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Die Welt · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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wichtiger für uns: viele Schulen in Palästina zu haben, die vielen Kindern eine niedere Schulbildung gewähren, oder sollen wir eine mittlere oder gar höhere Lehranstalt ins Leben rufen, um wenigen, diesen aber eine gründliche Bildung mit auf den Lebensweg zu geben? An diese Frage knüpft sich eine längere Debatte für und wider. Jakob Rabinowitz stellt den Antrag, das Komitee soll alle Schulen, die in Palästina vorhanden sind, subsidieren, um überall Einfluß zu gewinnen. , Nach mehrstündigen Debatten nimmt die Versammlung folgende Resolutionen zur Schulfrage an: 1. Die Generalversammlung ist der Ansicht, daß die Schulfrage in Palästina eine der Hauptsorgen des Komitees bilden muß und überläßt demselben vollständige Freiheit in seinem Tun und Lassen. 2. Die Generalversammlung beauftragt das Komitee, eine weitgehende Propaganda ins Leben zu rufen für die Bildung eines Schulfonds zur Verbreitung der allgemeinen Bildung im nationalen Sinne. Donnerstag-Morgensitzung Da an diesem Tage Achad-Haam 50 Jahre alt wurde, sandte ihm die Versammlung ein Begrüßungstelegramm. Der Vorsitzende verliest mehrere Begrüßungen und die Versammlung geht zum nächsten Punkt der Tagesordnung über: Organisation und Agitation. Ussischkin; Wir müssen nicht nur in Odessa ein Komitee haben, sondern in jeder Stadt müssen Komitees gegründet werden. Das Vertrauensmännersystem, wie es bis jetzt gehandhabt wurde, hat sich als nicht genügend herausgestellt. Nicht eine Person soll die Verantwortung tragen, sondern ein von den zionistischen Vereinen gewähltes Komitee. Jedes Mitglied dieses Komitees muß sich verpflichten, mindestens eine Woche im Jahre unserer Sache zu schenken und seinen Kreis zu bereisen. Selbstverständlich muß die zionistische Organisation stark miteingreifen, und wir werden uns mit derselben in Verbindung setzen. Zwei Abende im Jahre, Chanuke und Purim, müssen überall für Agitation zugunsten des Komitees verwendet werden. Für das ganze Geld, das hierbei gesammelt werden wird, muß das Komitee Land kaufen und das ganze Land muß dem Nationalfonds übergeben werden. Ferner muß ein gutes und billiges Buch über Palästina herausgegeben werden. Außerdem muß das Komitee überall Palästina-Kurse nach dem Beispiel der Palästina-Kommission ins Leben rufen. Die Debatten ziehen sich in die Länge, weil zum Punkte Organisation und Agitation ein jeder, besonders die Provinzler, was zu sagen hat, so daß in dieser Sitzung die Versammlung zu keinem festen Beschlüsse kommt. Die Donnerstag-Abendsitzung wird dazu benutzt, sämtliche Beschlüsse und Resolutionen öffentlich und statutenmäßig zu legalisieren. Die Sitzung findet statt unter Anwesenheit eines sehr großen Publikums. Sämtliche Beschlüsse werden einstimmig und natürlich ohne Debatten angenommen. Zugleich finden die statutenmäßigen Komiteewahlen für die nächsten 3 Jahre statt. Es wurden 125 Stimmzettel abgegeben. Gewählt sind: Ing. M. M. Ussischkin (124 Stimmen), Dr. Himmelfarb, Samuel Barbasch, Dr. Sapir, Ch. Ettinger, Dr. Raimist, Agronom Sußmann, W. Schabotinsky, Lewinsky, Rawnitzky, M. Scheinkin, Jakob Ladyshensky, Frankfeld und Triwus. Frei tag-Morgen Sitzung Vor Eröffnung der Versammlung hält das neugewählte Komitee unter Vorsitz Dr. Himmelfarbs seine erste Konstituierungssitzung öffentlich ab. Zuerst werden die Herren Abraham Grünberg, Ben- Ami, M. Diesengoff und J. Aisenstadt zu Ehrenmitgliedern gewählt. Darauf konstituiert sich das Komitee folgendermaßen: Ussischkin, Vorsitzender,Dr. Himmelfarb, Schriftführer und Barbasch, Schatzmeister. Himmelfarb tritt seinen Platz an Ussischkin ab, der den Vorsitz mit ungefähr folgenden Worten übernimmt: „Mit schwerem Herzen setze ich mich auf den Platz, den einst Pinsker eingenommen hat. Es war vor 25 Jahren, als Pinsker seine Ideen verkündete' da saßen wir und schrieben die Konstitution für den zu schaffenden Judenstaat. Welch große Hoffnungen knüpften wir damals an die neugeschaffene Palästinagesellschaft