Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 37 (14.9.1906)
- Date
- 1906-09-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 37 DIE3§KELT 9 tastender Versuche gesammelte Erfahrung, die Kenntnis der klimatischen Bedingungen, der Natur des Bodens und seiner sparsamsten Bearbeitung ermöglichen uns die jedem landwirtschaftlichen Betrieb anhaftenden natürlichen Zufälligkeiten auf das geringste Maß herabzusetzen. Hätten wir nicht unsere Ausgaben für die allmähliche Neuauffüllung unserer durch die Rinderpest von Ende 1903 geleerten Ställe erhöhen müssen, so wäre ein sehr beträchtlicher Nutzen geblieben. Die Einnahmen aus dem landwirtschaftlichen Betrieb beliefen sich auf 65 963.80 Frcs., die Ausgaben stiegen auf 57 911.30 Frcs., so daß der Nettogewinn 8052.50 Frcs. betrug. Großbetrieb. — Da man sich nach dem besonderen Klima dieser Gegend richten muß, das das landwirtschaftliche Jahr in zwei Jahreszeiten einteilt: die Winter- oder Regenzeit und die Sommerzeit oder die Zeit der Trockenheit, so hängt der Erfolg im wesentlichen davon ab, daß man die Kulturen mit dem meteorologischen Vorbedingungen des Landes in Einklang bringt. Obwohl in diesem Jahr der Gang der Vegetation weder durch zu späten Eintritt des Regens noch durch vorzeitiges Erscheinen der Trockenheit beeinträchtigt worden ist, gibt es doch für jede Kultur ein so Ungewisses physiologisches Moment, daß die sicherste Erfahrung straucheln kann. Zuerst habe ich konstatiert, daß in Mikweh die gejäteten Kulturen, die den Boden reinigen und zur Kultur von Graspflanzen vorbereiten sollen und die bei den Arabern fast immer erfolgreich sind, bei uns fehlschlagen oder, wenn sie selbst gut tragen, nichts einbringen, weil die dazu erforderliche Arbeitskraft zu kostspielig ist. So hat der Sesam zwar 10 Hektoliter pro Hektar, das ist das fünfzehnfache der Aussaat, getragen, hat aber nur den mageren Gewinn von 182 Frcs. eingebracht. Die Aussaat der Gerste und der Hülsenfrüchte, verschiedener Bohnensorten, Kichererbsen, Linsen und Wicken, waren infolge von sofort eingetretenen starken Regengüssen vollständig von Unkraut überwuchert und verdorben worden. Sie wurden zum größten Teil als Gras gemäht und ihr Ertrag blieb unter dem Durchschnitt. Dagegen haben Hafer;ind Korn außerordentlich günstigen Ertrag gehabt. Hafer hat 44 iektoliter pro Hektar gebracht, das ist das- Zehnfache der Aussaat, nid hat einen Überschuß von genau 7169 Francs ergeben. Das Korn brachte 17 Hektoliter pro Hektar, das Neunfache der Aussaat. Alle Besucher haben in diesem Sommer unsere Getreide- und Strohschober wegen ihrer Menge und ihrer Qualität bewundert. Ich muß noch bemerken, daß der Versuch mit dem feinen Rogen von >Ioe vollständig gelungen ist. Weinberge und Keller. — Genauer Reinertrag 4431 Frcs. )ank der gleichmäßigen Verteilung des Regens, der Pflege, der weimaligen Bearbeitung und der sachkundigen Behandlung der Weinberge haben diese 169 279 Kilogramm Trauben hervorgebracht, ias sind 5642,6 Kilo pro Hektar. Einen Teil dieser Trauben haben vir als rohe Früchte verkauft. Nur 165 965 Kilo sind zur Wein- Bereitung genommen worden und haben 1131,5 Hektoliter Wein igeben, 37,72 Hektoliter pro Hektar. Da das Wetter das Reifen :er Trauben außerordentlich begünstigt hat, rechnen wir darauf, laß die Qualität des Weines seiner Quantität nicht nachstehen \ird. Die augenblickliche Krisis im Weinhandel und der daraus )lgende Rückgang im Verkauf hat uns gezwungen, vor der Wein- 'se neue Steingefäße machen zu lassen. Aber seit Kurzem hat •er Abzug wieder mit ziemlichem Eifer begonnen und verspricht iir unsere Keller noch gute Tage. Hoffen wir, daß wir nicht gewungen werden, wie es bei den Kolonisten vielfach geschehen st, einen Teil unserer Weinstöcke auszureißen und dafür Mandeläume zu pflanzen. Mandelbäume. — Genauer Reingewinn 280 Francs. Im Jahre 1904 war der Gewinn 688 Francs gewesen. Wie die meisten Obstbäume pflegen auch die Mandelbäume nach einer großen Ernte sich auszuruhen, um neue Kräfte zu sammeln. Diesmal war das magere Jahr an der Reihe. Die Mandelbäume haben im vorigen Jahr 2987 Kilogramm Mandeln getragen, in diesem Jahr nur 2177. Ölbäume. — Der Ertrag nimmt von Jahr zli Jahr unerheblich zu, nicht so viel, daß wir aufhören dürften, diese Anpflanzung als Bodenverbesserung zu buchen, und sie unter die einträglichen Kulturen einreihen könnten. Allerdings haben wir den Ölbäumen auch nicht reichliche Düngemittel zukommen lassen. Orangenbäume. — Reinertrag 3386,20 Francs. Das abgelaufene Jahr ist den Orangenbäumen nicht günstig