkt werden, daß die gelaunten Güter, die seit ca. 2 Jahren im Besitze des N. F. sind, , eder dem N. F. etwas Nennenswertes tragen, noch vorläufig mit luden kolonisiert werden können, noch für die projektierte Versuchsstation geeignet sind. Für die Versuchsstation werden andere wissende Ländereien jetzt gesucht werden. Diese ist aber eine eschlossene Sache und eine der wichtigsten Anlagen, die wir im :nteresse einer rationellen Kolonisation — je früher desto besser — :■ Palästina machen müssen. Für das hierzu erforderliche Land, He Bauten samt Einrichtungen etc. rechnen wir ca. 15 000 £\ Nun sind ferner für den Bezalel 50 000 Frcs. (ca. 2000 £) zur 1 ibauung eines Hauses bewilligt worden; hoffen wir, daß er mit Hesem Betrage das Auskommen finden wird. Auch dieses Institut i ebenso notwendig für Palästina wie die Versuchsstation, und ist;iher ebenfalls einstimmig beschlossen worden.^ Zur Pflanzung des Herzlwaldes, für den Ölbaumspenden ges.inimelt werden, ist ein Grund in Aussicht genommen worden, \ egen dessen Erwerbung die Palästinakommission seit längerer Zeit Unterhandlung steht; auch dieser muß mit N. F.-Geldern bezahlt erden. Wenn diese zum Beschlüsse erhobenen Arbeiten selbst mit der >ßten Vorsicht durchgeführt werden, so haben wir nicht nur die n Kongresse meiner Ansicht nach viel zu hoch gestattete Verwendung * aus den N. F.-Geldern weit überschritten, sondern den X. P. total erschöpft. Nun müssen wir aber weiter berücksichtigen, daß nach Eritung der Versuchsstation, diese wie gesagt, sich selbst unmöglich Hilten kann; der N. F. wird eine jährliche Subvention zuwenden :;sen, wenn sie das leisten soll, was map von ihr erwartet. Dazu kommt noch, daß der N. F. jährlich der Palästina- ' ii inission für ihre Arbeiten in Palästina ca. 10 000 Frcs. zur Veri!,.ng stellen muß. Außerdem hat der N. F. die Bezahlung eines H;ronomen mit ca. 5000 Frcs. jährlich, welcher vorläufig noch keine .'voduktive Arbeit leisten kann, übernommen. Überdies gibt es noch mlere Ausgaben für Palästina, für die der N. F. gelegentlich her- Hten muß. Das Gesamtvermögen des > N. F. beträgt jetzt ca. 53 000 £. Hiervon müssen 1000 £ für Ölbaumspenden in Abzug gebracht verden, welche ein eigenes Konto haben und jetzt verwendet werden -dien. Folglich müssen wir von den verbleibenden 52 000 £ die Posten ii 8000 -h 4000 + 8000 -f- 15000-h 2000 £ 37 000 £ in Abzug f ingen. Es verbleiben dann ca. 15 000 £, die uns im besten Falle . 12 000 Frcs. an Zinsen bringen können, die nicht einmal zur Deckung der bewilligten Arbeiten in Palästina und zur Subventi- >nierung der Versuchsstation ausreichen, ganz von unvorhergesehenen Ausgaben zu schweigen. Jeder vernünftige Mensch wird zugeben müssen, daß wir die Grenzen des Erlaubten weit überschritten haben und daß es ein großer, unverzeihlicher Fehler ist, wenn man den N. F. nicht zu einer gewissen Höhe erstarken läßt, damit er zu dem Instrumente werde, als das ihn alle sich gedacht haben. Und wenn man selbst den ursprünglichen Standpunkt verlassen dürfte oder müßte, ist noch sehr fraglich, ob es wirtschaftlich zulässig ist, den Fonds durch fortwährende neue, unproduktive und unsichere Käufe und Ausgaben derart zu engagieren, daß die Ländereien und Institutionen, die vom N F. errichtet werden, von den Zinsen des verbliebenen Betrages nicht einmal mehr erhalten werden können. Das wäre, sagen wir es kurz: Der Nationalfondskrach! Wer will das vor der ganzen Welt vertreten? Für meinen Teil, lehne ich — wenn es so weiter gehen sollte — öffentlich jede Verantwortungab. Nun kommen die sich praktisch nennenden Zionisten, die der Welt gerne einreden möchten, sie seien die alleinigen Freunde Palästinas, und sagen: „Wenn wir nicht den N. F. weiter dazu verwenden, in Palästina Land zu kaufen, so wird uns keiner für den N. F. mehr etwas geben; Palästina-Arbeit mit dem Gelde des N. F. ist die einzige Methode, unsere Bewegung zu beleben und in weitere Kreise zu tragen." Diese Behauptungen sind wissentlich oder unwissentlich unrichtig. Es gibt vor allem in unserer Bewegung keine Palästinafreunde und keine Palästinafeinde, sondern sogenannte praktische Zionisten, die unpraktische Palästina-Arbeit ä tout prix verrichten möchten, und politische