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Die Welt · 1906-10-03 · 40 (3.10.1906) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
40 (3.10.1906)
Date
1906-10-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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fr DIE ELT No. 40 7 i'J ^F* - OT*» □O^J CZZ3 0 CZZ3 o o o o ^\Oo KORRESPONDENZEN > SB ^To □!□ Eine Erwiderung an Herrn Dr. A. Marmorek Auf den die Palästina-Kommission betreffenden Passus in der *<f^' Rede und in dem nachträglich erschienenen Briefe des Herrn Dr. A. Marmorek möchte ich folgendes erwidern: Herr Zangvviil definierte seinerzeit die Aufgabe des Zionismus im Schaffen von Bedingungen und nicht von Dingen. Herr Marmorek erweitert die Zangwillsche Definition und erklärt, daß unsere nationalen Geldmittel nur für solche Institutionen in Anspruch genommen werden dürfen, deren Schaffung Pflicht und Aufgabe des Volkes ist. Dabei entsteht aber die Frage, womit der von unseren Politikern sanktionierte „Bezalel", das heißt eine „Institution" zur Einführung von Kunstgewerbe, eher ,den politischen Aspirationen als ein Industrie-Syndikat, d. h. eine „Institution" zur Einführung von Industrien in Palästina entspricht. Außerdem befindet sich Herr Marmorek im Irrtum, wenn er meint, daß das Syndikat mit Hilfe nationalen Geldes gegründet werden soll. Sämtliche bisher in Sachen des Syndikates verbreiteten Schriftstücke besagen deutlich, daß es sich um ein ganz gewöhnliches, rein kaufmännisches Privatunternehmen handelt, welches zum Kongreß-Zionismus in keiner Beziehung stehen soll. Allerdings ist in der Beitritts-Einladung die Rede von einer voraussichtlichen Beteiligung des J.-C.-T., aber damit hat die Kommission noch kein Vergehen begangen, denn im Sinne eines Beschlusses eines früheren Kongresses wird unsere Bank zur Beteiligung an derartigen Unternehmungen nicht nur berechtigt, sondern ausdrücklich verpflichtet, und somit wäre eine etwaige Nichtbeteiligung der Kolonialbank am Syndikat eher als Verstoß gegen die Autorität des „souveränen" Kongresses anzusehen. Bei kritischer Betrachtung der Argumente unserer Politiker kommt man auf den Verdacht, daß diese Herren hinsichtlich des Erlaubten und nicht Erlaubten noch selbst sehr schwanken. Womit beschleunigt denn das Diskontieren von Wechseln in Jaffa die Erlangung des Charters, und wieso ist gerade dieses Geschäft eher als ein „politischer Weg", als ein sonstiges kaufmännisches Unternehmen zu betrachten? Eine Antwort haben die Herren wohl, und A > zwar, daß in Palästina bereits nichtjüdische Banken existieren; ,tsh'\ sie vergessen aber dabei, daß, wenn auch die im engeren Programm O j- 4 des Syndikates skizzierten Industriemöglichkeiten vorläufig seitens Nicht]uden vielleicht noch nicht in Angriff genommen sind, es dazu aber ganz leicht und ganz schnell kommen kann. Den besten i , Beweis hierfür liefert die unlängst von Sir William Willcocks begründete „Agricultural Bank of Cyprus" (siehe „Altneuland", Juli- August-Nummer). Wieviel Wortgefechte haben Zionisten wegen Cypern geführt, — und schließlich wird das in Cypern praktisch Erreichbare durch Engländer und nicht durch Juden ausgeführt. Wenn wir nur beim Reden bleiben, könnte ein solcher Fall auch in Palästina leicht eintreten. Das würde selbst Herrn Zangwill, um ihn wiederum zu zitieren, schmerzen. Daß man auf Grund des zukünftigen Charters nichtjüdische Fabriken und gar konzessionierte Unternehmungen expropriieren können wird, ist wohl ausgeschlossen, und selbst die „Charta magna" von Herzl enthielt wahrscheinlich auch nicht diesen Punkt. Was nun die spezielle Rolle der Palästina-Kommission beim Syndikat anbelangt, so kann man sie absolut nicht als eine Gründerin im gewöhnlichen Sinne dieses Wortes bezeichnen, denn