Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 35 DIE LT 7 Bank nicht in größerem Umfang /von neuem außerhalb Palästinas festgelegt werden. Der Redner berührt sodann die Höhe der Unkosten der Bank und wendet sich schließlich gegen Rechtsanwalt Rosenbaum-Minsk bezüglich der Dividendenpolitik der Bank. Die Bank müsse nach Möglichkeit eine Minimaldividende von 3% zahlen. Nur dann sei ein Zuströmen neuen Kapitals zu erwarten. Hierauf erwidert der Präsident, daß es der Wunsch des Direktoriums und aller sei, Dividende zu zahlen. Was die Unkosten betrifft, sei es, trotz allen Bemühungen, heuer nicht möglich gewesen, sie zu verringern, da zu den gewöhnlichen Ausgaben diesmal auch die der Filiale im East-End kommen. Betreffend des Passus im Berichte, daß das russische Geschäft die Basis unserer Tätigkeit sei und bei ruhigen Zeiten wieder aufgenommen werden solle, verweist der Präsident darauf, daß die vorliegende Bilanz im März gedruckt wurde, wo die allgemeine Situation eine andere war als jetzt. Unser Engagement in Rußland betrug im März ungefähr 1 200 000 Rubel und wurde seither bedeutend verringert. Moser ist der Ansicht, daß man auf die Wünsche einer so bedeutenden Federation, wie der südafrikanischen, Rücksicht nehmen muß. Er führt Klage darüber, daß Informationen, die er als Aufsichtsrat empfange, ungenügend sind. Dr. Mossinsohn klagt darüber, daß die Agitatition für Shares dadurch unmöglich sei, daß die Bank keinerlei Palästin aunternehmungen betreibe. Wissen Sie aber, warum man eigentlich nirgends Aktien verkaufen kann? Weil wir zu dem Direktorium kein Zutrauen haben können. Ein Direktor, der Herr Joseph Cowen, erklärt öffentlich, er fordere die Aktionäre auf, gegen die Beschlüsse des Kongresses zu stimmen, und gerade dieser Direktor sitzt in London und hat den größten Einfluß auf die Bank. Keine Bank der Welt würde es dulden, daß einer ihrer Direktoren gegen Beschlüsse seiner Kollegen auftritt. Man würde ihn einfach zwingen, zu demissionieren, oder aber er würde von selbst ausscheiden, um seine Politik außerhalb des Direktoriums als Privatmann durchzuführen. Aber bei uns ist weder das eine noch das andere geschehen. Uber diese Angelegenheit verlangt er Aufklärung nicht von Herrn Cowen, sondern vom gesamten Direktorium. Er beantragt: „Die Generalversammlung fordert das Direktorium auf, Schritte zu unternehmen, daß künftig derartige Sachen nicht mehr vorkommen." Wolffsohn erklärt, daß die Beteiligung der Bank an dem Hilfsfonds eigentlich auf Veranlassung des Aufsichtsrates erfolgt sei. Was die Gründung von Filialen anbelangt, so müsse man immer wieder darauf verweisen, daß das Kapital der Bank noch viel zu klein sei, um es möglich zu machen, die beträchtlichen Summen, die neue Filialen erforderten, festzulegen. Es ist selbstverständlich, daß wir zunächst Filialen in Palästina einrichten. Ich mache Sie übrigens darauf aufmerksam, daß es eine ganz erhebliche Leistung darstellt, daß wir im- Laufe von drei Jahren drei neue Bankstellen in Palästina eingerichtet haben. Redner wäre persönlich dafür, daß man auch an anderen wichtigen Punkten Niederlassungen der Bank errichte, er warnt aber davor, weder nach der einen noch nach der andern Seite zu übertreiben. Was die Haltung Cowens anbelangt, so findet auch er sie nicht berechtigt. Cowen habe aber sehr wohl seine