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Die Welt · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE^ELT No. 34 ihrer Gesundheitsverhältnisse. Daß sich bei richtiger Auswahl der Örtlichkeiten in Palästina höchst geeignete AufenthaltsortefürSchwindsüchtige (richtiger gesagt: für Tuberkulöse im ersten Stadium der Erkrankung) auffinden lassen, wird ziemlich allgemein anerkannt. Ich erinnere an die Arbeit des deutschen Klinikers Liebermeister über die Therapie der Tuberkulose (Dtsch. med. Wochenschr. 1888), der bei der Empfehlung südlicher Länder zum Aufenthalt für Phthisiker in den ersten Stadien Palästina gebührend berücksichtigte. Er berichtete über Erfahrungen an Ärzten und Apothekern, bei denen Tuberknlose festgestellt war, und die in Ägypten oder Palästina, wo sie dauernden Aufenthalt nahmen, Heilung fanden. Neben den Kurorten und Heilanstalten, deren Begründung in Palästina wegen des Vorhandenseins von Heilquellen und wegen der relativen Immunität gegen Tuberkulose zu empfehlen wäre, kämen aus mehr allgemeinhygienischen Erwägungen heraus auch einzelne Punkte Palästinas für Sommerfrischen oder Sanatorien ohne bestimmte Krankheitsindikationen in Betracht. Simonson machte in der Zeitschrift Palästina (Band 1) auf das in einem deutschen Konsultatsbericht erwähnte Sanatorium auf dem Karmel aufmerksam, wo sich tatsächlich bei der seltenen Vereinigung von Gebirge (etwa 550 m) und Meer ein klimatisch sehr wertvolles und angenhmes See- und Gebirgsbad schaffen ließe. Hier könnten, wie Simonson ausführt, nicht nur Nerven-, Stoffwechsel- und chronisch Malariakranke in einem Sanatorium Aufnahme finden, sondern es ließe sich auch nach Anpflanzung von Fichten Waldungen eine Sommerfrische anlegen, die sich eben wegen der Doppellage an Meer und Gebirge bald eines großen Zuspruchs all der Elemente erfreuen würde, die während der heißen Monate ihren Aufenthaltsort, oft den Orient überhaupt, zu verlassen pflegen: die Engländer der bemittelten Stände von Kairo, Alexandrien, Port Said und anderen Städten Ägyptens, die deutschen und französischen Kaufleute Ägyptens, die reichen eingeborenen Ägypter und die bemittelten Einheimischen und Fremden aus Syrien und Palästina selbst. Es ließen sich wohl auch andere Punkte an der Küste mit ähnlichen Vorzügen ausfindig machen. Diese viefachen klimatischen und hygienischen Faktoren in Verbindung mit den heißen Schwefelquellen und Erddämpfen sowie mit der prächtigen Landschaft sollen Palästina einst nicht nur zu einem Anziehungspunkt für Vergnügungsreisende, sondern zu einem Heilland für Kranke machen. Jedermann versteht heutzutage, was das für die Hebung des Verkehrs, für den Warenumsatz, für den Kulturaufschwung, für die Steigerung des Nationalreichtums einstmals bedeuten kann. — An das Ende dieser Skizze setze ich die lebensvolle Schilderung, die Herzl in „Altneuland'4 von dem wieder aufgeblühten Badeorte Tiberias gibt: Auf der weiten Fläche des Sees von Genezareth zogen viele grolle und kleine Schiffe ihre leuchtenden Furchen. Segel schimmerten und Messingteile der elektrischen Barken blitzten. Am jenseitigen Ufer und überall im Grün der beforsteten Höhen sah man weiße Villen glänzen. Und hier war Magdala, ein funkelnd neues, zierliches Städtchen mit Gärten, mit schmucken Häusern. Aber die Reisenden fuhren ohne Aufenthalt weiter gegen Tiberias, südwärts am Strande hin. Sie halten ein Schauspiel von heller Lebensfreude vor sich, etwas, das an die gloreichen Saisontage an der Riviera zwischen Cannes und Nizza erinnerte. Allerlei lustiges Fuhrwerk mit eleganten Leuten trieb vorüber. Zumeist waren es Motorwagen von hübscher Gestalt für zwei, drei und mehr Insassen. Doch sah man auch altertümliche mit Pferden oder Mauleseln bespannte