selbst beim Zustandekommen des Syndikates wird sie daraus keinen materiellen Nutzen ziehen. Die Palästina-Kommission figuriert hierbei lediglich als das vorbereitende Komitee, als die einzige Autorität und europäische Zentralstelle für wirtschaftliche Palästina-Angelegenheiten. Die Befürchtung des Herrn Marmorek, daß etwaige Mißerfolge des Syndikates der Kommission und somit auch dem Zionismus schaden könnten, ist schon allein deshalb nicht am Platze, weil die Rolle der Palästina-Kommission als vorbereitendes Komitee mit dem Augenblick des Zustandebringens des Syndikates vollständig aufhört und sie mit ihm nichts mehr zu tun haben wird. Kann es übrigens jemand einfallen, der Palästina-Kommission deswegen Vorwürfe zu machen, daß die ihrerseits ins Leben gerufene Palästina-Handelsgesellschaft Hamburg in der ersten Zeit ihres Bestehens ihren Gesellschaftern keine Dividende brachte? Wenn die diesbezüglichen Befürchtungen des Herrn Marmorek berechtigt wären, sollte doch der politische Zionismus, der während des Jahrzehnts seines Bestehens leider auch manche Mißerfolge zu verzeichnen hatte, schon längst „desavouiert" sein, und dennoch sieht alle Welt, daß das Verständnis für ihn und die Anerkennung seiner Notwendigkeit täglich und stündlich größer wird. Werden denn selbst nach Erlangung des Charters keine wirtschaftlichen Mißerfolge vorkommen? Können denn überhaupt solche vermieden werden? Steht doch selbst das Kolonialamt des alten Deutschen Reiches noch lange nicht auf der den Deutschen wünschenswerten Höhe! Und warum sollen gerade wir Zionisten die Unfehlbaren sein wollen? A. Awadiowicz. Berlin, 25. September 1906. M" 2' OQOOOOOJ AUS DER BEWEGUNG Aufruf! In Kürze wird sich der Tag jähren, an dem unsere Bewegung einen ihrer Besten, Dr. Oser Kokesch, verloren hat. Sein Andenken steht noch zu frisch in unser aller Erinnerung, als daß es nötig wäre, nochmals der hervorragenden Dienste zu gedenken, die er unserer Sache geleistet. Sein ganzes Leben war dem Zionismus geweiht. Er stand an der Wiege unserer politischen Bewegung, und es war ihm beschieden, als einer der treuesten, opferfreudigsten Mitarbeiter an der Seite des Führers seine lautere Hingebung, seine unermüdliche Arbeitskraft in unvergeßlichen organisatorischen Leistungen zu betätigen. „Sein Andenken ehren" — so schrieb ein Freund an seinem Todestage — „heißt ihm an Liebe und Hingebung für den Zionismus nacheifern, sein Werk mit seiner Treue fortsetzen, damit die Endlichkeit seines Daseins nicht die Vergeßlichkeit seines Strebens bedeute." .... Die Wiederkehr des Todestages dieses Mannes erweckte in vielen den Wunsch, durch ein sichtbares ({o o o o o o o X o o o o o o o Zeichen der Liebe die treue Dankbarkeit für das Wirken des Dahingeschiedenen zu bekunden. Einmütig hat das Aktionskomitee auf der Jahreskonferenz beschlossen, einen schlichten Denkstein über seinem Grabe auf dem Zentralfriedhof zu Wien zu errichten. Alle Freunde des Verblichenen sollen Gelegenheit haben, zu diesem kleinen Werk der Pietät beizusteuern. Sie sind hierdurch herzlich aufgefordert, ihre Beiträge an die Expedition der „Welt" gelangen zu lassen. Da die Sammlung angesichts der in Kürze bevorstehenden Wiederkehr des Todestages in diesem Monat geschlossen werden muß, wird die Oberweisung der Beiträge für den geplanten Denkstein baldigst erbeten. Die Palästinareise der Zionisten Mit gespanntem Interesse sieht man in zionistischen Kreisen der jüdischen Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande entgegen, welche, vom Zionistischen Zentralverein in Wien, Türkenstraße 9, veranstaltet, am 22. Oktober von Wien und am 23. Oktober von Budapest abgeht. Es haben sich zahlreiche hervorragende

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