Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 35 nunmehr bezahlt, unsere Organisation beginnt unter der Leitung verschiedener Exekutivekomitees flott zu arbeiten, die Zahl der Zionisten wächst, die Nationalfondssamrnlungen sind fast überall schon jetzt so groß, wie sie am Ende des vorigen Jahres waren, und die Begeisterung für Palästina wird mit jedem Tage stärker. Wir erwarten gute Resultate von der Errichtung einer Filiale der Bank in New-York. Unser Monatsorgan „The Maccabaeans" ist jetzt in einer guten finanziellen Lage, und wir hoffen bald in der Lage zu sein, es weiter auszubauen. Wir sind im Begriffe, ein Handbuch des Zionismus herauszugeben, und beabsichtigen, weitere Publikationen in Englisch und Yiddisch folgen zu lassen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, werden wir das beste Jahr für den Zionismus haben, was Amerika je gehabt hat. Harry Friedenwald, Präsident. Magnes, Sekretär. Montreal, 1. August 1906. An das Zionistische Aktions-Komitee Köln. Sehr geehrte Gesinnungsgenossen!. Wir bestätigen unsern Brief vom 27. Juni, mit dem wir Ihnen £ 102.19.6 einsandten, und haben Ihnen heute zu berichten, daß am 1. und 2. Juli die Jahreskonferenz unserer Federation in Toronto stattfand. Diese Konferenz war in jeder Beziehung sehr erfolgreich. Anwesend war die größte Zahl von Abgeordneten, die man bisher bei unsern Versammlungen erblicken konnte. Infolge der Abhaltung der Konferenz in der westlichen Stadt Toronto sind viele Abgeordnete von der Pacific-Küste erschienen, sowie eine große Zahl aus den Städten Zentral-Kanadas. Im ganzen waren ungefähr 300 Mitglieder anwesend, die 37 Vereine vertraten. Der Bericht beweist, daß der Zionismus jetzt bei uns auf eine viel größere Anzahl von Mitgliedern rechnen kann als früher. Wir erwarten, daß als Erfolg dieser Konferenz eine lebhafte Arbeit für unsere Sache einsetzen wird. Besonders erklärten sich die Mitglieder mit lebhaften Nachdruck für zwei Punkte: 1. Daß die Zionisten in Kanada ihre Untertanentreue an das ursprüngliche Programm und insbesondere an die Entscheidungen des Kongresses bestätigen und sich dem Territorialismus und jedem Plan der Ansiedlung außerhalb Palästinas und seiner Nachbarländer widersetzen. 2. Noch ein sehr wichtiger Punkt war die eifrige Gesinnung aller Abgeordneten zugunsten eines Planes, betreffend die sofortige Ansiedlung in Palästina, und da man uns sagt, daß die Gesetze, die ehemals die Ansiedlung unseres Volkes in Palästina verhindert haben, nicht mehr in Kraft sind, haben die Delegierten ihren lebhaften Wunsch ausgedrückt, daß das A. K. irgendeinen Plan für die sofortige Ansiedlung unseres Volkes in Palästina vorlegen möge, dann werden die Zionisten in Kanada nach besten Kräften finanzielle Unterstützung dazu beisteuern. Dies bedeutet nicht, daß wir irgendeinen Plan, wie zum Beispiel den Plan, wie ihn die Choveve Zion früher gehabt haben, begünstigen, aber es soll ausdrücken, daß die Zionisten Kanadas einen genauen und gutorganisierten Plan begünstigen, um die sofortige Kolonisation Palästinas zustande zu bringen, und wir würden uns freuen, zn vernehmen, daß ein solcher Plan auf Ihrer Konferenz erörtert wurde. Die Arbeiten der Palästina-Kommission sowie die Beschlüsse, die auf dem VII. Kongreß angenommen wurden, schienen den Vertretern auf der Kanada-Konferenz zu beweisen, daß etwas geschähe, um die Ansiedlung Palästinas sogleich zu bewirken, und, indem man hier die Bewegung infolge der Metzeleien in Rußland in Betracht zieht, hofft man, daß unser Wunsch Ihre gütige Unterstützung erhalten werde. Die Canada-Federation war von der Arbeit der Palästina- Kommission nicht unterrichtet, und die Delegierten drückten den Wunsch aus, daß das A. K. in Zukunft uns über alle Ereignisse unterrichte. Die Beschlüsse der Palästina-Kommission haben wir nur infolge der Zeitungsnachrichten und der der amerikanischen Konferenz übermittelten Mitteilungen kennen gelernt. Der Präsident machte die Mitglieder der Konferenz darauf aufmerksam, daß alle Kolonisationsarbeit in Palästina von der finanziellen Unterstützung des Jewish Colonial Trust abhängig sei, und infolgedessen haben die Delegierten beschlossen, in dieser Hinsicht in Zukunft zu arbeiten. Auch wurden Maßregeln getroffen, um die Sammlungen im neuen Jahre zu vervollkommnen. Viele Vorschläge bezüglich der praktischen Arbeit für die Bewegung wurden erörtert. Mit Zionsgruß Hochachtungsvoll Clarence de Sola Präsident der Federation of Zionist Societies of Canada. Montreal, den 13. August 1906. An das Aktions-Komitee, Zionistisches Zentralbureau Köln. Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Ihre gütige Einladung zu der Jahreskonferenz am 28. August in Köln habe ich mit Ihrem Briefe vom 19. Juli erhalten; leider aber bin ich infolge der Entfernung verhindert, anwesend zu sein. Auch besitze ich Ihren Brief vom 20. Juli, der von uns einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit unserer Federation im verflossenen Jahre einschließlich unserer Schekelabrechnung ersucht. In Beantwortung dieser Bitte, beziehe ich mich auf meinen Brief, den ich am 1. August an Sie gerichtet habe, und behändige Ihnen beiliegend eine Abschrift des Briefes und bitte, ihn der Jahreskonferenz vorzulesen. (Folgt Abrechnung über die Schekelrechnung.) Was den Fortschritt des Zionismus in Kanada betrifft, erfreut es uns zu sagen, daß der" Zionismus hier immer stärker wird und daß wir in diesem Jahre viel mehr Mitglieder haben als früher. (Folgt Abrechnung über die Nationalfondssammlung.) Zum Schlüsse müssen wir wiederholen, was wir in unserm ersten Briefe gesagt haben, nämlich daß die Zionisten in Kanada großes Interesse an den Vorschlägen betr. Landkauf und Kolonisation Palästinas nehmen. Wir glauben, daß mit jeder Kolonie, die gegründet wird, unser Einfluß im Lande stärker wird. Wir unterstützen aber die Meinung des geehrten Präsidenten unserer Bewegung, Herrn Wolffsohn, daß wir einen Rückfall auf Choveve- Zionismus vermeiden müssen, und daher müssen unsere Pläne für die Ansiedlung Palästinas diplomatische sein. Wenn Sie die Vorschläge der Palästina-Kommission durchführen können, versichern wir Ihnen, daß die Begeisterung auf dieser Seite des Atlantischen Meeres für den Zionismus stärker sein wird als je. Wir bemerken einen Bericht in der „Jewish World" über die neue Konferenz in London und auch den anderen Bericht in der „Welt". Wir sind sicher, daß Sie sich unter keinen Umständen mit dem Territorialismus bloßstellen werden. Die Zionisten in Kanada verlangen keine Kolonien außer in Palästina und den Nachbarländern, wie das der vorige Kongreß bestimmt hat, und wir sind überzeugt, daß Ihre Meinung dieselbe ist. Wir hoffen, daß dieser Brief mit dem vom 1. August auf der Konferenz verlesen werden wird. Mit Zionsgruß Hochachtungsvoll Clarence de Sola Präsident der Federation of Zionist Societies of Canada. Es entspinnt sich eine Geschäftsordnungsdebatte. Dr. Alex. Marmorek zieht seinen vorhin eingebrachten und der Tagesordnung eingefügten Antrag: „Verhältnis des Zionismus zu den außerhalb des Zionismus stehenden jüdischen Körperschaften" zurück, der von Rechtsanwalt Rosen bäum aufgenommen wird. Em Antrag Tschlenow, zunächst die Spezialberichte der Landsmannschaften zu verlesen, wird abgelehnt, desgleichen ein Antrag Rosenbaum-Ussischkin, es möge ohne Rücksicht auf die Tagesordnung in der folgenden Debatte den Rednern das Recht eingeräumt werden, zu allen Punkten zu sprechen. Nach Beendigung der Geschäftsordnungsdebatte erhält das Wort Co wen (London). Er verlangt nähere Aufklärung über die politischen Schritte, die das Aktionskomitee unternommen hat. Dr. Schalit (Wien) unterstützt diesen Antrag. Der Präsident weist daraufhin, daß es nicht angehe über derartige Dinge zu verhandeln, solange sie nicht reif seien. Soko'low erklärt, daß es ein großer Fehler sei, wenn der Zionismus seine Politik auf die Anforderungen des Augenblicks einrichte. Der Zionismus sei eine Sache, die immer von großen Gesichtspunkten betrachtet sein müsse, und eben darin unterscheidet er sich von den anderen jüdischen Organisationen. Aus diesem Grunde sei er auch nicht mit der Brüsseler Konferenz einverstanden gewesen. Die Spende der Bank an den Hilfsfonds für die russischen Juden sei unter diesen Gesichtspunkt gleichfalls ein Fehler und der Aufruf, den Herr GTeenberg nach Bjelostok gemeinsam mit einer anderen Organisation erlassen habe, sei aus eben demselben Grunde politisch unklug. Scheinkin beklagt sich darüber, daß die A. P. C. sich zuviel von geschäftlichen Rücksichten und zuwenig von zionistischen leiten lasse. Er wünscht, daß ein Komitee eingesetzt werde, das die Geschäftsführung der Bank unter diesem Gesichtspunkte prüfe und eventuelle Änderungen anordne. Es sprachen noch sehr viele Redner zu Einzelheiten des Berichts des A. C. Auch fand eine Debatte über die Lage der Bewegung in England statt, wobei ausführlich die Beziehungen zwischen Zionisten und