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Die Welt · 1906-09-14 · 37 (14.9.1906) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
37 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 37 ÖIE^ELT 19 tigsten greifbaren Erfolg darf der Jüdische Volksverein die Einführung einer Reihe von Verbesserungen im Interesse der Emigranten im Hafen und auf den Schiffen der russischen freiwilligen Flotte betrachten und die Zusicherung der Generaldirektion derselben in Petersburg auch in Zukunft alle Verbesserungsvorschläge des Vereins auf den Schiffen zu respektieren. Der Wahlkampf in Brody In Brody fand am 8. d. M. eine Wählerversammlung anläßlich der bevorstehenden Reichsratswahl an Stelle des verstorbenen Dr. Byk statt. Kandidatenreden hielten Rabbiner Rosenmann und Dr. Adolf Stand, ersterer in deutscher, letzterer in polnischer Sprache. Stand erklärte, er werae im Falle seiner Wahl dem Polenklub nicht beitreten; er' erklärte sich ferner für die Polonisierung des Brodyer deutschen Gymnasiums und sprach sich gegen die Sonderstellung Qaliziens aus. Die zwei andern Kandidaten, die das Komitee einlud, Dr. Gold aus Zloczow und Dr. Kornfeld aus Wien, entschuldigten ihre Abwesenheit. Ersterer erklärte, dem Polenklub beizutreten, Dr. Kornfeld ist entschlossen, nicht zu kandidieren, falls Abg. Kolischer kandidiert. Ernst genommen werden nur die Kandidaturen Stand und polnischerseits des Bürgermeisters Rittel, dessen Kandidatur in diesen Tagen auftauchen wird. Gold und Kornfeld haben keine Aussicht, bei der Wahl durchzudringen. Die Judenverfolgung in Mogador Wie dem „Matin" aus Tanger berichtet wird, zwang der Kaid Anflous in Mogador die jüdischen Familien, sich in die „Mellah", wie in den marokkanischen Städten das Ghetto bezeichnet wird, zurückzuziehen, und verlangt, daß die als Dienstboten in jüdischen Familien beschäftigten Araber dieselben verlassen sollen. Anflous belästigt nicht nur die marokkanischen Juden, sondern auch diejenigen, welche unter dem Protektorat der zivilisierten Mächte stehen. Das diplomatische Korps in Tanger hat seinen Doyen, den italienischen Gesandten Malmusi, beauftragt, Schritte bei Mohammed el Torres wegen Aufrechterhaltung der Ruhe in Mogador zu tun. Mohammed el Torres hat die Absendung von 300 Soldaten nach Mogador versprochen. Der französische Gesandte hat dem Kreuzer „Galilei" Befehl gegeben, nach Mogador zu dampfen, um nötigenfalls die dortigen Franzosen, die französischen Schutzbefohlenen und auch andere Fremde gegen den Kaid Anflous zu beschützen. Der „Galilei" wird am heutigen Sonnabend um sechs Uhr abends in Mogador erwartet. Auch zwei englische Kreuzer verließen Freitagabend die Reede von Gibraltar, um sich nach Mogador zu begeben. Der „Ivriah=Schekei" Das Bureau der Organisation der „Ivriah" in Bern veröffentlichte dieser Tage ein Zirkular, worin es für die Einführung eines obligaten Beitrags für die Mitglieder der Organisation, eines „Ivriah-Schekels" plädiert. Dieser Schekel soll die finanzielle Grundlage der Organisation sein, deren Aufgabe die Erhaltung und Förderung der hebräischen Sprache und die Entwickelung des Hebräischen aus der Schriftsprache zur Umgangssprache ist. Der Ivriah-Schekel, in der Höhe von 1 Mark, 1 Frank, 1 Schilling, 40 Kop. usw. kann nur von prinzipiellen Freunden der hebräischen Literatur und Anhängern der Idee der Wiedergeburt der hebräischen Umgangssprache entgegengenommen werden. Der Schekelzahler hat dann (vom 16. Jahre an) das aktive und (vom 21. Jahre an) das passive Wahlrecht für die Generalversammlung der Ivriah. 50 Schekelzahler wählen einen Delegierten. Das Zentralbureau der „Ivriah" gibt jetzt spezielle Schekelblocks aus, die den einzelnen Ivriah-Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Das Zentralbureau bittet alle Ivriah-Vereine und die Freunde der hebräischen Sprache, für den Ivriah-Schekel Propaganda zu machen, um damit der Organisation die Mittel zu geben, an eine wirkliche und gedeihliche Arbeit heranzutreten. Das Bureau der „Ivriah" befindet sich in Bern (Schweiz), Freistr. 