Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 37 (14.9.1906)
- Date
- 1906-09-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Die ELT No. 37 r;? *i ■'vx *. :lr * japanischen Krieg hingewiesen. Dort in der Mandschurei, meinte der Abgeordnete, war das Militär nicht so tapfer wie in Bialystok. Diese Äußerung Jakubsohns wurde seinerzeit von mehreren Seiten angegriffen, was ihn zu einer Ejklärung iu der. Duma veranlaßte, in der er ausgeführt hat, daß es ihm fern lag, die Gesamtheit der Armee einer Feigheit zu beschuldigen, und er nahm seine allgemeine Behauptung zurück. Diese Erklärung Jakubsohns hat aber die durch die „Nowoje Wremja" und andere reaktionäre Zeitungen aufgehetzten Offizierskreise nicht beruhigt, und bald fand sich ein junger Leutnant, namens Smirnsky, der Jakubsohn zum Zweikampf aufforderte. Jakubsohn lehnte ab, da ein Zweikampf seinen Überzeugungen widerspreche. Smirnsky beruhigte sich nicht und ließ in der „Nowoje Wremja" eine Drohung gegen Jakubsohn erscheinen. Hierauf reagierte ein junger Offizier, der einen Brief in der Zeitung „Oko" veröffentlichte. In diesem Briefe führte der Offizier unter anderem aus: „Ich bin aus prinzipiellen Gründen der Meinuug, daß der frühere Dumadeputierte Jakubsohn in allen seinen Handlungen recht hatte, und schlage dem Leutnant Smirnsky meine Dienste vor. Ich übernehme die Herausforderung, die er an Jakubsohn gerichtet hat, und stelle mich dem Forderer zur Verfügung." Gleichzeitig mit dem Briefe des Offiziers erschien in den Zeitungen ein zweites Schreiben, das von einem Herrn S. Alapin unterzeichnet ist. In diesem interessanten Dokument schreibt Herr S. Alapin nnter anderem folgendes: „Ich erlaube mir, mich dem Leutnant Smirnsky als Gegner vorzuschlagen. Auch ich kann nicht den Mord von unschuldigen und wehrlosen Menschen gutheißen . . . Solche wie ich gibts in Rußland mehrere Millionen, aber ich bin der erste, der den Vorschlag macht, und deshalb habe ich in dieser Beziehnng ein Vorrecht . . . Sollte ich in diesem Kampfe unterliegen, dann wird es keine weiteren Folgen haben, denn ich habe nichts mit den Revolutionären gemeinsam und niemand wird für mich Rache nehmen wollen. Aber es kann auch anders kommen: obwohl ich schon grau bin und niemals eine Waffe in der Hand hatte, aber ich glaube, daß Gott nicht in der Gewalt, sondern in der Wahrheit ist! ... Ich möchte freilich auch nicht, daß etwa meine Gegner die „Terroristen von rechts" rächen wollen. Es wäre nur recht und billig, wenn diese loyale Bedingung von irgendwelcher einflußreichen Organisation des „Verbandes russischer Männer" anerkannt würde." Der Briefwechsel hat erklärlicherweise in der öffentlichen Meinung Rußlands ein großes Interesse hervorgerufen, und man erwartet gespannt den Ausgang dieser Affäre, die besonders beachtenswert durch die religiöse Stimmung ist, die in dem zweiten Briefe zum Ausdruck kommt. BÜCHERREVUE —J Zur Geschichte der Juden in Böhmen *) Unter diesem Titel ist in Prag, der altehrwürdigen Stadt, die einst den trauten Namen „Mutterchen in Israel" trug, ein interessantes und lehrreiches Werk erschienen, das für die Geschichtsforschung der Juden von großer Bedeutung ist. „Zur Geschichte der Juden in Böhmen," ein zweibändiges Werk, enthält 1346 gesammelte Urkunden und Regesten, Materialien zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien aus den Jahren 906—1620. Eine überaus große Zahl vor Quellen mußte benutzt werden, die sich auch bei jeder einzelnen Nummer verzeichnet finden. Unter anderen wurden durchsucht: die Archive der Statthalterei für das Königreich Böhmen, der Hauptstadt Prag, des Böhmischen Landesmuseums, das kön. böhm. Landesarchiv, das k. k. Staats-, k. und k. gemeinschaftliche Finanzarchiv und das Archiv des k. k. Ministeriums des Innern in Wien, ferner die Archive des Prager Erzbistums, des Wyschehrader Kapitels, der Statthalterei in Innsbruck, der Städte Pilsen, Böhm. Budweis, Kolin, Kuttenberg, Eger, das Gräfliche Archiv zu Neuhaus, das Landes- und Statthaltereiarchiv in Brünn, das Staatsarchiv in Breslau, das Archiv und die Bibliothek der Prager jüdischen Kultusgemeinde u. A. Von gedruckten Quellen wurden benutzt: Archiv cesky, Codex diplomaticus Moraviae, Fontes rerum bohemicarum, Regesta Bohemiae, Monumenta Boica, Codex juris municipalis regni Bohemiae, die päpstlichen Bullen über die Blutbeschuldigung, Stadtrechte Brünns, Monumenta Egrana, die böhmischen Landtagsverhandlungen, *) Zur Geschichte der Juden in Bobinen, Mähren und Schlesien von 906—1620. Herausgegeben von. Gott lieb ßondy, em. Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer in Prag. Zur Herausgabe vorbereitet und ergänzt von Franz Dvorsky, em. Direktor des Landesarchives des Königreiches Böhmen. 