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Die Welt · 1906-08-31 · 35 (31.8.1906) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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14 : DIE^E LT Nq. 35 Was die Tätigkeit der Palästina-Kommission in der Zukunft betrifft, so wird sie im wesentlichen davon abhängen, wie es mit ihren Finanzen bestellt sein wird. In diesem Jahre sind nicht einmal soviel Gelder eingekommen, daß die Schulden der letzten Jahre bezahlt werden konnten, geschweige denn, daß das vom Kongreß beschlossene Budget für die 2 Jahre 1903—1905 ausgezahlt werden konnte. Trotzdem wir auch in diesem Jahre nur drei Viertel des uns zukommenden Budgets verbraucht haben, sind die Schulden der Kommission gegenwärtig größer als im vorigen Jahre, und bei dem geringen Eingang der Schekelgelder ist eine Tilgung der Schulden von dieser Seite her nicht wahrscheinlich, während eine Erfüllung der Kongreßbeschliisse bezüglich des Budgets der Palästina-Kommission gänzlich ausgeschlossen erscheint. Unsere Ansicht ist die, daß die Schekelgelder nur für die rein organisatorischen und propagandistischen Zwecke reserviert bleiben sollten und daß für die Palästinaarbeit ein besonderer Palästinabeitrag erhoben werden muß, der vorläufig freiwillig sein muß, später aber durch Kongreßbeschluß obligatorisch gemacht werden sollte; es würde dann also ein Parteischekel und ein Palästinaschekel jährlich zu entrichten sein. Die deutsche Landsmannschaft hat schon einen freiwillige Palästinabeitrag ihren Mitgliedern empfohlen, die anderen Landsmannschaften sollten diesem Beispiel folgen. Nur auf diese Weise wird es gelingen, unserer Palästinaarbeit für die Dauer eine gesunde Natur zu geben, und vielleicht mit der Zeit sogar einen Fonds zu schaffen, aus dem auch, wenn es erforderlich werden sollte, auch große Untersuchungsarbeiten bestritten werden könnten. Als erster nimmt zu dem Berichte Ussischkin das Wort. Er bringt verschiedene Wünsche vor, u. a. daß „Altneuland" außer den wissenschaftlichen auch Artikel praktisch-informativen Charakters bringen soll. Er erzählt, daß das Odessaer Komitee beschlossen habe, zunächst in Odessa und dann auch in anderen Städten Rußlands Palästinakurse einzurichten, und lädt Professor Warburg ein, den ersten dieser Kurse in Odessa persönlich einzuleiten. Er verspricht sich von der Herstellung von Palästinakarten gute Erfolge. Die Verzögerung der Errichtung der Versuchsstation veranlaßt ihn, die Palästinakommission zu bitten, nicht zu warten, bis die Ica die Abtretung des Landes endlich erledigt habe. Man möge lieber suchen, die Station in Chedera zu errichten. Er befürwortet den vorliegenden Antrag des Professors Schatz, der Bezalelschule Boden für ein Schulgebäude leihweise zu überlassen. In diesem Gebäude könnte auch das Museum untergebracht werden. Er ist gegen die Errichtung eines Gymnasiums, wenn diese nur in Verbindung mit einem anderen Vereine möglich ist. Die Erfahrung habe gelehrt, daß derartige Abkommen die nationale Grundlage der Schulen, wie wir sie für unsere Schulen als selbstverständlich betrachteten, beeinträchtige oder unmöglich mache. Die Subvention an die Nationalbibliothek müsse unter allen Umständen gezahlt werden. Es handelt sich um eine Ehrenschuld, und diese müsse gedeckt werden, bevor andere Ausgaben gemacht werden. Er begrüßt auf das freudigste die Vorarbeiten der Palästinakommission in Sachen des Palästinasyndikates, er hält diese Tätigkeit für eine der wichtigsten und ersprießlichsten Aufgaben der Kommission. Die Palästinakommission verdiene unser vollstes Vertrauen, ihre Arbeit sei überaus dankenswert. Scheinkin bezweifelt, daß Atlith für die Versuchsstation deJ geeignete Punkt sei, weil dort die Malaria auftrete. Bezüglich des Gymnasiums ist er durchaus der Ansicht Ussischkins. Er beklagt sich darüber, daß die Palästina-Handelsgesellschaft in Hamburg ihre Tätigkeit außerhalb Palästinas sucht. Podiischewsky ist auch dafür, dem Bezalel ein eigenes Haus zu verschaffen, man soll aber die Mittel dazu nicht aus den Geldern des Nationalfonds, sondern aus dem Fonds der verfallenen Aktien der Jüdischen Kolonialbank nehmen. Hinsichtlich des Gymnasiums ist er nicht der Ansicht Ussischkins. Eine höhere Schule ist ein dringendes Bedürfnis für Palästina, und wenn sie durch die Beihilfe anderer Organisationen geschaffen werden kann, ist das sicher viel besser, als wenn wir auf die Errichtung überhaupt verzichten, weil uns die Mittel fehlen. Er glaubt auch nicht, daß insbesondere der Hilfsverein einer nationalen Basis der Schule allzugroße Schwierigkeiten bereiten werde. Sokolow betont die Bedeutung der Palästinaarbeit, die überhaupt das wichtigste Mittel darstellt, um unsere Organisation zu erhalten. Leider haben wir nur sehr wenig in dieser Richtung bisher getan, und auch das war unvollständig. Ausgaben für Palästina müßten wir als produktive Ausgaben betrachten, deshalb, weil sie uns neue Anhänger schafften, weil sie überhaupt