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Die Welt · 1906-08-31 · 35 (31.8.1906) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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No. 35 felE^ELT § bestehe jedenfalls darauf, daß der Rest des Geldes nunmehr sofort zur Verwendung gelange. Ussischkin erklärt, daß das engere A. C. die Verfügung über die Hilfsgelder seinerzeit ausdrücklich dem Komitee der russischen A. C.-Mitglieder übertragen habe, weil es der Anschauung war, daß die russischen Herren am ehesten in der Lage seien, die richtige Art der Hilfe zu finden und die Verwendung der Gelder zu kontrollieren. Auch sei es eine durchaus falsche Ansicht des Herrn Cowen, wenn er es als einen so großen Fehler bezeichne, daß die Gelder noch nicht sämtlich verwendet seien. Es sei seitens des Präsidenten des E. A. G. dem Komitee der russischen A. C.¬ Mitglieder gegenüber ausdrücklich betont worden, daß die Hilfsaktion der Zionisten einen anderen Charakter tragen müsse als die übliche der Vereine. Die Zionisten hätten immer und immer wieder betont, daß das bloße Geldgeben nicht die richtige Art der Hilfeleistung sei. Die russischen A. C.-Mitglieder hätten daher über einen anderen Modus der Hilfeleistung beraten und seien zu definitiven Beschlüssen gelangt. Man hat zunächst beschlossen, aus einem Teile der Summe Informationsbureaus im Orient zu gründen, und niemand könne leugnen, daß eine solche Verwendung den durch die Pogrome Geschädigten eine überaus wertvolle Hilfe biete. Er brauche nicht erst darauf zu verweisen, wie kolossal die Emigration durch die Pogrome gewachsen sei, wie insbesondere die Auswanderung nach dem Orient unter der Einwirkung der Pogrome zugenommen hat und welchen furchtbaren Leiden, Entbehrungen und Enttäuschungen die Masse der Auswanderer ausgesetzt sei, die ohne genügende Informationen plan- und ziellos den Wanderstab ergriffen. Von dem Rest des Geldes wolle man ein Waisenhaus errichten für solche Kinder, die ihre Eltern durch die Pogrome verloren haben. Über diesen Antrag habe die Jahreskonferenz zu entscheiden. Dr. Schmarja Levin beklagt sich bitter über das Mißtrauen, das die Direktoren in dieser Angelegenheit den russischen A. C.¬ Mitgliedern entgegenbrächten. Mit der kleinen Summe, die den Zionisten zur Verfügung gestanden habe, habe man naturgemäß nicht sehr viel anfangen können, weshalb er von Anfang an ein spezielles Hilfswerk der Zionisten als nicht angebracht bezeichnet hat. Wenn man diese wenigen Gelder, wie Herr Cowen es wünscht, den Geschädigten direkt zugeführt hätte, so hätte man dadurch das Hilfswerk, das von den vereinigten Komitees unternommen wurde, denen über 10 000 000 Mark zur Verfügung standen, nicht ausbauen können. Es sei eine durchaus falsche Ansicht des Herrn Cowen, A^enn er die Hilfe bloß im Spenden von Almosen erblicke. Daß das jeld noch nicht ganz seiner Bestimmung zugeführt sei, sei weder m Fehler, noch sei es ungewöhnlich. Auch die vereinigten Hilfsvereine hätten ihre Spenden durchaus nicht alle aufgebraucht, weil nan dabei von der richtigen Ansicht ausging, daß die Not sich licht überall sofort zeige, sondern daß der tatsächliche Schaden irst im Laufe der Zeit zu ergründen sei. Für die russischen A. C.¬ Mitglieder sei die Sache ganz und gar erledigt. Sie hätten ein Mandat erhalten und hätten ihre Beschlüsse gefaßt. Wenn man jetzt dagegen Einspruch erheben wolle, so würde das Komitee die Konsequenzen daraus zu ziehen wissen. Herr Sokolow weist Herrn Cowen gleichfalls darauf hin, daß os falsch sei, anzunehmen, die Hilfe nach einer solchen Katastrophe könne nur darin bestehen, die Hungrigen zu speisen, die Nackten m kleiden und die,Verwundeten zu pflegen. Das eigentliche Unglück zeige sich erst später. Übrigens sei eine Hilfsaktion auch /on anderer Seite noch nie anders gehandhabt worden, und nach Cischinew seien die russischen Juden selbst zu den Bureaus der iilfsvereine mit der Bitte gekommen, man möge doch ja nicht das gesammelte Geld jetzt etwa sofort verteilen. Eine solche Hilfeeistung könne das Unglück nur noch größer machen. Wir haben uch durchaus keinen Grund, die Angelegenheit kritisch zu bedachten. Wenn tatsächlich irgendeine Seite aus dieser Sache Material egen den Zionismus ziehe, so habe das gar nichts zu bedeuten. Es indelt sich in diesem Falle lediglich um Angriffe von territorialistis her Seite, und es sei bekanntlich eine der Haupttätigkeiten mancher Karren, Waffen gegen den Zionismus zu schmieden, gleichviel, wo "san den Stoff dazu hernimmt. Herr Kann führte aus: Allerdings hat das E. A. C. die Verkeilung der Gelder den russischen A. C.