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Die Welt · 1906-09-19 · 42 (19.9.1906) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
42 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 42 DIE^Kl ELT qp|=^ lDöCZI o o o o ^Oo KORRESPONDENZEN ^oU rinn Zur Abänderung des Organisationsstatuts Die Abführung der Schekelgelder an das A. C. ist seit jeher ein wunder Punkt unserer Föderationen. Darüber wurde viel diskutiert und geschrieben, es wurden den L. C. Zugeständnisse in materieller Hinsicht gemacht; aber welchen Erfolg hat dies alles gezeitigt? Ist dadurch die materielle Lage des A. C. verbessert worden? Darüber geben dessen Rechenschaftsberichte genügenden Aufschluß. In dem Maße, als die Bewegung wuchs, wurden die Hinkünfte des A. C. relativ immer kleiner und kleiner. Im ersten Augenblicke erscheint dies paradox. Wenn man aber näher forscht, findet man die Stelle, die reformbedürftig wäre: diese Stelle ist die Föderation. Mit der Zahl der Zionisten wuchs nicht nur das Budget des A. C, sondern auch jenes der Landeszentren. Doch woher soll die Landeszentrale das Geld zur Bestreitung der laufenden Ausgaben nehmen? Am naheliegendsten die Schekelgelder. Wenn sie auch nicht ganz verbraucht werden, so werden sie derart dezimiert, daß das A. C. wiederum zu kurz kommt. Man sieht also, daß die Föderationen in erster Linie reformbedürftig sind; erst wenn ihre materielle Lage gesichert wird, können die Schekeleinläufe in korrekter Weise an das A. C. abgeführt werden. Und die Festigung der materiellen Lage der Föderationen kann m. E. auf folgende Weise leicht durchgeführt werden: Jeder Zionist muß der Landes- und Weltorganisation angehören, mit andern Worten: er muß Schekel- und Landesbeitrag zahlen, um das aktive und passive Wahlrecht für den Kongreß zu besitzen. Denn mit der Einhebung der Landesbeiträge sieht es heute sehr schlecht aus. Als klassisches Beispiel will ich hier den Distrikt Mähren und Schlesien anführen. Hier gibt es 1206 Schekelzahler; von diesen zahlt kaum ein Viertel den Landesbeitrag. Es gehen dem österreichischen L. C cd. 1000 Kr. verloren. In anderen Distrikten steht es um diese Sache nicht besser. Rechnet man nun, welche Summen hier verloren gehen, so. muß man zu der Erkenntnis gelangen, daß hier Wandel geschaffen werden muß. Freilich muß eine Pression auf die Mitglieder der Organisation ausgeübt werden, daß sie ihren Pflichten nachkommen, und dies geht leicht, wenn man den § 1 des Organisationsstatuts folgendermaßen formuliert: Die zionistische Organisation umfaßt.......und Schekel- und Landesbeitrag zahlen. Die Quittung für den Schekel gilt auch als Quittung für eleu Landesbeitrag, da von nun an jeder Zionist beides zahlen mußte. Obgleich ich nicht optimistisch veranlagt bin, glaube ich annehmen zu dürfen, daß die materielle Lage beider Korporationen der Föderation und des A. C. — sich bedeutend bessern würde. Und nun noch etwas. Der Vorschlag des Herrn J. Berger, der darauf hinzielt, daß das Budget des A. C. durch Gelegenheitsspenden bestritten werden soll, ist nicht diskutabel. Das A. C. und die Bewegung würden dadurch in Mißkredit gebracht werden. Herr S. Weil ist ein großer Idealist, wenn er hofft, gemäß seines Vorschlages einen Schekel von 5—6 Mark als Minimum zu erhalten. Man möge eine Enquete über den Vorschlag des Herrn Weil veranstalten, aber nicht in Deutschland und in Österreich, sondern in Rußland und Rumänien, dort wo relativ am meisten Schekel verkauft werden; Herr Weil wird von dem Resultat sehr enttäuscht sein. Und dann hat dieser Vorschlag noch den Nachteil, daß seine Umsetzung ins Praktische Klassengegensätze innerhalb der Organisation hervorzuheben imstande ist, die leicht der Bewegung schaden könnten. Julius Fried. II. Das Aktionskomitee hat auf der Jahreskonferenz in Köln die Uberzeugung ausgesprochen, daß das Organisationsstatut einer Umgestaltung bedarf. Was nützt es, wenn man da viele Phrasen drechselt und den Tatbestand zu bemänteln sucht, wenn die nackten Tatsachen am deutlichsten sprechen. Das A. K. ist zu dieser Überzeugung gekommen, weil die Summe der in seine Kasse fließenden Schekelgelder nicht entfernt ausreicht, um die laufenden Spesen zu decken, geschweige denn etwas Neues, und wäre es noch so Wichtiges, zu unternehmen. Zu unserem Trost und zu unserer Beruhigung wurde uns versichert, daß die Zahl der Schekolim in diesem Jahre ini Vergleiche zu anderen kongreßlosen Jahren sogar zufriedenstellend genannt werden kann. Bloß sind die Gelder nicht, oder noch nicht, an