Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 35 DIEE^ELT 15 schränkten Annen zusieht, wie wir arbeiten und wenn man uns nachher sagt, wir hätten es falsch gemacht. Ich bedaure außerordentlich, daß jetzt einige Herren, von denen wir wissen, daß sie nicht allzugerne etwas in Palästina zu tun haben wollen, nicht hier sind. Ich begnüge mich daher zunächst mit diesen Ausführungen. Präsident Dr. Marmorek: Herr Weizmann hat eine politische Rede gehalten, die eigentlich nicht hierher gehörte. Ich habe weder die Autorität noch bin ich berechtigt, darauf zu erwidern. Aber ich möchte feststellen, daß eine Antwort auf eine Frage, die Herr Weizmann vorgebracht hat, vom engeren A.-C. gegeben werden muß. Und sie können sich darauf verlassen, sie wird gegeben werden. Lewin-Epstein berührt einige der Punkte des Berichtes von Professor Warburg und spricht insbesondere über die Frage des Gymnasiums- Er führt aus: Inbetreff des Gymnasiums weiß ich wohl, daß wir ohne deutsche Juden das Gymnasium schwer zustande bringen, es fehlt uns an intellektuellen Kräften. Wir müssen aber sehr vorsichtig umgehen und müssen darauf sehen, eine kontrollierende Kraft im Komitee zu haben. Ich habe die Erfahrung in der Jaffaschule gemacht, in der wir mit der Alliance zusammen gearbeitet haben. Ich weiß wohl, daß es ein großer Unterschied zwischen Alliance und Hilfsverein ist, wenn dieser aber nur einen kleinen Teil der Fehler der Alliance besitzt, wäre schon auch schwierig mit ihm durchzukommen. Die Schule in Jaffa wurde durch ein gemeinsames Komitee geleitet, das aus Delegierten der Chowewe Zion aus Odessa und solchen der Alliance bestand. Ich war ein Mitglied des Komitees. Wir haben damals einen Platz für eine Schule gekauft, der 40 000 Francs •gekostet hat; davon haben die russischen Chowewe Zion 30 000, die Alliance nur 10 000 gezahlt. Da wir zu damaliger Zeit keine Kuschane machen konnten, so haben wir uns dazu entschlossen auf Namen des Herrn Narcisse Leven, und die Chowewe Zion aus Odessa haben die Dummheit begangen, den Kuschan mit der Bitte nach Paris zu senden, ihn im Archiv der Alliance aufzubewahren. Nachher haben wir uns von der Alliance getrennt. Diese hat die Knabenschule, wir die Mädchenschule. Da wir eine, Mädchenschule auf unserem Platze bauen wollten, hat die Alliance die Erlaubnis verweigert, behauptend, der Platz gehöre ihr. Die Chowewe Zion haben im letzten Sommer extra den Herrn Disengoff nach Paris gesandt, um mit der Alliance zu verhandeln. Ich war damals zufällig in Paris und war ebenfalls bei den zuständigen Herren. Wir haben den seligen Rabb. Zadok Kahn, den Herrn Leven wie auch den Sekretär der Alliance Herrn Bigart besucht; all unsere Argumente, alle Beweise haben doch zu keinem Resultate geführt, und wir haben bis jetzt noch den. Platz nicht zurück. Es sprachen noch die Herren Scheinkin, Dr. Bodenheimer, Dr. Tschlenow, Ussischkin und Rabinowitsch. Ihre Ausführungen gehen durchwegs dahin, daß man ein viel lebhafteres Tempo der Palästinaarbeiten verlangt. Professor Warburg antwortet hierauf eingehend auf die verschiedenen Ausführungen der Vorredner. Hierauf findet die Abstimmung über die eingelaufenen Anträge statt. I. Antrag Professor Dr. Warburg: Die Jahreskonferenz erachtet es zur Förderung der jüdisch-kulturellen Institutionen in Palästina, wie Nationalbibliothek, Museum, Versuchsstation etc., für wünschenswert, daß ein vom A. C. verwalteter Palästinakulturfonds begründet werde. (Angenommen.) IL Antrag Professor Dr. Warburg: Die Jahreskonferenz erachtet es zwecks Weiterführung der praktischen Palästinaarbeit für wünschenswert, daß die nötigen Fonds soweit als möglich nicht von dem Schekel, sondern durch besondere Beiträge bestritten werden und empfiehlt den Federationen und Ortsgruppen, gemäß dem Vorgehen der deutschen Federation, die Mitglieder der zionistischen Organisation zu freiwilligen Palästinabeiträgen heranzuziehen. (Angenommen.) Antrag Dr. Tschlenow: Die Jahreskonferenz beschließt, der Nationalfonds soll in Jerusalem so viel Boden kaufen, als für ein passendes Gebäude