Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 41 (12.10.1906)
- Date
- 1906-10-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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i: D1E3^ ELT No. 41 -1fr i|, <I, - # ' *l llf: - "v „Ihr nehmt uns doch den letzten Rettungsanker unserer politischen Betätigung. — Ihr sägt ja den Ast ab, auf dem wir (sc. Bezirksvereinler) sitzen; ihr regt ja die letzten Trümmer christlichen Freisinns (das Wort Liberalismus ist mir historisch zu hehr und erhaben, als daß ich es hier anwenden könnte) gegen die Juden auf! Haltet doch Ruhe!" — So höre ich sprechen! Und die Antwort darauf: Eunuchen! Eure Grundsatzlosigkeit bekämpfen wir, und wir wollen den Juden ein festes Zentrum geben, das Jttdent mti. Wir haben als Juden Interessen zu verteidigen, wie es die Pro!estanten und Katholiken haben, darum müssen wir uns zusammenscharen als Juden. Der Grundsatz ist der richtige, den das Rundschreiben des Zentralkomitees betont, daß es selbstverständlich jedem Zionisten völlig unbenommen bleibt, sich innerhalb des Rahmens derjenigen politischen Partei im innerdeutschen politischen Leben zu betätigen, die seinen politischen und wirtschaftlichen Anschauungen entspricht. Für eine jüdisch-nationale Fraktion fehlt uns ja die Stimmzahl. Nicht aber fehlt uns die Macht, Grundsätze zu verbreiten, die geeignet sind, die politische Stellungnahme der Juden zu einer achtungswerten zu machen. Gewiß, die Freiheit politischer Bewegung müssen wir uns wahren. Aber keine der bestehenden politischen Parteien garantiert uns die Achtung unserer Menschenrechte, sie sind heute alle antisemitisch. Und da wir keineswegs gewillt sind, leichten Kaufes uns zu politischen Bürgern zweiter Ordnung degradieren zu lassen, müssen wir neue Werte schaffen, die in dem Worte „politisches Judentum" ihren Ausdruck finden sollen. Wir überschätzen unsere Macht nicht, denn sonst würden wir die Schaffung eines „jüdischen Zentrums" proklamieren, d. h. den programmatischen Zusammenschluß aller Juden. Hätten wir die Macht, so hätten wir auch unsere jetzigen Gegner im Judentum für uns und für die jetzt utopische jüdische Zentrumsfraktion; denn sie, die unser Herzl so treffend in seinem Mauschel schildert, haben es gar gründlich gelernt, den Mantel nach dem Winde zu drehen. Und ihnen verdankt das Judentum das ungerechterweise verallgemeinerte Urteil über die politische Unzuverlässigkeit der Juden. Oder gibt es noch wirklich Juden, welche die programmäßig von christlicher Seite diuchgeführte konfessionelle Trennung nicht wahr haben wollen? Wir haben von da nur Schädigung und Zurücksetzung zu erwarten. Man wird uns politisch auch nur dann verwerten, wenn man uns braucht. Jungjuden aber, die wir nicht mehr gewillt sind, scheu zu Boden zu blicken und uns den Fußtritten preiszugeben, zu katzenbuckeln und glücklich zu sein bei jedem nichtjüdischen Handdruck, wir Jungjuden, Herr Vogelstein, wollen Anderes, als Ihre verfallende Generation es gewollt'; aufwärtsstreben in körperlichen und geistigen Leistungen, hinein ins Weltgetriebe, stolz auf unsere Nation, jeder einzelne soll nach Höchstem streben, ein eiserner gerader Rücken, das ist der Jude der Zukunft. Wir wissen, daß wir damit dem Staate bessere Kräfte erziehen, als die heutige, alternde Generation darstellt. Es kommt eine Zeit, in der kein Tschirikow mehr wird eine Bankier-Sacher-Figur zeichnen können, diese widerliche Sorte, die wir verachten und über die der Christ sich lustig macht. Von diesen Gesichtspunkten aus ist auch unser politisches Streben aufzufassen. Wohl begreiflich ist mir, was viele aus den jung-jüdischen Reihen offen aussprechen: lieber