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Die Welt · 1906-09-19 · 42 (19.9.1906) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
42 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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jüdischen Gymnasiums mit dem Unterricht in hebräischer Sprache ein vollständig vernünftiger, natürlicher. Wir Juden lieben gewöhnlich, jede Sache beim äußersten Ende zu fassen. Als man von jüdischer Kulturrenaissance auf palästinensischem Boden zu reden begann, da dachte man sofort an eine Hochschule. An eine Elementarschule hätte man zuerst denken sollen. Die Hochschule kommt dann von selbst. Der deutsche Schulmeister hat über Frankreich gesiegt — der jüdische Schulmeister in Palästina wird vielleicht über den Goluth zu siegen helfen. Wir wissen nicht, wie weit das Projekt des Gymnasiums gediehen ist. Einstweilen liegt uns das Programm vor, das dem eines deutschen Gymnasiums entspricht. Es ist natürlich mit einem Programm nicht geholfen. Es müssen auch Lehrkräfte vorhanden sein. Das Komitee, das sich an die Spitze stellte, müßte dafür Sorge tragen. Die Schüler werden hoffentlich nicht ausbleiben. Es ist Pflicht und Schuldigkeit der jüdischen Eltern, die ihre Kinder als freie Juden erziehen lassen wollen, sie nach dieser Schule zu schicken. Alles andere wird sich von selbst geben. Gleichzeitig mit diesem Projekt ist auch das in derselben Richtungslinie sich bewegende Projekt des „Hilfsvereins der deutschen Juden" aufgetaucht. Die Arbeiten für die Mittelschule in Palästina, die vom „Hilfsverein" geplant werden, sollen bereits im vollen Gange sein. Wir können ihm nur Glück wünschen zur Erkenntnis, daß ein nationalkulturelles Werk in nationalem Sinne, d. h. zukunftsschauend gemacht werden kann. Anerkennung ^er ^taatssekretär der Vereinigten Staaten von Nordamerika, M. Elihu Root, hat auf seiner jüngsten Reise nach Südamerika eine Abordnung der argentinischen Zionistei in Buenos-Aires empfangen, die ihm eine Willkommadresse über reichten. Mr. Root antwortete dem Führer der Deputation, den Mitgliede des Aktionskomitees Herrn Aron Vecht, folgendes: „Id danke Ihnen von Herzen für Ihre freundliche Begrüßung und schätz mich glücklich, Zeuge zu sein der warmen Gefühle, die das jüdische Volk gegenüber den Vereinigten Staaten hegt. Das amerikanisch', Volk wird immer mit Freuden bereit sein, dem jüdischen Volkeüberall in der Welt zu helfen. Ich bin aber überzeugt, daß die letzte Hilfe immer nur von der jüdischen Nation selbst herkommei: kann, wenn es ihr gelingen wird, ihre alte Heimat in Palästina wieder zu erlangen." Diese Atierkennung des leitenden amerikanischen Staatsmannes der in den Vereinigten Staaten noch eine große politische Rolle spielen wird, zeugt für sein tiefes politisches Verständnis. Übrigen* war das Verhältnis der nordamerikanischen Regierung zum Zionismus seit jeher ein freundliches und verständnisvolles. Und es ist natür lieh. Ein Volk, das die Freiheit liebt, das sich das Recht, frei uneingeschränkt zu leben, erobern mußte, das gleichfalls naci der Schaffung einer eigenen Kultur, oder, besser gesagt, Umscharfun; einer alten überkommenen Kultur strebt, kann nicht umhin, de Zionismus sympathisch anzusehen. Amerika war bisher gewöhn; seine Sympathien nicht nur auf Worte zu beschränken, sonder' durch hilfreiche Tat zu bekräftigen. Wir wollen hoffen, daß d; Vereinigten Staaten, deren Einfluß auf die internationale Poliii täglich steigt, auch in unserem Falle die zionistischen Bestrebunge fördern werden. AUS DEM FERNEN OSTEN Es war an einem heißen Julitage, als uns der Zug von den grünen Ufern des Rheins in schnellem Fluge durch die Schweiz und Italien nach Genua brachte, von wo aus wir unsere Fahrt nach China antreten sollten. Der Dampfer „Ziethen" des Norddeutschen Lloyd nahm uns an Bord und an einem schönen Morgen lichteten wir die