Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 40 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 40 DIE3§KELT 17 Gesinnungsgenossen, viele mit ihren Damen, zur Teilnahme an dieser herrlichen Reise gemeldet, deren Genuß noch dadurch gehoben wird, daß die Gesinnungsgenossen in Constanza, Konstantinopel, Jaffa, Jerusalem, besonders aber in den Kolonien der Reisegesellschaft einen herzlichen festlichen Empfang bereiten werden, welcher sich besonders in den Kolonien zu kleinen jüdischen Volksfesten ausgestalten wird. Es dürfte sich kaum eine Gelegenheit mehr treffen, eine gleich genußreiche Reise zu so mäßigem Preise und so guter Bequemlichkeit mitmachen zu können. Ungarn Neunkirchen. Die seit 6. August bestehende Ferialverbindung „Max Nordau" hielt am 10. v. M. ihre Schlußversammlung ab. Die Verbindung betrieb in Neunkirchen und Umgebung lebhafte Agitation. In den Versammlungen wurden Referate abgehalten und zwar am 13. Aug. stud. tech. Heinrich Fischer über „Die Juden in Rußland", am 20. August stud. tech. Adolf Jaul über „Der jüdische Mai". Auf unsere Veranlassung kam am 12. August Gg. Herr Leo Schauffeld, Chemiker aus Wr. Neustadt und erläuterte vor zahlreich erschienenen Gästen das „Baseler Programm". Ebenso am 2. September Gg. Herr Dr. Ernst Müller aus Wien und sprach über „Jüdische Literatur", wobei er mit großem Beifall aufgenommene Proben aus Perez, Bialik, Feuerberg, Rosenfeld u. a. vortrug. Für den Nationalfonds wurde mit allen Kräften gearbeitet. Die Sammlung beträgt 20 K. und außerdem eine große Markensammlung. Vinkovci (Slavonien). Der Vinkovcer zionistische Verein „Zion" veranstaltete am 21. v. M. eine jüdische Bürgerversammlung, die sich als glänzende Manifestation der zionistischen Idee seitens der hiesigen jüdischen Bürgerschaft, kundgab. Die Versammlung eröffnete der Obmann H. Leopold Stein. Als erster Redner sprach H. Hirschberger über das Wesen des Judentums, über das jüdische Leben in Schule und Haus. Stud. med. Arnold Schön, Mitglied des Wiener jüdischen akademischen Vereines, „Bar Giora", hielt die Agitationsrede. Nach allseitiger Betrachtung der Begriffe: Zionismus und Patriotismus, Nation und Religion referierte er über die Organisationen und Institutionen im Zionismus, und über die bereits erreichten Resultate. Hierauf hielt stud. phil. Arpad Hirschberger eine Rede über die hebräische Sprache und deren nationale Bedeutung. Cand. jur. Franz Herzog berichtete zum Schlüsse eingehend über das Verhalten der kroatischen Presse gegenüber dem Zionismus, und verurteilte scharf die feindliche Haltung des Blattes „Narodna Obrana", das anläßlich des vor zwei Jahren abgehaltenen I. zionistischen Kongresses in Esseg, unter der Leitung des einflußreichen kroatischen Politikers Dr. Jvan Lorkovic, der nun jetzt das fortschrittliche Organ „Pokret" redigiert, dem Zionismus äußerst sympathische Artikel in seiner Zeitung veröffentlichte. Die Reden wurden beifällig aufgenommen. Galizien Tarnopol. Im vorigen Monat feierte die Verbindung „Libanonia" im hiesigen, festlich geschmückten Schloßsaale ihren Inaugurationskommers. Das von den Mitgliedern der Verbindung gesungene Bundeslied leitete den musikalischen Teil des Abends ein. Der Opernsänger Herr Fridolin-Friedmann erwarb sich großen Beifall. IDen Glanzpunkt des Kommerses bildete die zündende Festrede des Ehrenburschen der Verbindung „Libanonia", Herrn Dr. J. Waldmann. Dem offiziellen Teil folgte ein gemütlich-inoffizieller. Für den Nationalfonds hat man mittels Nationalfondsmarken eine beträchtliche Summe gesammelt. Tlumacz. Am 7. v.M. fand in der hiesigen hebräischen Schule — die seit 4 Monaten hier besteht — zum erstenmal eine Prüfung statt, die auch vortrefflich ausfiel. Besonders glänzend bestanden die Prüfung die Schülerinnen des „Kursus für erwachsene Mädchen", die alle Fragen in einem flüssigen Hebräisch beantworteten. Großes Verdienst erwarb sich um die Schule Herr J. Zwi Stadien, der Leiter der Schule. Kolomea. Das Vereinsleben in unserer Stadt beginnt wiederum rege zu werden. Die sechs zionistischen Vereine, Beth Israel (konserv. Zionisten), Z'ire Zion (jüd. Jugend), Rachela (jüd. Frauen), Safa Chaja (hebr. Schule), Poale Zion (jüd. Arbeiter) und Hatikwah (jüd. Akademiker), haben sich zu einem gemeinschaftlichen Arbeitsausschuß vereinigt, unter Vorsitz des H. Dr. Sah Rosenheck. Der Ausschuß hat zwecks tätigerer Agitation drei Kommissionen ernannt, und zwar eine Kultur-, eine Schekel- und eine Nationalfondskommission. Die Kulturkommission hat die Aufgabe, jüdisches Wissen und Literatur zu verbreiten. Dieser Zweck wird erreicht durch Abhaltung von Vorträgen und Vorlesungen über jüdisches und auch allgemeines Wissen, durch Einberufung von Volksversammlungen, durch Errichtung einer Toynbeehalle, durch Veranstaltung verschiedener literarischer Abende, Amateurvorstellungen etc. etc. Die zweite, die Schekelkommission, bezweckt die Verbreitung des Schekels, und zwar durch Schekeltage usw. Wir wollen hier auch die Tatsache nicht unerwähnt lassen, daß die Zahl der Schekelzahler heuer größer war als im vorigen Jahre. Insbesondere fielen dabei ins Gewicht die Schekolim der jungen Poale-Zionisten. Die dritte Kommission, die sich mit der Agitation für den jüdischen Nationalfonds befaßt, ist die rührigste, und wir haben auf dem Gebiete der Sammlung für den Nationalfonds eine bedeutende Arbeit geleistet. Namentlich verdient hervorgehoben zu werden die sogenannte „zionistische Post", die neuerdings bei uns eingerichtet wurde. Bekanntlich versenden die Juden anläßlich der „hohen Feiertage" Glückwünsche und Gratulationen an ihre Verwandten, Freunde und Bekannten. Die Zusendung dieser Gratulationen erfolgt per Post durch eine 3 Heller-Marke. Nun haben die hiesigen Zionisten die Einrichtung so gemacht, daß jeder Jude, der „im Orte" Gratulationen versendet, anstatt der Postmarke nur eine Nationalfondsmarke für bloß 2 Heller aufkleben und die Sendungen in die eigens hierzu gemachte Kiste hineinwerfen kann. Ein Komitee unserer wackeren Poale-Zionisten hat dieAufgabe übernommen, die Gratulationskarten auszutragen. Diese Aktion, die dank unserer wackeren poalezionistischen Organisation ins Leben gerufen werden konnte, brachte ein Ergebnis von ungefähr 180 Kronen. Die Nationalfondskommission hat auch am Tage vor dem Versöhnungstage Kare-Sammlungen in allen Synagogen veranstaltet. Die Toynbee-Abende werden Mitte Oktober mit einem Vortrage des H. Dr. Rosenheck beginnen. Auf dem Gebiete der literarischen Tätigkeit unserer hierortigen zionistischen Gruppe ist die Broschüre „Die Judenfrage", die, von H. Dr. Rosenheck verfaßt, in kurzem erscheinen wird, zu verzeichnen. Sigmund Haber. Böhmen (Todesfall). _ Der Zionismus, namentlich aber die zionistische Organisation in Österreich hat einen schweren Verlust erlitten. Donnerstag den 27. September 1906 verschied nach langen schweren Leiden, im Alter von 54 Jahren Herr Julius Bondy, k. k. Hauptmann I. Cl. a. D. und Vorstaud der isr. Kultusgemeinde in Horowitz. Obwohl erst einige Jahre in unserer Organisation, entfaltete der Verblichene, namentlich unter den Kultusgemeinden in Böhmen, eine außerordentlich rege Tätigkeit für unsere Sache. Die zionistische Organisation wird Herrn Bondy ein ehrendes Andenken bewahren! Looooooo^Q NACHRICHTEN o^^~^?°°oo°o°°jl1 , e^CT^» i^niiiuniJLiN c^r^? M RUSSISCHE CHRONIK Siedice. Wie bekannt, haben die Siedicer Kaufleute vom Gouverneur die Erlaubnis bekommen, ihre Geschäfte bis 10 Uhr abends offen zu halten. Aber das Publikum ist derart beängstigt, daß man gleich nach Anbruch der Dunkelheit alle Läden verschließt. Am Montag den 24. Sept. zirkulierten in der Stadt beunruhigende Gerüchte. Es hieß, daß am nächsten Tage während des Jahrmarktes Bombenattentate verübt werden sollen. Eine schreckliche Panik bemächtigte sich der jüdischen Bevölkerung. Viele verließen sofort die Stadt. Um die Bevölkerung zu beruhigen, begab sich eine jüdische Deputation zum Gouverneur Wolzyn. Zur Deputation gehörten: Dawid Lichtenpacht, Jacob Lubeiski und Zwi Grünberg. Der Gouverneur bat die Deputation, die Bevölkerung zu beruhigen, da er alle Vorsichtsmaßregeln unternommen habe, um irgendwelche