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Die Welt · 1906-09-19 · 42 (19.9.1906) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
42 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 42 DIE^ELT 15 Elends gesteigerte Emigrationsbewegung in dem Orient kompliziert 1 die Situation noch mehr. Es herrschte Einstimmigkeit darüber, daß vor allem das Schul- ■ werk in Palästina, wohin eine starke Auswanderung ganz armer Elemente aus Rußland jetzt stattfindet, nach Möglichkeit großzügig, auszugestalten sei... Entsprechend dem Prinzip, das Schulwesen organisch von unten aufzubauen, hat der Hilfsverein zunächst Kindergärten in den Zentren des jüdischen Lebens in Palästina begründet. Gerade bei den wirtschaftlichen und hygienischen Verhältnissen des Orients und dem bunten Völkergemisch ist es von höchster Wichtigkeit, die Kinder von frühester Jugend an in Obhut zu nehmen und ihnen dne einheitliche Vorbildung für die Schule zu geben. Nachdem Kindergärten in Jerusalem, Jaffa, Safed ins Leben »erufen sind und nachdem durch sein Lehrerseminar in Jerusalem geeignete Lehrkräfte herangebildet sind, geht der Hilfsverein daran, Schulen zu begründen, die den mannigfachen Bedürfnissen der 'erschiedenen Bevölkerungsklassen Rechnung tragen. In Jerusalem st im Herbst vorigen Jahres eine Mädchenschule eröffnet worden, die sich des lebhaftesten Zuspruchs erfreut. Die Errichtung der echsklassigen Knabenschule in Jaffa, die im April dieses Jahres stattgefunden hat, erweist sich auch aus dem Grunde als besonders segensreich, weil gerade in dieser Stadt eine sehr starke Einwanderung russischer Flüchtlinge, die kaum mehr als ihr Leben gerettet haben, stattgefunden hat, und eine dauernde Hilfeleistung kann segensreich vor allem in der Form einsetzen, daß den Kindern der unentgeltliche Besuch einer guten Schule ermöglicht wird. Außeretatsmäßig sind für diese Kinder bis zum Ende des Jahres zunächst 1500 Frcs. zur Verfügung gestellt. Der Hilfsverein hat -ich bei diesen Verhältnissen auch veranlaßt gesehen, Mittel zur Eröffnung eines zweiten Kindergartens in Jaffa zu gewähren, der wiederum insbesondere den Emigrantenkindern zugute kommen wird. Auch in Jerusalem erweist es sich als notwendig, neben den zwei bereits bestehenden Kindergärten des Hilfsvereins einen dritten einzurichten; Mittel hierfür sind bewilligt, und die Eröffnung wird uimittelbar erfolgen. Die Tochter des verstorbenen Generalsekretärs des Hilfsvereins, Herrn Willy Bambus, die der Hilfsverein als Kindergärtnerin hat ausbilden lassen, wird an diesem Kindergarten wirken und zugleich Mi den Elementarklassen der Mädchenschule Unterricht erteilen. In Anbetracht der Bedeutung, die die Hauptstadt Jerusalem auch als Bildungszentrum für das Land hat, läßt der Hilfsverein es sich angelegen sein, die bestehenden trefflichen Bildungsanstalten 7A\ fördern. Für die Lämelschule, eine sich des höchsten Ansehens erfreuende Lehranstalt in Jerusalem, die in diesem Jahre ihr 50jähriges Jubiläum feierte, hat der Hilfsverein eine Subvention von 50O0e// zunächst für das Jahr 1907 bewilligt. Die Leitung der zurzeit sechsklassigen Knabenschule liegt in den besten Händen. Der Verwaltung gehört neben anderen Herr Rabbiner Dr. Horwitz, Frankfurt a. M., als Vorsitzender an, der zugleich Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins ist. Die Lämelschule wird in Zukunft in noch höherem Grade als bisher eine organische Vermittlung zwischen den unteren und den iiöheren Unterrichtsanstalten des Hilfsvereins in Jerusalem bilden.;)ies wird in besonderem Maße der Fall sein können, wenn, wie ai Aussicht genommen, der Lämelschule eine neue Unterklasse angegliedert wird für jene Kinder, welche den Kindergarten absolviert iahen, so daß alsdann organisch der Aufstieg der Kinder aus dem Kindergarten unmittelbar in die Lämelschule erfolgen kann. Anderseits will der Hilfsverein Schülern der Lämelschule wie auch entsprechend vorgebildeten Schülern anderer Lehranstalten — und zwar nicht nur Jerusalems, sondern ganz Palästinas — eine Ausbildung ermöglichen, die in umfassender Weise für spätere jiöliere Berufe vorbereitet und sie auch befähigt, in Staatsstellungen ■n der Türkei berufen zu werden. Es ist in der Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses beschlossen worden, in Jerusalem eine dreiklassige Mittelschule mit '-'ingefügten kommerziellen Kursen so schnell wie möglich zu begründen als Fortsetzung der Lämelschule. Die unterste Klasse dieser insbesondere auch auf die höheren praktischen Berufe vorbereitenden Schule wird zugleich die Verniittluugsklasse zwischen uimelschtile und dem Lehrerseminar bilden. Damit wird einem lebhaft empfundenen Bedürfnis abgeholfen. Das Lehrerseminar, •[as aus drei Klassen und einer Präparandenklasse für solche Schüler, die ohne entsprechende Vorbereitung von auswärts kommen, besteht, erhält damit ein Parallelinstitut