das A. K. abgeführt worden; sie sind irgendwo, vorläufig oder endgültig, stecken geblieben. Die Form des Wahlrechtes zum Kongreß sei auch nicht einwandfrei; und der Wahlmodus müßte geändert werden. Herr J. Berger macht in Nr. 37 der „Welt" Vorschläge zur Abänderung desOrganisationsstatuts, welche mich veranlassen, zu dieser Frage auch meine Ansicht zu äußern. Ich zweifle nicht, daß wir es fertig bringen werden, eine andere Form des Wahlrechtes zu finden. Ob die andere Form ebensogut, besser oder schlechter in der Praxis sein wird, wer vermöchte das im vorhinein bestimmt zu sagen? Es wird viel geschrieben, gesprochen, es wird sogar viel gearbeitet werden. Der Drang nach Betätigung wird ein billiges Feld finden, wo er sich entfalten kann. Wir werden den Wahlmodus ändern. Ich nehme an, er ist schon geändert. Aber wo nehmen wir damit das Geld her, um die Spesen zu zahlen, die eine Organisation, wie die unsrige, hat und haben muß? Die Institution des Scheitels hat sich in der zionistischen Welt eingebürgert. Der Schekel hat bereits die Weihe der Jahre erhalten. In den weitesten jüdischen Kreisen ist es bekannt, daß die Entrichtung eines Schekels per Jahr einem Juden das Wahlrecht zum Kongreß gibt, ihn zum zionistischen Bürger macht. Die Erfahrung hat gelehrt, daß im allgemeinen ein Zionist bei der Zahlung des Schekels nicht stehen geblieben ist. Wer dies getan hat, hat dann später den Schekel auch nicht gezahlt und kommt als Zionist nicht mehr in Betracht, oder er war arm und konnte nicht mehr leisten, von solchen kann man auch jetzt nicht mehr verlangen. Mir erscheint eine Umänderung des Schekels beinahe wie eine Abschaffung, und ich halte es für gefährlich, die Institutionen, die in der ersten Herzischen Epoche des Zionismus geschaffen wurden, abzuschaffen oder umzuändern. Die bis nun proponierten Veränderungen verlangten: Der Betrag des Schekels soll nicht auf 1 Franc oder Mark festgestellt werden, es soll jedem frei stehen, einen oder mehrere Schekel zu zahlen. Oder es soll eine Art Einkommensteuer eingeführt werden. Jeder soll nach seinem Einkommen Schekel zahlen. Herr Berger verlangt: Schekel sollen alle zahlen, jeder Mensch, dem der Zionismus etwas Gutes zu bedeuten scheint, soll den Schekel zahlen. Warum nicht auch Nichtzionisten? Das sind alles fromme, sogar sehr fromme Wünsche. Rechnen muß man jedoch mit dem, was man hat. Und jetzt sind wir beim Rechnen angelangt. Also die Schekel, sagt man uns, sind zum größten Teil bezahlt worden, und dies glauben wir auch. So viel Vertrauen haben wir zu unseren Zionisten und zur Herzischen Institution des Schekels, daß wir ruhig annehmen, der Schekel werde überall gezahlt. Nun denn, der eingezahlte Schekel hat voll und ganz seiner Bestimmung zugeführt, hat dem A.-K. oder deutlicher dem E. A. K. ausgezahlt zu werden. Diesem sehr leicht erreichbaren Ziel müssen wir in dieser Hinsicht zustreben. Ich sage: sehr leicht erreichbaren Ziel, und füge hinzu, daß die Institution des Schekels dadurch gestärkt wird, wenn alle Zionisten sicher sind, daß der Schekel an das E. A.K. in Ordnung abgeführt wird, und daß das Bekanntwerden des Gegenteils viele Schekelzahler, somit viele Zionisten aus der Organisation treiben wird. Die Zahl unserer Anhänger ist längst auf eine halbe Million geschätzt worden, und da haben denn die Vorsteher mancher Föderationen herausgefunden: es wäre zu viel, wenn jährlich dem Aktions-Komitee 500000 Fr. zur Verfügung gestellt würden, und in Anbetracht, daß die Föderationen nur zu oft in Geldnöten waren, beanspruchten sie die Schekelgelder teilweise für sich. Teilweise will nicht immer besagen, einen Teil des Ganzen, man kann auch das Ganze teilweise nehmen. Das Aktions-Komitee hatte die Schwäche, Zugeständnisse zu machen; die Forderungen der Föderationen wurden immer größer, bis wir endlich so weit gekommen sind, daß es Föderationen gibt, die keinen Pfennig an das Aktions-Komitee abführen. Warten Sie nur ruhig ab, meine Herren, die Vorsteher dieser Föderationen werden beim nächsten Kongreß das große Wort führen, sie werden die Tätigkeit des Aktions-Komitees einer minutiösen Kritik unterziehen, werden schließlich mit ihren besseren Ideen kommen, Vorschläge machen und Resolutionen fassen, sie werden sogar Gelder verleilen von der Tribüne herab, die verschenkten Gelder werden im Protokoll verzeichnet werden, aber sehen wird sie niemand, die vielen Gelder, und am allerwenigsten die oberste Leitung. Wozu auch? Sollen

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