Privatmeinung zum Ausdruck bringen dürfen, und mehr habe , er ja auch nicht getan. Auch Redner sei ursprünglich gegen die Änderung der Statuten gewesen und sei heute noch nicht dafür. Nachdem aber der Kongreß sie beschlossen habe, müßte man sich loyaler Weise daran halten. Redner kommt dann nochmals auf die Geschichte der Statutenänderung zu sprechen und sagt, Herr Dr. Gaster hat in London erzählt, er habe mit Herzl gesprochen und habe ihm Vorwürfe darüber gemacht, Jaß die Statuten seinerzeit in Wien nicht nach den Beschlüssen des Kongresses gefaßt worden seien, indem man anstatt Palästina eden Teil der Welt als Operationsgebiet definiert hat. Ich wiederhole, daß das Bankkomitee in London zusammen gekommen ist, vo Rechtsanwalt Bentwich die Statuten in der gegenwärtigen :assung, wie sie von den englischen Rechtsanwälten ausgearbeitet vorden sind, vorgelegt hat. Die englischen Rechtsanwälte erklärten, saß es durchaus nicht zu empfehlen sei, das Geschäftsgebiet der iank auf ein bestimmtes Land zu beschränken, weil es dann unmöglich ei, auch nur die kleinste Operation irgendwo anders vorzunehmen. v\an habe den in dieser Fassung angenommenen Statutenentwurf lach Wien gesandt. Herzl und das Wiener A.-C. hätten sofort gegen diese Fassung protestiert und verlangt, daß die Statuten genau nach den Beschlüssen des Kongresses gefaßt würden. Nach langen Beratungen habe man aber auf Vorschlag von Dr. Gaster die gegenwärtige Fassung doch behalten, nachdem Dr. Gaster erklärt habe, die auswärtigen Herren, die die englischen Gesetze doch nicht genügend kennen, müßten sich dem Gutachten der englischen Juristen fügen, weil die Bank in England domiziliert. Cowen wendet sich gegen die ihm gemachten Vorwürfe und erklärt, daß ihm von einem imperativen Mandat nichts bekannt sei. Er könne sich auch als Direktor seine Privatmeinung nicht nehmen lassen und ganz besonders nicht, wenn er der Ansicht sei, daß das Gegenteil zum Schaden der Bank sei. Auf der zweiten außerordentlichen Generalversammlung in London sei er durchaus loyal verfahren, indem er, obgleich er selbst gegen die Änderung der Statuten sei, durch die Vertagung verhindert habe, daß der Antrag auf Abänderung der Statuten abgelehnt worden sei. Die Mehrheit der Versammlung sei — wenigstens seiner Meinung nach — gegen die Abänderung gewesen. Er sehe durchaus keinen Anlaß, sein Amt niederzulegen. Dr. Weizrnann bedauert, daß die Debatte einen persönlichen Charakter angenommen habe. Er spricht sich für eine stärkere Geschäftstätigkeit der Bank in Palästina aus und wendet sich gegen die Errichtung von Filialen in andern Ländern. Es war immer "unsere Ansicht, daß die Bank in erster Linie ein Werkzeug der Bewegung sei. Das gelte auch auf die Gefahr hin, daß die Bank weniger gute Geschäfte mache. Er richtet die Bitte an das Direktorium, solange es nicht möglich sei, neue Filialen in Palästina zu errichten, wenigstens kleinere Niederlassungen einzurichten, die sich dann später zu Filialen auswachsen können. Mit' Rücksicht darauf, daß das englische Handelsamt wegen der Statutenänderungen der Bank, die Gutachten von Experten einholen werde und da, soweit er wisse, Herr Cowen einer dieser Experten sein wird, frage er Herrn Cowen, ob er auch in diesem Falle sein Gutachten gegen die Zulassung der Änderung abgeben wird. Cowen: Ich habe nicht