Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 41 (12.10.1906)
- Date
- 1906-10-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- Pinsk 1× ep/1045440
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chok! B'muti minoch Itzchok! Ich lade dich ein, Isaak, du milder Erzvater! Nun taucht ein liebliches Bild nach dem anderen aus dem Verborgenen heraus. Sie blühen aus der Seele des Hellsehers; sie schwirren in dem geweihten Laubwerk, und jedes Staubfädchen, jedes Blättchen, jedes Zäckchen am Blatt malt zitternde Ahtiengestalten aus Alt-Kanaan im Holzhüttchen, dort im Winkel, im Hofe des Reb Kiwa Cohn in P. B'muti minoch, Jaakow — ich flehe dich an, Jakob! Reb Awrehmel stößt etwas wie einen Notschrei aus der schwachen Brust, ein Notschrei an den schwergeprüften, leidensvollen Wanderer . . . Leidensvater! Und du, Joseph! — Er vertieft sich in Gedanken. Joseph, Hazadik. Du bist - sagt der Sohar — Jessod Tzedek — Element der Gerechtigkeit! Ich empfange dich mit Begeisterung in der Seele. Du erscheinst in funkelnder Morgenröte — Nogah bist Du. Du schwebst über mir, wie ein Adler in der Luft, wie ein Adler über das Nest wachend. Steige zu mir herab! Ich klammere mich an dich, bidweikoth, zudringlich. Du fliehst? Ich verfolge den Fliehenden! Ob ich ihn einhole? B'chinat d'iskasiv ist er? Versunken in der Weltensphäre? Heraus aus dem Versteck! Heraus aus dem verkrochenen Höhenversteck und werde D'isgalis! Werde klar, Geist der Gerechtigkeit. , Reb Awrehmels Blicke schweifen in der Sukkah umher. Seine Augen verlieren sich in etwas Weitem, Leerem, Unbestimmbarem. Uschpisi iloi, Uschpisi iloi! Wunderbare Geistererscheinungen schwirren wie Singvögel um ihn her, Träume und Bilder. In Hütten sitzen wir, im Midbor, im Goluth — geknechtet, geschunden gemartert, gefesselt . . . Aber sind wir in Goluth? Erzväter, ihr seid mit uns, hier an diesem Tisch. Und er taucht ganz in dem tiefen, heiligen Uschpisi-Mysterium unter. Da ist David ben Ischai! Das Lied jauchzt, die Sukkah wird von Halleluja-Rufen durchklungen. Lichte Vögel singen hell, jubilierend. Israels König d'jaswo imi, daß du dich setzest neben mir! Schwindsuchtsflammen brennen in purpurnen Flecken auf dem eingefallenen, bleichen Gesichte. Uschpisi iloi, Prinzen sind wir, palmenbekränzt, myrtenumschlungen. Es wogt von Ahnenbildern, sie fluten, sie schimmern: Netzar Ewigkeit und Hod (Pracht) und Zedek — Gerechtigkeit, wie der Sohar sagt — ihr seid um uns. Mattes, bläuliches Mondlicht schimmert durch das Dach-Laubnetz. Man kann die graue Mauer sehen. Mit einemmal knistert das Laub heftig. Ein Ste:n ist von dem benachbarten Mauerfenster gerade auf Reb Awrehmels Kopf geschleudert worden. Er war schwarz und schwer und kantig, — Der Schusterjunge von der Nachbarschaft hat gut gezielt — auf den verdammten Zyd. Reb Awrehmül reibt mit der Hand die schmerzende Stelle Die Hand ist gai z von Blut gerötet. Die Kinder beginnen entsetzlich zu schreien. N. Sokolow c ooooooooo sssir NACHRICHTEN OOOOOOOOO Kischinew. Die Bevollmächtigten der Konferenz der Vereine des russischen Volkes verbreiten den folgenden Aufruf unter der Bevölkerung: „Geehrter Herr! Die Kischinewer Abteilung des Verbandes des russischen Volkes kennt Ihre heiße Liebe zum Glauben, zur Kirche, dem Kaiser, dem Vaterlande und dem ganzen russischen Volke und bittet Sie, bei der Organisierung einer Kampfesabteilung des Verbandes des russischen Volkes behilflich zu sein, indem Sie neue Mitglieder für diese Abteilung werben. Jedes Mitglied muß einen jährlichen Beitrag von 50 Kop. zahlen. Jede Kampfesabteilung muß mindestens 15 Mitglieder zählen, der Chef jeder Abteilung muß mit dem Kischinewer Verband des russischen Volkes in ständigen Beziehungen stehen. Der Vorsitzende des Kischinewer Verbandes des russischen Volkes P. A. Kruschewan. Vizepräsidenten: Der Kischinewer Missionär Priester Theodosij Wolowej, P. I. Garin, Kassierer N. A. Zolotuchin, Sekretär#< M. J. Kizacki. Mitglieder: Priester Sofron Tschelak, Priester Ö. Abaschder, Oberst A. P. Popow, I. K. Kowaldschi, A. T. Schtscherbak." Der Vorsitzende des Odessaer Verbandes des russischen Volkes Graf Konownicyn wurde vor einigen Tagen vom Premierminister empfangen. Die Unterredung dauerte 2 Stunden. Der Graf bat um Unterstützung zum Kampfe mit der Revolution. Stolypin versicherte ihn, daß der Verband auf Sympathien der Regierung rechnen kann. Auf