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Die Welt · 1906-09-19 · 38 (19.9.1906) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
38 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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„Es mag sein, daß dieses und jenes in deinem Sinne wider uns redet. Aber ist es v/ahrhaft so, daß du in deinem Willen trägst, uns in das Dunkel hinauszustoßen? Sieh, der Sabbat ist dein und unser Heiligtum, und wenn wir uns in ihm ergehen, müssen wir irgendwo und irgendwann auch deinen Schritten begegnen. Willst du den Sabbat der Zukunft verderben? Siehe, der Herr ist dein und unser Gott, und wenn du deinem Rasen gebietest und erschweigst und deine Seele zurückrufst im Schweigen, wirst du es verspüren, wie in diesem Augenblick er dich anschaut aus dem Herzen der Welt." Da war der Mann stille und sah von einem zum andern ohne zu sprechen. Aber Rabbi David von Nikolajew, der älteste der Davide, der sich wohlbewandert glaubte in dem Treiben des Menschengemütes und auf den Wegen der heimlichen Menschenabsicht, sprach: „Bedenke auch, daß wir kein Geschenk begehren. Vielmehr wollen wir dir zahlen, wieviel du auch fordern magst, und sei es das Hundertfache dessen, was allerorten üblich ist." Der Mann jedoch sah mit verächtlichem Lächeln über ihn hinweg und wandte sich zu dem Jüngsten und sagte in einem brummigen und unwirschen Tone: „So sei es. Aber glaubet nicht, daß ihr mir in mein Haus euren Sabbat bringen dürfet. Hier herrscht mein Brauch und mein Gesetz allein. Daher merket auf, was ich über euch verfüge. Fürs erste weiß ich wohl, ihr bringt viel Zeit damit zu, euch zum Gebete zu bereiten, und achtet nicht, wie weit es im Tage sei, und wartet, daß die Gnade euch erfasse. Aber hier gilt das Dasitzen und Ausschauen nicht, ich bete ab was zu beten ist, und dann gehe ich ans Essen, denn ich bedarf vieler Speise und muß oft und schnell meinem Hunger Genüge tun. Fürs zweite kenne ich eure Art zu beten, wie ihr schreit und tobt und einer lauter als der andere mit Gott reden will. Aber hier ist kein Raum für den Lärm eurer Verzückungen, und ich werde mich und meine Leute von euch nicht belästigen lassen. Fürs dritte liebt ihr es, an dem Mahle zu mäkeln und wie rechte Narren des langen zu erwägen, ob dies und jenes für euch Chassidim rein sei; das soll euch hier nicht beifallen." Solch Verkennen und Entstellen der heiligen Sitten und das Verbot, daß sie nicht geübt werden sollten, war dem Baalschem und den Seinen eine harte Schickung, aber sie hatten keinen Weg vor sich als diesen, und so stimmten sie zu und versprachen, sich in alles zu fügen. Da hieß der Hausherr sie eintreten. Sie kamen in eine enge und kahle Stube. Als sie sich eine Weile auf den Boden ausgestreckt und von der schwersten Müdigkeit befreit hatten, fragte der Baalschem, ob in der Nähe sich ein Bach oder ein Wasserbehälter befinde, wo sie ein Tauchbad nehmen könnten zu Ehren des Sabbat. Da geriet jener von neuem in Wut und schrie: „"Habe ich es mir doch gleich gedacht, daß ihr ein elendes Diebsgesindel seid! Ihr wollt nur herumspähen, wo ich mein Gut verwahre. Wahrlich, ich nehme eure Siebensachen und werfe sie hinaus und euch dazu!" Da mußten sie lange flehen und Versöhnung erbitten, bis er sich wieder geneigt zeigte, sie zu behalten. (Schluß folgt.! I QO o o o o IHT^^N^ vno Sehr geehrter Herr Redakteur! Der Bericht über die Nachtsitzung der Jahreskonferenz (Donnerstag den 30. August), welchen die „Welt" in ihrer vorletzten Nummer veröffentlicht hat, ist meiner Ansicht nach geeignet, unrichtige Vorstellungen über den wahren Sinn der Debatte bei den Lesern Ihres geschätzten Blattes hervorzurufen. Darum möchte ich mir erlauben, einiges zur Klärung des Sachverhaltes zu bemerken, mit der Bitte, diesen Zeilen Aufnahme in der „Welt" zu gewähren. Es ist aus dem Berichte nicht klar genug ersichtlich, daß die Gegner der Tendenzen der Herren Ussischkin und Warburg durchaus keine Palästinagegner sind (wie könnten sie es, da sie doch Zionisten sind?), sondern daß sie bloß dem überhasteten und unsere finanziellen Mittel gefährdenden Unternehmungstriebe dieser beiden Kollegen eine Schranke setzen zu müssen glauben. Die Masse der Zionisten, welche dieser Sitzung nicht beiwohnte, wird trotz der Länge des Berichtes demselben nicht entnehmen