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Die Welt · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Dividende und etwas von ihrem eigenen Gelde dazu hergibt. Eine weitere Unterstützung der Agrarbank müßte darin bestehen, daß der Nationalfonds sein Vermögen der Agrarbank, statt wie bisher der Kolonialbank — natürlich nur leihweise — anvertraut. Somit wird dieses tote Kapital in ein lebendiges, wachsendes verwandelt. Der Nationalfonds kann ohne jeden Schaden für sich durch die Agrarbank Grund und Boden erwerben. Und sollte dieses Geld einst flüssig gemacht werden müssen, so kann die Agrarbank Obligationslisten herausgeben. Dr. Raimist meint, Ussischkin sei ein allzugroßer Optimist. Das veranschlagte Kapital für die Agrarbank sei viel zu gering. Dr. Bruzkus vertritt den Standpunkt, daß das Palästina-Komitee zu schwach sei, um eine Agrarbank ins Leben zu rufen und^ meint, wir sollten uns lieber mit Erteilung von Informationen über zum Verkauf stehende Ländereien beschäftigen. Schimkin führt aus, daß wir nicht Informationen erteilen, sondern Bedingungen schaffen müssen für diejenigen, die sich auf dem Lande ansässig machen wollen; so lange wir keine Agrarbank in Palästina haben werden, gehen die Leute nach Kanada, wo sie auf Abzahlung Land bekommen. Schuchmann erzählt, wie schlecht es ihm selbst in Palästina erging, weil keine Agrarbank vorhanden ist. Der Nationalfonds, meint er, sei unerschöpflich von dem Augenblick an, wo er beginnt in Palästina zu arbeiten, denn in dem Augenblick, wo der N. F. eine Kopeke für Land in Palästina ausgibt, gibt ihm das Volk 5 wieder. So lange der N. F. untätig bleibt, wird sich sein Kapital kaum erheblich vergrößern. Landesmann : Um eine Agrarbank ins Leben zu rufen, müssen auch wir eine gewisse Summe dafür assignieren, denn das werden von uns diejenigen verlangen, an welche wir uns in dieser Sache wenden werden. Da wir aber eine größere Summe nicht aufbringen können, so dürfen wir uns auch nicht an andere mit solchen großen Plänen wenden. Angenommen werden schließlich folgende Resolutionen: k Die Generalversammlung findet es für notwendig, eine weitgehende öffentliche Propaganda zugunsten der Gründung einer Agrarbank zum Zwecke der Hebung des jüdischen Bodenbesitzes in Palästina durch Anleihen auf lange Termine zu eröffnen. Die Organisation und das Statut der Bank müssen von Fachmännern im Einklang mit dem türkischen Recht ausgearbeitet werden. Die Versammlung beauftragt das Komitee, auch mit materiellen Mitteln nach Kräften an der Realisierung der Agrarbank teilzunehmen. Zu diesem Zwecke beauftragt die Versammlung das Komitee, rechtzeitig spezielle Sammlungen zu veranstalten. 2. Die Frage des Landerwerbes aus dem Normalbudget der Gesellschaft überläßt die Versammlung dem Gutdünken des künftigen Komitees, insofern es die Mittel, nach Befriedigung aller anderen notwendigen Bedürfnisse, gestatten werden. 3. Die Versammlung ersucht diejenigen ihrer Mitglieder, die am kleinen Kongreß in Köln teilnehmen werden, der zionistischen Organisation die Initiative zur Schaffung einer Agrarbank vorzulegen, wobei daran gedacht ist, daß die Kolonialbank den Rest der nicht eingelösten Aktien und die Summen der nicht erhobenen Dividenden für diesen Zweck assignieren soll. 4. Die Generalversammlung erkennt es für notwendig, dafür zu agitieren, daß der VIII. Kongreß eine Resolution in folgendem Sinne annehme: „Bis zur Erlangung desjenigen Minimums von öffentlich-rechtlichen Garantien, wo auf Kosten des Nationalfonds Land in Palästina ohne Bedenken erworben werden kann, möge der Nationalfonds sein Vermögen in der Agrarbank anlegen. 5. Die Versammlung schlägt dem künftigen Komitee vor, unverzüglich ein spezielles Informationsbureau zu schaffen, um Leuten, die Land in Palästina erwerben wollen, genaue Auskünfte über das zum Verkauf stehende Land, dessen Preis und Tauglichkeit für verschiedene Agrikulturen zu erteilen und zur juridischen Hilfeleistung beim Ankauf des Bodens bereit zu sein. Mittwoch-Morgensitzung Auf derTagesordnunge steht: „Die Arbeiterfrage." Verhandelt werden muß über die noch übrig gebliebenen 27 000 Rbl. des Arbeiterfonds*) und 14 381 Rbl. 81 Kop. der galliläischen Arbeiter. Ussischkin schlägt vor, einen „Fedsch" (Arbeiteransiedlung) in Petach-Tikwah zu schaffen. Bruzkus schlägt vor, eine Farm für die Arbeiter zu begründen. Drujanow ist gegen die Methode der Umwandlung der Arbeiter in Eigentümer. Ussischkin ist der Ansicht, daß das Geld bestmöglich für die Arbeiter von den Arbeitern selbst verwendet werden soll, wobei dieselben aber immer Arbeiter bleiben müssen. Rabbiner Glücks- *) Dieser Arbeiterfonds wurde vor mehreren Jahren, als die Arbeiterkrise in Palästina ausbrach, von der Palästinagesellschaft geschaffen und erreichte damals die Summe von über 