Mannheim
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Die Welt · 1906-09-19 · 38 (19.9.1906) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
38 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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BERICHT UBER DEN SUDDEUTSCHEN ZIONISTENTAG IN MANNHEIM (Sonntag den 16. September 1906) Am Vorabend fand eine Volksversammlung im Kasinosaal statt. Der Saal, der über 300 Personen faßt, war vollkommen gefüllt, und zwar von allen jüdischen Gesellschaftskreisen. Die Referenten, Rechtsanwalt Dr. Hantke, Berlin, Dr. Dreyfuß, Kaiserslautern und Dr. Isaak Strauß, München, sprachen in vortrefflichen Worten bei vollkommenster Aufmerksamkeit des Publikums. Es meldeten sich 10 neue Mitglieder zur Ortsgruppe Mannheim an. Nachher blieben die Mitglieder der Mannheimer Ortsgruppe mit den bereits eingetroffenen Delegierten noch in gemütlicher Unterhaltung beisammen. Die Verhandlungen Rechtsanwalt Dr. Hantke, Berlin, eröffnete kurz nach 9 Uhr morgens die Versammlung namens des Zentralkomitees und in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Präsidenten Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, Köln. Er gedachte in seiner Ansprache auch des gegenwärtigen Regierungsjubiläums des badischen Großherzogs und des Dankes, den wir Zionisten für das dauernde Interesse dieses Fürsten schulden. Präsidium und Bureau wurden aus folgenden Herren einstimmig gewählt: Julius Simon, Dr. Friedemann, Dr. Kaufmann, Freiburg, Dr. Cahen, Mannheim, J. L. Goitein, Frankfurt, und Bickard, Straß bürg. Hierauf hielt Herr Dr. Moses, Mannheim, sein Referat über die innere Lage des Zionismus in Deutschland. In großen Zügen zeichnet er die Entwicklung, die der Zionismus in Deutschland genommen hat. Er vergleicht die innere Zerrissenheit und Ohnmacht der deutschen Landsmannschaft am 7. Kongreß mit der Disziplin und der klaren politischen Auffassung an den früheren Kongressen. Das muß wieder anders werden. Wir müßten uns zur vollkommenen Klarheit durchringen, damit wir auf dem 8. Kongreß festen Standpunkt zu vertreten und zu verteidigen hätten. Dieser Standpunkt könne sich aber nur darauf gründen, daß es die Aufgabe des 8. Kongresses wäre, dessen Parole man ja schon auf der Jahreskonferenz ausgegeben habe, die Beschlüsse des 7. Kongresses zu bestätigen, aber getreulich dafür zu sorgen, daß die Grenzen respektiert würden, die der 7. Kongreß gezogen habe. Kein Dogma dürfe uns einengen; weder dasjenige, daß vorerst keine politischen Erfolge möglich wären, noch daß ein Charter unmöglich sei nach einer Tätigkeit im Lande. Wir müßten sowohl Palästinaals diplomatische Arbeit leisten. Hinsichtlich der letzteren Tätigkeit müßten wir zwar ausdrücklich die Erwartung aussprechen, daß wir von der Leitung erwarten, daß sie mit unablässiger Aufmerksamkeit die politischen Konstellationen verfolge und keinen der Fäden fallen lasse, die Herzl gesponnen habe. Was die Palästinaarbeit aber anbetrifft so sei es nur die Konsequenz des eigenen Antrags der deutschen Landsmannschaft, die Palästina-Kommission einzusetzen, auch eine Tätigkeit derselben in Palästina zu billigen, nicht nur diejenige reiner Erforschungsarbeit. Was hätte es sonst für einen Sinn, wenn wir nur entdecken, nicht aber ausführen dürften? Freilich nicht mit eigenen Mitteln, da uns dieselben leider dazu fehlen, wohl aber, indem wir die jüdische Privat-Initiative kräftig anregten. Wir schaffen ein Auskunftsbureau. Für wen? Eine Ehrenpflicht der deutschen Landsmannschaft müsse gerade gegenwärtig angesichts der Verhältnisse in Rußland, die eine geregelte finanzielle Gebarung von dort unmöglich machten, darin bestehen, daß die Schekel bis zum letzten Pfennig an die Organisation abgeführt würden. Auf dem Delegiertentag sei der Palästinaschekel beschlossen worden; nun