für den Bezalel notwendig ist. Das für das Gebäude notwendige Geld soll der N. F. der Anglo-Palestine Company auf eine bestimmte Anzahl von Jahren leihweise zur Verfügung steilen und diese soll den Bau ausführen. (Angenommen.) Antrag Bezalel Jaffe: Die Jahreskonferenz spricht dem verdienstvollen Leiter des Bezalel, Herrn Professor Boris Schatz, für seine segensreiche Tätigkeit ihren Dank aus. (Angenommen.) Ein Antrag des Herrn Scheinkin, der das A.C. verpflichten will, die bewilligte Dotation an die Nationalbibliothek so rasch wie möglich.auszuzahlen, wird abgelehnt. Präsident Wolffsohn erklärt, daß er schon vor der Jahreskonferenz angeordnet habe, der Nationalbibliothek 2000 Francs zu überweisen. Die folgenden beiden Resolutionen des Herrn Heinrich Rosenbaum werden angenommen. I. Im Anschlüsse an die Landesorganisationen sollen diese Palästinakommissionen schaffen, die mit der Berliner Zentrale in Verbindung stehen und in den betreffenden Ländern für eine intensive, praktische Palästinatätigkeit wirken sollen. II. Die Palästinakommission möge regelmäßig in Terminen den Landsmannschaften Berichte versenden, "in denen Angaben über juristische, kulturelle und ökonomische Vorkommnisse üb er* Palästina enthalten sind. Auf Antrag Fei wel wird der Palästinakommission unter lebhaftem Beifall der Dank der Jahreskonferenz ausgesprochen. Hierauf wird um 9l/2 Uhr abends die Verhandlung auf 1 Stünde vertagt. Zuvor verkündet der Sekretär des J. C. T. das Resultat über die Abstimmug bezüglich der Abänderung der Statuten. Für die vorgeschlagenen beiden Resolutionen haben gestimmt 9673 Stimmen, dagegen 697 Stimmen, sodaß eine Mehrheit von 8976 Stimmen sich für die Abänderung erklärten. Ihren Höhepunkt erreichte dieJahreskonferenz mit einer prinzipiellen politischen Debatte, die sich unmittelbar an Anträge Warburg- Ussischkin bezüglich einer Reihe für Palästina geplanter Unternehmungen anschloß. Die Debatte währte bis 5 7* Uhr morgens. Es sprachen Dr. Alexander Marmorek, Dr. Hantke, Dr. Katzenelsohn, Rechtsanwalt Rosen bäum, Moser, Lewontin, Weizmann, Greenberg, Scheinkin, Feiwel, .Warburg. Wolffsohn, Sokolow, Dr. Lewin und Dr. Sapir. Den ausführlichen Bericht darüber bringen wir in unserer nächsten Nummer. Am Freitag mittag wurde die Sitzung wieder aufgenommen. Es wurden Anträge angenommen betreffend die Untersuchung der Frage einer Hypothekenbank in Palästina, den Ankauf eines Stück Landes für den Nationalfonds (im Betrage von 20 000 Francs) zum Zwecke der Verpachtung an jüdische Arbeiter und eines Landstückes in Lydda zur Verpachtung an die ehemaligen Schüler (Kischinewer Waisenkinder) des Kiriath-Sefer; ferner wird die Frage der Errichtung eines Agrarfonds dem E. A. C. zum Studium übergeben. Es folgten .hierauf die Mitteilungen des Herrn Motzkin über den Stand der Arbeiten des Komitees zur Untersuchung der Pogrome. Sodann erstattete Dr. Nossig seine Referate über die Arbeiten der Propaganda- und der statistisch-volkswirtschaftlichen Kommission. Ein Antrag, die von einem Komitee projektierte Gründung eines jüdischen Tageblattes sympathisch zu begrüßen, wird angenommen. Dann folgt das Referat Feiwel über die Presse und der Bericht über den Nationalfonds. Nach Beratungen über das Budget schloß der Präsident D. Wolffsohn die Jahreskonferenz gegen 6 Uhr mit einer Ansprache, worin er seiner Genugtuung über deren erfolgreichen Verlauf Ausdruck gab. Am Dienstag Abend lud der Präsident des Aktionskomitees, Herr David Wolffsohn, die Mitglieder der Jahreskonferenz, den Vorstand der Zionistischen Vereinigung von Köln und die Beamten des Zionistischen Zentralbureaus und der Bank zu sich zu Gaste. Herr und Frau Wolffsohn machten in liebenswürdigster Weise die Honneurs. Bis spät in die Nacht hinein blieben die Gäste in angenehmster und herzlichster Unterhaltung vereinigt. Am Mittwoch Abend wurde zu Ehren der Mitglieder der Jahreskonferenz von der „Zionistischen Vereinigung in Köln" em großer Festkomthers veranstaltet, über dessen außerordentlich gelungenen Verlauf wir in nächster Nummer berichten werden.