Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 36 DIEE^ELT 13 zweigen vertraut gemacht. Der Eifer und die Hingabe, die er seinen neuen Obliegenheiten gewidmet hat, haben ihm das Vertrauen des Personals, die Zuneigung der Zöglinge und den Dank des Zentral-Komitees eingetragen. Aus dem interessanten Bericht, den er dem Komitee über seine Tätigkeit während des Landwirtschaftsjahres 1904,05 erstattet hat, folgen hier Auszüge: Ich will versuchen, Ihnen in diesem Bericht einen möglichst deutlichen Abriß der Geschichte unserer Schule während des Jahres 1904.05 zu geben. Schülerzahl. — Am 31. Oktober 1904 verblieben in Mikweh- Israel 75 Schüler; im Verlauf des Jahres 1904/05 kamen 32 hinzu, während 35 im Laufe des Jahres austraten. Am 31. Oktober 1905 war der Bestand somit 72. Eine Steigerung auf 97 ist im beginnenden Jahr zu erwarten, da 25 neue Zöglinge gemeldet sind. Mit einem ungefähren Bestand von 100 Schülern ist zu rechnen, sowohl um die gedeihliche Fortführung unseres Pensionats zu sichern, wie zur Ermöglichung einer nützlichen Hinwendung aller unserer Kräfte auf die Unterbringung unserer Abiturienten, deren Zahl sich infolge vorzeitigen Abganges zwischen 15 und 20 hält. Von den 35 Zöglingen, die uns im Jahr 1904/05 verlassen haben, standen nur 13 am Ende des fünften Jahrgangs, 5 hatten sich mit vierjähriger, 10 mit dreijähriger Lehrzeit begnügt, 3 waren schon nach dem zweiten, vier sogar nach dem ersten Jahr abgegangen. Wir haben von den 35 einen durch den Tod verloren, 5 wegen ungehöriger Aufführung entfernen müssen; 5 wurden aus Gesundheitsrücksichten oder wegen unzureichender Eignung zum landwirtschaftlichen Beruf von ihren Angehörigen heimgefordert. Als Arbeiter oder Angestellte in landwirtschaftlichen industriellen Betrieben und Besitzungen fanden 9 unserer Zöglinge Unterkommen. 10 palästinensische Kolonistensöhne kehrten nach zweijähriger Lehrzeit zur Arbeit bei ihren Eltern zurück, zwei fanden im Lehrerseminar Aufnahme und werden den landwirtschaftlichen Kursus im Pariser „Institut agronomique" durchmachen, je einer wurde als Arbeiter in der Musterfärm Sedj6ra, einer als Angestellter in der Farm Margo-Tschiflik auf Cypern engagiert, und der letzte übernahm eine Kolonenstelle in der Nähe seiner Angehörigen in Artuf. Von den 35 Zöglingen, die die Anstalt verlassen haben, beschäftigen sich 24 mit Landwirtschaft, was ein ganz ansehnlicher Anteit ist. Die Frage der Unterbringung unserer abgehenden Zöglinge beschäftigt uns im hohen Maße. Von ihrer Lösung hängt das Gedeihen unserer Schule wie die Ergänzung unserer Zöglinge ab. Unsere Schüler machen sich hinsichtlich ihrer Zukunft keine Illusionen mehr; in zunehmendem Maße haben sie die Überzeugung gewonnen, daß sie nicht Lehrer oder Beamten, sondern einfache Landwirte werden. Sie sind entschlossen, den Versuch zu wagen, daß sie zunächst einfache Landarbeiter werden. Sie wollen nur nach mehr oder minder langer Frist die Aussicht auf einen unabhängigen und gesicherten Lebensunterhalt aufleuchten sehen. Das erbauliche Beispiel ihrer Kameraden, die im vergangenen Jahr auf der Farm Sedjöra als Arbeiter angefangen haben, ist dazu angetan, ihnen Mut und Vertrauen einzuflößen. Die vier besten unter diesen, die sich durch ernsten Charakter, Ausdauer und Fleiß auszeichneten, haben den Vorzug erlangt, zum Rang von Pächtern erhoben zu werden. Der Versuch mit den Kolonistensöhnen scheint gelungen. Nach zweijähriger Übung in den verschiedenen Beschäftigungen der Schule sind sie in ihre Kolonie zurückgekehrt, um an den Arbeiten ihrer Eltern teilzunehmen. Auf meinen Vorschlag haben Sie in eine Reform der Dauer des Schulunterrichts in Mikweh gewilligt. Das erste Jahr war bisher als vorbereitendes Jahr für die neu eintretenden Zöglinge leichten landwirtschaftlichen Arbeiten und dem Unterricht im Rechnen, Zeichnen, Physik und Pflanzenkunde gewidmet. Da unsere Elementarschulen dieser Unterweisung volle Aufmerksamkeit widmen, war das Vorbereitungsjahr überflüssig, und Sie haben es abgeschafft. Dadurch ist der Schulaufenthalt auf vier Jahre verkürzt worden, von denen zwei der Lehrlingschaft, zwei der Beschäftigung als Arbeiter in