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Die Welt · 1906-09-28 · 39 (28.9.1906) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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io DIE3 eingehen, da ja der Schekel dann seines Interesses beraubt ist und die Schekelmarken ebenso verkauft werden, wie man heute Nationalfondsmarken verkauft. Und wie die verkauft werden, darüber gibt uns die Nationalfonds-Bilanz jährlich Aufschluß. Und dann, garantiert die vorgeschlagene Form überhaupt eher den geregelten Eingang genügender Mittel? In diesem Jahre werden viel, im nächsten Jahre wieder weniger Schekolim verkauft werden. Der § 1 des Organisationsstatuts wird also nicht geändert werden dürfen, er muß nach wie vor lauten: „Die zionistische Organisation umfaßt diejenigen Juden, welche sich mit dem Programme des Zionistenkongresses einverstanden erklären und Schekelzahler sind." Wollen wir dem Obel abhelfen, so müssen wir die ganze finanzielle Organisation, sowohl des Aktions-Komitees als der Föderationen und Landsmannschaften, wie auch die Ortsgruppen einer Umgestaltung unterwerfen. Das Ganze muß von einem mehr finanz-politischen Gesichtspunkte aus betrachtet werden. Der Rätsels Lösung ist leicht wenn wir uns nur folgendes vergegenwärtigen. Der Zionismus ist das organisierte jüdische Volk in der Diaspora. An der Spitze des Volkes steht eine Leitung, das Aktions-Komitee mit seinen einzelnen Ressorts. Unter der obersten Leitung stehen die verschiedenen Landesverwaltungen, die sog. Föderationen, denen wieder kommunale Verbände, wie Gruppenvereinigungen, Ortsgruppen und Vereine unterstellt sind. Jede Regierung braucht für Verwaltungs-, diplomatische und andere Zwecke Geld. Jede Regierung erhebt zu diesem Zwecke von ihren Untertanen Steuern, die auf verschiedenen Prinzipien beruhen. Was die Staaten, Provinzen und Kommunen für ihre Zwecke nötig haben, wird diesen von der obersten Regierung zur Verfügung gestellt, resp. zurückgezahlt. Unsere oberste Behörde ist das Aktions-Komitee! ' Von jedem einzelnen sich ihm unterstellenden, d. h. sein Programm anerkennenden Juden erhebt auch es eine Steuer; einen gewissen Prozentsatz dieser Steuer erhalten die Föderationen oder Landsmannschaften, die ihrerseits wieder den Ortsgruppen die nötigen Mittel überweisen. Der Grundsatz» der dabei zu wahren ist, heißt: Alle für die zionistische Organisation eingehenden Beträge unterstehen der Kontrolle und bis zu einem zu bestimmenden Prozentsatz der Verfügung des Aktions- Komitees. So die Theorie. Die Steuer (wem dies Wort nicht paßt, möge „Beitrag" sagen), die das A. K. erhebt, bleibt der Schekel. Nur nimmt dieser eine etwas andere Form an. Während er bis jetzt — wenigstens in der Praxis, nicht nach § 30 des Organisationsstatuts — in einer Höhe von nur 1 Mark, 1 Frcs. oder 1 sh. gezahlt wurde und eine Kopfsteuer war, wird er jetzt zur Vermögenssteuer, und zwar nicht ein Beitrag für das A. K. als solches allein, sondern für die ganze zionistische Organisation von Ortsgruppe bis A. K. Was bis jetzt an früherer Art Schekel, Landesbeitrag, Vereinsbeitrag geleistet wurde, bildet zusammen den neuen Schekel, der natürlich viel höher wird als der frühere. Die Steuereinschätzung braucht bei uns nicht durch Steuerkommissionen zu geschehen, sondern wir dürfen auf die Gesinnungstüchtigkeit unserer Mitglieder vertrauen, wenn wir es ihnen überlassen, sich selbst zu besteuern oder, wenn wir anders sagen wollen^ ihren jährlichen Beitrag zur zionistischen Organisation selbst zu bestimmen. Und es wird sich gewiß niemand niedriger einschätzen, als er früher an Beiträgen zusammen an die einzelnen zionistischen Ober- und Unterorganisationen geleistet hat. Als Minimum des neuen Schekels dürfen wir also ruhig 5—6 Mark annehmen, d. h. monatlich 0.50 Mark, was gewiß durchschnittlich nicht zu hoch gegriffen ist. Es wird nun aber auch sehr viele gute Zionisten geben, wie wir sie bis jetzt in den einem Vereine nicht ange- [ELT —= No. 39 