Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zufriedenheit Sein Vermögen betrug am 1. Juli insgesamt 52 929 £ 1 320 000 Francs. „Die Welt" wurde mit Beginn dieses Jahres von Wien nach Köln verlegt. Die Einrichtung erforderte viele Mühe und Arbeit und einen größeren Kostenaufwand. Trotz aller Verbesserungen, die wir einzuführen bemüht waren, ist es bisher nicht gelungen, die Einnahmen den Ausgaben gleichzustellen. Der Berichterstatter über die Presse wird Ihnen die ergänzenden Mitteilungen machen. Der „Jüdische Verlag" in Berlin ist durch Unterstützung einiger Zionisten und des Aktions-Komitees diesem unterstellt worden. Wir hoffen, das Institut, das so viel Gutes und Schönes auf jüdischliterarischem Gebiete geleistet hat, dadurch auf eine solche Basis zu stellen, daß es sich auch weiterhin gut entwickeln und daß es insbesondere die Grundlage zu der von uns geplanten Ausgestaltung unserer publizistischen und literarischen Propagandamittel bieten wird. Die Haupttätigkeit des Aktions-Komitees lag im verflossenen Jahre auf organisatorischem Gebiete. Die Frage der längst angestrebten Legalisierung des Nationalfonds stellte das Aktions-Komitee vor eine sehr schwierige und komplizierte Aufgabe. Wir setzten zur Erledigung der Angelegenheit ein Komitee ein, dessen Bericht Ihnen vorliegt. Der Bericht enthält positive Vorschläge, es bedarf nur mehr Ihrer Entscheidung, um die Sache endlich zum Abschluß zu bringen. Das zionistische Zentralbureau in Köln konnte erst nach Ordnung des von Wien übernommenen Materials, dessen Sichtung viele Schwierigkeiten bot und noch bietet, seine Tätigkeit beginnen. Die Finanzlage des Aktions-Komitees hat sich nicht gebessert. Auf Grund einer unserseits bei der Übernahme neu aufgestellten Bilanz haben wir eine Reihe alter Schulden gedeckt und größere Abschreibungen vorgenommen, um eine geordnete und verläßliche Basis für die Zukunft zu beschaffen. Wir haben die Kosten des Betriebes überall verringert und auf das Allernotwendigste beschränkt. Es wird aber zur Ausgestaltung unserer Organisation durchaus erforderlich sein, das Bureau in nächster Zeit zu vergrößern, wozu natürlich bedeutende Mittel notwendig sein werden. Zunächst ist die Errichtung eines Preß- und Informationsbureaus dringend nötig. Sie war schon für dieses Jahr in Aussicht genommen, mußte aber mangels der erforderlichen Mittel unterbleiben. Auch wird es notwendig sein, eine Einrichtung zu schaffen, um die Arbeiten der gesamten Organisation der ganzen Welt von einer Stelle aus zu leiten, sie zu revidieren und Agitation und Propaganda dadurch systematisch und einheitlich zu gestalten. Unsere Einnahmen bestehen fast ausschließlich aus dem Schekel, dessen Einrichtung unserer Überzeugung nach einer grundlegenden Umgestaltung bedarf. Das bisherige System ist nicht nur äußerst kompliziert und schwerfällig, es ergibt auch ein sehr wenig zuverlässiges Wahlverfahren und einen nichts weniger als einwandfreien Modus des Wahlrechtes. Eine Neuorganisation bedeutet natürlich eine Abänderung unseres Organisationsstatuts und könnte selbstverständlich nur von dem Kongresse beschlossen werden. < Wir stellen .daher diese Frage zur öffentlichen Diskussion und werden dem VIII. Kongreß entsprechende Vorschläge machen. Das zionistische Zentralbureau hat eine umfassende Schekelpropaganda eingeleitet, die den Erfolg hatte, daß die bis dahin ziemlich lässig betriebene Agitation für den Schekel allenthalben eifrig aufgenommen wurde. Um der Bewegung für den Schekel eine einheitliche Grundlage zu geben, wurden die Tage vom 27. bis 29. Mai ds. Js. als allgemeine Schekeltage in der ganzen'Welt festgesetzt. .Nach den bei uns eingegangenen Berichten ist dieser Anordnung überall mit Eifer nachgekommen worden. Ein abschließendes Urteil über den Gesamtschekeleingang kann vorläufig noch nicht abgegeben werden, da bisher nur ganz wenige Federationen ihre Abrechnungen eingesandt haben. Erfahrungsgemäß sind die Schekeleingänge in den Jahren, wo kein Kongreß stattfindet, wesentlich