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Die Welt · 1906-09-07 · 36 (7.9.1906) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
36 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Ä 8 DIE ELT Na. 36 arbeit allmählich sozusagen ein Schreckbild geworden. ... Ich sage Ihnen, welche Fortschritte auch der Zionismus machen wird, wenn er in Rußland nichts gilt, ist er nichts wert. Und gerade dort könnte der Zionismus zugrunde gehen, wenn Sie nicht bald einen anderen, den direkten Weg nach Palästina einschlagen wollen. Aber Sie fürchten sich vor Schlagworten. Auch Dr. Hantke hat Angst vor dem „Chowewe-Zionismus". Das heißt: man hat ihm Angst davor gemacht. Man hat jahrelang gesagt und geschrieben, was für eine schreckliche Sache der „Chowewe-Zionismus" ist, und nun natürlich fürchten Sie sich davor. Wissen Sie denn überhaupt, was das bedeutet? Chibath Zion, wissen Sie, was das heißt, daß Sie so Angst davor haben? Und nun die Folgen: Wissen Sie, daß wir heute 500 reiche Familien in Palästina hätten, wenn man beizeiten Vorsorge getroffen hätte? Und wissen Sie, um wieviel weiter dann das Land schon wäre? Wissen Sie, was die russischen Juden für Palästina hätten leisten können? Wenn wir uns an die Spitze stellten, könnten wir bald Millionen für Palästina zusammen haben. Wir haben viel zu wenig in Palästina getan, und wenn wir nicht jetzt unsere Arbeit beginnen werden, könnte es zu spät sein, für Palästina, aber auch für den Zionismus. Dr. Tschlenow verwahrt sich gegen die Äußerungen Marmoreks, daß die russischen Herren und der Redner sich unter Ussischkin beugen. Wir folgen immer unserer Überzeugung und werden auch gegen Ussischkin stimmen, wenn seine Ansichten uns nicht richtig scheinen. Präsident Wolffsohn: Ich erfahre soeben, daß Herr Dr. Weizmann in der Abendsitzung, der beizuwohnen ich durch die Teilnahme an einer Direktorensitzung der A. P. C. verhindert war, von einem passiven Widerstande gegen praktische Palästinaarbeit im E. A. C. gesprochen hat. Ich erkläre, daß ein solcher Widerstand durchaus nicht existiert. Im Gegenteil, wir haben viel mehr bewilligt, als gut war, und es ist auch nicht richtig, wenn gesagt wird, daß war uns nur unter Schwierigkeiten dazu bereit gefunden haben. Jeder wirklich praktische Antrag, betreffend Palästina-Arbeit, ist bewilligt worden und ohne lange Debatte. Was wir machen konnten, haben wir getan. Co wen: Als ich mich der Bewegung anschloß, war ich der Meinung, sie sei eine politische Bewegung: Ich glaubte, der „Chowewe-Zionismus" sei tot. Man sagte uns, mit dieser Sache sei überhaupt nicht mehr zu rechnen. Die Herren scheinen aber ihren „Chowewe-Zionismus" nicht aufgegeben zu haben. Alle Versuche der Kleinkolonisation sind mißglückt. Wenn wir etwas Praktisches machen, dann müssen wir es gut machen. Was aber die Politik anbelangt, so ist die Frage, die Herr Dr. Weizmann hier aufgeworfen hat, eine berechtigte, und ich bin mit Greenbergs Antwort durchaus niGht zufrieden. Es herrscht eine allgemeine Unzufriedenheit darüber, daß zu wenig politisch gemacht wird. Diese Debatte war nach meiner Meinung eine sehr nützliche und gute. In großen politischen Fragen müssen wir immer mit den großen jüdischen Korporationen Hand in Hand gehen. Ussischkin: ich bin Herrn Dr. Marmorek dankbar, für das, was er hier vorgebracht hat. Er hat alles das gesagt, was er gedacht hat. Was meine persönlichen Beziehungen zum Zionismus betrifft, so erkläre ich, da ich persönlich apostrophiert wurde, daß sie niemals ein Geheimnis waren, vielmehr offen und klar zutage liegen. In unserer Partei sind sehr viele, die derselben Ansicht sind, wie ich. Bezüglich meiner Wahl in das engere A. C. befindet sich Dr. Marmorek im Irrtum, wie bereits hervorgehoben wurde. Erinnern Sie sich der Stimmung, die auf dem VII. Kongresse geherrscht hat, und Sie werden finden, daß nicht Sie, Herr Dr. Marmorek, sondern wir gesiegt haben. Dies liegt aber nicht daran, daß ich vielleicht ein besserer Organisator bin, als Dr. Marmorek, sondern, weil die ganze Stimmung des VII. Kongresses für die Anschauungen war, die auch ich vertrat. Und so wird auch die Stimmung des VIII. Kongresses sein. Sie können sicher darauf rechnen, daß wir unsere Majorität wieder bekommen werden. Ich wünsche keinen Kampf, weil ich Sie für gute Zionisten halte und nicht glauben kann, daß Sie nicht mehr die alten wären. Darum sage ich Ihnen: Sie müssen sich mit der Tatsache abfinden, daß jetzt die allgemeine Stimmung im Zionismus für die Arbeit in Palästina ist. Wenn Sie hier beim grünen Tische sitzen werden und sich draußen in der Welt nicht umsehen, werden Sie eine große Gefahr heraufbeschwören. Übergehend zu dem Vorwurf, ich sei gegen politische Aktionen, fordere ich die Herren Kollegen vom E. A, C. auf, mir ein Faktum zu nennen, wo ich gegen irgend einen politischen Beschluß mich