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Die Welt · 1906-11-09 · 45 (9.11.1906) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
45 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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N K i .wn,/? r 4 14 DIE diese. Das Mondlicht versilberte die Spitzen der Berge, die ernst und feierlich heriibergrüßten, überflutete die Straße, Häuser und Dächer. Häuser nnd Bäume warfen lange Schatten. Kein Laut regte sich, still und menschenleer war es ringsum. Ich kam mit meiner Tante, Cousin und Cousine von einem Ausflüge heim; wir wohnten in derselben Straße, aber ganz unten am anderen Ende der Stadt, mußten sie also ihrer ganzen Länge nach durchschreiten. Das Schweigen um uns übte seine Wirkung, ohne ein Wort zu sprechen, gingen wir clahin. Plötzlich sahen wir in der Ferne einen Zug Männer auftauchen, der die ganze Breite der Straße einnahm, so daß die beiden Flügelmänner die Mauern der Häuser berührten. Die Entfernung, die Stille und Mondbeleuchtung gaben diesen Gestalten, die sich langsam auf uns zubewegten, etwas Gespensterhaftes; wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt kamen sie mir vor. Beim Näherkommen merkte ich, daß es Juden in langen Kasans waren, mit weißen Strümpfen und Halbschuhen als Fußbekleidung. In ihrer Mitte ging schwankenden Schritts ein alter, gebeugter Mann mit schneeweißem Haar und Bart. — „Der Rebbe und seine Chassidim kommen vom Lewonebenschen; kommt rasch fort, er darf uns „Frauen nicht begegnen," flüsterte uns rasch meine Tante zu und wollte mich in eine Nebengasse hineinziehen. Mich aber packte ELT No. 45 ein jugendlicher Übermut. Daß der Rebbe einer Frau nicht die Hand geben darf, das wußte ich schon, neu aber war mir, daß er sie nicht einmal ansehen darf. Später hörte ich noch, daß er bei „Audienzen" zu Frauen stets mit abgewandtem Gesicht und vorgehaltener Hand zu sprechen pflegt. — Ich wollte also Trotz bieten, wollte sehen, was er tun würde, wenn ich dicht vor ihm stehen würde. Ich wich also nicht aus, sagte meiner Tante, daß ich bleibe, faßte sie trotz ihres Sträubens fest am Arm, daß sie sich mir nicht entwinden konnte. Cousin und Cousine, auch junge Menschen, wurden durch meinen Übermut angesteckt, und so marschierten wir auf die Männer zu. Der Rebbe sollte jetzt drei Frauen auf einmal ansehen müssen. Wir kamen uns immer näher. Ich merkte wachsende Unruhe in ihren Reihen, man schien unsere Absicht zu ahnen, ein Flüstern und Wispern ging von einem zum andern, und schließlich, im entscheidenden Moment, als wir ganz nahe herangekommen waren, da machte die ganze Gesellschaft „kehrtum" und ging den Weg zurück, den sie gekommen. Darauf war ich nicht gefaßt, ich war verblüfft — beschämt. Ich mußte lächeln in Erinnerung an jene Szene. Heute möchie ich keinen Mann mehr zwingen, ein Weib anzusehen, wenn's ihi. nicht gefällt. (Schluß folgt.» . |i . * :t[-\>t ,fß S "$ ■»U; '■ >: ■^i ä' ■v^l fc> ^.m. P ' ' -! " $5 . ""tü ■• i ' 7» K 4 flr : i:V - k. 4y ti L* m - M 3).- f i i> -1 i: hZ :f o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG ((OOOOOOO -fr -0 o o o o o o Mitteilungen des engeren Aktionskomitees Herr David Wolffsohn, der Präsident des Aktionskomitees, hat auf Veranlassung seines Arztes eine größere Seereise angetreten. Herr Wolffsohn leidet an einer Reizung der Stimmbänder. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß das an und für sich störende, doch nicht bedeutende Leiden durch den Aufenthalt auf der See zum Verschwinden gebracht werden wird. In einer Sitzung des E. A.-K., die am Freitag den 3. ds. Mts. in London abgehalten worden ist, wurden alle nötigen Veranstaltungen getroffen, damit während der Abwesenheit des Präsidenten des A.-K. keinerlei Störung in der Leitung der Organisation und in den Arbeiten des Zentralbureaus eintreten soll. Rundschreiben des Zionistischen Zentralbureaus in Köln An die Federationen! Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Wie Sie bereits aus der Anzeige in der „Welt" ersehen haben, lassen wir in den nächsten Tagen eine Broschüre erscheinen, betitelt: Zehn Jahre Zionismus Diese Broschüre, die in populärem Tone gehalten, ein zusammenfassendes Bild der Geschichte, Entwicklung und der Institutionen des Zionismus gibt, wird ein hervorragendes Werkzeug zur Vertiefung des zionistischen Wissens unserer Freunde und zur Aufklärung unserer Gegner darstellen und insbesondere bei der Agitation für die auf die Chanukahtage angesetzten Schekeltage von großem Werte sein. Die Broschüre erscheint in drei Sprachen, deutsch, englisch und jüdisch, so daß damit auch der oft geäußerte Wunsch nach einer in der ganzen Welt brauchbaren Broschüre über den Zionismus erfüllt wird. Wir haben die Broschüre, die ca. 48 Oktavseiten stark sein wird, in einer Massenauflage herstellen lassen, und sind daher in der Lage, sie zu einem so niedrigen Preise abzugeben, daß sie die billigste aller derartigen Schriften darstellt. Mit Hilfe dieser Broschüre wird es daher auch schwächeren Vereinen möglich sein, eine ausgedehnte ßrorchürenagitation zu betreiben, ohne sich dabei in zu große Unkosten zu stürzen. Der Preis stellt sich bei Abnahme von 100 Exemplaren auf Mk. 5.— 1O00 „ „ „ 45.— 2O00 „ „ „ 85.— 5000 „ „ „ 200. -. Wir ersuchen die Federationen, diese Broschüre unter allen Vereinen zu verbreiten und uns ihren Bedarf allerschnellstens aufzugeben. Wir nehmen an, daß die'Vorarbeiten für die Schekelagitation überall begonnen haben und daß allerorts mit Eifer daran gearbeitet wird, die diesjährigen Schekeltage wirkungsvoll zu gestalten. Wir brauchen Ihnen nicht mehr darzulegen, weiche Bedeutung darin liegt, wenn zu derselben Zeit die Juden in der ganzen" Welt ihre Beisteuer zahlen für die zionistische Organisation. Wir verlassen uns darauf, daß die oft bewährte Disziplin unserer Gesinnungsgenossen sich auch in diesen Schekeltagen im besten Lichte zeigen wird. Der diesjährige Schekel ist zugleich der Wahlzette' zum VIII. Kongreß. Von diesen Schekeltagen wird es abhängen, ob auch der kommende Kongreß sich würdig anschließen wird der glanzvollen Reihe seiner Vorgänger; von der Arbeit und dem Eifer unserer Gesinnungsgenossen in diesen Schekeltagen wird es abhängen, ob auch der VIII. Kongreß wiederum dokumentieren wird, daß das Interesse des jüdischen Volkes am Zionismus seit dem letzten Kongreße an Kraft und Innerlichkeit gewonnen hat. Wir ersuchen die Federationen dringend, uns fortlaufend über alle Schritte auf dem Laufenden zu halten, die sie in Sachen der Schekelagitation tun. Die einlaufenden Schekelgelder sind in Teilbeträgen allmonatlich an die Jüdische Kolonialbank abzuführen, mit der Abführung der Gelder soll nicht bis zu einer Gesamtabrechnung gewartet werden. Wir sehen Ihren geneigten Nachrichten entgegen und verbleiben mit Zionsgruß! Zionistisches Zentralbureau in Köln. Generalsekretariat Herr N. Sokolow hat auf Grund eines vom E. A.-K. gefaßten Beschlusses die Führung des Generalsekretariats der zionistischen Organisation im Zentralbureau in Köln übernommen und wird nun mehr in dieser Eigenschaft die vom Zentralbureau ausgehenden Schriftstücke mitunterzeichnen. Palästinaabend und Palästinareise des Zionistischen Zentralvereins in Wien Montag den 29. Oktober ds. Js. fand im dichtgefüllten Saale des Herrn Guth zu Ehren der in Wien weilenden Teilnehmer an der Palästinareise ein vom Zionistischen Zentralverein in Wien veranstalteter Palästinaabend statt. Der Vereinspräsident Dr. Isidor Marguli es begrüßte die anwesenden Reiseteilnehmer und hob in seiner Ansprache hervor, es werde dafür Sorge getragen sein, daß die Reisenden Palästinn weder durch rosige noch durch schwarze Brillen, sondern so sehen würden, wie es in Wirklichkeit ist; denn auf der vollen Erkenntnis dieser Zustände und ihrer Ursachen beruhe ja gerade die zionistisch:: Politik. Anderseits werden die Besucher Palästinas doch auch nach, diesen Richtungen auch vieles Erfreuliche wahrzunehmen Gelegenheit haben. Seit einigen Jahren ist Palästina nicht mehr allein das Land unserer Sehnsucht, sondern auch das Land unserer Arbeit, nicht mehr allein das Land unserer Väter, sondern auch das Land unserer Brüder, welche es mit dein Fleiße ihrer Hände für das jüdische Volk erobern und regenerieren.

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