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Die Welt · 1906-09-28 · 39 (28.9.1906) · page 20

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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22 DIE3&ELT No. 3<) h'f/'kf dort deren zwanzig verschiedene. — Gewisse Sorten lassen sich aber vom Emmer nur durch die schwächeren Grannen, die Zähigkeit der Spindel und durch die losen Körner unterscheiden. Nach Körnickes eigenem Geständnis sollen zwischen den hauptsächlichen Rassen des Kulturweizens (als vulgare, compactum, turgidum und durum unterschieden nach Ascherson und Graebeners Synopsis) überhaupt keine Grenzen bestehen, namentlich könne man eine gewisse Anzahl von Formen ebenso gut zu Tr. durum als zu turgidum stellen. Die Differenzialdiagnose läßt sich nur aufrecht erhalten, wenn man die Merkmale nach Art einer Diagonale aufstellt. Vielleicht ist der jetzt so weitverbreitete und durch die auf ihn begründete Marccaroni-Industrie wirtschaftlich wichtige Hartweizen ein Ergebnis der im frühesten Altertum betätigten Selektionsbestrebungen. Das Einkorn ffr. monococcum) dagegen ist in Ägypten, weder im alten noch im neuen, bisher nicht nachgewiesen worden. Als Kulturpflanze trägt es einen weit primitiveren Charakter zur Schau als der Emmer -- und es ist von diesem sowohl wie vom gewöhnlichen Kulturweizen, aber auch vom Spelz artlich verschieden, indem es bei Kreuzungen mit diesem entweder ganz fehlschlägt oder nur unfruchtbare Bastarde hervorbringt. Der gering entwickelte Forrnenkreis des angebauten Einkorns scheint auf eine nicht sehr alte Kultur hinzuweisen, aber sein Vorhandensein im alten Troja ist erwiesen. Heute erscheint die Verbreitungszone des Kultur- Einkorns ausgedehnter als die von Emmer und Spelz. Sie erstreckt sich von Spanien durch das südliche Mitteleuropa bis nach Dalmatien und die Herzegowina. Die wilde Stammart steht den wenigen Formen, die Gegenstand des Ackerbaues sind, so nahe, daß über die Ableitung der letzteren ein Zweifel nicht obwalten konnte. Der Verbreitungsbezirk des wilden Einkorns ist sehr groß und umfaßt die ganze Balkanhalbinsel einschließlich Serbien, dann Kleinasien, Nordsyrien und Mesopotamien. Im südlichen Syrien und in Palästina war das wilde Einkorn bisher nicht gefunden worden, es ist das Verdienst Aaronsohns, auch für diese Stammform das Vorhandensein am Hermon an zwei getrennten Örtlichkeiten nachzuweisen. Auf welchem Wege Gerste und Weizen nach Ägypten gelangt sind, ist noch nicht erwiesen, sicher ist nur, daß das alte Babylonien in dieser wie in anderen wichtigen Fragen der kulturellen Entwicklung die Lehrmeisterin der Protoägypter gewesen ist, und das lange vor der ersten Dynastie! Mit den Cerealien kam auch der von ihrem Anbau unzertrennliche Pflug und in seinem Gefolge das Rind, ferner eine neue Schafrasse, wenn nicht bereits früher eine eigene im Lande vorhanden war. Vor allem aber sind es die metallurgischen Kenntnisse, die Verwenduug von Kupfer und von Bronze, der Pyramidenbau, der Gebrauch zylindrischer Siegel, vielleicht sogar die Hieroglyphenschrift, deren uralte, protohistorische Entlehnung unweigerlich auf die Euphratländer hinweisen. Auch die Mythenbildtmg der alten Hebräer weist in beziig auf den Cereaüenbau gen Babylon und Mesopotamien. Wenn nun auch vom südlichen Arabien her ein unbestrittener Einfluß sich auf das älteste Ägypten geltend gemacht hat und es nicht als durchaus unmöglich befrachtet werden kann, daß die erste Vermittlung des Ackerbaus dem heiligen Lande der Götter (dem Hochlande von Jemen) zugefallen sei, so darf doch nicht außer acht gelassen werden, daß der wahrscheinlichste und bequemste Zugang immer durch Palästina geführt haben muß. Zu den wichtigen pflanzengeographischen Tatsachen, die wilder letzten Reise von Aaronsohn verdanken, kann man dem Zionistischen Komitee, das ihn aussandte, nur Glück wünschen. Mögen sie seinen edlen Bestrebungen ein Zeichen glücklicher Vorbedeutung sein, und gewiß ist es ein Zeichen, dieses Auffinden des Urweizens dicht bei einer der neuen Versuchsstätten, wo das von Hause aus so durchaus ackerbautreibende Volk Israel wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben werden soll. (Vossische Zeitung.' OOOOOOOj? ff= - o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG SjT' Österreich Mähr.=Schles. Distriktstag Bielitz. Am 9. ds. Mts. fand in Mähr.-Ostrau der diesjährige mähr.