Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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und als Bestätigung erhält er ein Diplom, auch wird ihm lebenslänglich jährlich eine Palästinagabe in Gestalt von Landesprodukten (Mandeln, Rosinen, Oliven, Wein, Orangen, Konserven etc.) zugesandt Der Beitrag, um ordentliches Mitglied dieses Vereins und damit Gartenbesitzer zu werden, ist so klein (80 Mk. resp. 100 Frcs., 100 Kr., 4 £), daß jeder das Ziel erreichen kann, zumal niemand gezwungen werden soll, das ganze Geld auf einmal zu zahlen; als Minimum ist angesetzt 10 Mk. in jedem der beiden ersten Jahre, welche Summe zum Ankauf des Landes dienen soll und 6 Mark in jedem weiteren Jahre bis zur Vollendung, mit welchem Jahre er erst als,ordentliches Mitglied angesehen wird, während er schon nach Zahlung des Bodenpreises von 20 Mark als außerordentliches Mitglied gilt. Um aber möglichst bald viele Vollzahlungen zu erlangen, die ja zur Sicherung eines größeren Landkomplexes und seiner Bepflanzung nötig sind, erhalten die ersten 1000 ordentlichen Mitglieder je eine, nur für die Zwecke des Vereins geschaffene und von dem Künstler dem Verein geschenkte Original-Radierung von Hermann Struck, während den 100 ersten immerwährenden Mitgliedern — das sind solche, die 10 Parzellen kaufen, also 800 Mark einzahlen — die numerierten Vorzugsdrucke mit eigenhändiger Unterschrift des Künstlers reserviert werden. Der Verein bezweckt, einerseits ein inneres Band zwischen den Juden der Diaspora und Palästina herzustellen, anderseits aber auch möglichst vielen armen Stammesgenossen die Einwanderung in Palästina zu ermöglichen respektive ihnen daselbst einen landwirtschaftlichen Lebenserwerb zu verschaffen. 25 Vereinsmitglieder können schon eine in den palästinensischen Kolonien während der Saison beschäftigte Arbeiterfamilie bodenständig machen, 50 Vereinsmitglieder ermöglichen sogar schon die volle Beschäftigung einer Familie auf den Ländereien des Vereins. Der Verein, der seinen Sitz in Berlin hat und dessen Bureau vorläufig mit der Palästinakommission zusammenfällt, ist ebenso wie der „Bezalel" auf breiter Basis aufgebaut, damit nicht nur Zionisten sich daran beteiligen können; wir hoffen und erwarten aber, daß wir mit der Zeit die meisten Zionisten auch als Mitglieder dieses Vereins werden begrüßen können. Eine weitere Organisationsarbeit, von der wir uns viel versprechen, ist die Begründung eines Palästina-Industriesyndikates, d. h., einer Gesellschaft mit geschäftlicher Basis, die sich zur Aufgabe macht, die verschiedenen industriellen Möglichkeiten Palästinas auf ihre Rentabilität zu prüfen und im günstigen Falle dann die einzelnen Industriegesellschaften zu gründen; es sollen neben verschiedenen industriellen Unternehmungen übrigens auch bergbauliche Betriebe, Transportunternehmungen sowie landwirtschaftliche Großbetriebe in den Bereich der Tätigkeit des Syndikats fallen. Das Syndikat*) erhält bei jeder Gründung seine Auslagen mit einem entsprechenden Gewinn als Risikoentschädigung zurück, damit das Kapital flüssig bleibt für neue Unternehmungen und Gesellschaftsgründungen. Es liegt schon eine Reihe zum Teil recht aussichtsvoller Projekte vor, und bald nach der definitiven Gründung des Syndikats dürfte man wohl auch an die Gründung der ersten Industriegesellschaften gehen können. Von den auf 1000 Mark fixierten Anteilen des Syndikats sollen nur je 500 Mark vorläufig eingezahlt werden; erst bei Bedarf und nach eingeholtem Beschluß der Syndikatsmitglieder soll der Rest eingefordert werden. Es soll angefangen werden, wenn 100 Anteile des Syndikats fest gezeichnet sein werden, oder wenn die Zeichner beschließen, auch mit einem geringem Betrag beginnen zu wollen. 