gewendet habe. Ich habe nur einmal gegen etwas gestimmt, und das war gegen die Brüsseler Konferenz. Die Tatsachen haben mir Recht gegeben. Ich bekomme Briefe aus Amerika, Südafrika etc., in welchen meine und anderer auf direkte Arbeiten in Palästina gerichtete Bestrebungen gelobt und die Untätigkeit im engeren A. C. getadelt wird. Ich habe es nie unterlassen, bei solchen Gelegenheiten darauf hinzuweisen, daß man im A. C. politisch arbeitet und wichtige Dinge vorbereitet. Was soll also der Vorwurf? ... Ich frage Sie aber: Was haben wir bis jetzt Praktisches geleistet? Fragen Sie Herrn Prof. Warburg, ob er die vom Kongreß beschlossene Dotation bekommen hat. Die Filiale in Beirut wurde im November 1905 beschlossen und erst im August 1906 eröffnet. Wo sind also die praktischen Arbeiten? Bei der ersten Sitzung des E. A. C. sagte ich, daß wir nach Palästina auf allen Wegen gehen müßten. Zionismus ohne Schlagworte, ohne daß man ihn politischen oder Chowewe-Zionismus nennt, das ist mein Programm, das ich immer verteidigen werde. Wenn Sie etwas wirklich gutes Politisches vorschlagen, werde ich Sie nie stören und immer wieder dafür sein. Wenn wir aber mit etwas Gutem kommen, dann sollen auch Sie nicht so gegen uns auftreten. Haben Sie zu uns Vertrauen, wir werden gewiß zu Ihnen Vertrauen haben. Wenn Sie aber unnötigerweise einen Kampf suchen wollten, so müßten Sie den Kürzeren ziehen, denn siegen würden schließlich doch die, die in Palästina Positives schaffen wollen, weil sie sich auf ein Programm stützen. Dr. Alexander Marmorek: Das Wort „politisch4 ist ein untrennbarer Bestandteil unserer Bewegung. Aber Herr Ussischkin hat davon nie etwas wissen wollen. Wenn er für politische Beschlüsse eintrat, so geschah das in einer solchen Weise, daß es unschwer herauszulesen war, daß er nicht mit dem ganzen Herzen dabei ist. Aber wir sind schließlich miteinander nicht eine solche Ehe eingegangen, daß wir verpflichtet wären, allen Phantasien der andern zu folgen. Nicht ich, Sie haben einen Kampf vom Zaune gebrochen. Diese Nacht ist die Folge des VII. Kongresses. Sie sagen, Sie hätten dort gesiegt, aber wissen Sie warum? Weil wir dort nachgegeben haben! Glauben Sie aber nicht, daß wir Ihnen nachgeben werden, wenn Sie von uns das Aufgeben des „Politischen" verlangen. Dr. Sapir: Wir haben, als wir von daheim wegfuhren, den Auftrag bekommen, etwas Positives für die weitere Agitation von hier mitzubringen. Wenn wir aber ohne Resultate von hier zurückkommen, werden wir nur Mißerfolge haben. Geben Sie uns also ein positives Programm für unsere Massen. Und dieses positive Programm erwarten wir aus Ihrer Stellungnahme zu der Frage der Palästina-Arbeit. Es sprachen noch wiederholt die Herren Scheinkin, Moser, Dr. Hantke u. A. Schluß der Sitzung 5l;z Uhr morgens. Freitag, 31. August 1906. Beginn der Schlußsitzung 1 Uhr mittags. In der Freitags-Sitzung wurden vorerst die zum Berichte der Palästinakommission eingebrachten Anträge zur Abstimmung gebracht, worüber sich eine längere Debatte entspinnt. Der Antrag I Ussischkin wird angenommen. Der Antrag II Ussischkin wird zurückgezogen. Anstatt des Antrages III Ussischkin wird folgender Beschluß bestätigt, den das E. A. C. in seiner letzten Sitzung im Mai gefaßt hattet Es wird beschlossen, von den Ländereien der A. P. C. in Fedsche bei Pethach Tikwah oder sonstwo gemeinsam mit dem Odessaer Komitee für 40 000 Francs Land zu kaufen, und zwar sollen 20 000 Francs vom Nationalfonds und die restlichen 20 000 Francs vom Odessaer Komitee getragen werden. Dieses Land soll zur Seßhaftmachung von in Palästina eingewanderten jüdischen Arbeitern verwandt werden. Die Erledigung der Angelegenheit wird einem Komitee übertragen, das aus den Herren Direktor Levontin, Dr. Kohan-Jaffa und dem palästinensischen Vertreter des Odessaer Komitees bestehen solL Der Antrag IV Ussischkin wird in folgender modifizierten Fassung angenommen: Es wird beschlossen, aus den Geldern des Nationalfonds Land in Lydda zu kaufen und an die früheren Schüler des Kiriath Sefer (die"Waisen von Kischinew) zu verpachten. An Stelle des Antrages Warburg, der zurückgezogen wurde, wird folgender Komprommisantrag Oskar Marmorek angenommen: Die Jahreskonferenz ersucht das E. A. C, die Frage eines Agrarfonds zu untersuchen und darüber der nächsten Sitzung des Großen A. C. Vorschläge vorzulegen. Des weiteren wird anf Antrag Oskar Marmorek ohne Debatte einstimmig beschlossen, einen Grabstein für den verewigten Dr. Kokesch zum Jahrzeittage zu setzen und für die Aufbringung der Kosten eine Sammlung durch die „Welt" zu veranstalten. Es folgt die Beratung über folgende von Herrn Greenberg eingebrachte Resolution: Es sollen so schnell als möglich Vorbereitungen getroffen werden, um ein permanent in Palästina ansässiges Komitee zu

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