erwartet, daß man hier diese Frage an mich richtet, und es wäre im Interesse der Bank gewesen, wenn es unterblieben wäre. Nachdem ich aber gefragt bin, antworte ich, daß wenn ich um ein Gutachten vom Handelsamt angegangen werde, ich mich meiner Überzeugung gemäß gegen die Statutenänderung aussprechen werde. Schenk in erhebt den Vorwurf, daß man die Verhältnisse der Anglo Palestine Company im Interesse des Jewish Colonial Trust schlechter darstelle. Man müsse wissen, daß die ,A. P. C. für ihr Kapital 4 °/o Zinsen an die jüdische Kolonialbank zu zahlen habe. Um soviel also sei ihr Bruttogewinn größer. Redner kommt auf die öfters vorgeschlagene Gründung einer Filiale in Haifa zu sprechen. Das. Direktorium stelle sich dieser Gründung skeptisch gegenüber, indessen aber hätten andere Banken dort Filialen gegründet. Weiter führt er Beschwerde darüber, daß die A. P. C. dem Wunsche vieler Palästinenser, daß sie Obligationen auf Häuserbau ausgebe, nicht nachgekommen ist, obwohl die Hälfte der Obligationen von den Antragstellern bezahlt worden wäre. Endlich fragt er, warum die Aktien der A. P. C. nicht zum Verkauf ausgeboten werden. Sie ruhen im Portefeuille der Kolonialbank, die indessen ihre 4 °'o von der A. P. C. erhalten. Kann schlägt vor, den Bericht des Herrn Lev/ontin über die A. P. C. anzuhören, wodurch viele im Laufe der Debatte vorgebrachten Anfragen etc. erledigt werden. Dr. Mossinsohn wendet sich scharf gegen die Ausführungen des Herrn Cowen, die nichts anderes bedeuteten als eine Nichtachtung der Beschlüsse der Generalversammlung und des Direktoriums. Es ist nötig, das Direktorium zu zwingen, die Beschlüsse der Generalversammlung zu respektieren, damit es nicht so aussieht, als ob es dem Direktorium ganz gleich sei, was die Generalversammlung beschließe. Rechtsanwalt Rosen bäum wendet sich gleichfalls gegen die Auffassung des Herrn Cowen, daß ein Direktor in Banksachen nach seiner Privatmeinung verfahren dürfe. Er sei aber überzeugt, daß wenn dies z. B. in einer finanziellen Angelegenheit geschehe, das Direktorium sich dies nicht gefallen lasse. Feiwel richtet an den Präsidenten die Anfrage, ob er nicht Maßnahmen treffen wolle, durch geeignete Publikationen dafür zu sorgen, daß die Aktien der Anglo Palestine Company angesichts des erhöhten Interesses für Palästina dem Publikum zum Ankauf zugänglich gemacht werden. Was die Tatsache anbelangt, daß die Aktien der Bank so schwer zu verkaufen sind, so sei (abgesehen davon, daß die Bankaktien kein Börsenpapier sind und zurzeit weder von der Bank," noch von Privaten zurückgekauft werden, falls sie ausgeboten werden), der Umstand daran schuld, daß unsere kapitalkräftigen Zionisten sich nicht bemühen, das Vertrauen zur Bank zu erhöhen. Die Depots der kapitalkräftigen Zionisten liegen leider nicht in der Jüdischen Kolonialbank, sondern in anderen Banken. Redner fragt, ob der Präsident in Hinsicht auf die Heranziehung des Privatkapitals von Zionisten etwas unternommen habe. Podlischewsky bittet das Direktorium mit der Errichtung neuer Filialen nur sehr vorsichtig zu Werke zu gehen. Jede Filiale verlange die Festlegung eines bedeutenden Teiles des Bankkapitals. Man müsse aber dafür sorgen, daß zu jeder Zeit genügende Reserven in der Bank vorhanden seien, um auch den größten Anforderungen ohne Stockung nachkommen zu können.