Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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10 DIES Frühjahr des laufenden Jahres erkundete der Ingenieur und Kulturtechniker Treidel das gesamte Jordantal, um die Bewässerungsmöglichkeit und Anbaufähigkeit des Jordantales kennen zu lernen. Die auf Grund dieses Materials hergestellten Risse und Karten sind schon nahezu vollendet. In den letzten Monaten unternahmen Herr Aaronsohn und Herr Bermann mehrere kleinere, landwirtschaftlichen Zwecken gewidmete Expertisen ins Jordantal und nach Galiläa. Von besonderer Bedeutung ist die hierbei gemachte Entdeckung des,wilden Vorkommens des Emmers, einer primitiven, jetzt kaum mehr angebauten Weizensorte, im Gebiete des obern Jordan. Da dieser Weizen als die Urform der Kultursorten des Weizens betrachtet wird, und außer einem einmaligen Fund an dem benachbarten Hernion wild bisher noch nicht aufgefunden worden ist, so hat man Grund anzunehmen, daß die Kultur dieser ältesten und wichtigsten aller Getreidearten in Palästina resp. im südlichen Libanongebiet ihren Ursprung genommen hat, wenn auch natürlich lange vor der Einwanderung der Israeliten. 2. Arbeiten behufs Verbreitung der Palästinakenntnis. Bei weitem die wichtigste Arbeit in bezug hierauf ist die jetzt im 3. Jahrgang herausgegebene Zeitschrift „Altneuland", die sich einen immer größeren Kreis von Lesern erobert, namentlich seitdem sie in etwas geringerer Ausstattung für den überaus billigen Preis von 2 Mark per Jahr der Welt als Beilage beigegeben wird. Das trotz des reichen Inhaltes und des in der Tat außergewöhnlich billigen Preises nur ein Teil der Abonnenten der Welt sich bisher entschlossen hat, auch auf die Beilage zu abonnieren, ist sehr bedauerlich, und wird, wenn nicht ein erheblicher größerer Teil Abonnenten der Welt sich noch entschließen sollte, die kleine Ausgabe von 2 Mark für das Abonnement von Altneuland zu entrichten, dazu führen, daß wir den Preis dieser Ausgabe wieder erhöhen müssen. Sehr erfreulich ist hingegen, daß seit Januar dieses Jahres eine russische Obersetzung von Altneuland als Beilage zu der in russischer Sprache erscheinender Monatsschrift „Jewrejskaja Shiznj" erscheint. Bei der großen Verbreitung dieser Monatsschrift gelangt durch diese Übersetzung unsere Zeitschrift und damit die Kenntnis der wirtschaftlichen Bedeutung Palästinas und des vorderen Orients überhaupt, in viel weitere und bisher dieser Frage fernstehende Kreise. Das auch in nichtjüdischen Kreisen der Zeitschrift schon Aufmerksamkeit geschenkt wird, beweist einerseits die Besprechung des Inhaltes derselben in wissenschaftlichen Zeitschriften, anderseits die Mitarbeiterschaft bedeutender christlicher Gelehrter und Techniker. Wir sind überzeugt, daß die Zeitschrift „Altneuland" nicht nur als Mittel zur Vertiefung des Zionismus von Wichtigkeit ist, sondern daß sie auch in hohem Grade agitatorisch nützt, indem sie Nichtzionisten und Nichtjuden durch den wissenschaftlichen Ernst und die Sachlichkeit der Zeitschrift Achtung vor der Bewegung einflößt. Ein weiteres Mittel der Verbreitung der Palästinakenntnis ist das gesprochene Wort. Auf Vorträge in größeren zionistischen Versammlungen haben wir verzichtet, da für solche mehr agitatorische als belehrende Zusammenkünfte andere, z. B. politische, geschichtliche, literarische und ästhetische Themata viel wirksamer sind, als technische und wirtschaftliche Ausführungen über Palästina. Hingegen ist eine gründliche Belehrung unserer Jugend in diesen Fragen von großer Wichtigkeit, da nur hierdurch eine solide Grundlage für die spätere Tätigkeit in und für Palästina geschaffen werden kann. Unsere Kommission hat zu diesem Zwecke in dem Berichtsjahre zwei Ferienkurse für Studenten veranstaltet. Der erste wurde im Anschluß an den vorjährigen Kongreß in Basel abgehalten, und zwar mit sehr gutem Erfolg und starkem Besuch, der zweite fand Ende der Osterferien in Cöthen statt; er war zwar von den Studenten des Cöthener Technikums gut besucht, jedoch