geringer als in den Kongreß]ahren. Ziehen wir das in Betracht, so können wir nach einigen Stichproben annehmen, daß der durchschnittliche Ertrag auch diesesmal wieder eingekommen ist mit alleiniger Ausnahme von Rußland, wö die abnormen Verhältnisse die Vornahme von Sammlungen erschwerten und sehr oft fast unmöglich machten. Um in Zukunft den Jahresabschluß zum 30. Juni fertig stellen, insbesondere aber auch, um geordnete Wahlen vornehmen zu können, wird es unbedingt notwendig sein, daß die Federationen ihre Abrechnungen bedeutend früher, als es bisher geschah, zu Ende führen. Zu diesem Zwecke wird es sich empfehlen, die Schekeltage auf einen früheren Termin zu verlegen. Wir halten die Chanukahtage für die beste Zeit und werden, Ihre Zustimmung vorausgesetzt, für das nächste Kongreß]ahr die Chanukahtage als allgemeine Weltschekeltage bestimmen. Die Verhältnisse der einzelnen Federationen gestalteten sich im großen ganzen zufriedenstellend. Abschließende Berichte liegen bisher nur vor aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Bulgarien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Canada und Argentinien. In Deutschland, wo eine Zeit lang lebhafte Meinungsverschiedenheiten herrschten, haben diese unerquicklichen und schädlichen Differenzen im Laufe des Jahres einer allgemeinen Verständigung Platz gemacht, die ihren Ausdruck fand auf dem Delegiertentage in Hannover. Die Arbeit der deutschen Landmannschaft ist infolge der verständnisvollen Tätigkeit der Zentrale sehr vorangeschritten, es sind neue Gruppen gebildet und viele neuen Schekelzahler gewonnen worden. Zurzeit zählt man in Deutschland 66 Vereine und 63 Vertrauensmänner an solchen Orten, wo Gruppen nicht bestehen. Die Zahl der Schekelzahler beträgt voraussichtlich ca. 6000, insgesamt wurden in Deutschland für zionistische Zwecke gesammelt Mark 45 700 gegen Mark 37 800 im Vorjahre. In Rußland haben nach den Berichten, die bisher vorliegen, die zionistischen Arbeiten erheblich unter der Nachwirkung der katastrophalen Ereignisse gelitten. Dazu nahmen die gespannten politischen Verhältnisse, die Wahlen und Verhandlungen der Duma das Interesse aller Kreise so sehr in Anspruch, daß es ebenso schwer als inopportun war, direkte Arbeit für zionistische Interessen zu leisten. Es wird vieler Mühe bedürfen und nur bei der hoffentlich endlich eintretenden Beruhigung des Landes möglich sein, der zionistischen Organisation dort wieder ihre frühere starke Grundlage zu schaffen. Es ist aber jedenfalls eine sehr erfreuliche Tatsache daß sich unter 11 jüdischen Abgeordneten der ersten Duma fünf Zionisten, darunter zwei Mitglieder des Aktions-Komitees und der Präsident des Jewish Colonial Trust, befanden. (Lebh. Beifall.) In Österreich entfalteten die Zionisten im Berichtsjahre eine überaus rege Tätigkeit. Die Wahlreform brachte in diesem Lande mit einem Schlag die Frage der nationalen Autonomie der österreichischen Juden auf die Tagesordnung. Der Zionistentag in Krakau beschloß die Schaffung einer neuen jüdischen Partei, die sich bei den kommenden Wahlen zum erstenmal betätigen wird. In richtiger Würdigung des Standpunktes, daß die zionistische Bewegung als solche sich mit innerpolitischen Fragen nicht befassen darf, ist diese neue Partei unabhängig von der allgemeinen zionistischen Organisation aufgebaut worden. Schon jetzt haben wir Gelegenheit, als ein bemerkenswertes und hocherfreuliches Novum die Tatsache zu registrieren, daß unser Gesinnungsgenosse, Abgeordneter Dr. Straucher, den Zionismus in der österreichischen Delegation zur Sprache brachte, und zwar in einer so ausgezeichneten Weise, daß wir uns zu diesem Interpreten unserer Idee von Herzen Glück wünschen können. (Lebh. Beifall.) Wir werden es selbstverständlich im Interesse der Judenheit und unserer nationalen Bewegung nur lebhaft begrüßen können, wenn auch sonst in den Parlamenten jüdische Volksvertreter für unsere nationalen Interessen eintreten werden. In Ungarn, wo die Organisation bisher in den Kinderschuhen