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Die Welt · 1906-09-28 · 39 (28.9.1906) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 39 DIE ELT 11 soviel mögen auch die Ortsgruppen erhalten, so daß ein Rest von 20 ",'o — 10 000 M. bleibt. Hiervon möge die Landeszentrale 15 °/n :-- 7500 M. und der Nationalfonds 5 % — 2500 M. erhalten. Dieses Resultat teilt die Landeszentrale den Ortsgruppen im einzelnen mit. Es verblieben darnach in obigem Beispiel der Ortsgruppe Straßburg zu ihrer eigenen Verfügung 400 M., die übrigen 600 M. wären an die Zentrale abzuführen. Alle diejenigen, die die Steuerpflicht auf sich genommen haben und den Schekel, in welcher Höhe es auch sei, an die Organisation entrichtet haben, sollen auch das Recht der Wahl nicht allein zum Kongreß, sondern auch dem Delegiertentag und dem Vorstand der Ortsgruppe haben. Damit erreichen wir, daß wir nicht mehr Leute haben, die zwar Zionisten sind, aber nur die eine Mark Schekel gezahlt haben, sondern, wer sich Zionist nennt, muß organisierter Zionist sein, sowohl angehörig der Weltorganisation, wie einer Landesorganisation, wie einer Ortsgruppe. Unsere Organisation wird dadurch gefestigter und straffer. Wir erreichen aber anderseits dadurch auch, daß unsere Bewegung den Charakter einer Volksbewegung bewahrt und nicht zur Vereinsmeierei herabsinkt. Jeder gilt in der Bewegung als vollwertig, der seinen Schekel gezahlt hat, und nicht allein diejenigen, wie wir es heute oft finden, die den Ortsgruppen einen Vereinsbeitrag extra geleistet haben. Ferner werden durch die vorgeschlagene Organisation nicht nur die Finanzen des Aktionskomitees gestärkt werden, sondern zum größten Teil auch die der Ortsgruppen, die sich bis jetzt mit einer festbestimmten Summe behelfen mußten. Die Summe wird jetzt jedenfalls größer, und für alle Fälle kann die Ortsgruppe immer noch ein Recht erhalten, nämlich das der Erhebung eines Zusatzpfennigs für Mehrausgaben. Zum Schluß sei noch auf den ideellen Gehalt meines Vorschlags hingewiesen und auf die werbende Kraft, die eine derartig organisierte Bewegung nach außen hin haben muß. Mein Vorschlag ist durchführbar und muß, richtig eingeleitet, glänzende Erfolge zeitigen. Sollte dies auch den maßgebenden Persönlichkeiten erscheinen, so dürfte es sich vielleicht empfehlen, eine Enquete mit provisorischen Steuerlisteii darüber zu veranstalten, was ja nicht allzuschwer durchzuführen ist. Diese könnte alsdann eventuell dem VIII. Kongreß zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Simon Weil. BERICHT UBER DEN SUDDEUTSCHEN ZIONISTENTAG IN MANNHEIM (Sonntag den 16. September 1906) (Schluß.) Nach mittagssitzung. Zunächst erstattet Herr Dr. Kaufmann-Freiburg sein Referat über „Die Arbeit der süddeutschen Ortsgruppen im kommenden Winter". Er führte ungefähr folgendes aus: Er sei nicht in der Lage, ein genaues Arbeitsprogramm zu entwickeln, sondern wolle nur gewisse Richtungslinien angeben, in welchen sich nach seiner Meinung die Arbeit bewegen solle. Anknüpfend an die am Vormittage bekundete Übereinstimmung über die Palästinaarbeit halte er es für die wichtigste Aufgabe der Ortsgruppen, ihrerseits auf die Förderung dieser Arbeit bedacht zu sein. Die Abnahme der Schekelzahlungen in Süddeutschland sei — abgesehen von lokalen Gründen — in der Hauptsache auf die vom letzten Kongreß herstammenden Differenzen zurückzuführen, und es sei zu erwarten, daß, nachdem die verschiedenen Meinungen im wesentlichen ausgeglichen seien, die Agitation mit verstärkter Kraft wieder einsetze. Dabei müsse die Palästinaarbeit in erster Linie betont werden. In unsern