hörenden Schekelzahlern haben, die auch 6 Mark jährlich nicht erschwingen können. Denen soll keineswegs der Eintritt in die Organisation verschlossen bleiben; sie sollen aber erst dann aufgenommen werden, wenn der Ortsgruppenvorstand zur Ansicht gelangt ist, daß die Verhältnisse eine geringere Besteuerung rechtfertigen. Der Betreffende tritt dann in die Organisation ein und hat die gleichen Rechte und Pflichten wie alle übrigen. Von jetzt ab zahlen also die Vereinsniitglieder A, B, C nicht mehr je 1 Mark für Schekel, 1 Mark für Landesbeitrag und 4 Mark für Vereinsbeitrag und D 1 Mark Schekel event auch 1 Mark Landesbeitrag, sondern A zahlt 6 Mark, B 10 Mark, C 20 Mark, D 3 Mark an Schekel als jährliche Steuer zur zionistischen Organisation. Damit werden wir nicht nur eine Regelmäßigkeit, sondern auch eine ganz bedeutende Erhöhung der Einnahmen zur zionistischen Organisation zu verzeichnen haben. Das demokratische Prinzip gelangt dabei vollständiger zur Geltung als bisher, und die ganze Organisation wird gefestigter. Und nun zur Art der Organisierung der Steuererhebung und Rückverteilung! Zuerst im allgemeinen. In der zionistischen Organisation gibt es zwei Organe, die die Hauptarbeit zu verrichten haben. Es sind dies das A. K. und die Ortsgruppe, diese für die Kleinarbeit bezüglich Agitation, Propaganda usw., jenes für die Großarbeit zur Verwirklichung unseres Ziels. Beide müssen ihrer Bedeutung entsprechend dotiert werden, während die Landeszentralen, die ja zum größten Teile nur eine vermittelnde Tätigkeit ausüben, sehr gut mit einer geringeren Dotation auskommen können. Schließlich muß selbstverständlich ein gewisser Prozentsatz der Steuern dem Nationalfonds zufließen- Im einzelnen dürfte sich die Steuererhebung und Verteilung folgendermaßen gestalten: Jede Ortsgruppe stellt zu Beginn des Geschäftsjahres die Liste ihrer Mitglieder, d.h. der Steuerpflichtigen auf und legt diese jedem einzelnen zur Steuereinschätzung resp. Beitragszeichnung vor. Diese Steuerlisten werden bis zu einem bestimmten Zeitpunkte der Landeszentrale zur Prüfung eingesandt, die alsdann dem A. K. die Anzahl der Schekelzahler nebst der Höhe der gezeichneten Steuern angibt. Hiernach kann das A. K. sein vorläufiges Budget nach dem im Statut festbestimmten Prozentsatz der Steuern bestimmen. Über neu eintretende Mitglieder während des Jahres sendet die Ortsgruppe an die Landeszentrale vierteljährliche Nachtragslisten, die diese weiter mitteilt. Nach Eingang sämtlicher ersten Steuerlisten kann auch die Landeszentrale ihr Budget bestimmen. Sie teilt hierauf ihren Ortsgruppen mit, wieviel Prozent der Einnahmen an Steuern an die Landeszentrale für das A. K., die Zentrale selbst und den Nationalfonds abzuführen sind und wieviel für die Zwecke der Ortsgruppe zurückbehalten werden können. Die Ortsgruppe zieht die Beträge vorteilhaft in Monats- oder Vierteljahrsraten ein und führt die entsprechenden Prozente an die Zentrale ab, die ihrerseits wieder an A. K. und Nationalfonds auszahlt. Ein Beispiel soll uns das erläutern: Die Ortsgruppe Straßburg möge feststellen, daß sie 100 Mitglieder, d.h. Schekel- oder Steuerzahler hat, die durchschnittlich 10 M. gezeichnet haben mögen. Die Ortsgruppe liefert also zur zionistischen Organisation einen Gesamtsteuerbetrag von 1000 M. für das laufende Jahr. Die Steuerliste sendet der Vorstand zum bestimmten Termin an die Landeszentrale, die nach kurzer Zeit aus sämtlichen eingelaufenen Listen der Ortsgruppen das Ergebnis feststellt, daß in Deutschland im laufenden Jahre 5000 Schekelzahler sind, die, durchschnittlich 10 M. Steuer zahlend, der Organisation insgesamt 50 000 M. einbringen. Dieses Ergebnis wird dem A. K. mitgeteilt, das umgekehrt die Mitteilung der Landeszentrale bestätigt und angibt, daß an das A.K. satzungsgemäß oder ev. auch dem Beschluß des A. K. entsprechend, sagen wir z. B. 40 0 o des Schekels — 20 000 M. abzuliefern sind. Eben-

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