2 Bde. Gr. 8" XII und 1149 Seiten. -Kommissionsverlag: Deutsche Ausgabe bei Gustav Neugebauer in Prag; böhmische Ausgabe bei Fr. Rivnae in Prag. Preis IC 20.— Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen, Urkundenbuch der Stadt Saaz, Böhmische Chronik, Urkundenbuch der Stadt Budweis, der hohe Rabbi Low von Dr. Grün, Emek habacha von R. Joseph ha Cohen, übersetzt von Dr. Wiener, Zemach David von Dr. Grünwald, Gall-Ed von Koppelmann Lieben, das Testament Mardochai Meysels von Dr. Wisch, Codex juris bohernici, Brüxer Stadtbuch, Materialien zur Statistik Böhmens, Listär mesta Plzne, Dejepis mesta Prahy (Geschichte der Stadt Prag), Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau, Hormayrs Archiv, Kniha pametni mesta Plzne (Gedenkbuch der Stadt Pilsen), Chronik der Stadt Trautenau, Geschichte der Stadt Reichenberg, Regesten zur schiesischen Geschichte, Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Liben historicky nästin, Fasciculi diversorum jurium, Zeitschrift für Geschichte des Judentums u. a. m. Der Sammlung geht ein Vorwort des Herausgebers Bondy und des Landesarchiv-Direktors Dvorsky voran, welcher von den 1346 Nummern 996 gesammelt hat. In seinem Vorworte versucht Dvorsky einen kulturgeschichtlichen Überblick über das Leben der Juden in Böhmen zu geben. Beschlossen wird das Werk von einem chronologischen Register. Von den gesammelten Materialien sind selbstverständlich nicht alle gleichwertig. Insbesond ere wurden aus den gedruckten Quellen manche Fehler mit herüber genommen; doch das soll kein Vorwurf sein; der kritischen Geschichtsschreibung bleibt es vorbehalten, das gesammelte Material nach seinem Werte zu beurteilen und zu sichten. Daß ferner bei dem riesigen Stoffe manche Quelle unbeachtet blieb, beweisen schon die notwendig gewordenen Nachträge. Dvorsky selbst sagt: „Es ist wohl nicht nötig zu bemerken, daß gleich anderen Kollektivpublikationen auch die vorliegende Sammlung nicht als vollständig angesehen werden kann. Mit der Zeit werden gewiß noch andere geschriebene und gedruckte Denkmäler zum Vorschein kommen, welche jetzt trotz Nachfragen im In- und Auslande nicht zu erlangen waren und die einen willkommenen Nachtrag bilden werden. Über die historische Würdigung der Quellen .... wird eine eigene Schrift vorbereitet." Aus der großen Fülle der Regesten seien einige hier angeführt: No. 1. Jahr 903---906: Die Juden hatten schon in uralten Zeiten ihren Sitz in Böhmen und Mähren. No. 10. Jahr 1096: Verfolgung der Juden. No. 14. Jahr 1161: Die Juden sollen die Leute vergiftet haben. No. 26. 12 Mai 1267: Cardinal Quido verordnet in seiner vom Wiener Concil erlassenen Enzyklica im Namen des Papstes Clemens III. unter anderem und bringt dies dem Prager Bischöfe zur Kenntnis: Daß die Juden unter einer Geldstrafe zur Unterscheidung von den Christen zugespitzte Hüte tragen sollen. No. 75. Jahr 1338: Die Juden wurden in Böhmen und in anderen Ländern gemartert und gemordet, weil sie in Kaufim eine Hostie geschändet haben sollen. No. 82. Nachrichten über den Judenfriedhof in Prag 1341. No. 92. Verzeichnis der Einkünfte, welche die Stadt Breslau in den Jahren 1345—1349 von den Juden bezogen hat. No. 139. In Iglau erscheint im Jahre 1362 ein medicus judaeus. No. 153. Judennamen in Prag 1378. No. 171. Mißgeschick der Juden in Prag 1389. No. 212. Nachricht über die Plünderung der Häuser der Prager Altstädter Ratsherren und der Juden 1422. No. 354. Nachricht über die Verhandlungen wegen der provisorischen Belassung der Juden in Prag 1518. No. 372. Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Prager Juden im Jahre 1420—1526. No. 868. Jüdischer Eidschwur 1589. No. 1088. Jüdischer Eidschwur 1616. No. 1202. Nachricht darüber, daß die Juden aus Prag ausgewiesen werden sollten 1507. No. 1339. Nachricht über die Audienz des Rabbi Low beim Kaiser Rudolf am 23. Februar 1592. No. 1346. Nachricht über den jüdischen Chronisten David Gans 1613. Wenn das Buch von einem Fachmanne als „Standard work" seiner Art bezeichnet worden ist, so ist damit nicht zu viel gesagt. Auf Grund dieser Sammlung werden die hierzu Berufenen daran gehen können, eine Geschichte der Juden in Böhmen zu schreiben. Jeder, der den Wert der Geschichte, sei es als nationales Erziehungsmittel, sei es aus anderen Gründen, anerkennt, muß sich über das Buch herzlich freuen, ganz besonderen Dank aber dem Herausgeber wissen. Für die Herausgabe dieses Werkes wurde Bondy vom österreichischen Kaiser mit einem Orden ausgezeichnet. Es ist zu wünschen, daß auch wir Juden Bondy auszeichnen, auf unsere Art: in seinem Buche viel studieren und nach Möglichkeit dafür Sorge tragen, daß es das erste in einer Reihe, gleichartiger werde. Ernst Gütig. Briefkasten der Redaktion. Ivria-M.Ostrau: Herzlichen Dank und beste Glückwünscha Zionsgruß. W. Dr. A. M. Neuilly. — Leider zu spät angelangt. Kommt in nächster Nummer. Gruß. >