können, daß die Versammlung — der bis zum angebrochenen Morgen 36, also fast .alle Mitglieder der Jahreskonferenz pflichteifrig beiwohnten — in ihrer überwiegenden Mehrheit gegen die wichtigsten und prinzipiellsten Vorschläge der Herren Ussischkin und Warburg gestimmt war, daß sie also gegen die sofortige Schaffung einer Hypothekenbank und eines Agrarfonds war, daß sie nicht dafür zu haben war, die nicht behobenen Dividenden des J. C. T. anzugreifen, und daß das „Zurückziehen" der diesbezüglichen Anträge, wie es im Berichte heißt, nur deshalb erfolgte, weil die Antragsteller das Schicksal ihrer Anträge, wenn es zur Abstimmung gekommen wäre, voraussahen. Wie wenig überlegt und reiflich geprüft diese Vorschläge zur „praktischen Arbeit" waren und wie recht wir anderen mit unserer Abwehr gegen solche Pläne hatten, erhellt aus zwei Beispielen. Der Antrag Ussischkin betreffs Gründung einer Hypothekenbank in Palästina ist gar nicht durchführbar, da die bestehenden türkischen Gesetze bisher eine solche im ganzen türkischen Reiche einfach unmöglich machen; und auf einer gleich unmöglichen Basis beruht der Antrag Warburg, die nicht eingeforderten Dividenden der Bank einzuziehen und zu verwerten. Das englische Gesetz verbietet ein solches Vorgehen, und der Plan Herrn Prof. Warburgs ist a priori undurchführbar. Wozu also alle solchen Anträge und Vorschläge? . . . Ich kann nur wiederholen, was ich in meiner Rede in Köln gesagt habe: Wenn wir dieser Sucht, in Palästina mit den Geldern der zionistischen Bewegung um jeden Preis „praktische Arbeit" zu leisten, volle Zügel schießen lassen, so werden wir sie mit der vollen Erschöpfung aller unserer finanziellen Mittel bezahlen müssen. Es genügt, um zu dieser Überzeugung zu gelangen, der zahlenmäßige Nachweis, daß schon heute, da der Nationalfonds erst vor einigen Tagen seine legale Form erhalten hat, mehr als zwei Drittel desselben in Palästina festgelegt sind, und daß bei diesem Tempo der Nationalfonds überhaupt bald kein „Fonds" sein wird. Die Verpachtung von — erst anzukaufendem — Grund und Boden an neu angekommene Arbeiter ist — Herr N. S., der Autor des einleitenden Artikels in der „Welt", möge mir diese meine Auffassung nicht verübeln — Kleinkolonisation, und das widerspricht geradeaus unseren bisherigen politischen Prinzipien. Wir alle und ich speziell sind warme Anhänger und Fürsprecher der „Kommission zur Erforschung Palästinas", — aber ich kam; mich nicht entschließen zuzustimmen, daß sich z. B. diese Kommission mit der Gründung eines industriellen Syndikats befaßt. Dabei sind zu viele Irrtümer möglich, die nach meiner Ansicht eine Gefahr für die Kommission, aber auch für unser Ansehen, ja für den Zionismus selbst bilden könnten. Wir sollen niemals die Grenzen verwischen lassen, welche zwischen privaten und nationalen Aufgaben bestehen. Unsere nationalen, finanziellen Mittel sollen nur für solche Institutionen in Anspruch genommen werden, deren Schaffung Pflicht und Sache des Volkes ist. Ich möchte noch in persönlicher Sache hinzufügen, daß leider der Sinn meiner Rede vielfach in der „Welt" nicht gut wiedergegeben ist. Schon der Anfang ist ganz unrichtig. Ich sagte: „Die heutige Debatte hat eine Wendung genommen, die mir persönlich erwünscht ist." Die „Welt" macht daraus das gerade Gegenteil. Diese Richtigstellung und Weiterführung mancher Punkte, die .in der „Welt" nur angedeutet worden sind (ich behalte mir vor. auf andere von prinzipieller Bedeutung noch später zurückzu kommen), wird vielleicht genügen, die wichtige Debatte im richtiger; Lichte bei den Lesern Ihres Blattes erscheinen zu lassen. Und un zu resümieren: Wir verschließen uns absolut nicht den Wünscher und Bedürfnissen der großen Masse des jüdischen Volkes, nament lieh der Brüder in Rußland; aber solange wir das Vertrauen de jüdischen Massen noch genießen, dürfen und werden wir nich zugeben, daß unsere herrliche Volksbewegung, welche einen s< himmelanstrebenden Aufstieg genommen hatte, sich in Kleinarbei verflacht. Diese Sucht, sie herabzudrücken, dieses Bestreben, da:- Gold des nationalen Wiedererwachens in kleine Kupfermünzen ein zutauschen, habe ich schon auf dem 7. Kongreß bekämpft un«.5 jetzt auch auf der Jahreskonferenz. Da es eine prinzipielle Fragv KORRESPONDENZEN

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