Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 34 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdüische Bürgerversammlung Mittwoch den 15. ds., nachmittags, fand im „Hotel Rajal" eine Bürgerversammlung statt, an der 700—800 Personen teilgenommen haben. Anfangs hatte es den Anschein, als wollten die Gegner des Zionismus die Versammlung sprengen, da sie sich an verschiedenen Stellen des großen Saales gruppenweise plaziert hatten. Es gab auch anfangs einige -Zwischenrufe, doch bald beruhigten sich die leicht erregbaren anti-zionistischen Gemüter, als Dr. Leopold Kahn das Wesen des Zionismus erläuterte. Im Namen der Einberufer eröffnete Dr. AladarKlein die Versammhing. Er begrüßte die Erschienenen, gedachte sodann des verstorbenen Zionistenführers Herzl und der Juden Verfolgungen in Rußland. Er protestierte gegen die Greueltaten des russischen Zarismus und die Versammlung stimmte einhellig in den Protest ein. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde hierauf der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Hugo Spitzer gewählt, der eine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede hielt. Dr. Leopold Kahn, von der Versammlung lebhaft begrüßt, wirft einen Blick auf die Geschichte der Juden und zieht in geistreicher Weise einen Vergleich zwischen dem Stande der Kultur im damaligen jüdischen Palästina und dem damaligen Griechenlande und Rom. Aus diesen historischen Tatsachen zieht der Vortragende den Schluß auf die Gegenwart, indem er meint, ein Volk, das von einer solchen ethischen Weltanschauung erfüllt war, mußte auch in einer ferneren Zukunft ethisch bleiben, dieses Volk mußte der Träger des Idealismus bleiben, und so sehen wir auch heute, daß dieses Volk in der zionistischen Bewegung ein Mittel gefunden hat, um seiner idealistischen Weltanschauung Ausdruck zu verleihen. Der Zionismus sei der Kitt, der die in der ganzen Welt zerstreuten Juden zusammenschließe und sie verwirklichen lasse, was schon seit altersher die Juden stets in ihren Gebeten betont hatten: Die Palästinasehnsucht! (Stürmischer Beifall.) Alexander Licht, Präsident des studentisch-zionistischen Vereins „Bar Giora" in Wien berichtet über die zionistischen Institutionen, deren Aufgaben, Zweck und Wert für die zionistische Bewegung er auseinandersetzt. Otto Kraus, Obmann des Zionistenklubs in Agram, verbreitet sich über die Notwendigkeit einer zionistischen Organisation in Kroatien. Er beantragt, die Versammlung möge die Gründung des Zionisten verein s in Essek beschließen, dem Vereinsgründungen in Agram Vinkovce und Semlin folgen werden. Redner verliest hierauf die wesentlichsten Bestimmungen aus den Statuten des zu gründenden Vereins „Theodor Herzl", worauf die Versammlung einstimmig die Gründung beschließt; in der Versammlung selbst haben bereits über 100 Personen ihren Beitritt zum Vereine angemeldet. Zum Präsidenten wurde Herr J. W. Schulhof gewählt. Nach einigen Schlußworten der Herren Dr. Kahn und Dr. Spitzer wurde hierauf die Versammlung geschlossen. E.K. Süddeutscher Zionistentag. Tagung der Gruppenverbände Frei bürg, Mannheim, Elsaß- Lothringen und Bayern. Mannheim, den 16. September 1906. Tagesordnung: Sonnabend den 15. September abends 8 Uhr: Öffentliche Volksversammlung. Referat: Die politische Bedeutung des Zionismus. Sonntag den 16. September Vormittags 9 Uhr: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten Dr. Boden heim er. 2. Bureauwahl. 3. Dr. Moses-Mannheim: Allgemeines Referat. (Nähere Spezifikation des Themas vorbehalten). 4. Diskussion. Nachmittagssitzung 3 Uhr: Referate: 1. Dr. Kaufmann-Freiburg und Dr. Dannenberg-Metz: Die Arbeit der süddeutschen Ortsgruppen im kommenden Winter. 2. Diskussion. Abendsitzung 8 Uhr: 1. Julius Simon-Mannheim: Der Entwurf eines Reformgebetbuches für die badischen Juden. 2. Diskussion. Zum Erscheinen auf dem „Süddeutschen Zionistentage" sind alle Zionisten aus den Gruppenverbänden für Elsaß-Lothringen, Baden, Rheinpfalz, Württemberg, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen und Bayern berechtigt. Für die Vormittags- und Nachrnittagssitzung ist die Einführung von Gästen nicht gestattet, dagegen ist die Abendsitzung öffentlich. Weitere Mitteilungen erfolgen noch rechtzeitig. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Mähr.-schles. Distriktskomitee TAGESORDNUNG für den am 9. September in Mähr.