4. Die beratende Tätigkeit der Kommission dem Aktionskomitee, den Föderationen, den Ortsgruppen und Einzelpersonen gegenüber hat vor allem in einer lebhaften Korrespondenz mit den Föderationen, Ortsgruppen und Einzelpersonen bestanden, während *) Prospekte über das Syndikat sowohl wie über den Pt'lanzungsverein stehen auf Wunsch zur Verfügung. der Vorsitzende der Kommission als Mitglied des engern Aktionskomitees auch an den verschiedenen Sitzungen in Köln teilnahm. Auch hat die Kommission veranlaßt, daß in dem in Brüssel gefaßten Beschluß, ein allgemein jüdisches Komitee zu bilden zur Auffindung neuer Emigrations- und Kolonisationsmöglichkeiten für die russischen Juden, auch der Orient besonders mit einbezogen worden ist. Dieses Studienkomitee hat sich unterdessen in Berlin konstituiert und es dürften bald Unterkomitees an den Hauptplätzen des Orients geschaffen werden; das Material hierfür zu liefern, ist die Palästina-Kommission berufen, die auch durch ihren Vorsitzenden in dem Komitee Sitz und Stimme hat. Es ist klar, daß das in Jaffa neuerdings begründete Allgemeine Informationsbureau sowie die Odessaer Zentrale für Emigration schon zwei wichtige Stützpunkte sind, an die sich das Berliner Komitee hoffentlich anlehnen wird, und es ist unser Bestreben, das Komitee zu veranlassen, den von Odessa aus vorgelegten Plan tunlichst zur Ausführung zu bringen. 5. Was die Verwaltung von zionistischen und anderen Institutionen durch die Palästina-Kommission betrifft, so kommen außer dem schon oben besprochenen Bezalel, dem Pflanzungsverein „Palästina4' und dem Palästina-Industriesyndikat nur noch die palästinensischen Angelegenheiten des Nationalfonds in Betracht. Zu den bisherigen Landkäufen in Palästina ist im Berichtsjahr nichts hinzugekommen, obgleich einige kleinere Objekte in Angriff genommen sind. Wer weiß, wie schwierig und zeitraubend ein Landkauf in Palästina ist, der wird sich auch unserer Ansicht anschließen, daß man verschiedene Objekte gleichzeitig in Angriff nehmen muß, will man, daß nur etwas in jedem Jahre zu Ende geführt wird. Die definitive Überweisung des Terrains für die Versuchsstation dürfte wohl das nächste greifbare Resultat in Palästina darstellen. Dann würden wir die drei noch zu Dr. Herzls Lebzeiten bewilligten Landkäufe einigermaßen durchgeführt haben und wir besäßen das Land für die Versuchsstation (Athlit) das Land für die Lehrfarm (Hattin bei Tiberias) und das Land für die genossenschaftliche Farm (Duleika Um-el-Djun). Aber alle diese drei Käufe müssen noch vervollständigt werden, bei jedem fehlt noch ein Teil, bei der Versuchsstation z. B. die Nebenstationen in klimatisch anderen Teilen Palästinas, in Hattin und Duleika angrenzende noch nicht gekaufte Stücke. Ob dieses Fehlende bald hinzuerworben werden kann, läßt sich gar nicht vorherbestimmen. Bisher sind die schon gekauften Ländereien für einen sehr geringen Betrag an benachbarte Araber verpachtet worden, wir hoffen aber schon in diesem Jahre für Duleika Um-el-Djun eine für unsere Zwecke geeignete Verwendung finden zu können. Auch an die Verwendung der Ölbaumspende werden wir wohl in dem laufenden Jahre herantreten können, dank einem kleinen Terrain von 180 Dunam, das unser verehrter Gesinnungsgenosse, Herr Goldberg ausWilna, Mitglied des. Aktionskomitees, dem Nationalfonds geschenkt hat. Das zu der Kolonie Chedera gehörende Land ist gegenwärtig in der Separation begriffen und kann nach Beendigung der Separierung sofort für die Pflanzung der Ölbäume in Angriff genommen werden. Möge das schöne Beispiel des Herrn Goldberg viele Nachfolger finden. Für den Herzlwald haben wir hingegen bisher noch kein geeignetes Terrain gefunden; leider gehen aber auch die Spenden zum Herzlwald so langsam ein, daß, wenn das Tempo das gleiche bleibt, wir wohl erst nach 50 Jahren imstande sein werden, dies lebende Andenken unserm verehrten Führer zu setzen. Es wäre wirklich nicht zu viel verlangt, daß jede Ortsgruppe mindestens so viele Herzlbäume sammelt, als sie Mitglieder zählt, dann könnten wir bald einen stolzen Herzlwald aufweisen, und ein schönes Herzldenkmal in der Mitte desselben würde ein Zeugnis ablegen für die Treue, die wir unserm großen Führer bewahrten, und wird mit der Zeit zu einem Wallfahrtsort werden für alle, die an die nationale Wiedergeburt unseres Volkes glauben.