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Die Welt · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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kleinen Budget so viel zu tun, zumal ihm die Hände durch die Prozentualbestimmung gebunden waren. Wir dürfen dieser armen Gesellschaft nicht so viel anhängen. Landankauf, Schulen, Informationen, Oscher, gemeinnützige Ausgaben, Gau-Schmuel usw. usw., das ist doch etwas zu viel verlangt. Die Gesellschaft hat deshalb so kleine Einnahmen, weil sie nichts Faßbares geschaffen hat, weil sie überall nur mithalf und nirgends etwas Selbständiges unternahm, weil wir nicht in der Lage sind, auf etwas hinzuweisen und dabei zu sagen: Seht, das ist unserer Hände Arbeit. Das Komitee muß etwas sein oder muß zu sein aufhören.- Wir müssen uns mit einer Sache, aber ganz befassen und nicht mit vielen Sachen teilweise. Wenn das zu wählende Komitee für etwas gehalten werden will, so soll es auch etwas Ganzes, Sichtbares tun und sich nicht zerbröckeln. Wir müssen die Schul- und Informationsfrage auf den richtigen Stand bringen und alle Welt darauf hinweisen, dann werden wir etwas geleistet haben und unsere Einnahmen werden sich vergrößern. Nachdem noch mehrere Redner sich für und wider ein weitgehendes Programm ausgesprochen hatten, wird die Redezeit zur Programmfrage auf zehn Minuten festgesetzt und die Abendsitzung geschlossen. Dienstag-Morgensitzung Lilienblum: Genau so wie der Dichter sagte: „Nichts Menschliches darf dem Menschen fremd sein", behaupte ich, daß nichts Palästinensisches uns, den Zionisten, den Palästinophilen, fremd sein darf. Wir dürfen nichts, was Palästina anbetrifft, aus unserm Programm entfernen. Eine Ausnahme dürfte hierbei die Philanthropie bilden. Diese kann und muß aus unserm Programm entfernt werden, obwohl es uns fürs erste nicht ganz gelingen dürfte. Gegen 15 " o unseres Budgets werden wir dennoch für philanthropische Zwecke in Palästina verwenden müssen. Die geringen Einnahmen erklärt Lilienblum durch den Krieg, der der P.-G. viele Mitglieder entriß, durch die Pogrome, Emigration usw., äußere Umstände, die mit der Arbeit des Komitees nichts zu tun haben, und bemerkt zum Schlüsse: Wir müssen unsere Tätigkeit mit andern analogen Gesellschaften koordinieren und Hand in Hand mit denselben gehen, wie es z. B. die Zionisten in Brüssel beschlossen haben. Schlich mann und Salz mann weisen auf mangelhafte Agitation seitens des Komitees hin. Letzterer liest Briefe aus der Provinz vor, an ihn als Leiter des Buchverlags „Kadimah" adressiert, woraus ersichtlich ist, wie sehr die Provinz nach Broschüren über Palästina sich sehnt und schlägt vor, das Komitee soll billige Agitationsbroschüren über Palästina herausgeben. Granowsky ist deswegen für Beschäftigung des Komitees nur mit der Schul- und Informations-Frage, weil auf allen anderen Gebieten die zionistische Organisation arbeitet. Boruchow: Bis jetzt hatten wir Mitglieder, die bei uns blieben oder zu uns kamen, obwohl sie Zionisten waren; jetzt kommen Mitglieder zu uns, weil sie Zionisten sind. Bis jetzt bestand unser Komitee meistens aus Leuten, die nichts in Palästina ihr eigen nannten und nie dort waren. Jetzt wird es anders werden. Wozu sollten wir Zionisten denn die Komödie spielen, als ob wir in die Palästina-Gesellschaft kommen, um etwas zu erobern? Ist es denn nicht unsere Sache, die wir lieben und immer geliebt haben? Natürlich wird die Gesellschaft unser Programm annehmen, weil wir und nur wir ihre Mitglieder sind. Nicht koordinieren wollen wir unsere Tätigkeit mit der Palästina-Kommission, wie es manche hier vorschlugen, sondern wir wollen eins sein mit dieser Kommission. Wir Zionisten sollten in der ganzen Welt solche Gesellschaften gründen, und wo solche schon vorhanden sind, wie z. B. der „Esra", müßten wir sehen, dort unser Programm durchzuführen. Drujanow: Wir haben es nicht nötig, von Koordination der Tätigkeit zu sprechen, denn wir haben unseren Vertreter auf dem ersten Kongreß und auf der Minsker Konferenz gehabt. Wir waren die ersten, welche die Palästina-Kommission mit Geldmitteln unterstützten. Die ersten Ratgeber des Komitees, ohne welche nichts unternommen werden durfte, waren dieMitgliederdesZionistischenA.C. Unser Komitee agitierte mit seinen Mitteln für den Zionismus. Von Siegen und Erobern können nur diejenigen sprechen, welche erst gestern zu uns kamen und mit unserer Tätigkeit nicht bekannt sind. Schabotinsky: Die Palästina-Gesellschaft kann uns nur dann nützlich sein, wenn sie nicht eins ist mit der zionistischen Organisation, sondern eine Organisation mit Selbstzweck sein wird. Weil unsere Gesellschaft eben ein bedeutend engeres Programm als die zionistische Organisation hat und infolgedessen vielen praktischen Menschen mehr einleuchtet, so müssen wir diese Praktiker durch diese Gesellschaft das tun lassen, was im Endziel dem Zionismus zugute kommen wird. Es gibt außerdem noch vieles, was die