80 000 Rbl., außer dem speziellen Fonds der galiläischen Arbeiter. Für dieses Geld wurde Land für die „Soichim" (Arbeiter, die iür würdig gehalten wurden) gekauft und über den Rest der beiden Fonds wurde jetzt verhandelt. A. B. berg spricht über die Förderung der Esrogim-Pflanzungen, welch die Lage der Arbeiter bedeutend bessern könnte. Katz aus Pai stina meint, daß die Arbeiterfrage immer bestehen wird, weil d: Landarbeiter nicht das. ganze Jahr hindurch Arbeit haben. Etw anderes wäre es, wenn diese Arbeiter einen Nebenverdienst währeder freien Zeit erwerben könnten. Diese Nebenbeschäftigung ka ihnen nur der „Bezalel" gewähren. In begeisterten Won zeichnet er der Versammlung den gegenwärtigen Stand des „Bezah und meint, daß der „Bezalel" in einigen Jahren imstande sein wi mehreren tausend Arbeitern einen Verdienst von 2—3 Frs. tägli zu sichern. Mehrere Redner sprechen über das gegen die Arbeiter i richtete Vorgehen der Kolonisten in Petach-Tikwah und bring Resolutionen ein, weiche in scharfen Worten gegen die Handlung weise der Kolonisten den Arbeitern gegenüber protestieren. Ussischkin ist gegen einen Protest in dieser Form, weil c Versammlung nicht beide Teile angehört hat. Anderseits sei e papierener Protest vollständig nutzlos und hätte nur den Erfo: uns in Palästina lächerlich zu machen. Der beste Protest w;V wenn wir gerade in Petach-Tikwah für eben diese abgesägten /\ beiter eine Arbeiteransiedlung schaffen. Eine schärfere und mit lichere Protestform wäre schwer zu finden, Es sind neun Resolutionen zur Arbeiterfrage eingelaufe, Schließlich einigen sich alle auf folgendes: 1. In Anerkennung der Tatsache, daß die Bearbeitung d jüdtschen Grundbesitzes durch jüdische Arbeiter äußersf wichtig i beauftragt die Generalversammlung das künftige Komitee, seiiu ganzen materiellen und moralischen Einfluß auf die Kolonisten ur. die Palästinaer Anstalten auszuüben, damit diese jüdische Arbeitt allen andern vorziehen. 2. Die in der Kasse des Komitees befindlichen Gelder für ci Arbeiter, mit Ausnahme von 5000 Rbl., welche bis zur nächst! Generalversammlung unantastbar bleiben müssen*), werden Schaffung von Anstalten benutzt, welche die Lebensbedinguno der jüdischen Arbeiter erleichtern sollen. Zu bestimmen hab darüber die Vertreter des Palästina-Komitees und die in Palästh befindlichen Vertreter der zionistischen Organisation zusammen n gewählten Vertretern aller Arbeiter. 3. Die Komiteevertreter unternehmen zusammen mit den V.-i tretern der galiläischen Arbeiter eine genaue Revision der galiläisch „Soichim"listen, befriedigen die tatsächlich zur selbständigen Wi schaftsführung Geeigneten, während der Rest dem allgemein Arbeiterfonds übergeben wird. 4. Die Generalversammlung drückt dem Komitee ihre v« ständige Zufriedenheit aus für die Assignierung von 20 000 F zur Schaffung einer Arbeiteransiedlung bei Petach-Tikwah und! auftragt das Komitee, diesen Beschluß energisch durchzuführen. 5. In der Anerkennung der Zweckmäßigkeit der Schafft: eines billigen Kleinkredits in Palästina gestattet die Versammln dem Komitee auf Grund des § 24 der Statuten, aus dem R6ser\ kapital 5000 Rbl. zur Schaffung einer Kasse für gegenseitig kleinen, billigen Kredit zu verwenden. Mittwoch-Abendsitzung Auf der Tagesordnung steht: „Informationen im Osten". Ussischkin berichtet, daß das Komitee sich mit mehre anderen analogen Gesellschaften in Verbindung gesetzt hat und . der Schaffung von Informationsbureaus im Osten eifrig Ant< nimmt. Die Ausgaben sind auf 13 000 Rbl. berechnet. Zu diese Zwecke hat das Komitee 2—3000 Rbl. jährlich assigniert. V Versammlung beschließt hierauf, keine Debatte über diesen Piuv zu eröffnen und nimmt folgende Resolution an: „Die Versammlung hält die Schaffung von Information bureaus für eine der wichtigsten Aufgaben des Komitees tu beschließt, daß das Komitee sich mit Informationen im Ork und besonders in Palästina im weitesten Maßstabe beschäftig müsse. Das Komitee muß die Informationssache materiell, je na seinen Mitteln, unterstützen und soll bemüht sein, Personen in Anstalten, die es für geeignet hält, für die Informationssac heranzuziehen." Hierauf geht die Versammlung zur Schulfrage über. Mitglied der Schulkommission Dr. Raimist erstattet den Berich über die Tätigkeit der Kommission und über den Stand der Schul' in Palästina. Schabotinsky schlägt vor, einen Schulfonds zu schaffen, u Bildung in Palästina zu verbreiten. Er bittet, dafür zu agitiere?» daß der Schulfonds den Namen Herzls tragen soll und und da hierfür der VIII. Kongreß den Rest der Sammlung für eine Herz' Stiftung in Palästina hergebe. Ussischkin präzisierte die Frage folgendermaßen: Was i.- *) Damit der Fonds nicht vernichtet werde und für weitere Spenden 1h stehen bleibe. A. B.

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