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Die Welt · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 34 DIE3E^ELT 17 gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk zu ermöglichen. Ein von territorialistischer Seite ausgehender Versuch, dieser Resolution ein itofreundliches Amendement anzuhängen, brachte die bis dahin äußerst harmonisch verlaufene Versammlung in großen Aufruhr. Als aber die Territorialisten sahen, daß die Versammlung in ihrer überwältigenden Mehrzahl nicht geneigt war, diesem Amendement zuzustimmen, zogen sie ihren Antrag zurück. Hierauf wurde die Resolution Abrahamson unter lebhafter Begeisterung angenommen. Unter dem Absingen zionististischer Lieder ging das Meeting auseinander. Eine Sammlung, die vorgenommen wurde, ergab die Summe von 1000 Mark. Amerika Die „Jewish National Fund Society" in Philadelphia gibt ein wöchentlich erscheinendes „Jewish National Bulletin" heraus, das ausschließlich der Propaganda für den Nationalfonds dient. Das Blättchen enthält außer Agitationsartikeln kurze interessante Notizen aus der zionistischen Bewegung in jüdischer und englischer Sprache und außerdem eine Selbstbesteuerungsliste, die unter Angabe der Namen die von den einzelnen Zionisten Philadelphias für die Selbstbesteuerung gezeichneten und bisher gezahlten Beträge enthält. Die Herausgeber selbst bezeichnen als die Gründe, die sie zur Herausgabe des Bulletins bewogen: „Es ist nicht der Zweck dieses Blattes, Propaganda für den Zionismus zu machen. Das ist die Aufgabe anderer Institutionen. Was wir wollen, ist unsere Gesinnungsgenossen zur prompten Arbeit aufzumuntern. Geld ist, was wir gebrauchen. Geld, diese große Macht, die Seen austrocknet, Eisenbahnen baut, Wüsten zu blumenreichen Gefilden verwandelt, und ohne die nichts in diesem 20. Jahrhundert getan werden kann." . . . Deutschland Berlin, im August 1906. Die Verbindungen in K. Z. V. (Kartell zionistischer Verbindungen) Hasmonaea, Berlin, und Jordania, München, geben folgenden Bericht von ihrer Tätigkeit im vergangenen Sommersemester 1906: Wir richteten unser Hauptaugenmerk auf die zionistische Durchbildung der Bundesbrüder. Wöchentlich fanden zionistische Seminarien statt, in denen die Mitglieder sich über zionistische Fragen, aussprachen. Besonders wurden die neueingetretenen Mitglieder zu geistiger Arbeit herangezogen, ihr zionistisches Wissen wurde erweitert und vertieft, sie empfingen mancherlei Anregung und zeigten in kleinen Vorträgen, was sie gelernt hatten.. Außerdem veranstalteten beide Verbindungen Vortragsabende, zu denen auch Gäste geladen waren. An die Vorträge schloß sich meist eine rege Diskussion an. Es sprachen in Berlin Bbr. Lichthein über: PolitischerZionismus und zionistische Politik. Bbr. Rosenbaum über: Strömungen in der zionistischen Arbeiterschaft. Bbr. Jakobsohn übei: Zionismus und Staatsbürgertum. Bbr. Levy über: Pinskers Autoemanzipation. Ferner sprachen im Palästinakurse, den Herr Dr. Soskin so freundlich war, dem Verein jüdischer Studenten und der Hasmonaea gemeinsam wöchentlich zu erteilen, Bbr. Rosenbaum über: Die autonomen Provinzen der Türkei und die Bedeutung der Autonomie für den Zionismus. Bbr. Wunderlich über: Hygiene und Krankheiten in Palästina; in München Bbr. Schmul über: Gabriel Rießer, O. V. G. Tachauer'über: Zionismus und Assimilation, Bbr. Kaiser über: Moderne Ghettodichtung. O. V. G. Tachauer über: Zionismus und Orthodoxie. Bbr. Rosenbusch über: Vorläufer des Zionismus. A. H. h. c. Auerbach über: Das jüdische Zerenioni algesetz. Bbr. Schönemann über: Zionismus und Patriotismus. Beide Verbindungen beteiligten sich nach Kräften an den in Berlin und München befindlichen zionistischen Institutionen, wir arbeiteten in Berlin im „Jüdischen Volksverein" und in den Arbeiterkursen, von denen jetzt leider infolge der zahlreichen Ausweisungen nur noch ein Kursus besteht. In München unterstützten wir die Ortsgruppe, den Verein für jüdische Statistik und die Jüdische Lesehalle. Beide Verbindungen gehörten mit zu den Einberufern der Herzl-Gedenkfeiern. In Erinnerung ist wohl noch der Beschluß des Delegiertentages zu Hannover, die Ortsgruppen zur Unterstützung des K. Z. V. zu veranlassen (besonders durch Angabe von Adressen zionistischer Abiturienten und Studenten). Gleichzeitig mit dem Delegiertentage in Hannover, auf dem vier unserer Mitglieder als Delegierte anwesend waren, fand eine Kartellbesprechung statt, die folgende Beschlüsse faßte: 1. Das K. Z. V. und seine Verbindungen betrachten sich als Teile der zionistischen Organisation. 