-schles. Distriktstag statt. Fast sämtliche Organisationen des Distriktes sowie eine größere Anzahl von Schekelgruppen waren durch Delegierte vertreten. Der Distriktstag tagte im Sitzungssaale der jüd. Kultusgemeinde. Der Obmann des Distriktes, Herr Low (Proßnitzi, eröffnete den Distriktstag und begrüßte die Anwesenden. Nach Begrüßungsansprachen durch die Vertreter des Kultusvorstandes, des Landeskomitees und der Gg. von Mähr.-Ostrau wurde das Bureau, bestehend aus Dr. Reisz iMähr.-Ostrau), Geller (Bielitz) und Gleizmann, gewählt. Zum Punkte der Tagesordnung „Stellungnahme zu dem Exekutivkomitee der mähr. Kultusgemeinden" sprach Herr Dr. Th. Haas iBrünn), dessen Referat einen rein informativen Charakter trug. Der Referent schilderte die durch die neuen Landtagswahlgesetze geschaffene Lage, welche jeden Wahlkampf zwischen Deutschen und Tschechen ausschließe. Die Juden wurden nicht berücksichtigt, da sie es unterließen, ihr gutes Recht geltend zu machen. Das E. K., dem auch Zionisten angehören, habe nun gegenwärtig die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß bei den bevorstehenden Landtagswahlen die jüdischen Wähler aus drei Bezirken, wo sie die relative Mehrheit besitzen, jüdischen Kandidaten ihre Stimme geben. Bei geschlossenem Vorgehen und auf dem Kornpromißwege mit andern Parteien sei ein Erfolg nicht ausgeschlossen. Der Korreferent, Herr Low, begründete eine Resolution, in der der Zusammenschluß der jüdischen Gemeinden und die Schaffung des E. K. begrüßt wird. Der Distriktstag hoffe, daß dieses E. K. mit der neugegründeten jüdischen Nationalpartei zur Wahrung aller Interessen der Juden Mährens Hand in Hand arbeiten werde. Hierauf folgte eine mehrstündige, oft stürmische Debatte. Besonders die studentischen Delegierten mahnten, bei der Unterstützung von Kandidaten die äußerste Vorsicht walten zu lassen. Nur solche Kandidaten seien zu unterstützen, die keinem nationalen Parteiklub beitreten und in nationalen Fragen strengste Neutralität bewahren würden. Trotz des Hinweises der Referenten auf eine Bestimmung des neuen Gesetzes, nach der Abgeordnete, die kein nationales Bekenntnis ablegen, sich des Rechtes begeben, in nationalen Fragen mitzureden, wurde ein von den Studenten eingebrachter Zusatzantrag, welcher obige Forderungen festsetzt, nach Annahme der Resolution Low mit 12 gegen 10 Stimmen angenommen. Herr Rabbiner Dr. Reach (Ga3ra) referierte über den Krakauer Parteitag und erläuterte das Programm der neugegrrindeten „Jüd Nationalpartei". Folgende Resolution wurde angenommen: „Der mähr.-schles. Distriktstag vom 9. September 1906 begrüßi mit Freuden die Bildung der „Jüdischen Nationalpartei" in Österreich und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese Partei die Stärkung des jüdischen Nationalbewußtseins unserer Stammesbrüder in Österreich mit Macht anstreben und das höhere Ziel: „Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" niemals preisgeben wird." Zusatz : „Der mähr.-schles. Distriktstag beauftragt das D. K., beim L.K. die baldige Einberufung des ordentlichen Zionistentages zu erlangen um den § 2 des Bielitzer Statuts wieder herzustellen." Hierauf erstattete Herr Low namens des D.K. den Rechen Schafts- und Kassenbericht. Der Bericht zeigt ein erfreuliches Anwachsen unserer Bewegung im Distrikte auf allen Gebieten zionistischen Lebens. Das D. K., vor allem dessen verdienstvolle5 Obmann H. Low, hatte es verstanden, auf den Trümmern der alten Organisation eine lebensfrische, stramme Distriktsorganisatioi; zu schaffen, die keiner in Österreich nachsteht. Einige Daten andern Berichte werden dies am besten zeigen. Der Distrikt zähl' 19 Vereine (4- 2), davon 7 bürgerliche, 11 studentische und i Mädchenverein. Ferner 20 Schekelgruppen mit ebensoviel Vertrauensmännern. Schiekolim wurden 1906 1206 gegen 992 im Vorjahre, um ca. 20° :1 mehr. Nationalfonds 3500 K., gegen 2042.55 K. im Vorjahre. Da jedoch die Zusammenstellung für dieses Jahr lediglich nach den Ausweisen der „Welt" erfolgt ist. so kann man eine Steigerung der N.-F.-Spenden um 50°/,, annehmen. Die vom Landeskomitee ausgegebene Parole, eine Bewegung zugunsten der nationalen Autonomie einzuleiten, fand in unserem Distrikt lebhaftes Echo. 40 Versammlungen, selbst in Orten, wo bisher unsere Bewegung wenig Beachtung gefunden hatte, fanden überall unter imposanter Beteiligung der jüdischen Bevölkerung statt. Als ein besonderer Erfolg ist es zu verzeichnen, daß unser D. K. von den meisten kleinen Kultusgemeinden als die Zentralstelle angesehen wird, an die man sich zu wenden habe, wenn es ein gemeinsames Vorgehen der Juden gilt.

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