Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 37 (14.9.1906)
- Date
- 1906-09-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 37 diee|kelt 17 Wir erhalten von Dr. jur. Bruno Tannenwald-Hamburg folgende Zuschrift: Geehrte Redaktion! Mit Rücksicht auf die am 29. und 30. August stattgefundenen Generalversammlungen des „Jewish Colonial Trust" dürfte es die Leser der „Welt" und vor allem die Inhaber von Shares der Bank interessieren, was ein solcher Share ist und inwiefern er sich von der Aktie einer deutschen Bank oder sonstigen Unternehmung unterscheidet. Im allgemeinen entspricht, wie der Londoner Rechtsanwalt Dr. Schuster in der Festgabe der Juristischen Gesellschaft zu Berlin 1903 ausführt, eine „Company limited by shares", wie der Jewish Colonial Trust ist, einer deutschen Aktiengesellschaft. Während aber die A. G. einen stets veränderlichen Kreis von Mitgliedern und die leichte Begebbarkeit der Aktien voraussetzt, ist das bei der englischen Company nicht der Fall. Daher hat die englische Company auch große Ähnlichkeit mit der deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Aktionäre des Jewish Colonial Trust erhalten nach Einzahlung des gezeichneten Betrages ein „Certificate of share", welches sich auf diejenigen Shares bezieht, die auf den Namen des betreffenden Mitgliedes des Trust eingetragen sind. Nach englischem Recht ist die Ausgabe einer solchen Urkunde überhaupt nicht vorgeschrieben, sie wird jedoch von den meisten Gesellschaften ausgestellt. Das Wort Share bedeutet nur das Anteilsrecht des Eigentümers an dem Vermögen der Gesellschaft und nicht auch, wie im deutschen Recht das Wort „Aktie", das Papier, in welchem dasselbe beurkundet und verkörpert wird; dies geschieht vielmehr erst durch das „Certificate of share". Eine Übergabe des Certificate an einen Dritten überträgt also nicht wie die Aktie das Anteilsrecrrt auf denselben, sondern es ist noch nötig, daß der Name des Übertragenden im Mitgliederverzeichnisse der Gesellschaft gelöscht und der des Dritten dafür eingetragen wird. rr— o o 0 o o 0 oll «Z_ o ^— o o o o 0 °J) ■ AUS DER BEWEGUNG if o o o o o o o —NN o o o o o Ungarn Nachträgliches zur Landeskonferenz Folgende Resolutionen wurden angenommen: Die ungarische IV. Landeskonferenz macht sich die Beschlüsse der amerikanischen Federation zu eigen und erklärt nachdrücklichst, daß sie ohne Außerachtlassung des Endzieles sofortige praktische Arbeit in Palästina erstrebt und unterstützen wolle. Sie erachtet es in erster Reihe für dringend geboten, daß an die Gründung von kleineren industriellen Unternehmungen und von Institutionen wie dem „Bezalel" geschritten werde, damit durch die ökonomische Hebung der Bevölkerung Palästinas die wirtschaftliche Erschließung des Landes in größerem Stile vorbereitet werde und sich die allgemeine ökonomische Lage unserer palästinensischen Brüder durch die Schaffung neuer Erwerbsquellen verbessere. Die IV. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten stimmt dem Antrage des Budapester Delegierten Hugo Schey, betreffend die Gründung eines „Jüdischen Kulturklubs Palästina", bei. Die Angelegenheit wird einer Kommission unter dem Vorsitze des Herrn Samu Bettelheim-Preßburg mit dem Auftrage übergeben, im Einvernehmen mit dem Aktionskomitee ein Memorandum auszuarbeiten, um diese Frage zu ihrer Verwirklichung auf die Tagesordnung des VIII. Kongresses zu bringen. Rechenschaftsbericht des Budapester Distriktskomitees der ungar. Zion-Föderation. Im Anfange des Jahres 5666 hatte noch die Studentenverbindung „Makkabea" die Agitation allein zu leisten. Einige Mitglieder der Verbindung waren zwar auch außerhalb der Hauptstadt Budapest agitatorisch tätig, aber ihre Arbeit beschränkte sich doch vorwiegend auf Budapest selbst. Wir müssen vor allem bemerken, daß die Anerkennung unserer Organisation seitens der Behörde noch immer nicht erreicht werden konnte, und dieser traurige Umstand hat sich immer fühlbar gemacht, so daß wir in unserer Arbeit zu einer gewissen Reserve gezwungen waren. Zum ersten Male haben die „Makkabäer" dieses Jahr ihre eigenen Gottesdienste an den hohen Feiertagen gehabt, wo sämtliche Agenden von eigenen Leuten versehen wurden. Diese Einrichtung hat sich gut bewährt, da dem