zionistische Organisation, als solche nicht unternehmen darf, weil sie Rücksichten nehmen muß, während unser Komitee es sehr gut machen kann. Die zionistische Organisation muß in jeder Beziehung höchst vorsichtig vorgehen, was beim Palästina-Komitee nicht nötig ist. Das Komitee kann und muß zu allen Versuchen ausgenützt werden, die dem Zionismus nützlich sein werden und ist von der Sanktionierung seiner Tätigkeit durch den Kongreß nicht abhängig. Wir müssen. uns also bemühen, nicht eins mit der zionistischen Organisation zu werden, sondern eine Stütze derselben. Treu und frei, — daß ist die Losung, die wir dem künftigen Komitee auf den. dreijährigen Weg mitgeben müssen. Treu soll es der zionistischen Organisation sein und frei — unabhängig von ihr — in seinen Handlungen. Ussischkin spricht über die bisherige Tätigkeit des Komitees und ist ebenfalls der Meinung, das Komitee habe zu wenig für Agitation in Rußland getan. Er resumiert sodann die vier ausgesprochenen Meinungen über die künftige Tätigkeit: 1. wir sollen dieselben Beschlüsse fassen wie die vorige Generalversammlung, d. h. es soll alles beim alten bleiben; 2. man soll dem Komitee eine carte blanche erteilen; 3. man soll das Budget festsetzen mit Ausnahme von Landankauf; 4. das Komitee soll sich bloß mit gewissen Sachen befassen und mit sonst nichts und fährt dann fort: Wir dürfen das Komitee nicht einschränken und ihm gar keine bestimmten Weisungen mit auf den Weg geben. Wenn wir uns nur mit Schule oder nur mit Informationen befassen, so werden wir auch hier nichts Großes leisten können. Das Komitee darf nicht eine spezielle Sache in Palästina übernehmen, es muß vielmehr sozusagen das Gärungselement für alles, was in Palästina gemacht werden soll, sein. Das Palästina-Komitee muß ein Organ der zionistischen Organisation für reale Arbeit in Palästina werden, ihr dienend und zugleich unabhängig. Die Debatten über die allgemeine Taktik sind damit geschlossen und folgende Resolution wird mit allen gegen 2 Stimmen angenommen : In Anbetracht der Notwendigkeit, die künftige Tätigkeit der Gesellschaft mit ihrem geänderten Statut in Einklang zu bringen, anerkennt die VI. Generalversammlung, daß zur Grundlage dieser Tätigkeit, das mit anderen gieichgesinnten Anstalten koordinierte Bestreben zur systematischen.Verstärkung des jüdischen Elementes in Palästina und Syrien durch folgende Maßregeln gemacht werden muß: 1. Die allseitige Erforschung des Landes; 2. die Unterstützung der Landwirtschaft, Industrie usw., hauptsächlich die Interessen der arbeitenden Massen ins Auge fassend; 3. die.kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinensischen Judenheit, durch Zuführung neuer intellektueller Kräfte; 4. die Erlangung von administrativen und rechtlichen Konzessionen in Palästina. Die Generalversammlung ist aber gleichzeitig der Ansicht, daß irgendwelche unsystematische und philanthropische Kolonisationstätigkeit unzulässig ist. Dienstag-Abendsitz u ng Auf der Tagesordnung steht die Frage: „Landankauf in Palästina". Das Referat hat Ussischkin, der ungefähr folgendes ausführt: Wir haben viele Institute, welche sich mit Landankauf in Palästina befassen sollen: die Kolonialbank, die Anglo-Palestine-Comp., „Geulah", „Palästina-Gesellschaft", den Nationalfonds, der für ca. 170 000 Frc. Land in Palästina bereits erworben hat. Auf den Nationalfonds können wir aber einstweilen in dieser Beziehung nicht rechnen, denn er kann kein Land erwerben, solange ihm die rechtlichen Garantien fehlen, welche ihm das erworbene Stück Land sichern. Wir müssen uns aber bemühen, den toten Nationalfonds in ein lebendiges Institut zu verwandeln, wobei es aber immer Nationalfonds bleiben muß, und das muß am 8. Kongreß durchgeführt werden. Die rechtliche Form für Landankauf wird schon gefunden werden. Hat doch die Kolonialbank die Form gefunden, indem sie selbst Land in Palästina erwarb und es für möglich fand, der Geulah 2 3 des Landwertes zurückzuzahlen. Die Geulah hat für 55 000 Rbl. Aktien verkauft. Das von dieser Gesellschaft erworbene Land ist noch nicht verkauft, weil die „Geulah" nur gegen bar verkaufen kann, während diejenigen, die kaufen wollen, meistens nicht so viel besitzen. Es ist schwer, den jüdischen Landbesitz in Palästina durch Privateigentum zu vergrößern; durch Philanthropie ist es rein unmöglich. Um den Übergang des Palästinabodens in jüdischn Hände tatsächlich zu fördern, muß eine Agrarbank geschaffee werden. Die jüdische Kolonialbank müßte vor allem danach trachten, die Grundlage zur Schaffung der jüdischen Agrarbank in Palästina zu legen. Für 500 000 Frs. Aktien der Agrarbank müßte die Kolomalbank erwerben, wobei die Hälfte dieser Summe für einige Zeit unverzinst bleiben muß. Die Bank kann dieses ohne große Schwierigkeiten machen, wenn sie zu diesem Zweckes'die 38 000 Rbl. für nicht eingelöste Aktien und 80 000 Rbl. für nicht einkassierte

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