Zionisten, die darauf bedacht sind, in Palästina nur praktische systematische Arbeit zu leisten, damit alles, was in Palästina von uns gemacht wird, dauernden Bestand habe. Wie aus verschiedenen, auf der Jahreskonferenz gehaltenen Reden zu ersehen ist, haben sich wieder einige Herren, mit Herrn Ussischkin an der Spitze, darin gefallen, zu behaupten, daß man den politischen Zionisten nur mit Mühe für Palästina etwas — sagen wir nicht abtrotzen — aber abschmeicheln muß. Vermutlich brauchen einige dieser Herren Wasser auf ihre Mühlen, die Gefahr laufen, einzutrocknen, andere handeln vielleicht in gutem Glauben, wollen sich und die Welt in den Wahn hineinreden, daß die politischen Zionisten für Palästina nichts tun wollen. Beide erzeugen dadurch falsche Meinungen, die widerlegt werden müssen. Ich möchte gerne die Namen derjenigen kennen, die gegen die angeführten Beschlüsse einen „geheimen Widerstand" entgegengesetzt haben, wie behauptet wurde. Daß diese Beschlüsse bis jetzt noch nicht alle ausgeführt wurden, daran sind bekanntlich ganz andere Verhältnisse schuld. Unter anderen hat man für die zugewanderten Arbeiter in Petach-Tikwah, die keinen Boden und kein Haus haben, 20 000 Frs. bewilligt. Mit diesem Betrage können die Arbeiter absolut nichts anfangen und das schönste ist, daß die Arbeiter selbst, laut dem vom Herrn Dr. Scheinkin verlesenen Brief, vom N. F. nichts wollten. Wahrlich, diese armen Leute haben von der Bedeutung des N. F. für das jüdische Volk eine viel höhere Meinung, als ihre vermeintlichen Freunde. Diesen Leuten ist auf eine ganz andere und sichere Weise zu helfen. Darauf komme ich später zurück. Ebenso wie der N. F. ist auch die Bank in Palästina für ihre Verhältnisse viel zu sehr engagiert. Alles aber hat seine Grenzen und jeder, der das richtige Verantwortungsgefühl besitzt und die Zukunft vor Augen hat, muß vor einer kopflosen Verwendung des N. F.-Vermögens zurückschrecken. Da nützen keine salbungsvollen Reden und Vorwürfe, daß ein „geheimer Widerstand" gegen die Palästinaarbeit bestehe. Das ist nicht wahr, er besteht nicht. Wir wollen nur verhüten, daß zu den toten Millionen, die in Palästina begraben sind, nicht noch das mühsam zusammengescharrte winzige Vermögen des N. F. komme! Ich würde allen denjenigen, die so viel für die Verwendung des N. F. reden und schreiben, empfehlen, lieber die Zeit dazu zu benützen, die Werbung für den N. F. eifriger zu betreiben. Denn ich will es hier wieder einmal sagen: für den N. F. haben überhaupt nur einzelne wenige gearbeitet, sonst müßte er jetzt wahrlich ganz anders ausschauen! Im übrigen kann der N. F. allein für Palästina jetzt sehr wenig ausrichten. Die gegenteilige Behauptung ist eine plumpe Erfindung. Wenn nicht private Initiative eingreift, wenn sich nicht vor allem befähigte, praktisch bereits bewrährte, anerkannt tüchtige und opferwillige Leute bereit finden nach Palästina zu gehen, um dort etwas zu schaffen, dann wird man auf die Wunder des N. F. vergeblich warten. Mit der Liebe zu Palästina allein, mit Leuten, die nur Palästinafreunde sind, werden wir unsere Sache nicht weiter bringen. Es ist nicht von Bedeutung, ob von den 40 000 000 Dunam in Palästina dem N. F. in diesem Jahre ein Zehntel Prozent, (es ist nicht einmal so viel) oder ein etwas größerer Bruchteil gehört. Wichtig ist, daß alles, was dort gemacht wird, jede Kritik vertrage. Herr Prof. Warburg, der der Jahreskonferenz ein groß angelegtes Programm unterbreitete, gibt allen denjenigen, die privat ihre Palästina-Freundlichkeit beweisen wollen, Gelegenheit genug zur Arbeit, und da wird es sich bald zeigen, was die große Majorität, auf die sich Herr Ussischkin so gerne beruft, zu dieser Palästina-Arbeit beitragen wird. Wenn dem Herrn Prof. Warburg die nötigen Mittel zugeführt werden, dann wird er sicherlich auch für die entsprechend tüchtigen Leute sorgen, die was Ordentliches in Palästina leisten werden. Leider mußten wir von Herrn Prof. Warburg erfahren, daß bis jetzt privat für den Bezalel z. B. die Palästinafreunde am wenigsten beigetragen haben. Ich habe auch die Liste des Industriesyndikates, die Herr Prof. Warburg errichtet hat, gesehen; da sind

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