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Die Welt · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Darauf weist auch das Alter der Ausgetretenen, wie es sich aus Tabelle III ergibt, hin. Die Hälfte fast aller Ausgetretenen 3620 49 °/o) stand im Heiratsalter von 20—30 Jahren, dagegen w-aren nur 966(= 13 °/o) über 40 Jahre alt. Natürlich sprechen die erwähnten Umstände ebenso für den zweitwichtigen Grund der Taufen, .las Fortkommen im Beruf. Es ist ja eine offene Tatsache, aus der selbst die zuständigen Behörden kein Geheimnis machen, daß der Taufschein eine notwendige Bedingung zur Aufnahme in zahlreiche Ämter ist, und erst recht zum regelmäßigen Aufstieg. Selbst viele private Unternehmungen verlangen es von ihren Angestellten. Nun ällt ja die Berufsergreifung gerade in die so sehr überwiegende \ltersklasse von 20—30 Jahren, und auch vor der Verehelichung. Tabelle III. Tabelle V. )em Alter nach waren von den Dem Alter nach waren von den Ausgetretenen alt Ausgetretenen alt im 14—20 20—30 30-40 , über im | 14—20 | 20—30 30—40 über lalire Jahre Jahre Jahre 40 Jahre Jahre 1 Jahre Jahre Jahre 40 Jahre 1886 32 132 67 41 1895! 58 i 1 204 109 39 1887 43 137 69 ' 44 1896! 70 218 102 53 '888 34 135 61 27 1897! 54 207 114 78 1889 50 129 79 45 1898 i 58 207 93 76 1890 44 155 64 39 1899; 64 258 96 64 1891 55 155 88 51 1900 1 74 270 146 71 1892 58 172 53 31 1901 : 7i 278 137 65 1893 66 186 99; 54 1902! 98 : 297 133 73 894 67 182 96 44 1903 S 77 ' 298 136 71 Was schließlich die Kirche betrifft, der sich die getauften Juden wenden, so gibt darüber die Tabelle IV Aufschluß. Daß die Meisten von den Abfallenden im Schöße der katholischen Kirche, :;'<s der herrschenden im Lande, ihr Heil suchen, kann natürlich gar :■ icht wundernehmen. Vielmehr erscheint es sonderbar, daß die zum Katholizismus Übergetretenen nur etwas mehr als die Hälfte sämt- ' her Täuflinge (3966=53,6 0V) ausmachen, während dem Protemtismus, dessen Bekenner nur 1,09 % der gesamten österreichischen; 'völkerung bildete, 1713 (—-23,1 "/o) Juden zugefallen sind. Ein Mittel aller (1471 - -19,9 " o) hat sich konfessionslos erklärt. Letztere rden sich ausschließlich aus solchen rekrutrieren, die die Heirat ni■■ einem nichtjüdischen Ehegatten zum Austritt aus dem Juden- 'uüi zwingt, denn sonstige Vorteile wird die Konfessionslosigkeit in dem klerikalen Österreich gewiß noch weniger bieten als das üsche Bekenntnis. Tabelle IV. Es sind Juden übergetreten zu i Jahre j der kathol. j der evangel. Kirche; Kirche i den Konfessionslosen sonstig. Kon fessionen u. unbekannt 1886 139 48 76 9 1887 158 37 57 41 1888 129 48 52 28 1889 168 76 44 15 1890 168 66 64 4 1891 204 79 51 15 1892 194 60 57 3 1893 236 94 74 1 1894 203 86 98 2 1895 226 69 108 7 1896 275 79 85 4 1897 263 90 92 8 1898 231 116 92 5 1899 236 137 88 21 1900 286 157 98 20 1901 265 149 114 1 23 1902 313 161 106 i 21 1903 272 161 125! 