waren iE LT - ■ No. 35 nur wenig Teilnehmer von auswärts gekommen, vermutlich, weil die russischen Studenten der anderen Hochschulen in Deutschland und der Schweiz, auf die wir hauptsächlich gerechnet hatten, wegen der Wirren in Rußland an den Orten, "wo sie studierten, auch ihre Ferien verbrachten und ihnen daher Cöthen zu fern lag. Außerdem hielt unser Kommissionsmitglied Dr. Soskin in Berlin allwöchentlich einen akademischen Palästinakursus ab, an dem sich etwa 25 Studenten jüdischer Verbindungen durch Vorträge und Referate beteiligten. Die Palästinakommission gedenkt von jetzt an auch die Ferienkurse im wesentlichen in Berlin abzuhalten, hofft aber, daß sich auch in andern Zentren Gesinnungsgenossen mit wissenschaftlicher Bildung zusammentun werden, um solche Kurse abzuhalten, sei es in Form von Ferienkursen, die für eine gewisse Anzahl von Zuhörern bestimmt, natürlich infolge ihrer Zusammendrängung auf wenige Tage mehr anregend als direkt belehrend wirken, sei es in Form von über das Semester verteilten Palästinakursen, die zwar mit einer kleinen Zahl von Studenten rechnen, aber eine intensivere Durchdringung der Materie ermöglichen, und namentlich dann, wenn sie in seminaristischer Form abgehalten werden und mit Referaten und Ausarbeitungen der Teilnehmer verbunden sind, für intensive Palästinaagitation ganz außerordentlich wirksam sind. Hierbei kommt besonders in Betracht, daß zur Abhaltung laufender Palästinakurse schließlich auch eine mit Lehrtalent begabte Kraft genügt, die sich bisher nur wenig in die Palästinafragen vertieft hat, die aber in dem Verkehr mit den Studenten und durch die Vorbereitungen zu dem Kursus selbst allmählich tiefer in die Materie eindringt. Nur durch solche Kurse vermögen wir einen Stamm von Leuten heranzuziehen, die, mit dem nötigen Material positiver Kenntnisse ausgerüstet, jederzeit den noch immer häufigen Einwänden der Nichteignung Palästinas für die Zentralisierung der Juden kräftig entgegentreten können. Unsere Gegner können nur dadurch zum Schweigen gebracht werden, daß man sie als unwissend hinzustellen vermag. So lange man sich nicht als Kenner der einschlägigen Verhältnisse ausweisen kann, steht Meinung gegen Meinung, und man kann nicht von dem Gegner verlangen, daß er die seinige zugunsten der unsrigen aufgibt. Erkennt er aber, daß jede seiner Behauptungen sofort durch Tatsachen widerlegt wird, so wird er bald die Lust an weiteren Diskussionen verlieren und zurückhaltender werden; ja in vielen Fällen wird er sich selbst eines besseren überzeugen lassen. Auch unsere Palästinabibliothek hat eine beträchtliche Vermehrung erfahren durch den Ankauf einzelner wertvoller Werke sowohl, als auch besonders der hinterlassend! Palästinabibliothek des Herrn Bambus. Schließlich ist noch des Bestrebens zu gedenken, im Anschluß an den jüdischen Verlag einen Orientverlag zu begründen, der sich mit der Herausgabe spezieller, auf den Orient bezüglicher Literatur n-efassen soll. Vor allem sollen aufklärende Werke über Palästina herausgegeben werden. Ein kleines Handbuch über die allgemeinen Verhältnisse Palästinas, von Herrn Trietsch ist durch die Unterstützung der Palästinakommission zustande gekommen und befindet sich jetzt im Druck, ein Handbuch über die Landwirtschaft in Palästina von den Herren Aaronsohn und Soskin, ist gleichfalls im Manuskript fast fertig. Auch eine hebräische Wandkarte, speziell für die Schulen bestimmt, soll jetzt angefertigt werden, und es sind die diesbezüglichen Unterhandlungen mit einem leistungsfähigen Verleger schon zum Abschluß gekommen. Zur Verbreitung spezieller Palästinakenntnisse dient das Burea u der Kommission, das wir seit zwei Jahren besitzen, aber erst in diesem Frühling mit einem ständigen Sekretär ausgestattet haben. Während die Mitglieder der Kommission bis daher die immer umfangreicher werdende Korrespondenz selbst geführt hatten, so ist das jetzt nicht mehr möglich, besonders da infolge der russischer' Wirren eine Menge Anfragen von Auswanderungslustigen an uns