2. Für alle Mitglieder des K. Z. V. wird die Selbstbesteuerung für den Nationalfonds Obligatorisch gemacht. Unsere ernste zionistische Tätigkeit hinderte uns aber keineswegs, eine herzliche Geselligkeit zu pflegen. Das vergangene Semester wird uns immer in froher Erinnerung bleiben. Die Zahl der in Berlin anwesenden Bbr. betrug 22, 13 Aktive und 9 Inaktive. In München waren ebenfalls 22 Bbr., 19 Aktive und 3 Inaktive. So können wir mit hoher Befriedigung auf das vergangene Semester zurückblicken. Unsere Hoffnung, der wir in unserem vorigen Semesterbericht Ausdruck gegeben haben, ist in Erfüllung gegangen, und wir vertrauen fest auch auf eine gute Entwicklung des K. Z. V. in der Zukunft. Das Kartell zionistischer Verbindungen. I. A. Die Ferienkommission der Präsidialverbindung im K. Z. V. „Hasmonaea", Berlin. Zu schriftlicher oder mündlicher Auskunft sind gern bereit: stud. med. Albert Wunderlich, Berlin, Pestalozzistr. 91. cand. cam. Ludwig Wassermann, München, Altheimereck 191. München. Verein Jüdischer Studenten. Der Verlauf des Semesters war recht befriedigend. Es fand statt: ein Geschichtskursus, ein hebräischer Sprachkursus und zahlreiche Vorträge. Alle Veranstaltungen, insbesondere unser Sommerfest am 5. Juli, fanden rege Beteiligung. Briefe sind während der Ferien zu richten an med. dent. Henry Unna, Altona (Elbe), Gr. Bergstr. 147 und an cam. Siegbert Feuchtwanger, München, Liebigstr. 37. Breslau. Der Gruppenverband Breslau eröffnete die Tätigkeit des neuen Geschäftsjahres durch eine für Sonntag den 19. ds. nach Namsjau einberufene Versammlung, zu der auch die Mitglieder der Nachbargemeinden geladen waren. Bereits am Nachmittag vereinigten sich die Erschienenen zu einem gemütlichen Beisammensein in dem schön gelegenen Stadtpark von Namslau. Um 73A Uhr wurde die von Lehrer Eh mann-Namslau vorbereitete Versammlung durch Zahnarzt Schachtel eröffnet, der die Erschienenen aus Namslau, Öls, Bernstadt, Carlsruh, Reichthal, schließlich noch aus Breslau begrüßte. Sodann sprach Dr. Sandler etwa 3;4 Stunden über das Wollen und Wirken des politischen Zionismus in den 10 Jahren seiner bisherigen Tätigkeit. Auf die formvollendete, zündende Rede folgte nur eine kurze Diskussion, die leider schon darum nicht zu lange währen konnte, da um 91/* bereits der letzte Zug nach Breslau abfuhr. Zuvor vereinigten sich noch die Namslauer Schekelzahler mit denen aus Carlsruh und Reichthal zur Ortsgru ppe Namslau, die in einer in den nächsten Tagen abzuhaltenden Versammlung ihren Vorstand wählen wird. In Öls und Bernstadt sollen gleichfalls Ortsgruppen gegründet werden, sobald dort Vorträge gehalten sein werden. Die Breslauer Zionisten schieden ungern so früh von Namslau, das ihnen wieder einmal gezeigt hatte, wieviel gut-jüdisches Gefühl noch in all den kleinen Provinzstädten vorhanden ist, ein fruchtbarer Boden für die zionistische Idee. Österreich Czortkow. Samstag den 11. August 1906 wurde hier von der studierenden zionistischen Jugend ein „Nordaii-Abend" veranstaltet, an dem des Gefeierten Werk „Doktor Kohn" aufgeführt wurde. Mit großem Eifer und tatkräftiger Energie machten sich die Veranstalter ans Werk, und ihre redliche Mühe wurde auch reichlich vom anwesenden Publikum, welches sich meistenteils aus der Intelligenz rekrutierte, belohnt. Feierlich war die Stimmung in der Zuhörerschaft. Langanhaltendes Beifallsklatschen folgte jeder bedeutenden Szene, und die Darsteller mußten minutenlang ausholen, bis sie weiter sprechen konnten. Es beteiligten sich folgende Herren und Damen: Herr Dreßler, Frl. Schwebel, Herr Herzberg, Herr Jägendorf, Frl. Friedmann, Herr Brettschneider, Herr Feder, Herr Schor sen., Herr Schor jun., Herr Fink, Herr Axelrad, Herr Feldmann, Herr Schor sen., Frl. Dreßler, Herr Axelrad, Frl. Axelrad, Herr Starer. Der Reinertrag fiel zur Hälfte zionistischen Zwecken zu. Die für die zionistischen Zwecke gewidmeten Spenden sind folgende: Nationalfond 20 K., Herzl-Denkmal 5 K., Herzlbaum (mit der Aufschrift: „Die Czortkower zionistische Studentenschaft anläßlich der „Nordau-Feier" 1906)" 7 K., Bezalel 4 K., Bernard Lazare (die Czortkower Studentenschaft) 4 K., Nationalbibliothek 5 K., Morris Rosenfeld 5 K. Zusammen 50 Kronen. Die andere Hälfte fiel wohltätigen Zwecken und dem hiesigen Poale-Zion-Vereine zu. Karlsbad. Im Restaurant Kirsch fand am 18. Juli 1906 eine zahlreich besuchte „Herzl-Gedenkfeier" statt. Die Gedenkrede hielt Herr Dr. Margulies aus Teplitz. — Wir machen gleichzeitig unsere Gesinnungsgenossen, die nach Karlsbad reisen aufmerksam, daß jeden Mittwoch Zionisten im Restaurant Kirsch, Agerstraße zu finden sind.

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