Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 39 NEBELT 23 Dieser Bericht sowie der Kassabericht wurden wegen vorgerückter Stunde ohne Debatte genehmigend zur Kenntnis genommen und dem scheidenden D. K. das Absolutorium erteilt. Da Herr Low eine Wiederwahl ablehnte, wurde als Sitz des neuen D. K. Gaya bestimmt. In das D. K. wurden gewählt die Herren: Rabbiner Dr. Reach (als Obmann), Siebensenein, Mandl (alle in Gaya), ferner Huppert (Bielitz), Dr. Deutsch (Mähr.-Ostrau) und Dr. Reisz (Brünn). Hierauf wurde der Distriktstag geschlossen. Alex Geller. i. mährisch=schlesischer Studententag Samstag den 8. September tagte in M.-Ostrau der erste mähr.- schlesische Studententag, der von sämtlichen mähr.-schl. Korporationen beschickt war. Nach der Eröffnung durch den Einberufer wurde zur Wahl des Bureaus geschritten und gewählt: cand. jur. Hermann Low („Ivria") Vorsitzender, cand ing. Gustav Buchwalder („Veritas") und cand. ing. Julius Engel („Jüd. Lese- und Redehalle-Brünn") Vizevorsitzenden, cand. ing. Flach („Jüd. Lese- und Redehalle-Wien") cand. ing. Bernhard Gleitsmann („Hessiana") und cand. phil. Otto Stern („Gamala") zu Schriftführern. Der Vorsitzende entwickelte in großen Zügen das Programm des Studententages und verlangte die Anerkennung der Juden als Nation und die Errichtung von Lehrkanzeln für jüdische Geschichte und Literatur. Herr Friedländer begrüßte im Namen der Kultus- Gemeinde M.-Ostrau die Versammlung und betonte die Solidarität aller Juden. Ferner begrüßten noch die Herren Gleitsmann, Stern und Weiß, die alle der „Ivria" für ihre Bemühungen, den Studenteniag einzuberufen, herzlichst dankten. Hierauf wurde die Versammlung bis nachmittags vertagt und als erster Referent erhielt Herr iur. Weiß das Wort über die „Politische Erziehung des jüdischen Studenten". In eingehender Weise plaidierte er für die Zentralisation der jüdischen Studenten in den bestehenden akad. Bildungsvereinen. Das zweite Referat erstattete cand. iur. Felix Winterstein („Ivria") über die „Betätigung des jüd. nat. Studenten in Mähren und Schlesien". Nach einer überaus klaren Darlegung der Entwicklung der politischen Verhältnisse Österreichs, begründete er folgende Resolution, die auch zur Annahme gelangte: 1. Der Studententag macht es allen jüdischen Studenten .Mährens und Schlesiens zur Pflicht, mit allen ihren verfügbaren agitatorischen Mitteln, namentlich zur Zeit der Wahlen, für die nationale Autonomie und jüdische Vertretung in Land und Reich einzutreten. Ferner sollen die studentischen Delegierten am mähr.-schl. Distriktstage dahin wirken, daß die deutsch-liberalen jüdischen Kandidaten von Zionisten nicht unterstützt werden. 2. Im Hinblick auf die Forderung nach nationaler Autonomie wird die Inangriffnahme einer jüdischen Statistik beschlossen und zu diesem Zweck ein Komitee mit dem Sitze in Wien eingesetzt. Ins Komitee wurde gewählt: Dr. Egon M. Zweig, Rudolf Nassau, Felix Winterstein, Hermann Low und Bernhard Gleitsmann. 3. Der Studententag empfiehlt der jüdischen Studentenschaft sich die genaueste Kenntnis der czechischen bezw. polnischen Sprache anzueignen. 4. Der.Studententag spricht der neuen politischen Parteileitung sein Vertrauen aus. Als Korreferent sprach iur. Alta r-Giskalah. Die Referate der Gg. Horn er-Massada und Buch wal der-Veritas besprachen die materielle Lage des jüdischen Studenten und auf Anregung des Gg. Flach-Lesehalle Wien wurde beschlossen zur Selbsthilfe zu reifen und die Gründung lokaler Zentralvereine auf gewerkschaftlicher Grundlage zu propagieren. Die Ausführung dieses Beschlusses wurde dem Präsidium des Studententages übertragen. Endlich trat Gg. Schmitz-Hessiana in warmer Weise für die geistige und materielle Förderung „Unserer Hoffnung" ein. Nach achtstündiger reger Debatte schloß der Vorsitzende Hermann Low die Versammlung, nachdem er auf die Bedeutung des Studententages und der gefaßten Beschlüsse hingewiesen hatte. Stiftungsfest der jüdisch-akademischen Verbindung;;Ivria"=Wien Am 8. und 9. September feierte die Verbindung „Ivria" in den Festsälen des „Deutschen Hauses" in Mähr.-Ostrau ihr dreißig-semestriges Stiftungsfest. Unter, überaus zahlreicher Beteiligung der Ostrauer Bevölkerung sowie unter korporativer und deputativer Beschickung fast sämtlicher jüd.