Grund von Dokumenten veröffentlicht die Zeitung „Sewodnia" sehr' interessante Details über die inneren Verhältnisse des Verbandes des russischen Volkes. Bis zum 17. September zählte der allgemeine Verband des russischen Volkes 45 000 Mitglieder, unter diesen befanden sich viele Beamten der öffentlichen und der Geheimpolizei, Gendarmen, Polizisten etc. Viele von den Beamten verschiedener Ministerien wurden ohne ihre Kenntnis in den Verein eingeschrieben. Tula. In den letzten drei Tagen verüben Hooligans Anfälle auf Juden. Besonders oft kommt das in der Kiewer Straße vor. Der Mitarbeiter von „Moskowskije Wiedomosti", welcher in Bjelostok verwundet wurde, sandte das von ihm gesammelte Material in das Ministerium des Innern. Dieses Material über den Bjelostoker Pogrom soll als eine Broschüre herausgegeben und unter die Bevölkerung verteilt werden. Auf dem jüdischen Friedhofe in Pinsk wurde vor einigen Tagen eine Waffenniederlage gefunden. Die Polizei hat eine strenge Revision vollzogen, hat aber die Eigentümer der Waffen nicht ermitteln können. In der Zeitung „Rußkoje Znamja" erschien das Telegramm, welches der Verband des russischen Volkes in Irkutsk an den Kaiser abgesandt hat. Das Telegramm lautet: „Es ist die höchste Zeit, daß der Verband des russischen Volkes in Irkutsk eine bestimmte Stellung zu der Judenfrage nimmt. Die Völker Westeuropas, welche sich in Judenknechtschaft befinden, ersticken in diesen Fesseln. Soll denn auch vdas heilige Rußland diesem Schicksal verfallen? Siehe, großer Kaiser! die Juden haben Rußland den Krieg auf Tod und Leben erklärt, sie haben die Revolution ins Land gebracht. Die Juden terrorisieren unser Vaterland durch unsinnige und grausame Morde, Gewalttaten und Aufstände. Sie verderben diejenigen von den Russen, welche keinen Charakter und keinen Glauben haben. In den Schulen verderben sie die russischen Kinder. Durch ihre Propaganda im Militär erschüttern sie die Grundlagen der Pflicht und Treue. In der russischen Presse, die sie ganz beherrschen, lachen sie die heiligsten Gefühle des russischen Volkes aus. Durch falsche und tendenziöse Artikel untergraben sie das Prestige Rußlands im Auslande. Das grausame jüdische Volk, das kein anderes Volk neben sich leiden kann, strebt zur Zerstörung deines Thrones und deines Reiches. Teurer Kaiser, rette uns, deine Kinder, rette Rußland von der Gefahr, die uns seitens der Juden droht. Erlasse einen Befehl, daß alle diejenigen, die von Juden stammen, ohne Unterschied des Glaubens und der Untertanenschaft, Rußland verlassen müssen. Vor allem aber sollen sie schon jetzt von der Teilnahme an den Wahlen in die Duma ausgeschlossen werden. Auch soll ihnen der Zutritt in den Militärdienst und die Lehranstalten verboten werden. Sie sollen von der Presse ausgeschlossen werden, auch sollen alle Berufszweige für sie unerreichbar sein. Dann wird das russische Volk aufatmen, und Ruhe wird im Lande herrschen!" Kiew. Die Studenten des Kiewer Politechnikums boykottieren den Professor Rekatschow, weil er als Vorsitzender des Vereins des .russischen Volkes es durchgeführt hat, daß man an das Bildungsministerium ein Telegramm abgesandt hat, wo gegen die Aufnahme von Juden in höhere Lehranstalten protestiert wurde. Dem Ministerium des Innern wurde eine Beschwerde des Kischinewer Rabbiners gegen den Polizeimeister vorgelegt, der den Juden verboten hatte, während der Feiertage ein Gebethaus einzurichten. Der Minister des Innern hat das Verbot des Polizeimeisters aufgehoben. „RusskojeZnamja" veröffentlicht interessante Telegramme, welche die „echt-russischen Leute" und der Kommandant der Siedlcer Garnison, Oberst Tichanowski gewechselt haben: Siedice. Dem Kommandanten der Siedlcer Garnison, Obersten Tichanowski, Der Elisawetgrader „Verband des russischen Volkes" sendet Ihnen und der ganzen Garnison die herzlichsten Glückwünsche zu ihrer Energie im Kampfe mit den Aufrührern. Wir beten zu Gott um die Beruhigung der Leidenschaften," Die Antwort von Tichanowski am 19. September 1906: „Elisawetgrad. Dem Vorsitzenden des Verbandes des russischen Volkes. Ich danke Euch, liebe Freunde. Glaubt mir, das Bajonett steht höher als der Lappen. (Die roten Fahnen. Anm. d. Red.j Oberst Tichanowski." „Siedice. Dem Obersten Tichanowski. Eure Antwort hat uns entzückt. Es lebe hoch das russische Bajonett und der heldenmütige Oberst! Die echt-russischen Leute."