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Die Welt · 1906-08-31 · 35 (31.8.1906) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 35 DIE3^ELT 11 gelangen, deren Beantwortung zum Teil erst eine längere Korrespondenz oder spezielle Nachforschungen vorangehen müssen. 3. Was die organisatorischen Arbeiten der Palästinakommission betrifft, so ist an die erste Stelle die Weilerentwicklung der Frage einer landwirtschaftlichen Versuchsstation zu setzen. Wir sind mit der die Güter des Baron Edm. Rothschild in Palästina verwaltenden Kommission der I. C. A. übereingekommen, daß dem Nationalfonds ein Terrain von 500 Dun am Ackerlandes und ebensoviel* Berglandes von Athlit bei Haiffa abgetreten wird zu einem relativ recht billigen Preis. Leider konnte die tatsächliche Abtretung noch nicht vollzogen werden, da noch Verhandlungen der Verwaltung mit einzelnen, daselbst Enklaven besitzenden Eingeborenen schweben; jedoch erwarten wir, im Herbst das Land zu erhalten. Da es in den jetzigen Zeiten kaum möglich sein wird, das den dauernden Betrieb,der Versuchsstation garantierende Kapital von mindestens 300 000 Mark aufzubringen, und wir in keinem Falle eine Institution schaffen dürfen, die, wenn sie auf Jahresbeiträge gestellt ist, Gefahr laufen muß, in ungünstigen Zeiten ihren Betrieb einzustellen, wodurch dann langjährige Versuche zum Scheitern gebracht würden, so haben wir beschlossen, das Land vorläufig als kleine Farm zu bewirtschaften, was nicht viel kostet, und wodurch wir den Vorteil erlangen, das Land genau kennen zu lernen, es zu verbessern, und die lange Jahre erfordernden Vorbereitungen für die Pflanzungsanlage schon jetzt in Angriff nehmen zu können. Wichtige Versuche in kleinerem Maße lassen sich dann auch schon damit verbinden. Wir hoffen, in dem kommenden Berichtsjahre die einfachen Wirtschaftsgebäude herstellen zu können, den Brunnen zu graben, die Pflanzungsanlagen zu machen, kurz, die kleine Farm wirklich in Betrieb zu setzen. Das Land nebst den Gebäuden soll Eigentum des Nationalfonds "bleiben, während die Versuchsstation selbst von einem außerhalb des Zionismus stehenden Komitee verwaltet wird, welches also das Land und die Gebäude in Pacht erhält Diesem Komitee werden, genau wie beim Bezalel, neben Vertretern der zionistischen Organisation auch solche derjenigen Institutionen angehören, welche größere Jahresbeiträge beisteuern. Bisher hat schon der Esra für vorläufig zwei Jahre je 5000 Mark bewilligt; an die anderen Institutionen werden wir erst dann herantreten, wenn die Farm einigermaßen eingerichtet sein wird. Wie wichtig es ist, einen Ort zu haben, wo eigene genau kontrollierte landwirtschaftliche Versuche angestellt werden, ergibt sich unter anderm aus der im vergangenen Jahre mit großen Hoffnungen veranstalteten Bau mw oll versuchen, die leider ein negatives Resultat ergeben haben, und zwar aus verschiedenen Gründen. Einerseits betrachteten viele Kolonisten diese Versuche nur als ein Mittel, bares Geld in die Hand zu bekommen, und als sie sahen, daß keine Geldunterstützungen für die Versuche gewährt wurden, verzichteten sie auf die vorher von ihnen verlangte Saat, oder vernachlässigten sie; anderseits setzten die bis zum Schluß des Sommers durchgehaltenen Stauden infolge eines tierischen Schädlings keine oder nur wenige und schlechte Früchte an. Wir sind durch den Versuch zu dem Schluß gekommen, daß sich bei der Rückständigkeit der Bauern in Palästina durch Saatverteiiung allein keine Resultate erzielen lassen und wollen also Versuche mit neuen Kulturpflanzen und Sorten, soweit nicht intelligente Gutsverwaltungen die Sache in die Hand nehmen, erst dann wieder aufnehmen, wenn wir über eine eigene Versuchsstation verfügen. Günstige Resultate hingegen hat das im vorigen Jahre begründete sog. Landbureau gebracht. Es ist zwar nicht in dem von uns beabsichtigten Umfange mit einem Kaufmann an der Spitze und einem selbständigen Bureau in die Erscheinung getreten, sondern es bestand eigentlich nur aus einem einzigen Beamten, dem Landmesser Herrn Treidel, war also in Wirklichkeit nur ein Vermessungsbureau, jedoch hat dieses anstatt der für seine Selbsterhaltung nötigen 150 Tage über 180 Tage seines