Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Letzte Zuflucht. Zur Qenesis der Pogrome Vor uns liegt ein interessantes Dokument, ein Flugblatt der russischen Reaktionäre, das in Hunderttausenden von Exemplaren unter der russischen Bevölkerung und vor allen Dingen unter den Truppen verbreitet wird. Unterzeichnet ist es von der „Gesellschaft der rechten Ordnung vom Namen des heiligen Wundertäters Nikolaus". Urheber und Verbreiter sind aber, wie uns von vertrauenswürdiger russischer Seite mitgeteilt wird, niemand anders als die russischen Popen, denen die „v/ahrhaft russischen Männer" und die Leute vom „Schwarzen Hundert" dabei mit fanatischem Eifer zur Hand gehen. Das Flugblatt ist ein sprechender Beweis dafür, mit wie nichtswürdigen Mitteln der russische Mushik gegen die jüdische Bevölkerung aufgehetzt wird. Es beginnt mit einer vollkommen erdichteten „Geheimrede des Großrabbiners an das jüdische Volk über das allgemeine Programm der Lebensführung". Dem Großsagen lassen. Nach ihrer Darstellung lautet seine „Geheimrede", wie folgt: „Seit 19 Jahrhunderten kämpfen wir mit dem Kreuze , . . und unser Volk weicht nicht zurück und sinkt nicht zu Boden im Kampfe; wenn es sich über die ganze Erde zerstreut hat, so geschah es darum, weil ihm die ganze Erde gehören muß. Seine Macht wächst mit jedem Tage, wir haben jetzt den Gott in der Gewalt, den unser Aaron in der Wüste geschaffen hat, der der wirkliche Gott unserer Zeit ist. Erst wenn wir die wirklichen Herren des Goldes auf Erden geworden sind, dieser gewaltigen Kraft, nach der der Mensch solche Begierde hat, werden wir erreichen, daß die tatsächliche Macht in unsere Hände übergeht. In keinem der früheren Jahrhunderte war in unsere Hände so viel Gold gegeben wie im zwanzigsten Jahrhundert, und die folgenden Jahrhunderte werden uns gehören. Jetzt sind alle Kronen und regierenden Häupter von Schulden erdrückt, die sie zur Erhaltung ihrer Armeen machen mußten. Die Börse reguliert auch diese Schulden, und die Herren der Börse sind wir. Die Staaten müssen in Schulden gestürzt werden gegen Verpfändung ihrer Eisenbahnen, Bergwerke, Wälder, Fabriken, unbeweglichen Güter, und schließlich müssen sie auch noch so weit kommen, daß sie ihre Steuern und Zölle für ihre Anleihen verpfänden. Das ist unser Programm. Unsere Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, daß wir Anteile am Grund und Boden erwerben: wenn das Eigentum der Grundbesitzer in unsere Hände übergeht, wird die Arbeit der christlichen Arbeiter für uns eine unerschöpfliche Quelle des Einkommens werden, denn der Proletarier ist der gehorsamste Diener der Spekulation. Wir haben in der babylonischen Gefangenschaft gestöhnt, jetzt aber sind wir mächtig geworden. Neunzehn Jahrhunderte lang sind wir Sklaven gewesen, gegenwärtig aber stehen wir höher als alle Völker. Aber wir müssen eifrig daran arbeiten, den Einfluß der christlichen Kirche, unseres gefährlichsten Feindes, zu schwächen, wir müssen unbedingt den Geist des Widerstandes in den zahlreichen christlichen Sekten erwecken und die Priester erniedrigen. Beschossenes Haus in der Pienknastraße. rabbiner werden dabei Anschauungen insinuiert, welche die russische Bevölkerung, die natürlich die Rede für authentisch halten muß, nur mit zorniger Wut gegen die russischen Juden erfüllen kann. Man höre, was die gewissenlosen Judenhetzer den Grof3rabbiner Wir müssen uns der Lehrerstellen in den christlichen Schulen bemächtigen, der Handel und die Spekulation dürfen niemals unsern Händen entschlüpfen. Jeder Krieg, jede politische Erschütterung bringen uns dem Augenblick näher, in dem wir unser höchstes