bürgerlichen Kreisen habe man vor der reellen Arbeit den meisten Respekt. Und die Sympathien für die alte Heimat unseres Volkes seien noch in weiten Kreisen vorhanden oder doch leicht zu wecken, auch an vielen Stellen, wo man von den politischen Bestrebungen des Zionismus sich geflissentlich zurückhalte. Durch die Propagierung einer gesunden Realpolitik werde man diese Kreise heranziehen können und so die Mittel für eine ausgedehntere Arbeit in Palästina gewinnen, während es uns bis jetzt an den nötigsten Mitteln fehle. Dabei braucht man nicht zu befürchten, daß bei dieser Art der Propaganda der Zionismus verwässere und zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung herabsinke. Es müsse dafür gesorgt werden, daß in den Ortsgruppen der zionistische Geist lebendig bleibe, und anderseits habe man damit zu rechnen, daß die Freude an dem Aufbau unsrer Position in Palästina auch die Außenstehenden mehr und mehr zu uns heranziehe und so aus vielen Spendern nach und nach wirkliche Zionisten würden. — Zur praktischen Ausgestaltung der obigen Idee ist vor allem erforderlich, daß wir über die palästinensischen Verhältnisse mehr als bisher Bescheid wissen. Darin muß uns unsere Leitung unterstützen. Erforderlich sind gemeinverständliche Broschüren, Vorträge, und wo es möglich ist, wie an Universitäten mit großer jüdischer Studentenzahl, die Einrichtung von Palästinakursen, sowie ein Palästinajahrbuch. Wir müssen uns in den Ortsgruppen mit allen Palästinafragen ernstlich befassen und dann hinaus vor das größere Publikum treten. Am wichtigsten, aber auch am schwierigsten, ist die finanzielle Seite der Frage. Da gilt es denn einzutreten für den von dem Delegiertentag zu Hannover beschlossenen freiwilligen Palästinabeitrag, dessen Ergebnisse für die verschiedenen kulturellen Arbeiten in Palästina bestimmt sein sollen. Ebenso gilt es einzutreten für den Bezalel und für den neugegründeten Pflanzungsverein, der eine gute Form darstellt, um unsern Bodenbesitz in Palästina aus privaten Mitteln zu vermehren. Doch dürfe man keineswegs den Nationalfonds vergessen, der den Bodenerwerb für die Gesamtheit erstrebe. Ebenso ist es unsere Pflicht, durch die Schekelzahlungen und Landesbeiträge unsere Organisation leistungsfähig zu erhalten. Nur eine leistungsfähige Organisation kann den hohen Aufgaben, welche wir zu erfüllen trachten, genügen. Erwägt man, wie große finanzielle Aufgaben uns obliegen, so ist es klar, daß wir Zionisten sie mit unsern Mitteln nicht erfüllen können. Der Referent tritt daher warm für den von hier aus ins Leben gerufenen Palästinaverein ein, der dazu bestimmt sei, einen neutralen Boden zu bilden, auf welchem alle, die der Palästinaarbeit zugetan sind, Zionisten und Nichtzionisten, zusammen wirken können. Der Palästinaverein könne auch zu einem Mittelpunkt für die verschiedenen Vereinigungen werden, welche an der Palästinaarbeit beteiligt sind. Durch den Palästinaverein könne die zionistische Partei außerordentlich entlastet werden. Ein gutes Vorbild ist der Bezalel, der, ohne zionistisch zu sein, im zionistischen Sinn wirkt. Der Referent geht dann auf die innere Arbeit der Ortsgruppen ein, die er dahin präzisiert, daß die Ortsgruppen andauernd bemüht bleiben müssen, Herde nationaler Gesinnung zu sein und ihre Mitglieder in diesem Sinne durch geeignete Referate, Vorträge und dem Geiste des Zionismus entsprechenden festlichen Veranstaltungen zu erziehen. In gleicher Weise muß auch versucht werden, soweit als möglich nach außen zu wirken. Doch soll bei den eigentlichen 3

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