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Die Welt · 1906-10-26 · 43 (26.10.1906) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Stunden täglich beim Unterricht saßen. Im Verlauf eines Monats sind sie mit den Regeln der Zeichenlehre bekannt geworden. Nunmehr wird der Zeichenunterricht in allen jüdisch-palästinensischen Schulen eingeführt werden. Die Lehrerversammlung sprach Herrn Prof. Schatz für seine Mühe und den sorgsamen Unterricht ihren innigsten Dank aus und lud ihn zur Fortsetzung der Kurse für den nächsten Sommer ein, was er mit Freuden angenommen hat. In Jaffa wurde ein Verein unter dem Namen „Herzlia" zur Unterstützung des Museums, das an den „Bezalel" angeschlossen werden soll, gegründet. Dieser Verein hat zum Zweck: 1. Alle antiquarischen und künstlerischen Gegenstände in Palästina zu sammeln, damit sie dem Volke nicht verloren gehen; 2. sich an berühmte jüdische Künstler und Sammler mit dem Aufrufe zu wenden, dem Museum wertvolle Gegenstände und Werke zu schenken. Diese Museum soll in dem „Bezalel" untergebracht werden, unter desse: Leitung es stehen wird. Ebenso wie der „Bezalel" soll es Eigentum der ganzen Nation sein. Bei der letzten Sitzung der Lehrerkonferen hat Herr Paper vorgeschlagen, daß die Lehrer den Verein b; den Sammlungen unterstützen sollen, wozu alle bereitwillig zugestimmt haben. Man kann also hoffen, daß wir doch ein Mu seum in Palästina erhalten, denn sicher wird jeder, dem das heilige Land und unsere Nation teuer ist, das Museum nach seinen Kräfte; unterstützen.*) *) In Angelegenheit der Vereine „Debora" und „Herzlia" kann man sich ai Herrn Prof. Schatz, Jerusalem, vvendeu. ZU DEN SCHEKELTAGEN Mitten hinein in die heißen Erörterungen über die Zweckmäßigkeit der diplomatischen und die Vorzüge der praktischen Arbeit fällt wie ein kühlender Wasserstrahl die Aufforderung des Aktionskomitees zur Begehung des Schekeltages. Das allen Gemeinsame ist mit einem Schlage aufgerollt, alle Differenzen und theoretischen Erörterungen sollen beiseite geschoben werden —: „Gebt Schekel, sammelt Schekel"! Manch einem kommt dieser Schekeltag zu früh. Noch ist der eine kaum vorüber, und schon klingt wieder das alte Lied. Ist es nicht des Guten oder des Schlechten zu viel? Haben wir nichts Wichtigeres zu tun, als immer und nur Schekel zu sammeln? Harren nicht prinzipielle Fragen der Entscheidung und sollen vor dem Kongresse geklärt werden? Ist nicht die Bewegung in Gefahr, eine Anstalt für permanente Schekelsammlung zu werden? Es ist gewiß ein hartes Stück, das die Leitung den Großen und Kleinen der Bewegung zumutet. Nun hatte man sich gerade von den Strapazen des verflossenen Schekeltages eben erholt, man war so schön im Zuge, sechsmal am Tage und ein dutzendmal am Abend lösten wir die Frage, ob wir Palästina auf diplomatischem oder wirtschaftlichem Wege kriegen sollten, und nun soll das alles mit einem Male vorbei sein, sollen wir wieder Sammelarbeit treiben. Ist sie nicht zu langweilig, diese ewige Schekelsammlerei! Ernsthaft: Ist es nicht etwas zu viel des Guten? Ertöten wir nicht das Interesse mit diesem trockenen „Schekelzahlen, Schekelzahlen!"? Es ist ein gutes Zeichen für die Bewegung, daß solche Fragen erörtert werden können. Wir sind schon in vier Wänden und glauben jetzt auch einmal über die Innendekoration streiten zu können, wenn auch in Gottesnamen schon einmal der Regen durch das nicht vorhandene Dach fällt. Und doch wäre es wohl einmal an der Zeit, die Frage aufzurollen, ob wir uns nicht allzu sicher wähnen, ob wir nicht das Wesentliche versäumen von dem, was künftig einmal Wert haben wird. Ist unsere Organisation wirklich schon so stark, daß wir die Sorgen um ihre Erhaltung und ihren Ausbau den kleinen Arbeitern der Bewegung überlassen dürfen, indes wir selbst unsere Zeit lediglich den Theoremen zuwenden? Ist es wirklich eine geringwertige Arbeit, das Schekelsammeln? Wir wollen beileibe nicht die Bedeutung und die Nützlichkeit der Eroberungen unterschätzen, die eben jetzt unsere Bewegung durchwogen. Die Fragen, um die es sich da handelt, sind die Lebensfragen der zionistischen Bewegung. Wir sollen aber auch nicht die Arbeit unterschätzen, die erst den Boden abgibt, auf dem jene Fragen aufgerollt werden können, die erst die Möglichkeit schafft jener Erörterungen. Kärrnerarbeit ist es, mühselig und ohne den Reiz der interessanten Doktrin. Aber es ist die Frage, ob sie wirklich so langweilig