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Die Welt · 1906-09-19 · 42 (19.9.1906) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
42 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 42 DIE ELT 17 und sammeln für den Nationalfonds. Doch scheinen an dieser rührigen Arbeit nur Osiek und Zemun, sowie das benachbarte Belgrad (Serbien) beteiligt zu sein. In Zemun führten sie die Selbstbesteuerung ein. — Der frühere Eifer der bosnischen Zionisten hat an vielen Punkten merklich nachgelassen; so z. B. hält der „Bnei Zion" in Sarajevo, der sich gerne zur zionistischen Zentralstelle auswachsen möchte, noch ausgiebigen Sommerschlaf. Selbstbesteuerung ist nur in Donja Tuzla eingeführt. Es ist die höchste Zeit, daß die 5—6 nennenswerten Agitatoren Bosniens gemeinsame Arbeit machen und eine Landesorganisation durchführen. Das österr. Landeskomitee wird sicher seine Unterstützung nicht versagen. Die Grundlage für eine kräftige Agitation ist vorhanden, — unbekannt sind unsere Bestrebungen auch in Bosnien nicht mehr. Iteha. Böhmen Tep Ii tz-Schönau. Unsere verehrte Gesinnungsgenossin, Frau Elisabeth Perutz, hat aus Anlaß eines Familienfestes wieder eine hochherzige zionistische Widmung gemacht, indem sie den Betrag von 1000 K. nachstehenden Zwecken spendete, u. z. dem Nationalfonds 250 K.—, der Palästinakommission 250 K.—, dem Aktionskomitee zur Verfügung 100 K.—-, dem Bezalel 100 K.—, der Nationalbibliothek 100 K.—, dem jüdischen Volksverein Zion Teplitz - Schönau zur Förderung der Propaganda des zionistischen Gedankens 200 K.—. Der Verein beschloß, die hochherzige Spenderin, die nicht das erstemal ihre zionistische Gesinnung in so vornehmer beispielgebender Weise bewährt, durch Eintragung in das Goldene Buch des N. F. zu ehren. Belgien Delegierten-Konferenz der Belg. Zionisten= Federation Montag den 2. Oktober vereinigten sich die Delegierten der belgischen Zionistenvereine zu einer Konferenz, die statutengemäß' alle drei Monate stattfindet. Anwesend waren die Mitglieder des Landeskomitees: Grünau-Grünzweig, Dr. L. Herz, Jean Fischer, M. D. Horowitz, H. Gretzer, der N. F.-Kommissär Oskar Fischer und die Delegierten: D.Weinberg, G. Karlin (Agudath Zion), R. Cohn, 1. Groß (Bnei Zion), S. Spira (Zeire Zion), Jancovitz (Etudiants sionistes). Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Besprechung des Tätigkeitsprogramms für das folgende Jahr. Nachdem mehrere Vorschläge vorgebracht und diskutiert wurden, einigte sich die Versammlung in dem Beschlüsse, allwöchentlich zionistische Zusammenkünfte zu veranstalten, an denen sämtliche Vereine teilnehmen sollen. Mit der Ausführung dieses Beschlusses wurden das Landeskomitee und die Präsidenten der Vereine betraut. Hierauf wurde auf Verlangen des Herrn Oskar Fischer die Reorganisation der „Selbstbesteuerung" dahin beschlossen, daß jeder Verein mehrere N. F.-Kommissäre zu ernennen habe, die sich allwöchentlich vereinigen müssen. Auch wurde die Notwendigkeit der persönlichen Propaganda für eifrigere Nationalfondssammlungen betont. Der Einladung des Zionistischen Zentralbureaus gemäß wurden die Chanukahtage zu Schekeltagen bestimmt, und werden alle Vereine aufgefordert, Propositionen behufs wirkungsvoller Gestaltung dieser Schekeltage dem Landeskomitee ehestens zukommen zu lassen. Die bereits früher eingesetzte Palästinakonimission für Belgien hat bisher noch kein genügendes Resultat ihrer Tätigkeit gezeigt, indessen ist das L. K. in Verbindung mit Herrn Prof. Warburg getreten und hat sich bestrebt, für gewisse palästinensische Produkte, namentlich Früchte, Weizen etc. Absatz zu finden, und sobald die Produkte des „Bezalel" uif den Markt kommen, die Propagierung derselben wirksam vorzubereiten. Argentinien Die Arbeiten zur Reorganisation der argentinischen Federation schreiten rüstig vorwärts. Unter der tätigen Leitung des A.-C. Mitgliedes A. Vecht haben schon mehrfach Besprechungen der verschiedenen Vereine stattgefunden, die auf ein günstiges Resultat schließen lassen. Gleich nach der Rückkehr des Herrn Crenovich von Europa wird die Arbeit zum definitiven Abschlüsse gebracht werden. .