Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DJE3aEELT No. 35 Hoisten besprochen wurden. Die Jahreskonferenz fand keine Veranlassung, diesbezüglich eine bestimmte Resolution zu fassen. Auf Antrag von Dr. Hantke beschloß die Jahreskonferenz den Bericht und die Rechnungslegung des A. C. zur Kenntnis zu nehmen und den Dank für die Leitung auszusprechen. Generalversammlung des „Jewish Colonial Trust" Mittwoch den 29. August 1906. Die neunte ordentliche Generalversammlung des „Jewish Colonial Trust1' wurde am (Mittwoch den 20. präzise um zehn Uhr im Zionistischen Centralbureau eröffnet und sodann auf Beschluß der Versammlung um 11 Uhr im Hotel Disch fortgesetzt. Auf Antrag des Präsidenten Dr. Katzeneisohn, der von Direktor Co wen unterstützt wurde, werden die Verhandlungen in deutscher Sprache geführt. Sekretär Neumann verliest die Tagesordnung der Generalversammlung. Hierauf erstattet Präsident Dr. Katzeneisohn den Bankberic lit: Geehrte Herren! Im Namen des Bankdirektoriums habe ich die Ehre, Sie hier in unserer neunten Generalversammlung zu begrüßen. Aus der gedruckten Jahresbilanz, welche soeben unter Sie verteilt ist, und dem dazu gehörigen Bericht des Direktoriums ersehen Sie im wesentlichen den Gang unserer Geschäfte im verflossenen Jahre: ich habe dem, was dort gesagt ist, nur wenig hinzuzufügen. Durch die Spende von 4' 2000 für den Fonds zur Unterstützung der Opfer der russischen Judenverfolgungen und durch die Rückstellung von -V 2000 für unvorhergesehene Fälle ist der Jahresgewinn von £ 5746 so verkleinert daß die Verteilung einer Dividende pro 1905 leider nicht möglich ist; aber ich glaube, Sie alle werden mit uns darin übereinstimmen, da f.! das Direktorium richtig gehandelt hat, wenn es in solch ungewöhnlichen Zeiten, wie die jetzigen, lieber auf Stärkung der Reserve als auf Verteilung einer Dividende Bedacht nehmen wollte. Wir sind glücklicherweise vor größeren Verlusten an unseren Außenständen bisher verschont geblieben, und wir haben auch im Laufe dieses Jahres unsere Geschäfte mit Rußland so eingeschränkt daß unser ganzes russisches Portefeuille heute nur noch 500 000 Ro., von denen ca. 200000 Ro. im Laufe der nächsten 2 Monate fällig werden, ausmacht und unser Guthaben bei Banken. Bankiers und Remissiers 600000 Ro. beträgt, welch letzteres Geld natürlich jeden Augenblick zu unserer Verfügung steht, sobald oder falls wir es für richtig finden, es abzuziehen, was wir eventuell zu tun gedenken. Kursverluste haben wir nur in sehr unbedeutendem Maßstabe erlitten, und auch für diese gelten die bereits erwähnten, in Reserve gestellten 4' 2000 als Deckung. Die Geschäfte in unserem Head Office nehmen in diesem Jahre ihren ruhigen Fortgang und entwickein sich in zwar langsamer, aber durchaus solider Weise. Die Gewinn- und Verlustrechnung für die ersten sieben Monate zeigt einen Überschuß von -l' 4200, was insbesondere im Hinblick auf frühere Jahre recht erfreulich ist. . .. Auch die Geschäfte unserer Filiale in Witechapel entwickeln sich in zufriedenstellender Weise, und dürfen wir in diesem Jahre bereits eine annähernde Deckung der Jahreskosten erwarten, ein Resultat das bei den eigenartigen Verhältnissen im Fast End von London und der enormen Konkurrenz daselbst nur mit Genugtuung begrüßt werden kann. Um für die aus Rußland herausgezogenen Gelder Verwendung zu finden, haben wir seit Beginn dieses Jahres das Kontangogeschäft d. h. Vorschußgeschäft auf an der Börse notierte prima Werte aufgenommen; die Zinssätze, die wir hierbei genießen, sind zwar nur mäßige, aber sie entsprechen der fast absoluten Sicherheit dieser Geschäfte. Bin anderer Teil unserer frei gewordenen Gelder wird durch die A. P. C. in Anspruch genommen, deren Geschäfte sich schon im ersten Semester dieses Jahres sehr ausgebreitet hatten und die jetzt nach Eröffnung der ßeiruter Filiale eine noch größere Ausdehnung annahmen. Sie wissen, daß unser Trust die Aktien der A. P. C. fast vollständig im Besitz hat, und daher kann ich hier noch erwähnen, daß der Gewinn der A. P. C. pro 1005 zwar nur ein mäßiger war (ca. Frs. 3600), daß aber das Jahr 1906 sich so gut anläßt, daß, wenn nicht ganz unvorhergesehene Ereignisse eintreten, für 1906 eine Dividende seitens derselben zu erwarten steht. Die Erträgnisse des Trust werden dadurch natürlich auch günstig beeinflußt, da fast die ganze Dividende uns zufließen würde. Bs sind in diesem Jahre mehrfach Propositionen wegen Begründung von Filialen in den verschiedensten Gegenden des Erdballs: New- York, Johannesburg, Rumänien, Galizien etc., an das Direktorium herangetreten. Alle diese Vorschläge haben wir sorgfältig erwogen und würdigen die Gründe der Antragsteller