Geschäftsjahres gearbeitet, davon 681- Tage für die Anglo Palästina Co., 50 Tage für die Ländereien des Nationalfonds, 34 Tage für die wissenschaftliche Expedition, 221/2 Tage für die Liegen ach aftskarte von Palästina, 4l2 Tage für den Geulah und 2V2 Tage für die Alliance israelite. Es ist zwar anzunehmen, daß das Verrnessungsbureau im laufenden Jahre durch Vermessungen allein keine genügende Beschäftigung finden wird, da weder die Bank noch der Nationalfonds größere Landkäufe in Aussicht genommen haben; es erschien uns aber von großer Wichtigkeit, daß die Liegenschaftskarte Palästinas, die Grundlage aller spätem Landkäufe und Verkäufe, ebenso weiter gefördert werde, und so haben wir denn noch für vorläufig ein Jahr den Kontrakt mit Herrn Treidel verlängert. Schon jetzt ist das Material von 110 Ländereien zusammengetragen und zum Teil schon auf den definitiven Maßstab reduziert. Der in Arbeit befindliche Atlas der Liegenschaften Palästinas, in Format 0.9OXO.66, enthält schon über 50 Kartenblätter, die einen sehr wertvollen Bestand des Inventars der Kommission ausmachen. Wir legen auch großen Wert darauf, dauernd einen europäisch geschulten und europäisch denkenden, absolut verläßlichen Landmesser für alle Fälle in Palästina an der Hand zu haben, da wir nie wissen können, wann wir einen solchen auch für wichtige Messungen benötigen. Gerade bei Landkäufen kann sich aber Unkenntnis resp. Unzuverlässigkeit des Landmessers leicht bitter rächen, und das, was man einem guten Landmesser mehr zahlt, büßt man im anderen Falle an Prozessen oder durch fehlerhafte Messungen leicht vielfach ein; auch würden wir bei Käufen des Nationalfonds absolut nicht die Verantwortung übernehmen können, wenn die Vermessungsarbeiten ohne einen in europäischen Hochschulen geschulten Landmesser durchgeführt werden sollten. Eine organisatorische Arbeit, die in gewisser Beziehung schon ihren Abschluß gefunden hat, ist die Begründung des „Bezalel", der Kunstgewerbeschule in Jerusalem. Obgleich dieselbe erst im März ihre Tätigkeit begonnen hat, hat sie tatsächlich schon Bedeutendes geleistet; ihre Tätigkeit wird von allen anerkannt welche die Schule besucht haben. So z. B. schreibt Herr Treidel: „Es ist erstaunlich, welchen Aufschwung die Schule in der kurzen Zeit und mit den beschränkten Mitteln genommen hat. Ich habe die feste Zuversicht, daß diese Institution Hervorragendes leisten wird und betrachte dieselbe als einen der hervorragendsten Faktoren für unsere Ansiedlungsbestrebungen in Palästina." In ähnlich günstiger Weise äußert sich Herr Turoff, der Sekretär des den Bezalel subventionierenden Vereins Esra, und viele andere Herren, die Palästina kürzlich besucht haben, darunter auch Mitglieder des Aktionskomitees. Da außer unserer Organisation und dem Esra auch vor allem der Hilfsverein der deutschen Juden zur Erhaltung des Bezalel beisteuert, in geringerem Maße auch die Bnei Brith von Deutschland, das Odessaer Komitee, der Chowewe Zion sowie viele Einzelpersonen, so sind wir der Überzeugung, daß der Bezalel einer sicheren Zukunft entgegengehen wird, wenngleich unsere Hoffnung, durch einmalige Beiträge die für die ersten drei Jahre nötige Summe von 40 000 Mk. aufzubringen, sich bei weitem nicht erfüllt hat. Wollen wir, daß die Schule gedeiht, so müssen wir mindestens diese kleine Summe aufbringen, und wenn jeder wirklich sein Scherflein dazu beisteuert, so kann es nicht schwer halten, die Zukunft der Schule sicher zu stellen. Gerade die Zionisten haben bisher, mit nicht allzuvielen rühmlichen Ausnahmen, sich wenig daran beteiligt, und doch ist der Bezalel die erste kulturelle Institution, die seitens der Zionisten in Palästina ins Leben gerufen wurde. Die Tätigkeit des Bezalel besteht augenblicklich in folgendem*): a) in der Ausbildung kunstgewerblicher Lehrer und Musterzeichner. Zehn meist hervorragend talentvolle junge Leute . aus Rußland, Bulgarien und Galizien, die größtenteils schon *) Näheres ist in einem den Mitgliedern des Aktionskomitees von Prof. Boris Schatz überreichten Spezialbericht enthalten, dessen wesentlicher Inhalt in Nr, 33 der „Welt" zum Abdruck gebracht ist.

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