24 Welch hohen Anteil die Juden an der Austrittsbewegung in Wien überhaupt haben, erhellt aus Tabelle V. Er übersteigt um das Vier- bis Fünffache ihren Anteil der Gesamtbevölkerung, der zirka 8 °/o beträgt, trotzdem es sich in allen übrigen Übertritten fast ausschließlich nur um Konfessionsänderungen innerhalb derselben christlichen Religionen handelt, also um eine Bewegung zwischen ganz verwandten Konfessionsgruppen, deren gegenseitiger Abstand sich nicht mit der Kluft zwischen Christen- und Judentum vergleichen läßt. Es betrug die Zahl der Austritte im Jahre überhaupt aus d. Judentum in Vo absolut sämtl. Austritte Zu den u; Konfessionslos, überhpt. der Juden zu Konfessionslosen | in °/o aller i Austritte absolut | zu den! Konfes- I sionslos. 1886 699 1 272 39,0 201 76 37,8 1887 736 293 39,8 149 57 38,3 1888 646 257 39,8 130 52 40,0 1889 735 303 41,2 131 44 33,6 1890 726 302 41,6 158 64 40,5 1891 990 349 35,2 184 51 27,7 1892 931 314 33,7 202 57 28,2 1893 1123 405 36,1 242 74 30,5 1894 1137 389 34,2 279 98 35,1 1895 1196 410 34,4 288 108 37,5 1896 1231 443 36,0 287 85 29,6 1897 1257 453 36,1 306 92 30,1 1898 1327 434 32,6 258 82 31,8 1S99 1988 482 24,2 299 88 29,4 1900 1678 561 33,5 292 98 33,6 1901 1897 551 29,0 340 114 33,6 1902 1691 601 35,6 289 106 36,6 1903 1661 582 35,1 310 125 40,4 Interessant ist es auch, festzustellen, welches Kontingent die Juden zu den Konfessionslosen stellen, was ebenfalls aus Tabelle V - sichergibt. Mehr als der dritte Teil, 33,9o/0 aller Konfessionsloserklärungen in Wien in den Jahren 1886/1903 stammten von Juden. Dieser Umstand im Verein mit den bereits hervorgehobenen, daß von den austretenden Juden (wie dies auch in anderen Fällen sich noch zeigen wird) die protestantische Kirche der katholischen gegenüber stark bevorzugt wird, deutet darauf hin, daß die bewußte Lüge, die fast ausnahmslos mit jedem Eintritt eines Juden in eine christliche Kirche verbunden ist, doch bei vielen Gewissensbisse erweckt und sie Auswege suchen läßt, um unangenehmen Zeremonien beim Taufakt zu entkommen. Zum geringen Teile mögen vielleicht auch die häufigen Konfessionsloserklärungen der Juden damit zusammenhängen, daß bei den von der orthodoxen Tradition sich losgesagten Juden der Rationalismus in verhältnismäßig viel schärferer Form auftritt, als bei den auf gleicher kultureller und sozialer Stufe stehenden Christen. Tabelle VI. Es sind zum Judentum übergetreten: m Jahre Männer Frauen j zu- 1 sammen im Jahre Männer Frauen | zu" j sammen 1868 32 30 62 1886 17 25! 42 1869 65 68 132 1887 11 37; 48 1870 47 69 116 1888 15 45; 60 1871 37 44 81 1889 24 40 64 1872 33 38 71 1890 19 41 60 1873 31 52 83 1891 28 51 79 1874 25 43 68 1892 20 50 70 1875 23 32 55 1893 33 69 i 102 1876 25 24 49 1894 33 59 I 92 1877 18 29 47 1895 22 54 1 76 1878 17 31 48 1896 28 45 I 73 1879 16 27 43 1897 17 29 i 46 1880 20 33 53 1898 12 37 j 49 1881 16 24 40 1899 11 43! 54 1882 23 32 i 55 1900 12 43 j 55 1883 13 40! 53 1901 27 55 i 82 1884 17 38 55 1902 14 35 49 1885 19 20 39 1903 17 54 1 71 Ganz merkwürdig, direkt unwahrscheinlich sehen die hohen Ziffern der Obertritte in den Jahren 186880 aus. Ich fand jedoch die Ziffern vom Jahre 1874 ab, die die Austritte teils übertreffen, teils nur unbeträchtlich hinter ihnen zurückbleiben, in einigen Quellen gleich angegeben, so daß sie als richtig angenommen werden mußten. Dieser Umstand aber spricht teilweise gegen die große Unwahrscheinlichkeit der hohen Übertrittsziffern in den ersten

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