vollständig. Aber trotz der vielen unverkennbaren Vorteile können wir uns doch den Vorschlägen vorläufig nicht anschließen, da wir durchaus unsere Kräfte zusammenhalten müssen und wir auch auf eine solch ausgebreitete geschäftliche Tätigkeit, weder was Mittel noch was Personal anbetrifft, schon genügend eingerichtet sind. Unser Hauptaugenmerk richten wir -nach wie vor auf die Ausdehnung unserer Geschäfte in Palästina durch die A. P. C. und -die Begründung weiterer Filialen daselbst. Sodann verliest Sekretär Neu mann die Bilanz des „Jewish Colonial Trust" Hierauf wird der Bericht der Bankrevisoren verlesen: London, 14. März 1906. An die Aktionäre des Jewish Colonial Trust, Ltd. Wir haben die Rechnungen des Trust für das Jahr, endend mit dem 31. Dezember 1905, geprüft und berichten gemäß Sektion 23 der Companies Act 1900, daß die Bilanz, auf welche wir das übliche Zertifikat gesetzt haben, nach unserer Ansicht ordnungsmäßig gezogen ist, so daß sie ein wahres und korrektes Bild von dem Stande der Geschäfte des Trust nach Ausweis der Bücher gibt. Wir haben den Kassabestand sowohl bei der Zentrale wie auch bei der Filiale in Whitechapel nachgezählt und haben den Barbetrag, welcher sich bei den Bankiers befand, ebenso auch alle Wertpapiere als richtig vorhanden festgestellt. Wir haben von den Londoner Direktoren die Bestätigung erhalten, daß alle bekannten Verbindlichkeiten für das Jahr in die Bilanz aufgenommen sind und daß für alle bekannten schlechten Schulden ein entsprechender Betrag zurückgestellt ist; aber wir möchten wiederum darauf hinweisen, daß wir uns auch bezüglich der Bonität der diskontierten Wechsel auf die Vorstände (Officials) des Trust haben verlassen müssen; da es sich hierbei hauptsächlich um entfernt von England wohnende Personen handelt, so ist es für uns unmöglich, uns selbst ein Urteil zu bilden. Die Diskontierungen sind indessen entweder auf Kreditbewilligungen basiert, die durch den Board genehmigt sind, oder sie sind von den autorisierten Agenten teilweise garantiert. gez. JACKSON, P1XLEY, BROWNING, HUSEY & CO. Chartered Accountants, Auditors. Es beginnt hierauf die Diskussion. Kaplan (Südafrika) protestiert im Namen der südafrikanischen Föderation gegen die Bewilligung von 2000 Pfund für den Hilfsfonds, nicht weil sie auf die Dividende reflektieren, sondern weil sie unzufrieden sind, daß der Aufsichtsrat ohne Befragung der Aktionäre über solche Beträge verfügt. Zum zweiten äußerte er seine Unzufriedenheit, daß, obwohl sich die Südafrikaner seit Jahren bemühen und eine gründliche Vorlage vor das Direktorium gebracht haben, die Direktoren die projektierte Einrichtung einer Filiale des „Jewish Colonial Trust" in Südafrika nicht einmal zu prüfen für nötig befunden haben. Endlich protestiert er dagegen, daß die Bank keine eigentlichen Bankgeschäfte macht, daß die Geschäfte in Rußland noch nicht die Existenzberechtigung der Bank beweisen. Er wirft dem Direktorium vor, daß es sich um die Meinung der Masse der Aktionäre nicht kümmere und sich selbst zu viel zutraue. Er empfiehlt nochmals die Gründung einer Filiale in Südafrika, die das Prestige der Bank bedeutend erhöhen wird. Präsident Katzeneisohn bemerkt, daß der Vorwurf bezüglich der 2000 Pfund für den Hilfsfonds vom rein geschäftlichen Standpunkt aus gewiß berechtigt war. Aber vom rein menschlichen, vom jüdischen Standpunkt aus glaubte der Aufsichtsrat in dieser furchtbar schweren Zeit zur Beteiligung an dem Hilfswerk verpflichtet zu sein. Die Errichtung der Filiale in Südafrika wurde nur aus dem Grunde zurückgestellt, weil die Bank vor allem den Wunsch hat, ihre Tätigkeit in Palästina und den Nachbarländern auszugestalten. Kaplan ist mit letzterer Antwort nicht zufrieden, da die Bank erst dann Geld für die Filiale in Palästina haben wird, wenn sie anderswo durch Filialen ihr Kapital vermehrt. Rechtsanwalt Rosenbaum (Minsk) erklärt, daß die Bank nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet war, zum Hilfsfonds beizusteuern. Bezüglich der Gründung von Filialen in andern Ländern als in Palästina nieint Redner, daß man den eigentlichen Zweck der Bank, ein zionistisch-politisches Unternehmen zu sein, nur dadurch erfüllen könne, daß man die Arbeiten auf Palästina konzentriert. Rechtsanwalt Dr. Hantke bittet um Aufklärung über den Stand des russischen Geschäfts der Bank. Er erklärt sich durchaus einverstanden damit, daß der Schwerpunkt der Tätigkeit der Bank immer mehr nach Palästina verlegt werden soll. Infolgedessen könnte Projekten auf Gründung neuer Filialen außerhalb Palästinas nur dann Folge gegeben werden, wenn dadurch die Gelder der No. 35 Bank ni« festgelegt kosten d Rosenbat Bank mü