-Mitgliedern überlassen. Man ging dabei aber von der selbstverständlichen Voraussetzung aus, daß sich die Art der Verwendung immer im Rahmen des Hilfswerks halten wird. Die beabsichtigte Errichtung von Infortnationsbureaus oder anderen indirekteJJnternehmungen, die die Juden gegen die Pogrome unterstützen sollen, liegt sicherlich nicht im Sinne der Spender, die, wenigstens soweit ich die Sachlage zu überschauen imstande bin, ihre Spenden für ein direktes Hilfswerk gegeben haben. Jedenfalls müssen wir über die Verwendung klar werden und sie unverzüglich vornehmen. Wenn die russischen Herren dazu nicht imstande sind, soll das Geld dem Trust zurückgegeben werden, der schon Mittel und Wege finden wird, die Verteilung im Sinne der Spender vorzunehmen. Aus der weiteren Debatte, an der sich die Herren Dr. Katzenelsohn, Wolffsohn, Dr. Tschlenow, Scheinkin und Cowen beteiligen, ergibt sich, daß eine Meinungsverschiedenheit über die verwendeten Gelder nicht mehr besteht. Ober die Verwendung des noch vorhandenen Restes wurde in einer späteren Sitzung der Beschluß gefaßt: Das A. C. soll untersuchen, in welcher Form dieser Fonds zugunsten der Pogromopfer in Palästina verwendet werden kann. (Schluß der Vormittagssitzung 2V2 Uhr.) Nachmittags Sitzung. Beginn V*5 Uhr. Herr Dr. A.Marmorek stellt folgenden Antrag: 1. Demengeren A. C. zu empfehlen, bei Streitigkeiten zwischen Mitgliedern der zionistischen Bewegung, welche dem zionistischen Wirken entspringen, zu versuchen, die Betreffenden nach Möglichkeit zur Anrufung des Kongreßgerichtes zu bewegen. 2. Dem nächsten Kongresse einen Antrag auf Erweiterung der Befugnisse des Kongreßgerichtes auch auf die unter 1. erwähnten Streitigkeiten vorzulegen. Redner begründet in längeren Ausführungen seinen Antrag mit dem Hinweise auf die in der letzten Zeit in England und Österreich vorgekommenen Streitigkeiten, die geeignet sind, das Ansehen unserer Bewegung zu schädigen und die Parteidisziplin zu lockern. Dr. Schalit wendet sich gegen die Ausführungen Dr. Marmoreks und weist die in bezug auf Österreich angeführten Gründe entschieden zurück. Der Antrag Dr. Marmoreks wird mit 17 gegen 6 Stimmen angenommen. Im Anschlüsse an diese Erörterungen betonte der Präsident, daß er es für ebenso unzulässig als ungerecht finde, wenn ein Verein eint Mitglied des A. C, aus welchen Gründen immer, auffordere zu demissionieren. Die Mitglieder des A. C. werden durch das Vertrauen des Kongresses gewählt und sind nur dem Kongresse verantwortlich. Hierauf erstattete der Vorsitzende der Palästinakommission, Herr Professor Dr. War bürg, den mit lebhaftem - Beifalle aufgenommenen Bericht der Palästina-Kommission Die Tätigkeit der Kommission zur Erforschung Palästinas hat sich im letzten Jahre in ungefähr den gleichen Bahnen bewegt, wie in der vorhergehenden Berichtsperiode. Wir haben zu unterscheiden: 1. Forschungsarbeiten wissenschaftlich-wirtschaftlicher Natur; 2. Arbeiten behufs Verbreitung der Palästinakenntnis; 3. Organisatorische Arbeiten behufs Entwicklung Palästinas in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung; 4. Beratende Tätigkeit dem Aktionskomitee den Föderationen den Ortsgruppen und Einzelpersonen gegenüber; 5. Verwaltung von zionistischen und anderen Institutionen. 1. Was die Forschungsarbeiten betrifft, so wurde vor allem die Kenntnis der Geologie Palästinas weiter gefördert. Bekanntlich hatten im Jahre 1904 die Herren Dr. Blanckenhorn und Agronowa Aaronsohn das Gebiet des Todten Meeres in unserem Auftrage zum Gegenstand eingehender und wichtige Resultate fördernder Untersuchungen gemacht. Diese Untersuchungen wurden in dem Berichtsjahre fortgesetzt, und zwar wurden vor allem Teile des nördlichen und östlichen Palästinas bereist. Das außergewöhnlich nasse Wetter des Winters verhinderte hingegen die gleichfalls geplante geologische Aufnahme des Jordantales, die demnach für ein zukünftiges Jahr zurückgestellt werden muß. Da Dr. Blanckenhorn für seine Reise von der Kgl. preußischen Akademie der Wissenschaft eine sehr erhebliche Beisteuer erhalten hatte, so hatten wir nur die Kosten der Reise des schon in Palästina weilenden Herrn Aaronsohn zu tragen, der nicht nur durch seine allgemeine Kenntnis der Verhältnisse Palästinas bei dieser Expedition wichtige Dienste leistete, sondern besonders auch in botanischer und landwirtschaftlicher Beziehung wertvolles Material zusammenbrachte. Ferner wurde noch durch die Kommission eine wasserwirt* schaftliche Expertise in das Jordantal veranlaßt; im

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