Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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steckte, hat eine Neuorganisation stattgefunden, die schon recht gute Ergebnisse zeitigte und noch bessere erwarten läßt. Aus Kroatien und Slavonien laufen neuerdings Nachrichten ein, die erkennen lassen, daß die Zionisten dieser Länder eifrig bestrebt sind, die Vereine zu einer Federation zu vereinigen und die Öffentlichkeit für unsere Bewegung zu interessieren. In England entfaltete die Federation eine sehr eifrige Tätigkeit und tat sich besonders bei der russischen Hilfsaktion hervor. Bedauerlicherweise leidet die gedeihliche Entwicklung der Federation unter den speziellen Schwierigkeiten, die dort bestanden haben, es ist jedoch nicht daran zu zweifeln, daß der hingebende Eifer der englischen Zionisten alle Hindernisse bald überwinden wird. In der Schweiz wurde mit sehr gutem Erfolge gearbeitet, die Organisation wurde zweckdienlich ausgebaut. In den Niederlanden haben sich viele neue Schekelzahler gefunden, überhaupt zeigt dieses Land eine ganz besonders eifrige Tätigkeit in unserm Interesse. Die Sammlungen für den Russenfonds ergaben den für Holland sehr hohen Betrag von £ 2350. Seit 1905 gibt die holländische Landsmannschaft die Halbmonatsschrift „De Joodsche Wächter" heraus, die sich langsam einen festen Leserkreis erwirbt und der Organisation von großem Nutzen ist. Auch in Frankreich, wo der Zionismus noch wenig entwickelt ist, hat die Federation trotz der bekannten dort bestehenden Verhältnisse eifrig gearbeitet, verhältnismäßig gute Fortschritte gemacht. In Belgien sind mehrere neue Vereine gegründet und die Organisation ist sehr gefestigt worden. Ein besonders günstiges Bild zeigt die Entwicklung der Bewegung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und in Canada. Der Delegiertentag der amerikanischen Federation in Tannersville erbrachte den Beweis, daß unsere Bewegung in Amerika immer besser voranschreitet und noch sehr große Zukunftsmöglichkeiten besitzt. Auch die organisierten Arbeiter der amerikanischen Vereine Poale Zion zeichnen sich durch ihre hingebungsvolle und einheitliche Tätigkeit aus. Sie geben ein eigenes Organ heraus, das in jüdischen Arbeiterkreisen erfolgreich wirkt. In Canada hat die Bewegung ebenfalls sehr gute Fortschritte gemacht. Die Federation hat insbesondere bei der Aktion für die russischen Juden ganz Hervorragendes geleistet. Auch hat sie eine sehr erhebliche Summe an den Hilfsfonds abgeführt. Aus Argentinien liegt ein eingehender Bericht vor, der besagt, daß auch dort mit Erfolg für den Zionismus gearbeitet wird. Da die Form der Organisation dort ergänzungsbedürftig ist, haben wir den argentinischen Vereinen Vorschläge für eine Neuorganisation gemacht, die hoffentlich die gewünschte Wirkung haben werden. Von erfreulichem Vorwärtsschreiten zeugen auch die bisher eingelangten Berichte aus Italien. In Rumänien hat eine Reorganisation der Landsmannschaft stattgefunden, die sehr gute Ergebnisse gezeitigt hat. In Bulgarien haben die Zionisten im verflossenen Jahre sehr schöne Erfolge erzielt. Sie haben viele neue Schekelzahler gewonnen, in immer steigenderem Maße das Vertrauen der Volksmassen erworben. Das von der Federation herausgegebene Journal „Haschofar" wird nicht nur in Bulgarien, sondern im ganzen Orient gelesen und bietet ein ausgezeichnetes Agitationsmittel unter den spariiolischen Juden. In Ägypten haben sich mehrere neue Vereine gegründet, die sich jetzt zentralisieren wollen. Aus Südafrika, das nach wie vor eine unserer besten Landsmannschaften bleibt, ist der Jahresbericht noch nicht eingelangt. Aus den einzelnen hierhergesandten Nachrichten können wir aber entnehmen, daß diese Federation fortdauernd mit ebensoviel Eifer als Geschick bemüht ist, ihren Ausbau zu vollenden und unsere Bewegung zu stärken. Auch dort bringen die