Anker; umspült von den azurblauen Wogen des Mittelländischen Meeres hatten wir in wenigen Tagen Port-Said erreicht; traurig dachten wir daran, daß unser Schnelldampfer keine Muße habe, sich lange aufzuhalten — wie bald hätten wir sonst von hier aus nach dem Lande unserer Wünsche eilen können, wie nahe war uns Jaffa und Jerusalem..... Aber rastlos ging es vorwärts durch den Suez-Kanal, öde Wüste zu beiden Seiten, schwarze Führer mit ihren Kameelen und ihren Mauleseln, spärliche Palmen und Oasen. Welch wundervolles Schauspiel, Urmutter Sonne über dem Wüstensand auf- oder untergehen zu sehen . . . . , Farbenspiele und Licht-Effekte, wie sie kein Künstlerauge herrlicher zu erträumen vermag. Und weiter geht die Fahrt durch das Rote Meer. Glühend sengt die Sonne. Man schläft nachts auf Deck, weil die Backofen- Hitze in den kleinen Kabinen trotz elektrischer Fächer nicht zu ertragen ist. Und eines Nachmittags sieht man ganz in der Ferne einen hohen Hügel auftauchen, inmitten einer Kette von anderen Erhebungen; vor uns sehen wir den Berg Sinai, und ein englischer Missionar erzählt den lauschenden Passagieren, hier sei die Stelle, an der die Kinder Israels unter Moses Führung trockenen Fußes durch das Meer zogen, dorthin, ins gelobte Land .... Ein beklemmendes Gefühl überkommt uns; befinden wir uns doch mitten im roten Meer, in der Nähe jener historisch denkwürdigen Orte, von wo aus unsere nationale Geburt ihren Ausgang nahm, und träumerisch und voller Andacht schweift unser suchender Blick nach unserem Heimatlande; es ist uns, als sollten wir das Schiff aufhalten auf seiner geschäftigen Fahrt, um einmal wenigstens den Boden Palästinas betreten zu haben. Aber vergeblich. Unaufhaltsam geht es weiter, an Ländern und Inseln vorüber; es fliegen die Tage, und nach einer langen Fahrt von vier Wochen setzten wir unseren Fu auf den Boden Shanghais, der Metropole des fernen Ostens. In Shanghai leben etwa 300 Juden. Wenn man an eine:; schönen Schabbos-Nachmittag seine Schritte zum „Public gardei lenkt, findet man an der Wasserseite, wo eine sanfte Brise kühlem Lüfte zuträgt, einen kleinen Kreis von Männern in behaglicher Siest Es sind Juden. Fast alle stammen sie aus Persien und Indien, in: trotz ihrer braunen Hautfarbe freut man sich ihrer von Herze freut man sich weit im Osten nach so langer Fährt zum ersten M wieder Stammesbrüder zu treffen. Passiert man dann die Brücke, die zwei Stadtteile mit einancl verbindet, so findet man in der Seward Road die beiden Synagoge der Sephardim und der Aschkenasim, die unter einem Dach friedlie vereint sind. Welch buntes Gemisch von Stammesgenossen herrsc; hier zur „Schulzeit" . . . Der Araber mit seinem roten Fez, hu der braungebrannte Bagdad-Jude, dort Juden aus Singapore, dai wiederum ein paar Engländer und Amerikaner mit ihrem bartlose Gesicht, einige Österreicher und ein blonder Deutscher, — w: eigenartig, daß sie alle die charakteristischen Eigenschaften ck Völker zeigen, unter denen sie aufgewachsen sind, und daß s trotzdem alle den gemeinsamen semitischen Typus zur Schau trage, der sie als Brüder ein und des gleichen Stammes kennzeichnet . . Was aber am meisten auffällt, sind drei chinesische Juden in ihn nationalen Tracht, die andächtig ihr „Schemonoh-esroh" bete; Welch wunderlicher Anblick, an dieser Stätte die bezopften SöhiK des Himmels zu finden: sie stammen aus der Provinz Honan, w man sie entdeckte, und es unterliegt keinem Zweifel, daß man o mit einem nach China versprengten Teil wirklicher Juden zu tiu hat, die sich dank der Zähigkeit der jüdischen Rasse mitten untnden sie umgebenden Chinesen in ihrer Eigenart erhalten habe:- Lange Bänke stehen rings an den Wänden der Synagoge, und aüjedem Platz liegt ein Fächer, mit dem man sich Kühlung zufäche1 In Shanghai erscheint eine zionistische Wochenschrift „Isra.M

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