-Ostrau stattfindenden mähr.-schles. Distriktstag: 1. Rechenschafts- und Kassabericht des Distriktskomitees. 2. Referat über den Zionistentag in Krakau: Herr Rabbiner Dr. J. Reach, Gaya. 3. Stellungnahme zu dem Exekutivkomitee der jüdischen Kultusgemeinden in Mähren: H. Dr. Theod. Haas, Brünn. 4. Wahl des Distriktskomitees. 5. Eventualia. Studententag M.-Ostrau, August 1906. Kommilitonen! Seit langem ist sich die zionistische Studentenschaft der Aufgaben bewußt, die ihrer gemeinsamen Arbeit harren, seit langem ihrer Pflicht, durch stramme Organisation ihre brachliegende Kraft zu heben. Neue, in das jüdische Volksleben tiefeingreifende Ereignisse haben zumal die mährisch-schlesische Studentenschaft vor neue Aufgaben gestellt. Beruht doch die zionistische Organisation Mährens und Schlesiens zum allergrößten Teile auf studentischen Korporationen. Deshalb sieht sich die jüdisch-akademische Verbindung „Ivria"-Wien veranlaßt, für Samstag den 8. September d. J., vormittags 11 Uhr im Straßmannschen Bräuhaussaale nach Mährisch-Ostrau eine Zusammenkunft der jüdischen Studentenschaft Mährens und Schlesiens einzuberufen. Aus der von der „Ivria" vorgeschlagenen und in einer Besprechung der Vertreter der studentischen Korporationen Mährens und Schlesiens gebilligten Tagesordnung ist der Beweis für die Notwendigkeit einer solchen Zusammenkunft erbracht, und es dürfte wohl ein einmaliges Appellieren an das zionistische Pflichtgefühl der Korporationen und jedes einzelnen genügen, um in dem Zeichen studentischer Disziplin und Opferwilligkeit an nationaler Arbeit direkten Anteil zu nehmen! Tagesordnung: 1. Begrüßung. 2. Wahl des Bureaus. 3. Politische Erziehung des jüdischen Studenten. 4. Betätigung des zionistischen Studenten in Mähren und Schlesien. 5. Die materielle Lage des jüdischen Studenten. 6. Organisation der Ferialverbindungen und ihre alten Herren. 7. Eventualia. Jüd.-ak ad. Verbindung „ I v r i a " - W i e n J. A. d. A. C. cand. jur. Hugo Löwv cand. jur. Hermann Low dz. X * dz. XXX Zuschriften sind zu richten an jur. Hermann Low, M.-Ostrau, Gaswerk. Südafrika Die vereinigten zionistischen Vereine der Kaphalbinsel veranstalteten am 16. Juli in der Qood Hope Hall eine äußerst eindrucksvolle Massenversammlung. Der Zweck der Versammlung war ein dreifacher, nämlich: die Jahrzeit Theodor Herzls zu begehen, sodann um Protest zu erheben gegen die russischen Metzeleien und auch um den Schekeltag zu feiern. Angesehene Politiker und mehrere Mitglieder der Regierung saßen im Präsidium der Versammlung, die ungewöhnlich zahlreich besucht war und einen sehr erhebenden Verlauf nahm. Viele, die gekommen waren, mußten unverrichteter Dinge umkehren, da die Polizei den riesigen Saal, weil er überfüllt war, schloß. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Alexander, gedachte in zündenden und tiefempfundenen Worten Dr. Herzls. Er verlas einen Brief des Premierministers, Dr. Jameson, in dem dieser der zionistischen Bewegung seine wärmsten Sympathien ausdrückt und in warmen Worten Herzls gedenkt, der so viel für das Judentum getan habe. Sympathiekundgebungen waren des ferneren eingelaufen vom Sekretär des Kolonialamtes, dem Staatssekretär für Ackerbau, mehreren angesehenen Politikern und Beamten in hohen Stellungen etc. Hierauf hielt der Hon. W. P. Schreiner eine äußerst wirkungsvolle Rede. Er geißelte die Schmach, die Europa dadurch auf sich geladen habe, daß es den russischen Massakers, ohne sich zu rühren, zugesehen habe. Er richtete einen zündenden Appell an die jüdischen Finanzleute, endlich einzusehen, daß mit dem bisherigen System der Wohltätigkeit nicht geholfen sei, vielmehr sollten sie das Geld, das sie für die Not des jüdischen Volkes bestimmten, der zionistischen Bewegung zukommen lassen, da dadurch das Elend wirklich beseitigt werden könne. Er brachte eine Resolution ein, die einstimmig und unter Beifall angenommen wurde und besagte, daß die Bürger der Kaphalbinsel die russischen Massakers mit Entrüstung verurteilten. Eine Kopie dieser Resolution soll dem Premierminister und dem Aktions-Komitee eingesandt werden. Mr. Abrahamson brachte eine Resolution ein, daß diese Versammlung von Herzen mit der zionistischen Bewegung sympathisiere und sich verpflichte, alle ihre Kräfte anzustrengen, um das Basler Programm, d. h. die Schaffung einer öffentlichrechtlich