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Die Welt · 1906-09-14 · 37 (14.9.1906) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
37 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Agitationsvortrag in warmen Worten dankte und der Jugend die Versicherung gab, noch andere Redner aus der „Zephira" wie auch aus der „Chermonia" zu weiteren Agitationsvorträgen heranzuziehen, richtete Herr Berl Siegel einen Appell an die Jugend, sich dem jüdisch-nationalen Vereine junger Juden „Theodor Herzl" anzuschließen. Sodann entwarf Herr Nathan Luwisch ein Bild des traurigen Lebens der Juden in Rußland und richtete schließlich die Aufforderung an die jüdisch-nationale Jugend, mit Eifer und Selbstbewußtsein für den Zionismus zu arbeiten. Amerika Boston. Ein glänzendes Meeting der hiesigen Zionisten fand am 22. August in der Faneuil Hall statt. Es sprachen u. a. Rev. M. M. Eichler, Jakob de Haas, Horace M. Kallon. Sämtliche Redner traten für eine intensive Unterstützung der praktischen Palästinaarbeit ein. Es wurde eine Resolution angenommen, die die Treue der Bostoner Zionisten zum Baseler Programm und ihren Willen zum Ausdruck bringt, mit allem Eifer die Arbeiten der Palästinakonimission zu unterstützen. Interessant ist eine Bemerkung, die die Zeitung „Boston Record" an den Bericht über dieses Meeting knüpft. Sie sagt nämlich: „Die Einwanderung von Juden nach Palästina hat in den letzten Monaten bedeutend an Umfang gewonnen. Die Aussichten für einen jüdischen Staat sind heute nicht mehr als hoffnungslos zu bezeichnen". Die günstigen Ergebnisse der Tannersviller Konferenz zeigen sich bereits allerorten. Insbesonders sind es die dort eingesetzten Komitees, die ihre Arbeit überall mit Eifer beginnen. Das Palästinakomitee hat soeben einen Aufruf erlassen, in dem es seine Organisation feststellt. Wir entnehmen daraus folgendes: Wir schlagen die Bildung eines besonderen Palästinafonds zur Unterstützung unserer Arbeit vor. Dieser Fonds soll sich zusammensetzen aus den statutarischen Beiträgen der Mitglieder der Federation of American Zionists, und aus Spenden. Der Mindestbeitrag der Mitglieder der Federation zu diesem Fonds beträgt 25 Cts. pro Jahr. Mitglieder, die mindestens 5 Dollars jährlich bezahlen, erhalten die Zeitschrift „Altneuland" gratis. Diese Zeitschrift soll, genügende Beteiligung vorausgesetzt, demnächst auch in englischer Sprache erscheinen. Spenden für den Palästinafonds werden von jedem Zionisten oder Nichtzionisten angenommen werden. Das gesamte Einkommen des Fonds soll nach Abzug der loyalen Unkosten der Palästinakommission überwiesen werden, die die Beträge nach Maßgabe der Wünsche der amerikanischen Federation verwenden soll. Um dem Palästinakomitee die Arbeit zu ermöglichen, hat die Federation ihm einen größeren Vorschuß gewährt. Die Poale-Zion haben erklärt, daß sie den Palästinafonds nach Kräften unterstützen wollen und haben ersucht, ihnen eine Vertretung im Palästinakornitee einzuräumen. Das Propagandakomitee hat eine Reihe bekannter europäischer Zionisten ersucht, im kommenden Winterhalbjahre Vorträge in den Vereinigten Staaten zu halten. Als einer der ersten, an die man sich dieserhalb gewandt hat, wird Herr Ussischkin genannt. fr— ~ -~^~3> ° rT-p=— f=--<^<—^% jjooooooooo__O ir Der Zustand in Warschau Warschau, 11. Sept. Bei einer in der vergangenen Nacht in einigen Straßen veranstalteten allgemeinen Haussuchung wurden hunderte Personen verhaftet, die keine Legitimation bei sich führten. Die meisten Verhafteten sind Juden. Warschau, 10. Sept. Heute abend 8 Uhr erfolgte in der Elektoralstraße ein Zusammenstoß zwischen Zivilpersonen und einer militärischen Patrouille, wobei über 20 Personen verwundet wurden. ImJudenviertel mißhandelten Soldaten Personen auf den Straßen, von denen 6 schwer verletzt wurden. Täglich zweitausend Flüchtlinge Der Auswandererverkehr aus Rußland, der, soweit er durch Deutschland geht, über die Station Ruhleben bei Spandau geleitet wird, hat seit Wochen einen noch nie dagewesenen Umfang erreicht. Es treffen täglich über 2000 Personen aus dem Zarenreiche ein, die sich jenseits des Ozeans eine neue Heimat suchen wollen; in Sonderzügen werden sie nach den Hafenstädten Hamburg, Bremen oder Rotterdam befördert, von wo sie ihre Seereise antreten wollen. Alle sind glücklich, daß