-akad. Korporationen nahm der Festkommers am ersten Abend einen überaus imposanten Verlauf. Unter den zahlreichen Glückwunschbriefen und Telegrammen seien hervorgehoben die des Präsidenten Wolffsohn, Prof. Warburg, Baurat Marmorek, Dr. Nossig, Mathias Acher, Berthold Feiwel, innerösterreichischen Distriktskomitees, Julius Uprimny Dr. Blau, Prof. Dr. Kurrein etc. etc. Der Festredner Ingenieur Emil Fried-Wien (a. H. der „Ivria") warf einen Rückblick auf die dreißigsemestrige Tätigkeit der Verbindung und konstatierte den Aufschwung und die stets wachsenden Sympathien, deren sich die Verbindung erfreue. Dozent Dr. Artur Mahler-Prag, der eigens aus London gekommen war, forderte als Tendenzredner die Ivrianer auf, Herzischen Geist in sich aufzunehmen. Die Ivria habe stets ihre Pflicht getan, war als erste immer am Platze, wo man sie brauchte und es könne der Erfolg nicht ausbleiben. Tech. Krasny sprach auf die alten Herren und in ihrem Namen erwiderte Dr. Ehrlich-Budweis. Es sprachen noch Jurist Beer auf Dozenten Dr. Mahler, die Förderer und die Kultusgemeinde. Glückwünsche brachten der „Ivria" dar der Bankdirektor Czuczka im Namen der Ostrauer Bürgerschaft, Bb. Gallus (Unitas-Wien), Friedrich Low, namens des mähr.-schl. Distriktskomitees, Bb. Gleitsmann (Hessiana Mähr.-Ostrau), Engel (Lese- und Redehalle-Brünn), Allerhand (Emunah-Bielitz), Buch walder (Veritas-Brünnt und Witt mann (Barissia-Prag). Bis nach Mitternacht blieb man in gemütlicher Unterhaltung beisammen, um sich am nächsten Abende wiederum im „Deutschen Hause" zu treffen. Die Festakademie der „Ivria" war ein gesellschaftliches Ereignis in dein durch Unterhaltungen verwöhnten Ostrau. Eingeleitet wurde der Abend durch einen Prolog, der in glänzender Weise von Frau Leontine Spira gesprochen wurde. Daran schlössen sich ein Männerchor, Tanzduette, Lustspiel, Soloszenen und eine Posse mit Gesang. Der Beifall, den jede einzelne Nummer hervorrief, war ein stürmischer. Es machten sich besonders die Damen: Tauber, Immerglück, Presser, Baron, Beer, Ebel und Neufeld verdient. Herr Otto Kohn-Kallner hatte einen besonders guten Abend und stellte seine bisherigen glänzenden Leistungen vollständig in den Schatten. Seine Bühnensicherheit, sein nüanziertes Spiel, Eleganz und vor allern sein klangvoller, herrlicher Bariton entfesselten immer wieder Beifallstürme, so dal) er sich zu wiederholten Zugaben bequemen mußte. Getan t wurde bis in den frühen Morgen. In einem Nebensaale des „Deutschen Hauses" war eine Palästinawein- Ausstellung installiert worden, die sich eines lebhaften Zuspruches erfreute. K. Ig lau. Samstag den 15. September fand im Restaurant Löwinger die letzte zionistische Versammlung vor den Feiertagen statt. Herr Richard Weißen stein begrüßte die Gäste und wies auf die traurigen Ereignisse in Rußland hin, die aller Welt zeigen, daß der Zionismus die einzige Lösung der Judenfrage bilde. Als erster Redner begründete hierauf Herr Max Herrn heiser in markiger kurzer Rede die nachfolgende Resolution: „Die am 15. September in Iglau im Restaurant Löwinger tagende Versammlung gibt ihrem tiefsten Schmerze über die Gewalttaten Ausdruck, welche an ihren schutzlosen Brüdern und Schwestern in Rußland jüngst wieder verübt wurden. Sie protestiert feierlich gegen die barbarischen Schlächtereien und entsetzlichen Missetaten, die an ihren Volksgenossen ungestraft, ja sogar unter der Patronanz russischer Behörden verübt werden. Die hier versammelten Juden und Jüdinnen geben der Hoffnung- Ausdruck, daß die Juden der ganzen Welt, welcher Parteirichtung sie immer angehören mögen, ebenso wie alle Nichtjuden, in deren Brust das Gefühl der Menschlichkeit nicht erstorben ist, alles aufwenden werden, um den Unglücklichen, welche unter unerhörter Barbarei seufzen, zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina behilflich zu sein." Die Resolution wurde einstimmig durch Erheben von den Sitzen angenommen. Der nun folgende Vortrag des diplom. Exportakademikers Herrn Ernst Pollak über „Die Stellung des Jewish Colonial Trust im Wirtschaftsleben Palästinas und Syriens", der über eine Stunde währte, gab ein sehr übersichtliches Bild von der bisherigen Tätigkeit unserer Bank und deren Chancen in den obgenannten Ländern. Das Schlußwort sprach Herr Dr. Werner, der den Rednern unter lebhaftem Beifall der Versammlung für ihre Ausführungen dankte und zum Beitritte zum Vereine Theodor Herzl aufforderte. Eine Reihe von Beitrittserklärungen bilden den sichtbaren Erfolg dieses Abends. Krems. Der hiesige Verein „Zion" hielt Sonntag den 16. d.M. seine Jahreshauptversammlung ab. Nach Erstattung des Jahresberichtes, der eine rege Tätigkeit aufwies, fand die Wahl des Ausschusses statt, welche folgendes Resultat ergab: Herr Rabb. Dr. Jakob Diamant: Obmann, Herr Samuel Kolb: Steilvertreter, Herr Ignaz Rephan: Kassier, Herr Karl Sachs: Schriftführer, Herr Moritz Tieper: Bibliothekar, Herr Leopold Kohut, Langeneis: Kontrolleur. Der Verein gewann neun Mitglieder. Für den Nationalfonds wurde gesammelt.