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Die Welt · 1906-09-19 · 42 (19.9.1906) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
42 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Galatz (Rumänien) 1700 Fr. zur Angliederung einer fünften Klasse. Die Schülerinnen werden nunmehr im Kochen, Waschen, Plätten, Nähen, Schneidern, Flicken sowie auch theoretisch im Haushaltungswesen unterwiesen. Für die Dotierung eines zweiten deutschen Lehrers an der Schule der deutsch-israelitischen Gemeinde in Philippopel — den ersten hat der Hilfsverein gleichfalls gestellt — werden die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt. Die Subvention von 3000 Jl, für die Handelsschule Cultura, an o o o o o o o o o o o o o o Das zionistische Aktionskomitee hat beschlossen, in Palästina eine große Waisenanstalt zu errichten, die für russische Judenkinder bestimmt sein soll, die in den letzten Pogromen ihrer Eltern beraubt worden sind. Die angestellten Erhebungen haben ergeben, daß sich noch eine beträchtliche Anzahl solcher Waisen in Rußland findet, deren Angehörige nicht mehr in der Lage sind, die Erziehung der Kinder zu übernehmen. Das Aktionskomitee hat die Vorarbeiten zur Ausführung seines Planes bereits begonnen und hat auch die andern großen jüdischen Korporationen eingeladen, sich an dem Werke zu beteiligen. Palästinareise des Wiener Zionistischen Zentral- Vereins Als Termin der Abreise von Wien resp. Budapest wurde endgiltig der 31. Oktober festgesetzt. Das Programm erhielt eine Bereicherung durch Aufnahme von vier Tagen Aufenthalt in Konstantinopel. Die Oberaufsicht über die rituelle Verpflegung etc. hat Herr Rabb. J. Fürst (Wien) übernommen. Neue Interessenten können bei drahtlicher Anmeldung noch Platz finden. Ungarn Budapest, den 7. Oktober. Die Kämpfe, die die zionistische Idee in Ungarn auszufechten, die Schwierigkeiten, die sie zu überwinden hatte, sind bekannt. Sie waren so groß, daß die Führer des Zionismus eine Zeitlang resigniert auf das klassische Land der Assimilation schauten und auf bessere Zeiten zur Entfaltung der zionistischen Agitation zu warten sich entschlossen. Und diese „besseren Zeiten" sind endlich gekommen. Die zionistische Idee feierte auch bei uns ihren Eintritt. Da entstand im Jahre 1903 in Budapest ein akademischer Verein, die Makkabea, ursprünglich ein ganz kleines Häuflein begeisterter Jünglinge, — und diesen wenigen gelang es in der verhältnismäßig kurzen Dauer von drei Jahren, das Eis zu schmelzen. Anfangs verlacht, dann gehaßt und auf jegliche Weise verfolgt, verstanden sie es mit wahrer Aufopferung ihrer eigensten Interessen den Zionismus in alle Schichten der jüdischen Bevölkerung zu tragen, so daß heute bereits in Budapest allein sechs wohlorganisierte Vereine zielbewußt an der Verwirklichung des Baseler Programms mitarbeiten! Der 7. Oktober war ein bedeutsamer Tag in der Geschichte des ungarischen Zionismus. Schon während der Neujahrsfeiertage hatte die Zentralleitung in Zehn tau send en Flugzetteln die Abhaltung eines zionistischen Volksmeetings angesagt, und seit Tagen verkündeten Riesenplakate dieses Ereignis. Die Agitation war eine musterhafte, und doch wurden selbst die kühnsten Erwartungen durch die Wirklichkeit weit übertrofen. Der große Prunksaal des Rathauses, den die Stadt in zuvorkommendster Weise den Zionisten zur Verfügung gestellt hatte, war im Parquet sowohl wie auch auf den Galerien auf das dichteste gefüllt: eine jüdische Versammlung, wie sie die Hauptstadt bisher noch nie gesehen! Die Versammlung wurde vom Präsidenten der ung. Föderation mit einer kurzen Ansprache eröffnet, worauf Prof. Armin Bokor das Wort ergriff. Redner schilderte in beredten Worten die Entstehungsgeschichte des Zionismus und wies an Hand der Geschichte nach, daß Zionismus und Judenfrage gleichzeitig entstanden sind und nur gleichzeitig zu existieren aufhören werden, und zwar erst der ein gleichfalls vom Hilfsverein gestellter Lehrer als Direktor tätig ist, wurde erneuert. Auf Antrag des Herrn Siegmund Bergel wurde beschlossen, die galizische Subkommission des Hilfsvereins durch Kooptation von Wiener und galizischen