Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 38 (19.9.1906)
- Date
- 1906-09-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No. 38 DIEHaEELT 17 von der höchsten Bedeutung ist, so wird der Kongreß souverän darüber entscheiden müssen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Dr. A. Marmorek. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich finde in der vorletzten Nummer Ihres Blattes einen Bericht über die Jahreskonferenz, in dem meine Antwort, welche ich Herrn Dr. Weitzmann im Laufe der bedeutenden Debatte während der Konferenz vom 30. und 31. letzten Monats gegeben habe, wiedergegeben ist. Eine absurdere Parodie meiner Bemerkungen, eine größere Verdrehung meiner Worte ist kaum möglich. Ein Beispiel wird genügen: In Ihrem Berichte heißt es, ich hätte gesagt: „Herr Dr. Weitzmann sagt, daß ich gegen Ussischkin bin. Ich war immer für die praktische Palästinaarbeit, aber ich bin gegen die unpraktische. Dies ist der einzige Unterschied zwischen Ussichkin und mir." Der größte Neuling muß wissen, daß ich einen solchen Unsinn nicht gesagt haben kann. Was ich über einen Punkt sagte, wurde nämlich mit dem verwoben, was ich über einen andern Punkt sagte. Ich sagte, daß ich bestrebt sei, die praktische Arbeit in Palästina zu fördern, aber ich setzte dann fort, daß vieles von der sogenannten „praktischen" Arbeit, die von verschiedenen Seiten vorgeschlagen worden ist, eigentlich unpraktisch sei, und ich habe es auch bewiesen. Und aus diesem Grunde, — erklärte ich, — halte ich die Errichtung eines permanenten Komitees in Palästina für eine dringende Notwendigkeit, wodurch die Gefahr, daß man, vom Wunsche beseelt, nur praktische Arbeit zu leisten, unpraktisch arbeite, herabgesetzt würde. Ich habe nicht einen Augenblick daran gedacht, etwa mich dahin zu äußern, daß Herr Ussischkin den Wunsch hatte, unpraktische Arbeit in Palästina zu unternehmen, noch wagte ich es, in der Frage, welche Arbeit in Palästina praktisch und welche unpraktisch sei, meine Meinung der seinigen gegenüberzustellen. Ebensowenig habe ich zu verstehen geben wollen, daß irgend eine Meinungsverschiedenheit zwischen uns in Hinsicht auf unser Bestreben nach praktischer Arbeit in Palästina oder politischer Arbeit zur Förderung der Ziele unserer Organisation bestehe. Die hauptsächliche Meinungsverschiedenheit zwischen uns, sagte ich, scheint mir die zu sein, daß Herr Ussischkin und diejenigen, welche mit ihm arbeiten, die „praktische" Arbeit in Palästina nur der Arbeit selbst wegen zu wünschen scheinen, und die höheren politischen Interessen unserer Bewegung ignorieren, während ich alles diesen Interessen dienstbar und von ihnen abhängig haben möchte. Hierin Hegt in der Tat der Scheidepunkt des letzten Kongresses. Ich glaube, daß der Kongreß nur unter dem Drucke eines einfachen obiter dictum des Herrn Dr. Herzl über die Nutzlosigkeit der gegenwärtigen politischen Arbeit für Palästina, das von denen, welche immer die sogenannten „Chowewe-Zion"-Methoden (unter Ausschluß aller anderen), begünstigt haben, ausgebeutet wurde, als ob es definitiv und von unbezweifelter Zuverlässigkeit wäre, außerordentlich entmutigt wurde. Unser Schiff hat sich nun nach ■jiner Seite gelegt und es liegt nun wesentlich an denen, welche den politischen Charakter der Bewegung aufrecht zu erhalten wünschen, es wieder seetüchtig zu machen. Dieses ist der eigentliche Sinn dessen, was ich sagte und, wie eh glaube, beinahe in denselben Worten. Mit Zionsgrüßen, Ihr ergebener L. J. Greenberg. AUS DER BEWEGUNG Eine außerordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial- 'rust (Jüdische Kolonial-Bank) Ldt. fand in Köln am 18. ds. Mts. nachmittags im Zionistischen Zentralbureau, Ubierring 23, statt, lerr J. H. Kann (Haag), der stellvertretende Vorsitzende des Direk- )riums führte, den