Karren, und zwischendurch Radfahrer, Reiter, und auf dem ' glatten Fußpfade längs des Wassers wohlgelaunte Spaziergänger. Es war das internationale Publikum jener Badeorte, die den modischen Zulauf haben. Kingscourt und Friedrich erfuhren jetzt, das Tiberias wegen seiner heilkräftigen warmen Quellen und wundervollen Lage von den wohlhabenden Winterflüchtlingen aus Europa und Amerika aufgesucht werde, die gewohnt waren, den ewigen Frühling in Sizilien oder Ägypten aufzusuchen. Sobald die ersten vornehmen Hotels in Tiberias errichtet waren, begann der Fremdenstrom auch hierher zu fließen. Geschickte Schweizer Gastwirte hatten die klimatischen Vorzüge und landschaftlichen Schönheiten der Gegend von Tiberias zuerst erkannt, ausgenützt und dabei glänzende Geschäfte gemacht. Der Motorwagen fuhr jetzt an einigen dieser Hotels vorbei. Auf den Balkonen saßen Damen und Herren und betrachteten das bunte Schauspiel der Fahrstraße, das heitere Treiben auf dem See. Hinter den Gasthöfen waren Tenniswiesen, auf denen Mädchen und Jünglinge in weißer Tracht Ball spielten. Auf einigen großen Terrassen gab es Musik, ungarische, rumänische und italienische Banden in Nationalkostüm. Dies alles nahmen Davids Gäste nur im Vorübereilen war, denn ihr Ziel war ferner. Sie durchfuhren die Stadt Tiberias der Länge nach von Norden nach Süden, blickten flüchtig in die netten Gäßchen, die sich von der Hauptverkehrsader abzweigten, sahen Plätze mit feinen stillen Palästen und einen orientalisch lebhaften kleinen Hafen. Sie sahen stattliche Moscheen, Kirchen mit dem lateinischen und grichischen Kreuz, und Synagogen in steinerner Pracht. Dann waren sie am Südende der Stadt, wo es wieder Villen und Hotels gab, die sich in schmucker Reihe, nur von Gärten unterbrochen, beiläufig eine halbe Gehstunde weit bis zu einem größeren Haufen von Gebäuden fortsetzten: dort befanden sich die heißen Quellen, die ausgedehnten Badeanstalten. Friedrich trat an die Brüstung der Veranda und blickte in die Landschaft hinaus. Da schimmerte der See von Genezareth. Vom Frühling weich die Umrisse der Ufer und fernen Höhen. Jenseits die steilen Abhänge des Dscholan, die sich in den Wassern spiegelten. Am Nordrande des Sees die Müdung des Jordanflusses und dahinter großartig, in schneeiger Majestät der Hermon, wie ein greiser Riese die kleineren Berge, die verjüngten Lande überschauend. Und hier zur Linken, immer näher die milden Buchten, die lieblichen Gestade, die Ebene von Genezareth, Magdala, Tiberias, das neue steinerne Juwel, ünerragt von den dunklen Mauern der Burgruine auf dem Berge. Und überall ein Grünen und Blühen, eine junge, duftende Welt. „Es ist der Garten Eden!" sagte Friedrich ganz leise vor sich hin . . . C ooooooooooo (< NOTIZEN Vom Hilfswerk in Bjelostok Von dem Deutschen Bureau der Alliance IsraeJite Universelle geht uns folgende Mitteilung zu: Das Hilfswerk in Bjelostok ist zwar noch nicht beendet, aber zu einem gewissen vorläufigen Abschluß gebracht worden. Insgesamt sind dem Komitee, das die Verteilung der Unterstützungs¬ und Entschädigungssummen in Bjelostok übernommen hatte, 246 000 Rubel zur Verfügung gestellt worden. Davon waren über ooooooooooooooo c 20000 Rubel aus Warschau, über 12000 Rubel aus Kiew, etwa 10 000 Rubel aus Moskau gekommen, rund 8000 Rubel hat die j üdi sehe Bewohnerschaft von Bjelostok selbst aufgebracht; 77 500 Rubel waren von Petersburg aus den Mitteln der vereinigten Hilfsorganisationen (Alliance Israelite Universelle, Anglo Jewish Association und Russo Jewish Association) zur Verfügung gestellt worden; 20 000 Mark hat die A. I. U., ebensoviel das zionistische Aktionskomitee, bei der ersten Nachricht von dem Pogrom nach Bjelostok

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