Delegierten zu vergrößern, die sich in umfassender Weise mit der Aktion für Galizien beschäftigen sollen. (( o o o o o o o\ |o o o o o o oj durch die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heinistätte in Palästina. Seit 1881 dauert die Massenwanderung der Juden ohne Unterbrechung fort, sie schafft die Judennot nicht aus der Welt, wohl verpflanzt sie aber überallhin den Judenhaß. Das Judenvolk müsse den von der Geschichte vorgezeichneten Weg einschlagen und die seit -vier .Jahrtausenden aufgespeicherte Energie zur Wiederschaffung seiner alten Heimat verwenden. Als nächster Redner sprach deutsch cand. iur. Nison Kahan und behandelte vom sozialwrirtschaftlichen Standpunkte aus die Frage des Zionismus. Redner schilderte die wirtschaftliche Misere des jüdischen Volkes und kam zum Schlüsse, daß es nur eine Rettung aus all der moralischen und materiellen Not gebe: die jüdische Heimat. Redner kam hierauf auf das nationale Moment zu sprechen, behandelte den Zionismus in seiner modernen Form, weist auf die bisherigen Erfolge der zionistischen Partei, speziell auf dem Gebiete der Gegenwartsarbeit hin und schließt mit einem beifällig aufgenommenen Appell an die ungarische Judenheit. Zum Schluß sprach Adv. Dr. Leopold Ostern, der insbesondere die Tätigkeit der jüdischen Kultusgemeinden einer scharfen Kritik unterzog. Im weiteren Verlaufe seiner Rede behandelte Redner eingehend die Institutionen des Zionismus und wies ferner nach, daß Zionismus und treue Erfüllung der Bürgerpflichten recht wohl miteinander vereinbar sind. Nachdem noch zum Schlüsse auf Antrag des Präsidiums der Stadt für ihr Entgegenkommen Dank votiert worden war, nahm die Versammlung unter den Klängen des „Od-loawdah" ihr Ende. Infolge der begeisternden Wirkung, die die Redner ausgeübt hatten, gaben überaus zahlreiche Männer und Frauen ihre Beitrittserklärungen zu den einzelnen Vereinen ab. N. K. Kroatien In Kroatien beginnt es sich zu regen. Der II. Bar Giora- Kongreß in Osiek hat gute Folgen gezeitigt. Nicht nur, daß in Osiek ein strebsamer Verein „Theodor Herzl" entstand, daß in Zagreb ein Verein soeben gegründet wird und der „Zion" in Vinkovei wieder aufzuleben beginnt, es ist auch ein lebhafter Zeitungskrieg zu verzeichnen. Eine recht traurige Rolle spielt da ein gewisser Dr. Siebenschein, der sich mit Händen und Füßen sträubt, zum jüdischen Volke zu gehören, und der in allen Tonarten und in geschmacklosester Art versichert, wirklich und wahrhaftig ein Kroate zu sein. Im Agr. Tagblatt und im Obzor-Zagreb waren seine kuriosen und konfusen Artikel und Kundmachungen zu lesen. Der Pokret-Zagreb (Organ der demokratischen, fortschrittlichen Partei i brachte bald darauf einen guten Artikel des Zionisten AI. Licht (Bar Giora). Auch die Narodna Obrana-Osiek, die vor zwei Jahren unter Leitung des Abgeordneten Dr. Lorkovic, warm für uns ein trat, zog jetzt gegen uns zu Felde, allerdings in kleinlicher, gehässiger Weise. Sie wurde aber vom Osjecki Tjednik abgeführt. Dieses Blatt hält offen zu uns, erklärt offen seinen zionistischer' Standpunkt, — merkwürdigerweise — obwohl es Juden gehört. Zuletzt brachte der Obzor-Zagreb (4. Okt. 1906) einen Artikel aib kroatischer Feder. Dieser Artikel wird hohe Befriedigung in zionistischen Kreisen hervorrufen. Von einem sehr hohen Standpunkte wird unsere Bewegung betrachtet und gutgeheißen. Die Kroaten, meint der Artikelschreiber, dürfen nicht zu jenen unkultivierten Leuten gehören, die eine Bewegung, ohne sie zu kennen, bekämpfen; die Kroaten müßten vielmehr von den Zionisten lernen wie sich ein geknechtetes, unglückliches Volk aufrafft — aus eigene! Kraft. — Vorige Woche befand sich der Großrabbiner von Bulgarien Dr. Markus Ehrenpreis, in Kroatien und hielt in Zagreb und Osiek Vorträge, die allgemeinen Anklang fanden. Der Osieker „Theodor Herzl" wird den Vortrag in Druck legen. — Der Enthusiasmus der Mittelschuljtigend ist außerordentlich. Sie haben eine briefliche Verbindung untereinander organisiert, senden sich gegenseitig Situationsberichte, verbreiten „Unsere Hoffnung'" ^f^AUS DER BEWEGUNG

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