unter den gegenwärtigen Umständen die wirksamste Möglichkeit darstellten, unserer Bewegung frisches Blut zuzuführen. Unsere Schulden an die verschiedenen Institutionen in Palästina müssen wir auf der Stelle bezahlen. Es ist ein schreiendes Unrecht, daß wir überhaupt andere Ausgaben machen, ehe wir unsere Verpflichtungen für Palästina erfüllen. Redner glaubt, daß es wohl angehe, mit dem Hilfsverein in Palästina zusammen zu arbeiten, Es hat sich gezeigt, daß der Hilfsverein sich bestrebt, den Forderungen der Länder sich anzupassen, in denen er arbeitet. Und die rege Tätigkeit des Hilfsvereins in Palästina läßt wohl die Erwartug zu, daß er, soweit er kann, unsere nationalen Aspirationen nicht hindern werde. Feiwel verlangt, daß in der Palästinafrage die politischen Gesichtspunkte, aus denen heraus wir unsere Palästinaarbeit treiben müssen, bei der Debatte in erster Linie berücksichtigt werden. Wir müssen darauf hinweisen, daß die Palästinafrage die Lebensfrage in unserer Bewegung darstellt. Wenn wir in diplomatisch-politischer Beziehung noch nicht mit greifbaren Erfolgen operieren können, so müssen wir den Nachdruck und den Schwerpunkt unserer Arbeit auf Palästina legen. Es scheint, daß die Auffassung des engeren A. C. in dieser Frage nicht einmütig ist. Wir haben kein Recht, daran zu zweifeln, daß inbezug auf die politische Tätigkeit das engere A. C. einen festen und einheitlichen Plan verfolgt, das aber können wir alle sehen, daß unsere Palästina-Arbeit nicht aus großen Gesichtspunkten heraus geleitet wird. Gewiß ist unser Ziel beschränkt auf die Erlangung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte. Aber diese Einschränkung darf nicht so weit gehen, daß wir überhaupt nichts tun. Leider fehlt bei uns eine frische, starke Initiative inbezug auf die Arbeit in Palästina. Vor allem stehen unsere Informationen nicht auf der Höhe, die die Situation und das Interesse unserer Bewegung verlangen. , Die Errichtung einer Informationsstelle in Palästina wurde privatim, aber nicht vom A. C. eingeleitet, obwohl gerade ein solches Institut angesichts der starken Einwanderung des letzten Jahres das dringendste Erfordernis gewesen wäre. Das A. C. ist sich über die Bedeutung, die dieser Einwanderung beizumessen ist, offenbar nicht klar genug. Es hat nicht beachtet, daß die starke Immigration nach Palästina und die dort neu entfalteten wirtschaftlichen Tätigkeiten das erfreulichste Moment unserer Bewegung innerhalb des letzten Jahres gebildet haben. Die Einwanderung nach Palästina in diesem Jahre war eine der bedeutendsten Tatsachen, die die zionistische Bewegung überhaupt kennt. Und es wäre nicht nur leicht, es wäre auch Pflicht gewesen, sie der zionistischen Bewegung dienstbar zu machen. Es fehlt aber für diese Arbeit, die ich für eminent politisch halte, der Impuls. Es scheint, als ob ein geheimer Widerstand gegen jede Palästinaarbeit bei einigen Mitgliedern des A. C. herrscht, und so lange das der Fall ist, wird es nicht besser werden. Redner empfiehlt schließlich aufs wärmste den Antrag des Prof. Schatz. Vorsitzender Dr. Marmorek: Ich muß betonen, daß mir von einem geheimen Widerstande gegen Palästina nichts bekannt ist. Dr. Weizmann: Ich stimme voll und ganz mit den Ausführungen meines Freundes Feiwel überein. Aber ich fürchte, daß wir hier ganz zwecklos reden, weil die Herren, an die wir unsere Worte eigentlich richten, jetzt nicht hier sind. Daß ein positiver Widerstand im engeren A. C. gegen Palästina herrscht, wird sich allerdings nicht beweisen lassen. Tatsache aber ist, daß weite Kreise unter den Zionisten und ein großer Teil der hier Anwesenden der Meinung sind, daß ein passiver Widerstand hier besteht und ein Gegensatz herrscht zwischen der Stimmung der zionistischen Masse und der Leitung. Oft wird jetzt auch die geringste Arbeit in und für Palästina als Chowewe-Zionismus verdammt. Ich kann verstehen, wenn man irgend eine Arbeit, die in Palästina geleistet wird, als nicht genügend oder als verkehrt betrachtet. Aber die .Herren Politiker, die hier immer von ihrer Palästinatreue sprechen, dürfen sich damit nicht begnügen, daß sie für die Arbeit in Palästina gar keine Initiative geben und nachher mit Emphase betonen, daß die Arbeit der Palästinakommission nicht gut sei. Ich bin keiner von denen, die die politische Arbeit als solche verdammen, ich bin im Gegenteil durchaus dafür, daß man alle politischen Möglichkeiten ausnutzt, um unserem Ziele näher zu kommen. Aber das engere A.-C. spricht sich über alle diese Fragen nicht klar aus. Wir müssen es einmal sagen, wir wissen nicht klar, woran wir sind. Wir überlassen die politische Arbeit dem engeren A.-C, aber wir sehen auch nichts von einer Betätigung in Palästina. Und daherkommt es, daß Mißverständnisse in unserer Bewegung herrschen. Das engere A.-C. müßte ein für allemal eine klare und präzise Order ausgeben. Es ist falsch und wirkt verwirrend, wenn man mit ver-

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