^L NACHRICHTEN :i5^==J Aus der Emigrationsbewegung Am 27. September fand in Petersburg eine Sitzung der Emi-;;i'ationssektion des Petersburger Zentralkomitees der „Ica" statt, in der Sitzung wurden folgende Fragen behandelt: 1) Die Informationsliteratur, 2) Die Bildung von Emigrationskomitees in der Provinz, 3) Das Verhältnis des Petersburger Informationsbureaus zu den ausländischen Imigrationskomitees, 4) Die Informationen, welche das Bureau den Imigranten bereits erteilt hat. Alle diese Fragen wurden vom Sekretär der Sektion in einem umfassenden Berichte behandelt. Bezüglich des ersten Punktes heißt es, daß eine ganze Reihe von Broschüren und Flugblättern über die Emigration bereits veröffentlicht worden ist. In der letzten Zeit erschienen folgende Publikationen: eine Broschüre über Kanada in russischer Sprache und Jargon; eine Broschüre über Argentinien, auch in diesen zwei Sprachen. Außerdem wurden Flugblätter über verschiedene Staaten in Amerika herausgegeben. Zur zweiten Frage der Tagesordnung meldet der Bericht, daß in verschiedenen Städten Emigrationskomitees organisiert oder Vertreter des Petersburger Informationskomitees bestimmt wurden. Die Emigrationskomitees und die Vertreter haben den Emigranten die nötigen Informationen erteilt und sind ihnen in Paßangelegenheiten und anderen Formalitäten behilflich gewesen, und haben sie auch vor Ausbeutung seitens der Agenten beschützt. Die Tätigkeit der Emigrationskomitees wird durch n die Agenten und durch die Schwierigkeiten, mit welchen bis zur letzten Zeit ihre Legalisierung verbunden war, gestört. Mit den ausländischen Emigrationskomitees stand das Petersburger Bureau in fast keinen Beziehungen. Vom 1. Januar bis zum 1. Juni haben sich an das Emigrationsbureau 2258 Personen brieflich und 96 persönlich gewandt. Ein Hilferuf der Opfer von Siedice Das Hilfskomitee von Siedice versendet einen Aufruf: „An die Menschenfreunde!", in dem es heißt: „Die Stadt Siedice, 28000 Seelen zählend, wurde drei Tage lang beschossen. Es gab Hunderte von Toten und Verwundeten. Hab und Gut wurden geplündert; Wohnräume liegen in Trümmern und Schutt. Wisset ihr, was es bedeutet, während einer langen Nacht und eines langen Tages und während einer zweiten Nacht und des darauf folgenden Tages und dann noch einmal vierundzwanzig Stunden lang jeden Augenblick Plünderer und Räuber, Mord und Tod zu erwarten? Fühlet ihr mit jenen Müttern, die erwarten müssen, daß die sich ihnen anschmiegenden Kinder dem Verderben entgegengehen, wenn Pforten und Türen stürzen, Unmenschen hereinbrechen, um wehrlose Eltern und Kinder zu vernichten? Begreifet ihr, was im Herzen und Gehirn der Weiber vorgeht, wenn draußen Schüsse krachen, die Männer und Väter nicht nach Hause kommen? Höret ihr das Stöhnen der Greise und Jünglinge, der Frauen und Kinder, die mit zerschmetterten Knochen, entsetzlich verwundet, daliegen? Höret ihr das Röcheln der mit dem Tode kämpfenden glücklichsten dieser Opfer, der wahrlich glücklichsten, da alle die Hinterbliebenen, kaum sie dem Tod entronnen sind, das noch schrecklichere Phantom des Elends und Hungers vor den irren Augen haben?" Gezeichnet ist der Notschrei vom Hilfskomitee für die bei der Siedlcer Katastrophe vom 8., 9. und 10. September 1906 Verunglückten: Rechtsanwalt Stanislaw Sunderland, Vorsitzender; Czackis, Sekretär; Mitglieder: Rabbiner Anulik, Kurator des Spitals Weintraub, X. Scipio, Ortspfarrer, Bankier Mintz (Firma S. B. Mintz), Rechtsanwalt Chrzanowski, Bankier Orzel (Firma Orzel & Neugoldberg), Stadtpräsident Korsak, Kaufmann Glücksberg. Geldspenden sind zu richten an das Ortskomitee zu Händen des Rechtsanwalts Sunderland, an die Bankfirmen oder an die israelitische Kultusgemeinde in Warschau, Grzybowska 26 8. Personalien. Schriftsteller Dr. Marek Scher lag hat sich mit Frl. Amalie Sternbach, der frühere Redakteur der „Jüdischen Rundschau", Herr Julius Becker, mit Frl. Anna Rosenblatt vermählt. — Am 21. Oktober wird sich Herr Edmund Sehr mit Frl. Nora Gabel, Tochter des Herausgebers der Ungarischen Wochenschrift, Herrn Julius Gabel (Budapest, Dob uteza 14) vermählen. Briefkasten der Redaktion. Pollak, Manchester. Zionist Association, 97 Cheetham Hill Road. Die Gesamtsumme der Spenden in dieser Nummer beträgt Mark 19289.94. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.

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