müßten wir auch für die Ausführung dieses Beschlusses nach Kräften besorgt sein. Dann aber hätten wir uns bezüglich der Propaganda besonders der Einzelpropaganda unter der Jugend zu widmen. Die älteren Leute könnten wir selten mehr veranlassen, ihre Anschauungen nochmals förmlich umzudenken. Sie aber müßten wir für unsere praktischen Arbeiten interessieren, für die Bank und für den Nationalfond. Er habe auch die Gründung eines neutralen Palästinavereins vorgeschlagen, den er als eine wertvolle Brücke zwischen den uns Fernstehenden und uns ansehe. Dieser Palästinaverein könne, falls er einem regen Interesse der Zionisten begegne, die dafür in weiten Kreisen werben müßten, Mittel für Aufgaben liefern, die das Interesse auch weiterer Kreise hätten, am letzten Ende aber unserer Palästinaarbeit allein zugute käme. Die breite Öffentlichkeit sei andauernd über unsere Ziele aufzuklären, die Presse nicht außeracht zu lassen, unsere Beziehungen zu ihr zu pflegen und auch neutrale Vereine für zionistische Vorträge zu interessieren. Dann aber sei der Innenarbeit der Gruppen die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihr zukomme. (Lebhafter Beifall). Aus den Diskussionen sei diejenige des Herrn Dr. Friedemann hervorgehoben, der zwar mit den Referenten darin nicht einig geht, daß der Standpunkt des 7. Kongresses unangetastet bleiben müsse, da dieser kein klares Programm geschaffen habe. Indessen sei jetzt eher eine Grundlage zur Verständigung gefunden, da anscheinend die Zione-Zion bewiesen hätten, daß sie auch nicht alles mitmachten, was ihnen Ussischkin vorschlage. Redner begrüßte eine Tätigkeit der Palästina-Kommission, die dem Bedürfnis der Masse, sich an der Arbeit zu betätigen, entgegenkomme. Die Arbeit aber müsse derart sein, daß sie nicht das Mißtrauen der Regierung wachrufe. Insoweit die Arbeit der politischen Tätigkeit nicht schade, sei sie zu begrüssen. Jede Kolonisation aus Mitteln des Nationalfonds sei aber abzulehnen. Die Einwanderung wohlhabender Elemente sei erwünscht; doch dürften nur die Lebensmöglichkeiten für die Einwanderer geschaffen, jene aber nicht systemlos kolonisiert werden. Dr. Hantke Berlin fast seine Ausführung in folgenden Grundsätzen zusammen: Er empfiehlt für die wirtschaftliche Erforschung Palästinas und seiner Hülfsmittel einzutreten. Hierzu seien landwirtschaftlicheVersuchsstationen nötig. Die Stärkung des jüdischen Elements verlange die Schaffung von Lebensbedingungen, die Anregung der Privatindustrie und die Heranziehung wertvoller Kräfte. Abzulehnen sei jede Unterstützung, jede Kolonisierung aus den Mitteln der Gesamtheit und jede Förderung der Einwanderung auf wohltätiger Grundlage. Die Bank dürfe nur im kaufmännischen Sinne geleitet werden und der Nationalfonds nur für gesicherte Landankäufe verwendet werden. An der Diskussion beteiligten sich noch die Herren Sontheimer, Rechtsanwalt Dr. Veith, Goitein, Dr. Halpern, Reich und Simon. Wenn auch die Diskussion in vielen Einzelheiten auseinanderging, so konnte doch konstatiert werden, daß eine Verständigung der Anschauungen Platz greift und daß insbesondere das gegenseitige Mißtrauen verschwunden ist. Im Grunde erhob niemand Einspruch gegen die Thesen von Dr. Hantke. Wer Einschränkungen wünschte, tat dies weniger aus prinzipiellen Gründen, als deshalb, weil sein Vertrauen in die praktische Ausführbarkeit einzelner Arbeiten und Gründungen noch fehlte, und wer eine intensivere Arbeit in Palästina wünschte, mußte anerkennen, daß die gegenwärtigen Mittel der Bewegung hierzu nicht ausreichten. Doch Einmütigkeit herrschte in der Verurteilung der gegenwärtig noch immer schwankenden Lage der Bank, von der man eine vollkommene Reorganisation verlangte. Man war sich darüber einig, daß es in Deutsch-

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