ist, wie man sie gerne darstellt, so bar jeden höheren Interesses, daß sie zu gut sein soll für unsere Intelligenzen, eine Arbeit nur für unsere Kleinen. Werden wir uns klar über die Bedeutung der Tätigkeit, die man uns mit den Schekeltagen zumutet. Sie hat ihre regulären zwei Seiten, die materielle und die ideelle. Materiell: sie schafft Geld. Aber dieser Mammon sollte für uns kein Grund sein, uns mit gerümpften Nasen davon abzuwenden. Halten wir uns doch vor Augen, was dieses Geld bedeutet. Es ist nicht mehr und nicht weniger als die Bewegung selbst. Das Geld, das die zionistische Organisation aufbringt, ist der Wertmesser ihrer Größe und ihrer Tiefe. Das ist keine Bewegung, die ihren selbstverständlichsten Aufgaben nicht nachkommen kann, weil ihr die Mittel dazu fehlen. Es hat gar keinen Wert, es ist sinnlos, wenn wir uns die Köpfe heiß denken über die Möglichkeit alier unmöglichen Projekte, so lange wir nicht willens sind, jeder für sein Teil einzustehen, da die Mittel zu ihrer Durchführung da sind. Nicht der allein ist im wert, der die verwickeisten Probleme mit Tinte und Papier löst; wt die Banknoten auf den Tisch zählt, sie in Wirklichkeit umzusetzer hat wohl auch Anspruch auf unsere Achtung. Und darum ist t sehr bedauerlich, daß man angefangen hat, die Arbeit des Scheke sammelns gering zu achten und sie gerne auf die Schultern dv anderen schieben möchte. Man sagt, daß die Zionisten müde sin der Agitationsreden und der Sammlungen, daß sie endlich etwa Reales sehen wollen, daß sie mehr wollen als Worte und Bn statt Steine. Nun mit Verlaub, wo sind die Worte, hier w es sich handelt, tatsächliche meß- und zählbare Werte? schaffen, oder dort bei all den schönen Ideen im Idealen? Wollen wir denn nicht sehen, daß all dies*. Blut und Leben nur bekommen kann auf Grund der Erfolge d</ geringgeschätzten Schekelarbeit? Daß nur die große, gewaltig Organisation die Diplomatie und nur die gefüllte Kasse die Palästina arbeit machen kann? Kann man sagen, es sei nichts Ideales? Ist es kein Ideal, ck Samen unserer Bestrebungen hineinzupflanzen in immer neue, immer mehr Herzen, unsere Schar größer zu machen und sie stärk werden zu sehen mit jedem Augenblicke? Wäre es kein Ideal, d eine gesammelte Vermögen unseres Volkes, alles, was es entbehr* kann, gesammelt zu einem, zu unserem Werke? Und es ist auch kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß w auf diesem Wege nur wenig mehr erreichen können. Noch sii die Nichtschekelzahler in der großen Majorität. Noch liegt ei großes Feld vor uns und ist noch an vielen, vielen Stellen nie bearbeitet. Wir sind vielleicht etwas bequem geworden. Aber cl; soll kein Grund sein, zu verzweifeln. Und eines kommt noch hinz1 wir selbst tun unsere Schekelpflicht noch lange nicht in genügend : Maße. Wir zahlen den Schekel, gewiß, und vielleicht mehr. Sii wir aber wirklich schon am Ende unserer Leistungsfähigkeit? i sei einmal gesagt: die Kleinen, die Geringen, gewiß, sie geniig: ihrer Pflicht wohl durchweg. Aber die andern, die Großen, ■ Notabein, die Reichen dürften wohl etwas höhere Ansprüche an sk stellen, als es heute im allgemeinen geschieht. Man sagt imnu: die reichen Juden sind nicht bei uns. Gewiß, die Milliardäre hak den Weg zu uns noch nicht gefunden, und auch die Millionäre si großenteils draußen geblieben. Aber es sind auch in unsern Reih manche Wohlhabende und manche Reiche. Wir wollen nicht geri >. achten, was sie tun, und können doch sagen, daß es mehr sei dürfte und mehr sein müßte. Es ist ein Unterschied, ob ein Komi; mit 200 Mark monatlichem Einkommen 2 Mark an die Organisati. zahlt, oder aber sein Chef, der 2000 Mark im Monate bezier 20 Mark. Hier könnte sicher noch mehr geleistet werden. Kann es für diese Herren in Betracht kommen, wenn sie eiiu- Beitrag von 200 Mark oder 500 Mark jährlich leisten? Den Verein'.' und Landsmannschaften wäre aber damit die Möglichkeit gegebu ihre Unkosten selbst zu bestreiten und den Schekel voll und unv kürzt dem A. C. abzuliefern. Heran also an die Arbeit! Und alle an die Arbeit! Zuvordt!> die Großen, an der Spitze die Führer! Wenn sie sich der Arbo: schämen, wer soll sich ihr unterziehen? Eine heilige Pflicht war - einmal, Schekel zu zahlen und eine hohe Ehre, Schekel einsamm^' zu dürfen. Wollen wir uns dieser Pflicht entziehen und wollen vni weniger ehrgeizig sein, denn unsere Väter? Jbr.

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