zur Seite. Auf gemeinsamem unterbau bereitet das Lehrerseminar die künftigen Erzieher und die Mittelschule die Knaben für die höheren Berufe des gebildeten Mittelstandes vor, inbegriffen eine Anzahl türkischer Staatsstellungen. Da die Lehrer, die am Seminar ausgebildet worden sind, zum erheblichen Teil in die jüdischen Kolonien gehen werden, so sollen auch ferner in kürzester Zeit theoretische und praktische landwirtschaftliche Kurse in ausgedehnterem Maße am Seminar eingeführt werden. Diese landwirtschaftlichen Kenntnisse werden, namentlich was die Ackerbaukolonien in Palästina anbetrifft, für die Lehrer außerordentlich wichtig sein. Die Lehrer finden alsdann zugleich als praktisch vorgebildete Leute einen ganz anderen Rückhalt bei der Bevölkerung, Sie können ihren Schülern wie auch der erwachsenen Bevölkerung wertvolle Kenntnisse vermitteln und eventuell mit gutem Erfolge selbst landwirtschaftlich tätig sein. Es wird aber auch für den Gesundheitszustand der jungen Leute wertvoll sein, daß sie bei ihrer erheblichen geistigen Anspannung ein Gegengewicht in der Beschäftigung in freier Natur finden. In einer Kolonie wird derjenige Lehrer seine Aufgabe am besten erfüllen können, der selbst Kolonist ist. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, will der Hilfsverein diese landwirtschaftlichen Kurse einrichten. Als Lehrfächer der Mittelschule mit kommerziellen Kursen sind in Aussicht genommen: Hebräisch, Religionsunterricht, Deutsch, und zwar Deutsch und Hebräisch als Unterrichtssprache; im übrigen soll der Lehrplan dem der modernen deutschen Real- und Handelsschule entsprechen. Auch der Lehrplan der Knabenschule in Jaffa wird nach Einrichtung der kommerziellen Kurse in Jerusalem zur gegebenen Zeit eine Erweiterung erfahren, damit die Absolventen der Schule in Jaffa möglichst zweckentsprechend für diese kommerziellen Fortbildungskurse vorbereitet sind. Hoffentlich gelingt es, d'e landwirtschaftlichen Kurse in Verbindung mit dem Kolonisationsfonds des für Palästina sich so aufopfernden Rabbiners Dr. Salvendi zur Verwirklichung zu bringen. Ein ausführlicher Lehrplan ist in Bearbeitung. Nachstehend einige nähere Angaben, wie der Unterricht gedacht ist. Es wird beabsichtigt, eine Farm mit Milchwirtschaft und Viehzucht in der Nähe Jerusalems anzulegen. Auf dieser Farm soll den Seminaristen Gelegenheit geboten werden, sich praktisch in der Landwirtschaft auszubilden, während sie im Seminar selbst zugleich theoretischen Unterricht in der Landwirtschaft von einem erfahrenen Agronomen erhalten sollen. Ferner wurden bewilligt: für die Zentral-Bibliothek in Jerusalem 2000 Fr. Das Institut steht unter der Verwaltung der Bne Brith Loge. Die Bibliothek kommt dem Lehrerseminar entschieden in hohem Maße zugute, sie ist aber zugleich ein hervorragender Bildungsfaktor für die gesamte Bevölkerung. Die Bibliothek, begründet und tätig gefördert von Dr. J. Chasanowitsch in Bjelostok, besitzt bereits 28000 Bände. Für die Talmud-Thora-Schule der Sephardim in Jerusalem, die damit umgeht, unter Wahrung ihres spezifisch-religiösen Charakters den Unterricht den Erfordernissen der Zeit anzupassen, hat der Hilfsverein für das bis zum April 1907 laufende Schuljahr 550 Fr. gewährt. Der Galil-Loge in Safed, die ein eigenes Heim für den dortigen Kindergarten errichtet, ist gemäß dem vorliegenden Antrage ein Darlehen von 1500 Fr. vorgestreckt worden. Der Bauplatz ist bereits erworben; ein Spielplatz für die Kinder steht ebenfalls zur Verfügung/ Der Or-Thora-Schule für religiösen und gewerblichen Unterricht in Safed — einer Gründung der Misrachi-Zionisten — wurden bis zum April 1907 400 Fr. bewilligt. Es wird angestrebt, das Schulwesen der Stadt zu vereinheitlichen und alsdann allmählich auszugestalten. Auf Antrag der Jeruschalaim-Loge und des Jerusalemer Frauen-Vereins Esrath-Naschim sind für 7 russische Waisen und Emigrantenkinder 2000 Fr. zur Verfügung gestellt worden. "Ebenso wurden 1000 Fr. für Stipendienzwecke für Emigrantenschulen des Lehrerseminars resp. die Präparandie bewilligt. Dem Schaar Zion-Hospital in Jaffa, das durch den Zuzug von Emigranten gleichfalls in außergewöhnlicher Weise belastet ist, ist eine Zuwendung von 500 Fr. gemacht worden. Es sei noch bemerkt, daß die Schöpfungen des Hilfsvereins in Palästina durch Herrn Direktor Ephraim Cohn, Direktor der Lämelschule, in umsichtiger und energischer Weise geleitet und beaufsichtigt resp. organisiert werden. Herr Direktor Cohn, der zurzeit in Berlin weilt, ist zur Sitzung des Hilfsvereins hinzugezogen worden. Von den ferneren Bewilligungen in der Sitzung seien noch erwähnt: Für die Or-Thora-Schule in Konstantinopel eine Extrasubvention von 3000 e^K für das Jahr 1907. Für einen Lehrer und Schochet in Eschkischeher an der anatolischen Bahn 960 Fr. Für die Haushaltungsschule Lumina in

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