und an ihren Präsidenten Pinsker! Und wie sehr hatten wir die Hoffnung verloren, als diese Gesellimmer kleiner und kleinlicher, kleiner und kleinlicher wurde. Es kam so weit, daß mir ein Freund kurz vor dem ersten Kongreß einen ganz verzweifelten Brief schrieb, in dem er ausrief: „Sollte denn wirklich unsere ganze Arbeit umsonst gewesen sein, ist denn gar keine Hoffnung für unser Volk mehr vorhanden? usw. Darauf kamen wir zum ersten Kongreß, und wieder schrieben wir die Konstitution des jüdischen Gemeinwesens in begeisterter Stimmung. Aber Herzl starb, und wiederum stehen wir vor der Frage: „Was weiter?" Und da gibt es nur eine Antwort: Wir hatten eine These — den praktischen Zionismus und eine Antithese — den politischen Zionismus, und nun entstand die Synthese, die uns sagt: Auf beiden Gebieten müßt Ihr gleichmäßig arbeiten. Wir hatten einerseits den Chowewe-Zionismus und anderseits den politischen Zionismus; jetzt ist es an der Zeit, die Worte „Chowewe" und „politisch" — soweit sie nur Schlagwörter sind — abzuwerfen und beim Zionismus — der alles in sich birgt — zu bleiben. Redner schließt mit den Worten: „Gebt Ihr uns die Kraft zum Arbeiten, wir werden Euch den Glauben an unsere Sache geben!" Hierauf geht die Versammlung zur nochmaligen Besprechung der Finanzfrage über. Der Präsident der Finanzkommission Komiteemitglied Dr. Sapir deckt in einer längeren Rede die Schwächen des Finanzsystems auf und bittet, den Antrag Ussischkin behufs Gründung von Komitees, statt der Vertrauensmänner anzunehmen. Alle Anträge werden dem Komitee zur Ausführung übergeben und in einigen ausdrucksvollen, markigen Worten schließt der Vorsitzende die überaus fruchtbare VI. Generalversammlung. A. B. HEILQUELLEN UND KURORTE IM KÜNFTIGEN PALASTINA Von Dr. ARON SANDLER-Breslau (Schluß) Im Gegensatz zu den nicht seltenen akuten Katarrhen der Luftwege sind chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, besonders Lungentuberkulose, in großen Teilen Palästinas eine enorme Seltenheit. Es haben Ärzte jahrzehntelang in Palästina (nicht in Jerusalem) praktiziert, ohne je einen Fall von Tuberkulose im Lande beobachtet zu haben, es sei denn, daß er von außen durch Einwanderung eingeschleppt war. Die ungünstigen Berichte, die Dr. Schwarz 1886 in Luncz' Jahrbuch über die Tuberkulose in Jerusalem gegeben hat, ändern an diesen Tatsachen nichts, weil eben für Jerusalem ganz besondere ungünstige Momente zutreffen, die für das übrige Palästina, besonders das Küstenland, nicht in Betracht kommen. Unter den eingewanderten Juden in Jerusalem herrscht die Lungenschwindsucht in erschreckendem Grade, ja die Kinder sind fast ausnahmslos skrophulös. Als in den 80er Jahren große Scharen von russischen, polnischen und rumänischen Juden einwanderten, machte sich ein bedeutender Raummangel bemerkbar, und es entstanden neue Stadt-' teile aus elenden Kasernenbauten mit engen und feuchten Wohnungen. Unrathügel und Senkgruben befanden sich in bedenklicher Nähe der Zisternen, in deren schmutzigem Wasser sich Krankheitskeime üppig entwickelten. Zu alledem kommt die ungenügende Ernährung dieser Einwanderer, ihre Unsauberkeit, die unhygienische Chedererziehung, die Unsitte des frühen Heiratens. Freilich dürfte auch das Klima von Jerusalem einen Teil der Schuld an der Verbreitung der Tuberkulose tragen. Die jähen Temperaturwechsel, die zu allen Jahreszeiten häufig vorkommen, prädisponieren u. a. zu Erkrankungen der Atmungsorgane; „die heftigen Winde bringen im Winter oft zu reichliche Niederschläge, im Sommer Staubwolken" (Schwarz). Man begreift die schädliche Wirkung dieses Klimas auf die Lungen und kann es nicht billigen, daß zuweilen brustkranke-Juden aus Europa gerade nach Jerusalem geschickt werden. Ganz anders liegen die Verhältnisse dort, wo jene abnormen hygienischen Momente nicht zutreffen, und wo (wie an der Küste) auch das Klima ein wesentlich verschiedenes ist. Zeigen doch oft in Palästina Orte von geringer räumlicher Entfernung grundverschiedene Verhältnisse bezüglich ihres Klimas, ihrer Bodenbeschaffenheit,

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