Regierungsbehörden der zionistischen Bewegung nach wie vor das größte Interesse entgegen, was sich besonders deutlich bei den in Südafrika zahlreich veranstalteten Protestmeetings jgegen die russischen Massakers zeigte. In Ostafrika bestehen zionistische Vereine. In Dänemark macht die Bewegung erfreuliche Fortschritte, ebenso in Serbien. In China arbeitet die Shanghai Zionist Association mit gutem Erfolge. Sie gibt ein im Osten viel gelesenes Halbmonatsblatt, den „ Jewish Messenger" heraus und hat erst jüngst eine Ortsgruppe in Singapore gegründet. Ein erfreulicher Einzelbericht liegt über die Tätigkeit der zionistischen Vereine in der Mandschurei vor. In Japan haben sich neue Vereine gegründet Hier wirkten besonders russische Kriegsgefangene agitatorisch für unsere Sache. In Brasilien hat sich die kleine dort bestehende Judenansiedelung zu einem zionistischen Verein zusammengeschlossen. Einen besonderen Aufschwung nahm der Zionismus in Australien und Neuseeland. Für diese beiden Länder war eine Reise des Mitgliedes des A. K. Herrn S. Goldreich aus Johannesburg sehr bedeutungsvoll, der dort überaus eifrig und erfolgreich für unsere Idee Propaganda machte. Es wurden mehr als zwanzig neue Vereine gegründet, und es ist besonders erfreulich, daß sich die Frauen auch für den Zionismus betätigen. (Lebh. Beifall.) Auch hier sind augenblicklich Bestrebungen im Gange, um eine Federation der Vereine zustande zu bringen. So zeigt das abgelaufene Jahr durchweg ein Bild der Regsamkeit und der unentwegten Hingebung der Zionisten der ganzen Welt. In treuer Disziplin stehen allüberall unsere Gesinnungsgenossen zu den Kongreßbeschlüssen und den Weisungen des Aktions-Komitees, und immer breiter und stärker wird das Band der zionistischen Organisafion, das in unzerreißbarer Festigkeit die Welt umschließt. Das verflossene Jahr hat uns schwere und große Sorgen gebracht, es brachte uns aber auch manchen schönen Erfolg. Fest in unseren Überzeugungen, hoffnungsvoll und schaffensfreudig wollen wir unsere Arbeit fortsetzen. (Lebhafter Beifall.) # * * Darauf widmete der Präsident den im verflossenen Jahre verstorbenen-Gesinnungsgenossen Dr. Kokers ch, Dr. Isidor Wolf gang Marmorek, Leib Schalit, Dr. Martin Weismann und all den bekannten und unbekannten Gesinnungsgenossen, die uns durch die blutigen Ereignisse in Rußland entrissen wurden, einen wannen Nachruf. Der Präsident teilt mit, daß von nachfolgenden an der Teilnahme an der Jahreskonferenz verhinderten Herren Entschuldigungsschreiben eingelaufen sind: Dr, Friedemann, Samuel Barbasch, M. Hahn, Dr. Rimalowsky, Dr. Bernstein-Kohan, Dr. Harry Frieden wald, Clarence de Sola, Theodor Steinherz, J. Gewitsch, Adolf Crenowich, Feiice Ravenna, Dr. Magnes, Urysohn, S. Pineles, Dr. Frankel, Dr. Kohan, Dr. Alcalay, S. Bettelsheim. Der Sekretär Julius B e r g e r verliest sodann nachstehenden Antrag Wormser: „§ 30 des Organisationsstatuts soll folgende Fassung erhalten: Jeder Zionist hat jährlich einen Schekel von mindestens 1 Fr., 1 Kr., 1 Mk., 40 Kop., 25 Cent, 1 Schilling zu zahlen. Dagegen ist es Pflicht jedes bemittelten Zionisten, einen seinen Verhältnissen entsprechenden höheren Betrag als Schekel zu entrichten, so daß der Schekel einer Einkommen- und Vermögenssteuer mit Selbsteinschätzung gleichkommt." Der Antrag wird dem A. C. überwiesen. Auf Antrag des Präsidenten wird beschlossen, sofort in die Generaldebatte über den Bericht des Aktionskomitees einzutreten. Zuvor werden nachstehende Zuschriften der Föderationen von Amerika und Kanada verlesen: New-York, 13. August 1906. Jahreskonferenz Köln. Sehr geehrte Herren! Wir senden Ihnen hierdurch einen Auszug über den finanziellen Stand der amerikanisch-zionistischen Federation im verflossenen Jahre. Das gegenwärtige Jahr eröffnet uns gute Aussichten für eine erfolgreiche Jahresarbeit. Die meisten unserer alten Schulden sind