24a. NOTIZEN Jüdisches aus Frankreich In den „Memoiren" des gewesenen Kriegsministers Andre, die im „Matin" veröffentlicht werden, befindet sich eine sehr charakteristische Stelle über das Verhältnis der Offiziere der französischen Armee zu den Juden. Es heißt dort in der Schilderung der Zustände im französischen Offizierskorps u. a.: „Die Juden waren von vornherein geächtet; ein Offizier, der einen jüdischen Namen trug, wurde von seinen Kameraden als Luft behandelt, weil er nicht seinen Taufschein beibrachte. In einer Militärschule gab der Examinator einem jüdischen Prüfling eine gute Note. Der Vorsitzende Oberst änderte sie kaltblütig in das Gegenteil ab, da er keine Juden haben wolle." General Andre ist bekanntlich an seinen Versuchen, die französische Armee zu reformieren und zu republikanisieren, gescheitert. Er fiel, — aber der Geist der Armee blieb derselbe. Die Offiziere der „glorreichen" Armee knirschen die Zähne und fluchen in ihrem Herzen den „sales youpens", wie sie in liebenswürdiger Weise ihre jüdischen Mitbürger nennen. Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Dänemark Das dänische statistische Amt hat ein Tabellenwerk über die Bevölkerung Dänemarks im 19. Jahrhundert (Befolkningsforholdene i Danmark i det 19. Aarhundrede. Kopenhagen 1905) herausgegeben, dem wir folgendes entnehmen. Es betrug bei der Volkszählung die Zahl der Juden im Jahre in abs. Zahlen in °/(lü der Gesa Bevölkerung 1840 3839 2,99 1845 3670 2,72 1850 3941 2,80 1855 4114 2,76 1860 4214 2,63 1870 4290 2,40 1880 3946 2.00 1890 4080 1,88 1901 3476 1,42 Es zeigt sich hiernach, daß die jüdische Bevölkerung Dänemarks sich in den 60 Jahren von 1840 bis 1901 nicht vermehrt hat, sondern absolut und noch mehr relativ zurückgegangen ist. 1840 waren noch 2,99 %„, 1901 nur noch 1,42 "„„ der Gesamtbevölkerung jüdisch, der Anteil der Juden war also um mehr als die Hälfte gesunken. Der Grund ist neben geringer Kinderzahl hauptsächlich" in den zahlreichen Mischehen zu suchen, durch welche die dänischen Juden allmählich von der christlichen Bevölkerung aufgesogen werden. Interessant ist, daß unter den dänischen Juden starker Frauenüberschuß herrscht und stets geherrscht hat. Es waren nämlich unter 1000 Personen männlichen Geschlechts im Jahre 1840 1845 1850 1855 1860 1870 1880 1890 1900 bei den Juden 462 463 495 468 482 478 489 473 470 Dem Alter nach waren in fession bei der Gesarhtbvkg. 494 494 492 495 496 494 491 488 487 aller Einwohner gleicher Konbei der Volkszhlg. von unter 20 Jahren Juden S6S'" 1 Bev. 20 bis 60 Jahren Juden; «jg; über 60 Jahren i j Ges. Juden Bey 1880 318 428 508 476 174 96 1890 290 438 533 460 177 102 1901 249 436 579 465 172 99 Die Zahlen zeigen, daß die Juden erheblich weniger Personen unter 20 Jahren unter sich haben als die Christen, und bringen damit die geringe Zahl der Geburten bei den Juden zum Ausdruck. Anderseits weisen sie nach, daß ein verhältnismäßig sehr großer Prozentsatz der Juden (17,2 0 0 gegenüber 9,9 % bei der Gesamtbevölkerung) ein Alter von mehr als 60 Jahren erreicht. Das Duell. Der „Russ. Korr." wird aus Petersburg geschrieben: Ein interessanter Briefwechsel wird jetzt in der Petersburger Presse veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine Herausforderung zum Zweikampf wegen einer angeblichen Beleidigung der russischen Armee. Diese Beleidigung soll "bekanntlich der frühere zionistische Dumadeputierte Rechtsanwalt W. Jakubsohn ausgesprochen haben. Herr Jal&ibsohn hat nämlich, wie erinnerlich, in seiner Rede über die Bialystoker Metzeleien, bei denen das Militär eine traurige Rolle gespielt, auf das Verhalten der russischen Armee in dem

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