gewesen. Viele Früchte sind im Winter von den Bäumen gefallen. Die gefallenen Orangen bedeuten einen Verlust und müssen bedeutend unterm Preis verkauft werden. Wir kamen auf 2793 Kisten für Mikweh und 1246 für den Garten Montefiore, im ganzen also auf 4039 Kisten gegen 4153 im Vorjahr. Diese Orangen werden im Ausland verkauft, hauptsächlich in England, in Liverpool. Baumschule. — Reingewinn 627.60 Frcs. Die Baumschulen liefern wie bisher die Eukalyptusbäume zum Aufholzen, die bitteren Pomeranzen- und Limonenbäume für die neu geschaffenen Orangengärten, die Keulenbäume für das Einfassen der Gärten zum Windschutz und Schmuckpflanzen. Gemüsegarten. — Der Reinertrag von 377.40 Frcs. ist unbedeutend wegen der Unkosten, die die Unterhaltung des Gemüsegartens uns verursacht hat. Das schlechte Funktionieren des Motors Merlin hat viel dazu beigetragen, den Ertrag des Gemüsebaues auf die Mittelmäßigkeit herabzudrücken. Baumwolle. — Der Anbau von Baumwolle verspricht lohnend zu werden. Seit zwei Jahren machen wir Versuche mit und ohne Bewässerung. Die Berieselung der Baumwolle ist nicht ökonomisch. Die Resultate, die wir ohne Bewässerung erreicht haben, sind recht ermutigend. Aus unseren Erfahrungen ist folgender Schluß zu ziehen: Man muß die Baumwolle sehr zeitig aussäen, damit sie ein oder zwei Monate lang Regen bekommt und die Zweibrachen vervielfältigen, damit die Feuchtigkeit des Bodens während der heißen Jahreszeit erhalten wird. Da die Baumwolle eine gejätete Pflanze ist und den Boden für den Getreidebau vorbereitet, könnte sie an Stelle des Sesam gesät werden, dessen Kultur bis jetzt keinen bemerkenswerten Ertrag gegeben hat. Dies haben wir uns auch für das beginnende Jahr vorgenommen, wenigstens teilweise und als Versuch. Im ganzen ist das abgelaufene Jahr im Vergleich zu dem unmittelbar vorhergegangenen ein gutes Durchschnittsjahr. Vom moralischen Gesichtspunkt aus sind die erlangten Resultate ermutigend. Wir bemühen uns, die Anhänglichkeit unserer Schüler an den von ihnen gewählten schweren und mühseligen Beruf zu befestigen, indem wir sie zeitig vor enttäuschenden Illusionen warnen, und wir sind ferner bemüht, der Schule einen mehr und mehr praktischen und nützlichen Charakter aufzudrücken. Wir gehen diesem Ziele langsam, aber sicher und ohne Überstürzung entgegen. In bezug auf das Betriebsergebnis kann die Schule sich nur beglückwünschen: Die Regengüsse waren ausgiebig und gut verteilt, der Boden war rechtzeitig vorbereitet und die Saaten zur gewünschten Zeit bestellt, die Ernten sind unter günstigen Verhältnissen eingebracht worden, und es gab keinerlei meteorologischen Überraschungen. Möchten die folgenden Jahre dem eben vollendeten gleichen. PFLANZUNGSVEREIN „PALASTINA Die Wichtigkeit einer sofortigen Inangriffnahme von praktischen Xrbeiten in Palästina wird gewöhnlich nur daraufhin geprüft, ob ie geeignet sind, die Erreichung unseres endgültigen Zieles zu ordern oder nicht. Fruchtbarer jedoch ist die Frage nach dem Werte, den für die Stärkung unserer Partei auf breiter Basis unternommene und zweckmäßig geleitete Arbeiten in Palästina haben, eil wir sie richtiger zu beurteilen vermögen, ohne uns in vagen Hypothesen zu verlieren. Die zionistische Bewegung verdankt ihre Stärke und einzigartige Stellung, die sie andern Richtungen und Organisationen -ni Judentum gegenüber einnimmt, hauptsächlich der intensiven Anteilnahme des Einzelmitgliedes an dem ganzen Parteileben. Mit :?er Aktivität der einzelnen Mitglieder wächst die Macht der ganzen Partei. Der erste Teil unseres Programmes „Die Rückkehr zum Judentum" gewährt der Betätigung jedes einzelnen Zionisten den weitetesten Spielraum. Die Verwirklichung der nationaljüdischen Ideen ist zunächst von der nationalen Selbsterziehung jedes einzelnen abhängig. Die Behauptung und Pflege nationalen Judentums trotz vorherrschender Assimilationseinflüsse der Umgebung verlangt nicht geringe Widerstandskraft und Ausdauer und stellt insbesondere unserer Jugend, die eigene, von zionistischen Anschauungen gewiesene Wege einschlagen will, eine wichtige und schwere Aufgabe. Je größer aber der erforderliche Energieeinsatz des einzelnen Mitgliedes für seine Partei ist, desto inniger und fester ist die Zugehörigkeit zu ihr. Der zweite Teil unseres Programmes, die Sorge um „die Rückkehr ins Judenland" war aber bisher fast ausschließlich den Führern, oder besser gesagt dem Führer überlassen. Ein solcher Zustand aber, wenn er andauerte, birgt die Gefahr in sich, die unbeteiligte Masse vom Ziel zu entfernen und gleichgültig zu