sie den schrecklichen Zuständen ihres Vater- Die Herzl-Kinder-Ver.eine Auf der Konferenz der amerikanischen Zionisten war bekanntlich viel die Rede von den „Herzl-Kindern." Diese Vereine sind zuerst in Baltimore auf Veranlassung der „Töchter Zions" gegründet worden. Die Kinder vereinigen sich in Zehnergruppen, deren jede unter der Aufsicht eines Mitgliedes des Vereins der „Töchter Zions" steht, Die Kinder sind im Alter von acht bis zu vierzehn Jahren. Der Zweck dieser Vereinigungen ist, der Bewegung permanent einen frischen Strom jugendlicher Kräfte zuzuführen, indem man sich bemüht, den Kindern die zionistischen Ideen schon in frühester Jugend einzuimpfen. Man sucht diesen Zweck auf mannigfache Weise zu erreichen. Im November fand z. B. eine große Chanukafeier statt, an der die Kinder mit ihren Angehörigen teilnahmen. Dr. L. Benderly sprach in einem durch Lichtbilder erläuterten Vortrag über die Geschichte der Makkabäer, zionistische Lieder wurden gesungen, Deklamationen wechselten ab mit lebenden Bildern etc. Die folgenden Feiertage wurden in ähnlicher Weise begangen. Konnte man anfangs dem Unternehmen mit Zweifel gegenüberstehen, so muß man heute den „Zionstöchtem" zu ihrem Erfolge Glück wünschen, denn sie haben heute über 600 Kinder in den „Herzl-Kinder-Gruppen" organisiert. Und nicht nur die Kinder zeigen großes Interesse an den Veranstaltungen der Gruppen, auch die Eltern interessieren sich lebhaft dafür und werden, soweit sie es nicht waren, durch die Veranstaltungen allmählich selbst zu Zionisten. Dadurch, daß jede Führerin einer Gruppe für jedes Mitglied der Gruppe verantwortlich gemacht wird, ist eine strenge Aufsicht garantiert und die jungen Damen Baltimores setzen ihren Ehrgeiz darein, Führerinnen der bestorganisierten und eifrigsten Gruppe zu sein. Die ganze Sache erweist sich als ein großer Erfolg und ist sicher wert, anderswo nachgeahmt z:i werden. ❖ Herr E. W. Lewin-Epstein, der Vertreter der American Federation auf der Jahreskonferenz, hatte in Köln mit den Direktoren des Jewish Colonial Trust längere Unterredungen betreffend die Errichtung einer Filiale der Jüdischen Kolonialbank in New-York. Wie auch in der Generalversammlung erklärt wurde, kann die Bank vorderhand neue Filialen nicht errichten. Herr Lewin-Epstein will jedoch versuchen, die Errichtung einer Filiale zu ermöglichen, auch ohne daß die Kolonialbank eigene große Mittel dafür festlegen muß. Der Direktor der Anglo-Palestine Company, Herr D. Levontin. ist nach der Jahreskonferenz nach Paris gereist, wo er geschäftlich zu tun hatte. Von dort ist er nach Hamburg gegangen, um einige wichtige Beratungen mit der Palästina-Handelsgesellschaft zu pflegen. Er befindet sich jetzt auf der Rückreise und wird voraussichtlich in Konstantinopel und Smyrna einigen befreundeten Banken einen Besuch abstatten. Von folgenden Herren sind noch Entschuldigungen wegen ihrer Nichtteilnahme an der Jahreskonferenz eingelaufen: Dr. Jacobsohn, Dr. Leopold Kahn, Sir Francis Montefiore, Dr. Moscovitz, Dr. Schnirer. Dr. Wormser, Dr. L. Weil, Aron Vecht. landes entronnen sind. Unter den jüdischen Auswanderern befinden sich verschiedene Familien ohne ein erwachsenes männliches Mitglied; in allen diesen Fällen sind die Familienväter oder die erwachsenen Söhne usw. gemordet worden. Es treffen oft Frauen mit sechs und mehr Kindern ein, deren Ernährer bei den Metzeleien umgekommen sind. Wie uns der „Jüdische Volksverein" in Berlin mitteilt, ist Herr Isidor Wolff, Leiter des Auskunftsbureaus dieses Vereins, von einer Reise nach Amerika zurückgekehrt. Er machte die Fahrt im Auftrage seines Vorstandes an Bord der „Smolensk", eines Dampfers der russischen freiwilligen Flotte von Libau aus mit, um alle für die jüdischen Auswanderer wichtigen Verhältnisse und besonders auch die neue russische Linie aus eigener Anschauung kennen zu lernen, welche wahrscheinlich in der nächsten Zeit einen großen Teil der Emigranten befördern wird. Herr Wolff ist mit einem sehr reichen Beobachtungsmaterial zurückgekehrt, aus dem wir in nächster Zeit einiges veröffentlichen werden, so besonders auch die Behandlung der Auswanderer durch die Agenten und das Schiffspersonal, der betreffs Handhabung der Einwanderungsgesetze etc. Als wich- NACHRICHTEN'°^i^°1

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