den Farmen gewidmet sind. Disziplin. — Seit meinem Hiersein habe ich streng auf genaue Innehaltung des Arbeitsplanes gehalten, den Sie vor zwölf Jahren unter Einführung von zweimonatlichen Prüfungen und von Zeugnissen festgestellt haben, die den Eltern mitzuteilen sind. Ich glaube in Ihrem Sinne gehandelt zu haben, indem ich auf praktische Arbeit hauptsächliches Gewicht legte. Die Abwehr gegen die Neigung der Schüler, zu der früheren Gepflogenheit der theoretischen Studien zurückzukehren, mußte eine gewisse Reibung hervorrufen, die bei der Inspektionsführung durch Herrn Pariente in der Forderung Ausdruck fand, ganz spezielle technische Aufgaben in das Programm aufzunehmen. Wir machen eine Übergangszeit durch. Die nächste Generation wird weniger anspruchsvoll sein, besonders wenn die Leiter unserer Elementarschulen ihre Bewerber gegen die trügerischen Hoffnungen und Versprechungen sofortigen Kolonisationsbeginns wahren wollen. Wir müssen unsere Zöglinge mir dem Gedanken vertraut machen, daß sie später das Leben eines Landmannes zu führen haben, zunächst das eines Landarbeiters, dann das eines Pächters, ein schlichtes, bescheidenes, aber ehrbares und unabhängiges Leben. Geschieht das, so werden ihnen Enttäuschungen und Fehlschläge erspart werden, so wird die Schuldisziplin ihnen leichter, die Ernährung angenehmer, die Zukunft lachend erscheinen. Es ist unver ineidlich, daß in ein Internat mit seinen verschiedenen Elementen sich auch räudige Schafe einschleichen. Diese mußte man zur Sicherung der Herde entfernen. Unterricht — Das Programm ist fast vollständig innegehalten worden. Namentlich im Winter haben die Studien regelmäßigen Fortgang. Die Zöglinge haben Zeit und Möglichkeit, sich der Arbeit zu widmen, die eine gewisse geistige Anspannung erfordert. Im Sommer verlangen Ernte und Weinlese die Mithilfe vieler Arme außer den bezahlten Kräften. Das erzwingt ein Nachlassen und zuweilen eine Unterbrechung der Studien. Die Lehrer sind gezwungen, ihre Unterrichtskurse auf die wesentlichsten Teile zu beschränken. Die Zöglinge wiederum ergänzen die Lektionen durch Lektüre von Büchern, die sie aus der von Ihnen unaufhörlich vennehrten Bibliothek entlehnen. Die Zöglinge des vierten Jahrganges verantstalten allsabbatlich in Gegenwart ihrer Kameraden reihum Unterhaltungen über verschiedene landwirtschaftlichen Gegenstände, was sie veranlaßt, ihre Aufzeichnungen nachzusehen und zu ihrem und ihrer Katneraden großen Nutzen die landwirtschaftlichen Werke nachzuschlagen. Personal. Das Personal besteht aus dem Direktor, drei landwirtschaftlichen Lehrern, einem Kellermeister, einem wissenschaftlichen Lehrer, einem Lehrer des Hebräischen, einem Pharmazeuten, ferner einem Koch mit zwei Küchenjungen, einem Kommissionär, einem Vorratsaufseher, einem Bäcker, einer Wäschebeschließerin und einer Köchin für das Personal und den Wächtern. Es ist mir ein Vergnügen, an dieser Stelle den einsichtsvollen Eifer zu bezeugen, mit dem unsere Lehrer und alle unsere Angestellten, jeder in seinem Fach, ihre Obliegenheiten erfüllen. Meteorologischer Stand. — In meteorologischer Hinsicht * ist Palästina in diesem Jahre wohl bedacht gewesen. Wir wurden nicht bloß durch einen Regenfall von 600 Millimetern begünstigt das ist das Mittel des für eine normale Vegetationsentwickelung notwendigen Wassers — sondern der Regen fiel auch gleichmäßig und in solcher Verteilung, daß er allen unseren Kulturen zugute kam. Stürme und Wolkenbrüche blieben aus. Daher waren auch die Ernten recht befriedigend, das landwirtschaftliche Jahr im ganzen gut. (Schluß folgt). O (TdODOGO o o —O FEUILLETON _ =-~ O o □□□□□□HO O- — ■ 4 o ■=.JJ DIE LEGENDE DER CHASSIDIM Von MARTIN BUBER 4. Das dreimalige Lachen Male wie von innen heraus mit einem hellen freudigen Schein er- Einmal an einem Freitagabend, als der Baalschem mit seinen strahlte, und er begann zu lachen und lachte gar sehr in einer Schülern zu Tische saß, begab es sich, da er eben den Segen über innigen und herzlichen Weise. Die Schüler blickten im Zimmer den Wein gesprochen hatte, daß sein ernstes Gesicht mit einem umher und schauten sich untereinander an, aber da war kein Ding,