Vorsitz. Außer mehreren Aktionären waren nwesend die Herren D. Wolffsohn, Dr. J. M. Bodenheimer, 'einrich Rosenbaum und L. G. Greenberg, Mitglieder des Aufsichtsites, und Joseph Cowen, Direktor. Nach Verlesung der Bekanntmachung bezüglich der Versamm- Mig und Annahme desProtokolls der am 29. v.M. inKöln abgehaltenen ißerordentlichen Generalversammlung und nach Vorlegung des Berichtes der Skrutatoren, die von der letztgenannten General- -rsammlung gewählt worden waren, wurden die von der am >. August stattgefundenen außerordentlichen Generalversammlung vreits angenommenen zwei Resolutionen als Spezial-Resolu-;onen vorgeschlagen und unterstützt und auf Antrag des Herrn Wolffsohn als Aufsichtsratsmitglied die Abstimmung über diese Resolutionen durch Stimmzettel vorgenommen. Das genaue Resultat dieser Abstimmung kann zwar erst innerhalb 10 bis 14 Tagen bekanntgegeben werden, jedoch geht aus den abgegebenen Stimmzetteln zweifellos hervor, daß die Bestätigung der Abänderungen mit einer Stimmenmehrheit von tausenden erfolgt ist. Behufs gesetzlicher Anerkennung der Abänderungen des Memorandum (mit bezug auf die Zwecke des J. C. T.) wird es nun noch notwendig sein, die Einwilligung des englischen Gerichtes einzuholen. Die Abänderungen der Statuten (Verhaltungsregel des J. C. T.) treten bereits zufolge der am 18. ds. Mts."durch die Aktionäre erteilten Bestätigung in Kraft. Im Anschlüsse an die außerordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust fand am Dienstag, den 18. d., nachmittags eine Sitzung des engeren Aktionskomitees statt. Den nach Schluß der Redaktion eingegangenen diesbezüglichen Bericht werden wir in der nächsten Nummer bringen. fr^s* NACHRICHTEN io^-o Vorbereitungen für einen neuen Pogrom in Warschau Wien, 14. September. Reichstagsabgeordneter Daszynski telegraphierte aus Krakau: Aus Warschau erhalte ich aus glaubwürdigen Quellen die Nachricht, daß die russische Regierung für Samstag den 15. ds. oder die nächsten Tage einen Pogrom und Massenmorde in den jüdischen und Arbeitervierteln von Warschau organisiert. Aus fernen Provinzgarnisonen wurden Bataillone der rohesten Soldateska zusammengezogen. Warschau wurde in Reviere geteilt und unter die Gewalt militärischer Kommandanten mit vollständiger Ausschließung der Zivilbehörden gestellt. Das Oberkommando wurde dem durch furchtbare Grausamkeiten und Strafexpeditionen in Sibirien berüchtigten General Meller-Zakomelskij übergeben. Unter der Bevölkerung, die in der letzten Zeit fortwährend von Soldaten verfolgt wurde, herrscht furchtbare Panik. Wir erhielten aus Warschau folgendes Telegramm : Warschau, 17. Sept., 3*0. Die Massenverhaftungen und Revisionen im hiesigen Judenviertel dauern fort. Beunruhigende Gerüchte verstärkt infolge der herannahenden Feiertage. Die Rabbiner fordern die Juden auf, keine Synagogen zu besuchen. Viele verreisen. Die Stimmung ist sehr gedrückt. Die Feuersbrunst in Kupin In Kupin (Gouv. Podolien), einem kleinen Marktflecken, fand am 13. d. eine verheerende Feuersbrunst statt, wobei 100 jüdische Häuser in Flammen aufgingen. Man vermutet, daß die Ursache der Feuersbrunst eine Brandstiftung seitens der Hooligans war. Zur Lage in Odessa Wie dem „Rjetsch" aus Odessa gemeldet wird, wird die Lage der Juden in Odessa von Tag zu Tag bedrohlicher. Die Mitglieder des Verbandes russischer Leute gebärden sich in den letzten Tagen sehr aufgeregt. Sie ziehen bewaffnet und mit Signalpfeifen versehen durch die Straßen und mißhandeln die ihnen begegnenden Juden. Alltäglich kommen solche Mißhandlungen vor. Die Polizei weigert sich, den Vorkommnissen ernstere Bedeutung beizumessen. Briefkasten der Redaktion W. H., Suczawa: Leider nicht geeignet. Aphorismen bringen wir nur in sehr seltenen Fällen. Die Redaktion der „Welt" wünscht allen Lesern unseres Blattes eine COniD