Nationalfonds daraus ziemliche Spenden zufließen. Während der Herbstfeiertage wurden in den Synagogen, besonders am Rosch-Haschana bei dem Taschlichgebet am Donauufer, Tausende von zionistischen Flugblättern verteilt, durch die die Leser gleichfalls zu unseren Versammlungen eingeladen wurden. Auf diesem Wege haben wir erreicht, daß über Zionismus viel gesprochen wurde und unsere Versammlungen immer sehr gut besucht waren. Bei solchen Gelegenheiten wurden von unseren Gesinnungsgenossen zündende Agitationsreden gehalten. Dies war aber nur das Präludium zu einer viel bedeutenderen Kundgebung. Große Plakate machten dem Budapester Publikum kund, daß die Budapester Zionisten am zweiten Sukkothtage (15. Okt.) im großen Sitzungssaale des Magistratshauses ihre Agitationssitzung abhalten werden. Ein jeder von uns hat das Seinige getan, daß diese Versammlung vor allem eine würdige und nutzbringende sein möge. Der Prunksaal war dicht gefüllt, es waren beinahe 1000 Leute erschienen, auf die die Reden einen sehr guten Eindruck machten. Nach den traurigen Oktobertagen, wo das Blut unserer in Rußland wohnenden Brüder so maßlos vergossen wurde, haben wir eine Protestversammlung abgehalten. Wir wollten weitere Kreise der Bevölkerung in unsere Aktion hineinziehen, mußten aber sehr bald sehen, daß wir in jüdischen Angelegenheiten nur auf uns selbst angewiesen sind. Selbständige Sammlungen für die Opfer der Massakers zu veranstalten, waren wir nicht im Stande; demzufolge sind wir unserer diesbezüglichen Pflicht so nachgekommen, daß wir unsere Arbeit in der Sammlung dem hiesigen Vertreter der Alliance Israelite Universelle, Herrn Josef Deutsch de Hatvany anboten, von dem sie auch dankend akzeptiert wurde. Am 13. Dezember hat die zionistische Jugend in den Sälen des Hotel Royal ein großes Konzert veranstaltet, welches von einem großen und vornehmen Publikum besucht war. Jüdische Gedichte wurden vorgetragen, unter anderm der „jüdische Mai" von Morris Rosenfeld, von jüdischer Musik begleitet. Nach den schönen Nummern folgte eine begeisterte und begeisternde Agitationsrede. Wegen der erheblichen Unkosten haben wir zwar den materiellen Erfolg, auf den wir zugunsten der russischen Brüder rechneten, vermissen müssen; es wurde aber erreicht, daß die jüdische Volkssache in weiten Kreisen popularisiert wurde. Diese Veranstaltung veranlaßte auch die Gründung des Mädchenvereins „Debora". Erst in den Wintermonaten wurde das hiesige Distriktskomitee eingerichtet. Es hat sich zur Aufgabe gestellt: 1. die Einheitlichkeit in der innern und äußern Agitation herzustellen; 2. den hiesigen Zionisten ein ständiges Lokal zu verschaffen; 3. das eingegangene ungarische Parteiorgan wieder ins Leben zu rufen. Rasch nacheinander folgten die Gründungen der Judäa (Privatbeamten), der Ivria (Mittelschüler), der Debora (Frauen und Mädchen), und die Reorganisation des vor einem Jahre gegründeten Vereins „Dr. Herzl". Das Komitee befaßte sich, von einzelnen Exkursionen abgesehen, in den Wintermonaten ausschließlich mit der Agitation in Budapest Am 15. Februar wurde auf der Andrassystraße Nr. 13 das Heim der Budapester Zionisten eröffnet. Wir wollen hoffen, daß dieser bescheidene Anfang uns zu immer größerem und schönerem Erfolge bringen wird. Der Schekeltag wurde am 27. Mai mit schönem Erfolg abgehalten. Anfangs Juni wurde dem hiesigen D. C. ein bedeutender Teil der Landesagenden, die früher von Pozsony aus versehen wurden, überwiesen. Es wurden viele Agitationsreden gehalten, u. a. in Preßburg (Dr. Lajos Dömeny), Särbogärd (Dr. Dömeny, Prof. Armin Bokor), Debreczen (Dr. Dömeny, Prof. Bokor), M. Sook und Umgebung (Leopold Weiß), Dunaföldvär (Prof. Bokor, Moses Schächter), Triest (Prof. Armin Bokor). Für den jüdischen Nationalfonds und für den Share Club wurde während der ganzen Periode eifrig gearbeitet. Die Sammlung für den ersteren ergab, wie aus den Nummern der „Welt" zu ersehen ist, 500 K. Österreich Kimpolung. Über Einladung der jüdisch-nationalen Jugend in Kimpolung hielt Herr stud. jur. Edelstein (Zephira) einen Vortrag über den1 Zionismus, in dem er die Geschichte und die Entwicklung desselben beleuchtete. Nachdem Herr Samuel Terner namens der jüdisch-nationalen Jugend Herrn stud. jur. Edelstein für diesen