kein Judentum, als ein jüdisches Moluskenvolk. Das gelbe Band von ehemals soll ein Ordensband der Zukunft werden. Man stößt uns von sich ab, also schließen wir uns zusammen als treue Juden, um als treue Staatsbürger unsere Kräfte zu üben und unsern Wert zu erhöhen zum Besten des Ganzen. Auf diese Generation wird sich die Menschheit besser stützen können, als auf eine solche, die durch Konzessionen nacli allen Seiten hin sich das Recht zu atmen und nicht einmal frei zu atmen erschachert. Der Jude als Spottfigur wird verschwinden, an seine Stelle wird ein Vollmensch treten, der durch Charakter und Leistungen sich die Achtung der Menschheit erzwingen wird. So also verstehen wir das Zukunftsfraktionsieben der Juden. Mißglückt uns sein Ausbau, so gibt es für uns nur einen einzigen andern ehrenhaften Standpunkt: die politische Abstinenz. Leitsätze: 1. Die gesellschaftliche und politische Entwicklung führt auch in Deutschland zu einer immer vollständigeren Isolierung der Juden. 2. Die Wahrung unser Staatsbürgerrechte kann in ausgiebiger Weise nur durch Juden selbst erfolgen. 3. Die Gründung eines „jüdischen Zentrums" ist bei unserer numerischen Schwäche eine Utopie. Wenn wir stark genug wären, würde sie nicht nur wünschenswert sein, sondern sie würde sich aus unserer wachsenden Isolierung von selbst ergeben. 4. Die augenblicklich vorhandenen jüdischen Kräfte müssen wir dahin ausnützen, gesinnungsfeste und tatkräftige Juden in die Parlamente zu schicken. { Zur Legalisierung des jüdischen Nationalfonds 2 Referate, erstattet der Jahreskonferenz Ii. Referat des Herrn Rechtsanwalts Dr. BODENHEIMER (Schluß) Sie werden aber nunmehr auch die Meinungsäußerung der Sachverständigen Warmington und Parker vom 19. Juli 1906 verstehen, aus der ich Ihnen den folgenden Passus aus den Materialien, Seite 34, wörtlich verlesen muß: „Wir denken, es ist zuerst notwendig, zu entscheiden, ob der jüdische Nationalfonds ein Wohltätigkeitsunternehmen im Rahmen der Bedeutung dieses Ausdruckes nach Englischem Gesetze ist, oder ob die Absicht vorliegt, daß er ein solcher sein soll. Wenn der Fonds ein Wohltätigkeitsunternehmen ist, oder die Absicht vorliegt, daß er ein solcher sein soll, dann kann eine Trust Deed, welche die Bedingungen seiner Anwendungen oder Verwaltung festlegt, ohne ein Inbetrachtziehen der englischen Verordnung gegen Beständigkeit abgefaßt werden, vorausgesetzt, daß die Trusts (Verwaltungszwecke) streng wohltätige Endziele haben. Wenn anderseits der Fonds kein Wohltätigkeitsunternehmen ist, und die Absicht nicht vorliegt, daß er ein solches sein solll, jdann muß die Trust Deed in solcher Weise abgefaßt werdeiv1 daß der Trust / dieses Fonds am Lebensende der Kuratoren oder 21 Jahre nach deren Tode erlischt, denn dieses ist die in der englischen Verordnung gegen Beständigkeit festgesetzte Frist In anderen Worten ausgedrückt sind die Vorteile, welche mit der Gründung des Fonds als eines wohltätigen erreicht werden könnten, die, daß es nach englischem Gesetze freisteht, den Trust als einen beständigen zu gründen, während der Nachteil einer solchen wohltätigen Gründung der wäre, daß die Verwendung des Fonds auf Zwecke zu beschränken sein würde, welche nach englischem Gesetze streng wohltätige sind. Uns scheint, daß, wenn, wie wir aus den unserer Instruktion beigefügten Resolutionen des Zionisten-Kongresses ersehen, der Zweck des Fonds ist, die Rückkehr der Juden nach Palästina durch Landankauf daselbst und durch Verpachten desselben an jüdische Ansiedler zu fördern, wir nicht erklären können, daß der Zweck ein wohltätiger im Rahmen des englischen Gesetzes ist. Es wäre anders, wenn die Klasse Menschen, an